Test

Monster Hunter Stories

Von Deniz Üresin am 07.09.2017

Monster Hunter ist seit jeher bekannt als Hardcore-Action-RPG-Reihe mit besonders hohem Schwierigkeitsgrad und besonders niedriger Zugänglichkeit. Ohne irgendeine Form von Tutorial mussten sich angehende Jäger die Grundlagen des brutalen Überlebenskampfes gegen riesige Drachen und andere Monster durch Trial and Error entweder selbst beibringen, online anlesen oder sich von einem Veteranen der Serie durch die ersten Quests helfen und anleiten lassen.

In den letzten Jahren änderte sich dies jedoch Schritt für Schritt. Die beiden neuesten Ableger für den Nintendo 3DS, Monster Hunter 4 Ultimate und Generations, boten sogar ausführliche Tutorials und deutlich einfachere erste Quests, um einsteigerfreundlicher zu werden und die Serie einem breiteren Publikum zu öffnen. Neben den zugänglicheren Hauptteilen der Serie hat Publisher Capcom aber noch ein weiteres Ass im Ärmel, das ihm dabei helfen soll, das Franchise noch beliebter zu machen: Das Projekt Monster Hunter Stories.

Kinder sind die Zukunft

Das Konzept ist nichts Neues: Man produziere eine kinderfreundliche Animeserie und veröffentliche im Zeitraum der Ausstrahlung ein dazu passendes Videospiel, am besten auf einem Handheld. Pokémon machte es vor 20 Jahren auf dem Game Boy vor, Yo-Kai Watch folgte vor ein paar Jahren auf dem Nintendo 3DS. Nun ist Monster Hunter an der Reihe - und Monster Hunter Stories ist wie die beiden genannten Beispiele ein Monstersammelabenteuer mit kindgerechter Handlung und buntem, ansprechenden Design, zu dem auch ein Anime namens Monster Hunter Stories: Ride On! veröffentlicht wurde.

Auch in der Story des Spiels spiegelt sich dieses Konzept wider: Ihr spielt keinen Jäger, der Monster erlegt, sondern einen angehenden Rider, der sich mit Monstern anfreundet und mit ihnen gemeinsam kämpft. Zu Beginn des Spiels findet ihr bei einem Spaziergang durch den Wald mit euren Freunden ein Monster-Ei. Daraus schlüpft ein süßes Rathalos-Baby, das ihr mit ins Dorf der Rider nehmt. Ihr selbst seid aber noch gar kein ausgebildeter Rider und habt auch noch keinen Bindungsstein, mit dem ihr eine Bindung zu den „Monsties“ eingehen könntet. Eure Bindung mit dem feuerspeienden Drachen ist also etwas ganz Besonderes und zeugt vom großen Potenzial des künftigen Riders. Bevor das Abenteuer jedoch richtig losgeht, braucht es wie in den meisten klassischen JRPGs erstmal eine Tragödie. Ein vom sogenannten schwarzen Pesthauch befallener Nargacuga verwüstet das Heimatdorf eures Protagonisten. Im Tumult kommt die Mutter seines besten Freundes Cheval um und auch der kleine Drachenbegleiter opfert sich, um den Angreifer zurückzudrängen.

Ein Jahr nach dem tragischen Ereignis sind Cheval und der selbst erstellte Charakter endlich bereit, selbst Rider zu werden. Cheval zieht von Wut und Rache getrieben aus, um alle vom schwarzen Pesthauch befallenen, wild gewordenen Monster zu vernichten und ihr … macht eigentlich fast das gleiche. Nur mit mehr Freundschaft und weniger Hass. Die Handlung spielt in Stories zwar eine etwas größere Rolle als in den üblichen Monster-Hunter-Spielen, ist aber trotz des dramatischen Einstiegs sehr simpel gestrickt, meist nicht ganz so ernst und wird von eindimensionalen Kinderanime-Charakteren getragen, allen voran eurem Sidekick Navirou, dem Katzenmonster, das euch auf eurer Reise mit Tipps und Tricks unterstützt und gelegentlich das Geschehen kommentiert. Die aufwändigen Videosequenzen und viele der Cutscenes sind zwar vertont, allerdings brabbeln die Charaktere unverständliches Kauderwelsch, was selbst ernstere Situationen deutlich entschärft.

Die Macht der Freundschaft

Das Gameplay unterscheidet sich maßgeblich von dem, was Spieler von Monster Hunter gewohnt sind. Anstatt eine Quest anzunehmen und dann in das dafür vorgesehene Jagdgebiet entlassen zu werden, wo es meist ein Monster oder mehrere zu erlegen gibt, könnt ihr euch nun frei in der Welt bewegen. Zwischen den einzelnen Dörfern und Städten, in denen Sidequests angenommen, mit den NPCs gequatscht und Items oder Equipment gekauft oder angefertigt werden können, erstrecken sich weitläufige Gebiete, die es zu erkunden gilt.

Dort finden sich zahlreiche aus der Hauptreihe bekannte Items und Materialien wie Kräuter oder Blaupilze, die kombiniert Heil- und Buffitems ergeben. Außerdem werden die abwechslungsreichen Welten von allerhand Monstern bewohnt, die ihr in klassischen rundenbasierten Kämpfen mit einigen Spielereien verprügeln könnt. Dabei kämpft an eurer Seite immer nur eines der bis zu sechs Monster in eurem Team gleichzeitig, der Rest der Truppe sitzt auf der Reservebank. Es gibt drei verschiedene Standardangriffe, die entweder den Fokus auf Kraft,  Geschwindigkeit oder Technik legen und sich nach dem Schere-Stein-Papier-Prinzip gegenseitig ausstechen. Greift ihr beispielsweise in einer Runde ein Monster mit einem Geschwindigkeitsangriff an, welches euch mit einem Kraftangriff beharken will, erleidet ihr kaum, der Gegner jedoch deutlich mehr Schaden. Erfolgreiche Angriffe steigern eure Bindungskraft, die ihr entweder sammeln oder für Spezialattacken verbrauchen könnt. Erreicht die Bindungskraft ihren höchsten Wert, könnt ihr auf euer Monstie springen und dem Titel Rider alle Ehre machen. Im Ridermodus könnt ihr dann spezielle Bindungsfähigkeiten aktivieren, verheerende Angriffe, die euch in kniffligen Bossfights den Hintern retten können. Eure Monsties agieren dabei frei, ihr könnt sie lediglich austauschen oder ihnen befehlen, in der nächsten Runde eine bestimmte Spezialattacke einzusetzen.

Nach dem Sieg über eure Gegner erhaltet ihr und alle Teammitglieder Erfahrungspunkte und einige Monstermaterialien. Die Kampfanimationen sind übrigens ziemlich langatmig, was durch die Vorspulfunktion etwas relativiert wird. Durch Druck auf den X-Knopf während des Kampfes wird die Geschwindigkeit bis auf das Dreifache erhöht, ein gern gesehenes Feature, das glücklicherweise immer häufiger in aktuellen JRPGs Anwendung findet.

Wie kommt man aber nun an seine Monsties? Wie eingangs erwähnt, freunden sich Rider mit Monstern an. In der Realität sieht das aber so aus: Ihr begebt euch in einen zufällig auf der Oberwelt erscheinenden Monsterbau, der einen zufällig generierten Minidungeon von meist zwei bis drei Räumen darstellt, an dessen Ende sich ein Nest befindet. Dieses beherbergt Eier und wird manchmal von einem Monster bewacht. Eines der Eier klaut der Rider und brütet es daheim in seinen Stallungen aus. Das neugeborene Monster ist nun automatisch euer Freund. So einfach geht das! Welches Monstie ihr bekommt, wird auch zufällig bestimmt, wobei das Gebiet, aus dem ihr das Ei gemopst habt und das Monster, welches das Nest bewacht, einen Einfluss darauf haben. 

Ist das noch Monster Hunter?

Eine zusammenhängende Welt erkunden, süße Comiclook-Monster sammeln, rundenbasierte Kämpfe austragen, eine mehr oder minder spannende Story über Freundschaft als Lösung für alle Probleme erleben … das alles klingt recht wenig nach Monster Hunter. Das Spin-Off hat jedoch mehr als genug Bezug zur Hauptserie. Die Ausrüstung der Spielfigur könnt ihr durch die Verarbeitung von Materialien besiegter Monster nach wie vor beim Schmied craften und aufwerten. Allerdings bastelt ihr nicht mehr jedes Rüstungsteil einzeln, sondern nur noch komplette Sets, die dann aber auch über diverse Fähigkeiten und verschiedene Elementresistenzen verfügen. Die Nebenquests, die ihr klassischerweise an einem Questbrett annehmt oder seltener von NPCs erhaltet, bestehen immer noch größtenteils aus Sammelaufgaben und Kämpfen gegen bestimmte Monster. In besonders heißen oder kalten Gebieten müssen die Kampftruppen gelegentlich mal einen Zug aussetzen, weil sie entweder schwitzen oder frieren. Natürlich hat der haiartige Zamtrios keine Probleme mit klirrender Kälte und den Feuerdrachen Rathalos lassen hohe Temperaturen kalt. Das Spiel ist insgesamt deutlich einfacher als die knallharten Hauptteile der Reihe, aber gerade ab der zweiten Hälfte zieht auch in Monster Hunter Stories der Schwierigkeitsrgrad ein ganzes Stück an. Besonders Bosskämpfe müssen dann gut vorbereitet und hochgelevelt bestritten werden. Dabei ist es, wie in Monster Hunter üblich, besonders wichtig, das Verhalten der Monster zu studieren. Der flinke Yian-Kut-Ku setzt beispielsweise auf eine bestimmte Kombination aus Technik- und Geschwindigkeitsangriffen und Großjaggis fokussieren sich im Kampf gerne komplett auf euch und lassen euer Monstie völlig außer Acht. Die richtige Strategie gepaart mit einem gut trainierten Team und der passenden Ausrüstung wird im späteren Spielverlauf überlebenswichtig.

Das „Anfreunden“ mit mehreren Monstern der gleichen Art ist übrigens keine reine Zeitverschwendung. Jedes Monstie hat sein eigenes „Gen“set. Die Anzahl, Art und Platzierung der Gene bestimmt, welche Fähigkeiten es erlernen kann und welche Boni im Kampf aktiviert werden. Später im Spiel wird es möglich, mithilfe eines geheimnisvollen Rituals ein Gen eines Monsties auf ein anderes zu übertragen, wodurch interessante Kombinationen möglich sind (dem Eishasen Lagombi kann man beispielsweise den Heilgesang des schrillen Qurupeco beibringen). Das Monster, das sein Gen hergibt, verlässt dafür allerdings eure Obhut.

Abseits der Monster-Hunter-Reihe hat sich Stories aber auch viel von Pokémon und Yo-Kai Watch abgeguckt. So haben die Monsties verschiedene Fähigkeiten, die außerhalb des Kampfes eingesetzt werden können, ähnlich der VMs der älteren Pokémon-Teile. Auf Rathalos könnt ihr durch die Lüfte fliegen, auf Zamtrios durchs Wasser schwimmen und Yian-Kut-Ku hackt mit seinem Schnabel kleine Felsen kaputt. Während der Kämpfe kommt es gelegentlich zufällig zu kleinen Auseinandersetzungen zwischen einem Monstie und gegnerischen Monstern, deren Ausgang durch ein kleines Minispielchen bestimmt wird. Anders als in Yo-Kai Watch wird hierfür aber nicht der Touchscreen benötigt. Es gilt hier lediglich, schnell wiederholt auf A zu drücken, das Circle Pad schnell im Kreis zu drehen oder abwechselnd die beiden Schultertasten zu drücken.

Eurer Tätigkeit als Rider könnt ihr übrigens jederzeit außerhalb von Städten nachkommen. Das ist auch nur zu empfehlen: Die riesigen Gebiete sind nämlich nicht unbedingt darauf ausgelegt, zu Fuß durchstreift zu werden. Dafür könnt ihr euch per Knopfdruck auf euer derzeit aktives Monstie schwingen, das deutlich schneller unterwegs ist.


   Tolles Spiel, miese Technik

Monster Hunter Stories sieht wunderschön aus. Der knallig bunte Comiclook strotzt vor Lebendigkeit und Details und passt wunderbar zum Setting des Spiels. Die riesigen Gebiete sind abwechslungsreich designt und auch der 3D-Effekt ist ordentlich. Das ist für ein 3DS-Spiel der späten Stunde nicht selbstverständlich, da er in den meisten neueren Titeln entweder sehr schwach ist oder gar nicht erst eingebaut wurde. Der Soundtrack ist genauso abwechslungsreich wie die Umgebungen und wie immer in der Monster-Hunter-Reihe aufwändig produziert, mit ruhigen Klängen in den Dörfern und treibenden Rhythmen in den gefährlicheren Monsterhabitaten.

Die grandiose Optik kommt aber zu einem hohen Preis: Das Spiel hat recht häufig Framerateprobleme und heftige Popups. Die Weitsicht, die sogenannte Draw Distance, ist sehr gering. Andere Menschen sieht man im Spiel nur auf ein paar Meter Entfernung und dann werden sie erst nur als schwarze Schatten dargestellt, die Texturen werden erst bei weiterer Annäherung geladen. Immerhin: Große Monster und Eingänge zu Monsterbauten sind auf eine deutlich größere Entfernung zu erkennen.

Die technischen Unzulänglichkeiten sind gerade dann schwer zu verschmerzen, wenn ein Spiel sechs Jahre nach Release der Konsole erscheint und die Entwickler schon mehrere Spiele dafür entwickelt haben. Schließlich sollten sie die technischen Grenzen des Geräts genau kennen. In Japan ist Monster Hunter Stories bereits seit einem Jahr erhältlich, aber hierzulande kommt es eben ein halbes Jahr nach Release der Nintendo Switch heraus, auf der das Spiel noch schöner aussehen könnte und nicht mit technischen Limitationen zu kämpfen hätte.

Die Testversion wurde übrigens auf einem New Nintendo 3DS gespielt. Da das Spiel aber nicht für diesen optimiert wurde, sollten die technischen Mängel auf dem normalen 3DS genauso ausfallen. Der C-Stick des New 3DS kann für die Steuerung der Kamera verwendet werden, was die Navigation durch die weitläufigen Areale übersichtlicher macht als die Bedienung der Kamera über die Schultertasten. Wahlweise bewegt ihr die Kamera aber auch über das Steuerkreuz.

Um zur Eingangsfrage zurückzukehren: Monster Hunter Stories braucht sich vor Pokémon und Yo-Kai Watch nicht zu verstecken. Die Anzahl der verfügbaren Monster fällt mit etwa 100 vergleichsweise niedrig aus und darunter befinden sich auch farbliche Variationen (sogenannte Subspezies), aber neben den Monstern können sammelwütige Rider noch die 100 auf der ganzen Welt versteckten Poogies (kostümierte kleine Schweinchen) finden und ihren virtuellen Kleiderschrank mit all den verschiedenen zur Verfügung stehenden Ausrüstungen vervollständigen. Auch der Multiplayer-Modus, in dem ihr gegen andere Rider mit ihren Monsterteams lokal oder online antreten könnt, verspricht viel Langzeitmotivation für kompetitive Spieler.

Während die Story nur wenig motiviert, macht es Spaß, seine Monsties hochzuleveln und sich mit dem Gentransfer mächtige Kämpfer heranzuzüchten.  Die gigantischen Gebiete gehören wahrscheinlich zu den größten, die es in einem 3DS-Spiel gibt, allerdings leiden darunter die Bildrate und die Weitsicht und auch das Zurückkehren an einen bereits besuchten Ort kann nervig lange dauern. Die größten Makel an dem Spiel sind darauf zurückzuführen, dass die Entwickler zu viel aus dem 3DS herauskitzeln wollten.

Fazit:

Monster Hunter Stories ist kein simpler Pokémon-Klon mit Monster-Hunter-Skin, sondern bietet mit seinem interessanten Kampfsystem, der Möglichkeit, Seite an Seite mit altbekannten Monstern der Serie zu kämpfen und der großen, wunderschön designten Welt genug eigene Anreize. Die Story und die vielen Nebenquests mögen recht simpel vom Aufbau sein, aber mit der Monsteraufzucht und dem Craften cooler Ausrüstung kann man sehr viel Zeit verbringen, gerade im Hinblick auf den kompetitiv ausgelegten Multiplayermodus. Allerdings verkommt gerade die Suche nach dem richtigen Monster schnell zu repetitivem, langwierigem Durchforsten zufällig generierter Minidungeons mit haufenweise Kämpfen, die ewig lang dauern, wenn man nicht die glücklicherweise vorhandene Vorspulfunktion nutzt. Außerdem senken häufige Framerateeinbrüche und Popups etwas den Spielspaß. Wer jedoch Spaß am Sammeln und Aufziehen von Monstern und klassischen JRPGs mit rundenbasierten Kämpfen hat und wer kein klassisches Monster Hunter erwartet, der macht mit einem Kauf nichts falsch. Die im eShop erhältliche Demo gewährt zusätzlich tiefe Einblicke ins Spielsystem, falls man immer noch unsicher ist.

Unsere Wertung:
7.5
Deniz Üresin meint: " Eine gelungene Mischung aus Pokémon und Monster Hunter mit viel Liebe zum Detail, das den 3DS aber technisch leider etwas überfordert."
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