Ubisoft: Neuorganisation und Schließungen
Der französische Publisher Ubisoft steht vor einem massiven Umbruch. Nach einer wirtschaftlich schwierigen Phase mit ausbleibenden Blockbustern und kommerziellen Misserfolgen wie Star Wars Outlaws hat das Unternehmen nun in einer Pressemitteilung eine radikale Umstrukturierung angekündigt.
Jahrelang war Ubisoft dafür bekannt, Spiele in einer Art Fließband-Modell zu produzieren, bei dem dutzende Studios weltweit an einem einzigen Titel arbeiteten. Das soll sich nun ändern. Ubisoft teilt sich in fünf sogenannte "Creative Houses" auf.
Diese autonomen Geschäftseinheiten sollen schneller Entscheidungen treffen können und sind festen IPs zugeordnet. So sind etwa die von Tencent unterstützten Vantage Studios (oder "Creative House #1"), ab sofort für Assassin’s Creed, Far Cry und Rainbow Six zuständig. Andere Einheiten kümmern sich um Marken wie The Division, Anno oder Just Dance.

In der Pressemitteilung heißt es: "Jedes Creative House profitiert von einer engagierten Führung mit einem klaren kreativen Auftrag und Verantwortlichkeit. Diese Führungsteams werden hochkarätige Talente aus der Branche umfassen. Sie werden damit beauftragt, erstklassige, spezialisierte Talente zu gewinnen und zu entwickeln, und werden durch Anreizprogramme unterstützt, die auf kreativen Erfolg, Spielerbindung und langfristige Wertschöpfung ausgerichtet sind."
Diese Veränderungen gehen mit etlichen Entlassungen und Spielestreichungen einher. So wurde beispielsweise das seit Jahren in der Entwicklungshölle steckende Remake von Prince of Persia: The Sands of Time jetzt offiziell gestrichen. Darüber hinaus wurde die Entwicklung von fünf weiteren, noch unangekündigten Spielen gestoppt - vier neuen IPs und einem Mobile-Game. Zusätzlich wurden sieben weitere Spiele verschoben, um „Qualitätsstandards zu garantieren“. Gerüchten zufolge betrifft dies auch das geplante Remake von Assassin’s Creed IV: Black Flag.
Wirtschaftlich steht Ubisoft mit dem Rücken zur Wand. Ein Verlust von 386 Millionen Dollar im laufenden Geschäftsjahr zwingt den Konzern zu weiteren Einsparungen von rund 234 Millionen Dollar bis 2028. Standorte wie Ubisoft Stockholm und das Mobile-Studio in Halifax werden geschlossen. Weitere Studios und IPs könnten noch verkauft werden.
Ubisoft will eine "stärker spielerzentrierte Organisation" sein, mit einem Fokus auf Open-World-Abenteuer und Games-as-a-Service-Konzepte. Außerdem will der Konzern mehr in generative KI investieren. Auch letzteres soll aber, so CEO Yves Guillemot, vor allem „spielerorientiert“ sein, etwa in Form von NPCs, die dank Sprachmodellen in Echtzeit auf Spieler reagieren können.
Quelle: Pressemitteilung