Mario Tennis Fever
Bei Nintendo herrscht wieder einmal das Tennis-Fieber. Mit eiserner Konsequenz verfolgt die Firma hinter dem bekanntesten Klempner der Welt ihr Veröffentlichungs-Credo "(Fast) jede Konsolengeneration bekommt aus (fast) jeder Spielereihe einen eigenen Titel" und schickt nach dem Fun-Racer Mario Kart World jetzt die Tennissimulation Mario Tennis Fever ins Rennen. Bedenkt man, dass der Vorgänger Mario Tennis Aces 2018 auf der Switch veröffentlicht wurde, liegt zwischen der Veröffentlichung der beiden jüngsten Teile mehr Zeit, als zwischen den The Legend of Zelda-Spielen Breath of the Wild und Tears of the Kingdom. Wir haben uns einmal an der Seite von Mario und Luigi auf den Platz gewagt und bei einigen energiegeladenen Matches geguckt, ob sich das lange Warten für euch gelohnt hat.

Spiel
Kenner der Mario Tennis Spiele werden im aktuellen Teil viele Gemeinsamkeiten mit den Vorgängern entdecken, die natürlich kein Zufall sind. Die Entwickler von Camelot liefern mit Mario Tennis Fever ihren siebten Teil zu der Serie ab und haben die für Mario-Sport-Spiele übliche Formel "Leicht zu lernen, schwer zu meistern und jede Menge spaßiges Chaos" trotz neuer Spiel-Elemente kaum verändert. So wurden die Mechaniken um die Grundschläge wie Top Spin, Slice und Lob beibehalten und auch die Spezialschläge, die Feuerbälle und andere Spaßigkeiten auf Gegenspieler schleudern, sind wieder mit von der Partie.
Letztere werden jetzt allerdings nicht mehr von Charakteren oder Power-Ups, sondern von spezifischen Tennisschlägern ausgelöst, von denen insgesamt 30 Stück mit jeweils eigenen Effekten im Spiel freigeschaltet werden können. Zu Beginn jedes Matches wählt ihr dann neben eurem Charakter auch den gewünschten Schläger aus, um euren Gegnern mit Feuer, Eis, Tornados, Schlamm, schrumpfenden Pilzen oder anderen Hindernissen das Leben zu erschweren, sobald sich die neue Fever-Leiste im Verlauf eines Ballwechsels entsprechend gefüllt hat. Wie schon im Vorgänger Aces können die Spezialeffekte natürlich mit gutem Timing wieder zum Absender zurückgesendet werden und auch die K.O.-Mechanik ist in abgewandelter Form wieder vertreten: Statt eines zerbrochenen Schlägers, wird euer Charakter nach zu viele Treffern für einige Sekunden verlangsamt oder muss in einem Doppel für einige Sekunden vom Platz. Und natürlich können Puristen, die ein ganz normales Tennismatch bestreiten wollen, diese Funktion in den meisten Modi des Spiels auch wieder abschalten. Statt also das bekannte Spielgefühl zu stark zu verändern, hat sich Camelot darauf konzentriert, den spielerischen Umfang zu erweitern und den Titel technisch auf die Höhe der Zeit zu bringen, was ihnen in beiden Fällen auch sehr gut gelungen ist.

Satz
Mit 38 Charakteren, die alle aus dem Super Mario Franchise stammen, hat sich die Zahl der spielbaren Figuren mehr als verdoppelt, sodass nun wirklich jeder Fan einer bestimmten Figur auf seine (oder ihre) Kosten kommen sollte. Zusammen mit den zusätzlich freischaltbaren Farbvarianten einiger Figuren, den Tennisspielern und einigen besonderen Tennisplätzen bietet das Spiel mehr als genug Anreiz, um alleine oder mit anderen Spielern immer noch ein Match zu starten. Bei der Wahl der Modi lässt Mario Tennis Fever kaum Wünsche offen: Im Abenteuer-Modus erlebt ihr eine mit fünf Stunden vergleichsweise kurze Singleplayer-Kampagne in der Mario, Luigi, Peach, Wario und Waluigi beim Versuch Daisy zu retten in Babys verwandelt werden und sich nur durch die Macht des Tennis wieder entzaubern lassen können. Die Story ist ziemlich an den Haaren herbeigezogen und erinnert zum Teil mehr an ein riesiges Tutorial, aber euch werden währenddessen alle wichtigen Mechaniken beigebracht, sodass ihr im Anschluss bereit für echte Matches seid. Dennoch ist dieser Modus, der für Einzelspieler vielleicht besonders interessant sein dürfte, aufgrund seines vergleichsweise geringen Umfanges das einzige, was uns nicht vollends überzeugen konnte.
Neben Turnieren, besonderen Missionen, dem freien Spiel und einem Spezialmix mit besonderen Regeln, kehrt auch der Realmodus wieder zurück mit dem ihr einen Joycon wie einen realen Tennisschläger schwingen könnt. Freunde der Wii Sports Spiele werden sich vielleicht freudig daran zurückerinnern. Online könnt ihr, eine entsprechende Nintendo Mitgliedschaft vorausgesetzt, mit Fremden und Freunden die Schläger kreuzen - entweder einfach nur so, oder um in der Online-Rangliste aufzusteigen. Das Spiel verfügt außerdem erfreulicherweise über eine GameShare-Funktion mit der ihr den Titel lokal gleichzeitig mit bis zu drei Freunden teilen könnt, die ihn nicht besitzen. Spannenderweise kann Mario Tennis Fever auf diese Weise sogar auf der guten alten Switch gespielt werden, obwohl das Spiel für die Plattform gar nicht angeboten wird, sodass auch eure Freunde, die über keine Switch2 verfügen mit euch spielen können.

Sieg
Auch technisch lässt Fever keine Wünsche offen und sieht auf dem heimischen Fernseher und auch auf der Konsole selber besser als jemals zuvor aus. Fast alle Modelle, Animationen und Texturen wirken im Vergleich zur vorherigen Switch-Version deutlich detaillierter und hübscher, ohne die Hardware der Switch2 damit vor spürbare Hürden zu stellen. Lediglich Donkey Kongs Dschungelplatz wirkt seit seiner Überarbeitung etwas trister, da viel Pflanzenwerk auf dem Platz und im Hintergrund entfernt wurde. Die Steuerung beschränkt sich im Match auf den Controlstick und die vier Buttons A, B, X und Y da Lob und Stoppball jetzt wieder durch das schnelle drücken von A und B, beziehungsweise B und A ausgelöst werden. Das funktionierte in unserem Test sehr gut, kann in den Optionen bei Bedarf aber auf eine der viele noch freien Tasten der Controller umbelegt werden. Die Ladezeiten sind erwartungsgemäß fix und auch online sind uns keine Probleme aufgefallen. Wie bei Mario-Spielen üblich, finden die meisten Dialoge in schriftlicher Form statt. Lediglich die Plauderblume, die in dem Spiel die Rolle des Kommentators einnimmt, wurde synchronisiert.

Fazit:
Mario Tennis Fever ist eine sehr gute Erweiterung der Serie, die einige Punkte des Vorgängers verbessert, ohne das bekannte Gameplay zu sehr zu verändern. Die vielen Charaktere und spielbaren Modi schaffen eine breite Auswahl an Möglichkeiten, sich zu vergnügen, die technisch alle wunderschön in Szene gesetzt wurden und Features wie die GameShare Funktion schaffen spürbaren Mehrwert, da ihr den Titel jetzt auch mit Freunden spielen könnt, die über eine Switch(2) verfügen, das Spiel selber aber nicht besitzen. Einzig der Abenteuer-Modus hätte noch ein wenig interessanter und umfangreicher sein können, wobei wir uns an dieser Stelle auf hohem Niveau beschweren. Freunde der Mario-Tennis-Spiele und auch alle die eine Abwechslung zu Mario Kart World suchen, um sich mit Freunden auf Nintendos Plattform in sportlichen Turnieren zu messen, können bedenkenlos zugreifen.