16x9_Fallout4AnniversaryEdition_image1600w
Test

Fallout 4: Anniversary Edition

Von Michael Prammer am 04.03.2026

Mit der Fallout 4: Anniversary Edition ist Bethesdas legendäres Rollenspiel erstmals auf einer Nintendo-Konsole verfügbar. Das Endzeit-RPG könnt ihr nun sowohl zu Hause als auch unterwegs auf der Switch 2 genießen. Wir verraten euch im Test, wie sich das Spiel dort präsentiert.

Wer sich nun fragt, welche Inhalte Bethesda für die Fallout 4-Premiere auf Switch 2 vorbereitet hat, darf sich über ein umfassendes Paket freuen. Zum Lieferumfang gehören neben dem Hauptspiel auch alle offiziellen DLCs: Automatron, Wasteland Workshop, Far Harbor, Contraptions Workshop, Vault-Tec Workshop und Nuka-World. Außerdem sind 150 Inhalte aus dem Creation-Club auf die Switch 2 gelangt, darunter von der Community erstellte Waffen, Unterkünfte, Skins und Lackierungen. Im Gegensatz zu den anderen Versionen müssen diese jedoch nicht über ein separates Menü installiert werden, sondern sind direkt im Spiel integriert. Insgesamt steht uns somit ein wirklich breit gefächertes Menü an Inhalten zur Verfügung, mit denen wir unsere Reise durch das Ödland individualisieren oder verlängern können.

Die unverwechselbare, melancholische Klaviermelodie aus dem Hauptmenü von Fallout 4 weckt sofort Erinnerungen an unseren ersten Ausflug, der uns durch den neuesten Singleplayer-Ableger der legendären Endzeit-Reihe führte. Für diejenigen, die bislang keinerlei Kontakt zu Fallout 4 hatten, geben wir eine grobe Einordnung der Geschichte, ohne allzu viel zu verraten.

Im Jahr 2077 steht die Welt am Abgrund. Zu Beginn des Spiels wird uns die Idylle eines ruhigen amerikanischen Vororts präsentiert, doch diese hält nur kurz an. Wir leben als familienbewusster Vater zusammen mit unserer Frau und unserem Baby in einem schönen Haus, und es wirkt so, als ob wir alles hätten, was wir brauchen. Ein Roboter kümmert sich um unsere Haushaltsaufgaben, und unser Leben wirkt perfekt. Selbst als es an der Tür klingelt und ein Vertreter von Vault-Tec auf uns wartet, bleiben wir vorerst gelassen. Er offeriert uns einen Platz im örtlichen Vault, einem Bunker, der uns im Ernstfall vor nuklearer Vernichtung bewahren soll. Nachdem das Gespräch beendet und der Vertreter verschwunden war und wir uns dem Spiel mit unserem kleinen Sohn gewidmet hatten, kippte die Stimmung plötzlich, als unser Roboter ins Wohnzimmer rief.

Eine Nachrichtensendung im Fernsehen berichtet über grelle Blitze, Explosionen und Atomdetonationen im ganzen Land, während vor der Tür bereits die Panik ausbricht. Wir nehmen also unsere Familie mit und laufen direkt zum nahegelegenen Atombunker, für den wir uns gerade erst einen Platz gesichert haben. Als wir die Plattform erreichten, die uns tief ins Vault brachte, sahen wir in der Ferne eine grelle Explosion und einen aufsteigenden Atompilz, kurz bevor wir uns nach unten in Sicherheit begaben. Sobald wir unten sind, bringt man uns sofort zu dem Arzt der Einrichtung. Dieser steckt uns ohne große Worte in eine Dekontaminierungskapsel – zumindest in eine, die so aussieht. Statt der angekündigten Entseuchung, die erfolgen sollte, bevor wir in die tiefer gelegenen Wohnbereiche gehen, werden wir in der Kapsel in einen tiefen Schlaf versetzt. Im Delirium nehmen wir jedoch wahr, wie in der Kapsel gegenüber unsere Frau erschossen wird und unser kleiner Sohn von fremden Gestalten entführt wird, bevor wir endgültig vom Kälteschlaf übermannt werden. Als wir endlich wieder zu uns kommen, sind in Vault 111 viele Jahre vergangen, genauer gesagt zwei Jahrhunderte, und wir befinden uns allein in der unterirdischen Anlage.

Nachdem wir wieder an die Oberfläche gelangt sind, die nach all der Zeit zwar weitestgehend bewohnbar ist, aber stark von atomarer Verseuchung gezeichnet wird, beginnt unsere Suche nach unserem vermissten Sohn, die uns quer durch das Ödland führen wird. Auch heute zählt Fallout 4 sicherlich zu den besten Leistungen, die Bethesda je vollbracht hat. Ob es nun um die glaubwürdig dargestellte postapokalyptische Welt mit ihren skurrilen Figuren, um die gut konzipierte Handlung mit den zahlreichen Fraktionen und Orten oder um die dramatischen Geschehnisse selbst geht, die Realität und Fiktion äußerst eindrucksvoll verknüpfen. Es fühlte sich auf jeden Fall so an, als käme man nach Hause zurück und würde über zehn Jahre nach dem ersten Release ein weiteres Mal ins Ödland zurückkehren. Die stimmungsvolle offene Welt hat über die Jahre hinweg definitiv nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt.

In puncto Performance hat die Switch-2-Version von Fallout 4 uns dabei wirklich beeindruckt. Im Handheldmodus läuft das Spiel durchgehend flüssig und ohne störende Ruckler, selbst in hektischen Kämpfen. Die Ladezeiten der Hybridkonsole sind ebenfalls sehr gering, was es uns ermöglicht, zügig ins Spiel zu kommen. Während die Performance überzeugen konnte, müssen im Hinblick auf die Grafik im Vergleich zu den großen Konsolen definitiv einige Abstriche gemacht werden. Alles wirkt insgesamt etwas unschärfer und in der Ferne ziemlich stark verschwommen, insbesondere im 60-FPS-Modus. Bei 30 Frames ist die Unschärfe, zumindest im Docked-Modus, weniger auffällig. Die Texturen der Oberflächen, wie Risse im Holz, einzelne Gräser am Boden oder abgeblätterte Stellen im Putz, wirken in allen Modi leider wenig plastisch und erscheinen oft wie aufgemalt. Die Konturen erscheinen nur dann richtig scharf, wenn wir direkt auf unsere Füße schauen; sobald wir nach vorne blicken, sind sie deutlich verwaschener, insbesondere im Performance-Modus. Die Weitsicht ist tatsächlich nicht so stark eingeschränkt, wie wir es erwartet hätten, dafür sind die Details hier extrem reduziert. Allerdings sind markante Gebäude auch aus größerer Distanz erkennbar. Dagegen wirken Lichteinfälle, Spiegelungen und Wasseroberflächen ziemlich ordentlich.

Auf der anderen Seite sind die Animationen der Figuren ein eindeutiger Hinweis auf das Alter des Spiels: Aus heutiger Perspektive wirken sie doch ziemlich hüftsteif. Dies ist jedoch kein spezifisches Problem der Switch-Version, auch wenn es hier vielleicht noch etwas ausgeprägter ist. Insgesamt ist die grafische Darstellung etwa auf dem Niveau, das wir für die Hybridkonsole vermutet haben, die Performance, insbesondere bei 60 FPS, hingegen hat uns positiv überrascht. Angesichts dessen, was bei Spielen wie Cyberpunk oder Star Wars Outlaws grafisch auf der Switch 2 möglich ist, hätte hier sicherlich noch etwas mehr drin sein können. Es gibt auch einen 40-FPS-Modus, der eine Option für diejenigen darstellt, die mit 30 oder 60 Frames nicht ganz zufrieden sind. In diesem Modus scheinen wir uns genau in der Mitte zu befinden, allerdings ist die Unschärfe hier bereits deutlich ausgeprägter als im 30er-Spielmodus.

Natürlich funktioniert die Fallout-Formel auf jeder Hardware gleich gut. Auch auf der Switch 2 hatten wir großen Spaß beim Erkunden, Looten, Aufbauen unseres Lagers und Schießen – mit oder ohne Zeitlupe – sowie beim Prügeln mit teilweise improvisierten Waffen. Zum zeitlosen Fallout-Konzept gehört auch, dass es immer mehrere Lösungsansätze gibt, dass wir in den Dialogen Entscheidungen treffen dürfen und oft zwischen einem lauten und einem leisen Vorgehen wählen können. Dies gilt ebenso für die innovative Umsetzung der SPECIAL-Attribute, mit denen wir unseren Charakter individuell gestalten können.

Außerdem gibt es eine Welt voller Gefahren, die in ihrer Art variieren: von tödlichen Ghoulen oder infizierten Wildtieren über aggressive Raider bis hin zur omnipräsenten Strahlung. All dies macht das Ödland zu einem glaubhaft lebensfeindlichen Ort. Obwohl wir uns über das bekannte Konzept freuten, fanden wir es etwas bedauerlich, dass Bethesda die Chance verpasst hat, den Mausmodus der Switch 2 ins Spiel zu integrieren. Es wäre an dieser Stelle ansonsten sicher möglich gewesen ein für Konsolen einzigartiges Spielerlebnis zu schaffen, das dem PC-Erlebnis nahekommt und der Nintendo-Version ein echtes Alleinstellungsmerkmal verliehen hätte. Auch eine Gyro-Steuerung ist nicht vorhanden, was bei einem Spiel mit hohem Shooter-Anteil immer etwas schade ist.

FAZIT:

Insgesamt stellt die Switch-2-Version der Fallout 4: Anniversary Edition ein gelungenes Angebot dar, bei dem jedoch einige technische Kompromisse erforderlich sind. Fallout 4 ist für mich persönlich eines der besten Rollenspiele aller Zeiten, und diese Faszination kann man definitiv auch auf der Switch 2 erleben. Die Handlung und das Worldbuilding sowie der typische Mix aus Erforschen, Kämpfen, Looten und Entscheiden sind zeitlos und funktionieren auch zehn Jahre nach dem Release noch einwandfrei. Die Leistung der Switch 2 hat uns, besonders im 60-FPS-Modus, positiv überrascht. Hinsichtlich der Grafik wurden wir jedoch mit den erwarteten Einschränkungen konfrontiert. Auch, wenn die Welt insgesamt die benötigte Atmosphäre mitbringt, ist die deutliche Unschärfe im Performance-Modus und in Bewegung nicht von der Hand zu weisen und auch die Gesichtsanimationen und Charakteranimationen sind heute einfach nicht mehr zeitgemäß, stellen jedoch kein spezifisches Problem der Switch-2-Version dar. Das Fehlen eines Mausmodus sowie der Verzicht auf eine Gyro-Steuerung sind hingegen eine verpasste Chance, um die Nintendo-Version von anderen zu unterscheiden und möglicherweise auch den hohen Preis für ein Spiel, das vor zehn Jahren erschienen ist, zu rechtfertigen. Für diesen erhält man jedoch wenigstens alle DLCs sowie ausgewählte Inhalte der Community. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Switch-2-Version von Fallout 4 vor allem im Handheld-Modus unterwegs eine gute Option ist. Wer jedoch nur im stationären Modus spielt, für den könnte die Anniversary Edition für die großen Konsolen geeigneter sein.

Unsere Wertung:
8.0
Michael Prammer meint: "Gelungenes Gesamtpaket mit leichten grafischen Abstrichen"
Fallout 4: Anniversary Edition von Bethesda erscheint für PC und PlayStation 5 und Xbox Series. Wir haben die Version für Nintendo Switch 2 getestet. Für diesen Test wurde uns ein Rezensionsexemplar von Bethesda zur Verfügung gestellt.
Nur registrierte Benutzer können Kommentare verfassen. Jetzt registrieren