The Rogue Prince of Persia
The Rogue Prince of Persia wurde der Öffentlichkeit erstmals in einem Trailer vorgestellt; die Reaktion darauf war zwar interessiert, aber vor allem in Bezug auf den Grafikstil eher zurückhaltend. Zunächst war bei vielen Anhängern der Serie nämlich eine Skepsis bezüglich des Prinzen zu verzeichnen, dessen stark stilisierter Look und lilafarbene Haut als außergewöhnlich und nicht passend galten. Es schien zu weit entfernt zu sein vom gewohnten Bild der bekannten Prince-of-Persia-Reihe. Die Entwickler des angesehenen Spiels Dead Cells entschieden sich jedoch, die Kritik ernst zu nehmen, anstatt sie zu ignorieren. Sie überarbeiteten das Spiel daher noch einmal grundlegend, obwohl es bereits im Early Access spielbar war.
Das, was wir heute vor uns liegt, ist das Resultat dieses speziellen Entwicklungsprozesses: ein Spiel, das seinen charakteristischen Stil zwar bewahrt hat, der aber deutlich verfeinert, geschärft und spielerisch ausgereift ist. In unserem Test erklären wir, weshalb dieser zweite Versuch tatsächlich sehr gelungen ist.

Es wird bereits in den ersten Spielstunden von The Rogue Prince of Persia deutlich, dass nicht lange gewartet wird und wir sofort ins Chaos eines wütenden Krieges gestürzt werden. Die Hunnen fallen ein und machen aus dem stolzen Königreich unseres Prinzen ein Trümmerfeld. Wir lernen den Prinzen und sein enges Umfeld nach und nach kennen. Wir treffen dabei auf eine Vielzahl von Charakteren, die uns mal erfreuen, mal auf die Nerven gehen, mal zum Schmunzeln bringen und hin und wieder auch Tränen in die Augen treiben. Genau aus diesem Grund erscheint diese Welt erstaunlich lebendig, da wir nach und nach immer mehr über die Umstände der Königsfamilie erfahren.
Es gibt auch emotionalere Momente; hier geschehen zwar nur selten weltbewegende, aber doch zwischenmenschliche Dramen. Insbesondere in den ruhigeren Dialogen zwischen zwei (oder auch innerhalb der) Runs entfaltet das Spiel eine unerwartete erzählerische Tiefe, die einen willkommenen Kontrast zum rastlosen Gameplay bietet. Die Handlung entfaltet sich besonders im letzten Drittel des Spiels, wenn allmählich größere Zusammenhänge sichtbar werden und die individuellen Konflikte der Charaktere zunehmend mit den äußeren Gefahren und ihren nahen Verwandten verknüpft werden. Zwar mag das Ende der Geschichte für einige unbefriedigend sein, aber der Weg dorthin ist stets fesselnder. Der Rogue Prince of Persia steigert die Spannung bis zum Schluss immer weiter, konfrontiert uns mit dramatischen Enthüllungen und kritischen Situationen, sodass wir förmlich von einem Aha-Moment zum nächsten taumeln. Trotz der ständigen Wiederholungen eines Rogue-Lites bleibt unser Interesse am Schicksal dieser Figuren erstaunlich stark. Zusammengefasst erhalten wir hier für das Genre eine überraschend starke und persönliche Geschichte.
Akrobatisch durch den Fluss der Zeit
In The Rogue Prince of Persia wird das Gameplay von einem starken Fokus auf die Schnelligkeit und die Bewegungen unseres Helden geprägt. Das Platforming ist hier ebenso wichtig wie die Kämpfe und wird auch entsprechend honoriert. Einige Moves gelingen sofort, während andere etwas Übung erfordern, wie das Laufen an den Wänden im 2D-Hintergrund, das neben den häufig verwendeten seitlichen Wall-Jumps mit einer eigenen Taste genutzt werden kann. Nachdem wir uns eine Weile lang an das Spiel gewöhnt haben, werden wir mit einem großartigen Flow belohnt, der sich entfaltet und es unserem Prinzen ermöglicht, über Vorsprünge, Wände und Plattformen zu gleiten. Nur eine Sache kann manchmal etwas frustrierend sein: Die weit ausgreifenden Bewegungen führen leider öfter, als uns lieb ist, dazu, dass wir unbeabsichtigt in Gegner oder Stacheln springen. Das ist darauf zurückzuführen, dass die dynamischen Sprünge und insbesondere Dashes nicht ausreichend gewürdigt werden oder dass der Prinz zu häufig unbeabsichtigt an einer Wand oder Kante hängen bleibt.
Zudem kann es vorkommen, dass die Sicht, speziell nach unten, nicht ausreicht, um Hindernisse wie Stacheln oder Gift zu erkennen. Dies bremst leider manchmal den ansonsten so hervorragenden Spielfluss und fühlt sich unbefriedigend an. Diese frustrierenden Stellen lassen sich erst nach viel Übung und aufgrund der gesammelten Erfahrung vermeiden. Eine Minimap, auf der wir etwaige Hindernisse oder Items schnell erkennen können, wäre hier wünschenswert gewesen. Es erscheint oft unnötig, die Karte ständig mit der Minustaste aufzurufen, und dies verlangsamt den Spielfluss erneut. Es ist auch bedauerlich, dass an den Türen nicht zu erkennen ist, ob wir einen Unterbereich bereits geplündert oder (bewusst) Gegenstände zurückgelassen haben. Leider erhalten wir auch auf der Karte über diesen Umstand keine Informationen. Das Spiel beinhaltet aufgrund der vielen Abzweigungen viel Backtracking innerhalb eines Bioms, wenn man alle Items einsammeln möchte. Man kann sich nicht immer merken, welche Türen man bereits gelootet hat und welche nicht. Daher bleibt uns nichts anderes übrig, als immer wieder auf die Suche nach dem Ort zu gehen, an dem wir ein Item zurückgelassen haben. Zwar handelt es sich hierbei nicht um ein schwerwiegendes Problem, aber es kostet Zeit und hätte leicht verhindert werden können.

The Rogue Prince of Persia bietet jedoch noch mehr Gameplay-Features, die zusammen ein spannendes und motivierendes Rogue-Lite-Erlebnis bieten. Indem wir unsere Sprünge oder das Ausweichen gut timen, füllen wir immer wieder die gelbe Leiste namens Vayus Atem. Wenn diese voll ist, bekommen wir gewisse Boni wie erhöhte Schnelligkeit oder Angriffskraft. Einige Boni hängen hier von sogenannten Medaillons ab, die wir während jedes Durchgangs zufällig entdecken. Wenn wir Vayus Atem aktivieren, steigert sich der schon gepriesene Spielfluss zusätzlich und es bereitet große Freude, um die Gegner und Fallen herumzutanzen und sie auf verschiedene Arten auszuschalten. Wie bei Rogue-Lite-Spielen üblich, behalten wir die genannten Medaillons nur für einen Run, ebenso wie Waffen und Werkzeuge, die begrenzte Zusatzattacken ermöglichen. Es ist wichtig, durch kluge Kombinationen effektive Synergien zu schaffen. Jeder Item-Typ hat einen mehr oder weniger ausgeprägten Einfluss auf das Gameplay. Insbesondere können die Medaillons zwar gelegentlich spielentscheidend sein, und die Boni, die wir bekommen, sind äußerst amüsant. Dennoch haben sie oft nur einen sehr geringen Einfluss auf das Spielgeschehen. Alles in allem sorgt die große Zahl der Items jedoch für genügend Abwechslung, um dauerhaft motivierend zu wirken. So geraten wir manches Mal in einen süchtig machenden Gameplay-Zyklus, in dem wir „nur noch einen“ weiteren Durchgang starten wollen. Wenn wir einen Run erfolgreich abschließen, bewegen wir uns einerseits wieder ein Stück weiter in der Geschichte voran und dürfen andererseits aus drei Seelensteinen eine Auswahl treffen. Sie bieten uns eine neue Auswahl an Herausforderungen, die wir nach Wunsch vor einem weiteren Durchgang aktivieren können. Zusätzliche Schwierigkeiten und Tücken treten dann auf, aber es winken auch mehr Belohnungen. Wer das ohnehin schon relativ herausfordernde Grundspiel für nicht anspruchsvoll genug hält, kann den Schwierigkeitsgrad mit Hilfe der Seelensteine weiter steigern. Auch diese lobenswerte Mechanik kennen wir aus Spielen wie Hades, und auch hier wurde sie gelungen umgesetzt. Die Motivation für längere Zeit ist damit also gesichert, insbesondere wenn man das Ziel verfolgt, alles freizuschalten und sich allen kniffligen Herausforderungen zu stellen. Nach Abschluss der etwa 20 Stunden langen Hauptgeschichte winken unserem Protagonisten abgesehen von Verkleidungen allerdings kaum noch echte Belohnungen.
Ordentliche Technik - toller Soundtrack
Auch in Bezug auf die grafische und technische Umsetzung des Spiels auf der Nintendo Switch 2 gibt es nichts zu beanstanden. Alles läuft sehr flüssig ab und die Steuerung reagiert jederzeit prompt. Im Gameplay treten nahezu keine Bugs auf, Ruckler sind ebenfalls nicht zu finden. Es macht viel Spaß und sieht toll aus, durch die Level im Parcours-Stil voranzuschreiten, während die Framerate konstant 60 fps beträgt. Der Grafikstil ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber es ist positiv zu vermerken, dass alle für das Gameplay entscheidenden Mechaniken in der Designsprache deutlich erkennbar sind – dies ist bei einem so schnellen Spiel natürlich von Bedeutung. Es wird deutlich, dass die Entwickler viel Zeit und Leidenschaft investiert haben und alles sorgfältig optimiert wurde. Lediglich die relativ langen Ladezeiten zwischen den verschiedenen Biomen können als kleiner Wermutstropfen gewertet werden. Es ist zwar nicht katastrophal, aber kann doch etwas lästig sein, dass wir hier teilweise bis zu 20 Sekunden warten müssen. Dies liegt vor allem daran, dass der schnelle Spielablauf in einem deutlichen Gegensatz dazu steht und man nun plötzlich auf ein Standbild schauen muss. Es handelt sich immerhin nicht um ein Problem, das nur diese Plattform betrifft, da wir die hohen Ladezeiten auch in anderen Versionen dieses Spiels finden. Der Soundtrack zu The Rogue Prince of Persia ist einfach großartig. Hier vereinen sich treibende elektronische Beats, wummernde Bässe und orientalische Instrumente zu einem einzigartigen Klangteppich, der immer perfekt zur Handlung und zum arabischen Ambiente passt. Die Musik liefert uns einen raschen Takt, bringt uns durch die Level und hebt damit den schon vielfach gepriesenen Flow zusätzlich hervor. Dieser Titel konzentriert sich eindeutig auf Geschwindigkeit, Flow und eine fesselnde Atmosphäre, die durch die kraftvolle musikalische Begleitung noch verstärkt wird.
FAZIT:
Der Rogue Prince of Persia demonstriert eindrucksvoll, wie sehr ein Spiel von produktiver Kritik und daraus resultierender Weiterentwicklung profitieren kann. Ein anfangs skeptisch beäugtes Projekt hat sich zu einem spielerisch sehr guten und überraschend emotionalen Rogue-Lite entwickelt, das vor allem durch seinen großartigen Flow, viel Feinschliff und den fantastischen Soundtrack begeistert. Kleinere Schwächen bei der Übersicht, das Fehlen von Komfortfunktionen und gelegentliche Frustrationen können zwar den positiven Gesamteindruck etwas trüben, ändern aber nichts daran, dass ein äußerst motivierendes, technisch sauberes und spielerisch poliertes Action-Erlebnis auf uns wartet. Für all jene, die sich für rasante, schicke Rogue-Lites begeistern und deren Story nicht überbordend, aber dennoch motivierend ist, ist dieser Titel eine wirklich hervorragende Wahl.