Test

Bayonetta 3

Von Michael Prammer am 09.11.2022

Die äußerst gutaussehende Hexe Bayonetta ist wieder da. Und dieses Mal stürzt sie sich nicht alleine ins Abenteuer, sondern bringt Verstärkung mit. Wir haben den neuesten Kracher von Platinum Games einmal genauer unter die Lupe genommen.

Nintendo hatte die Hexe einst vor dem Untergang gerettet, wollte doch niemand mehr für die schrille Dame in die Bresche springen, um ihr ein neues Abenteuer zu schenken. Das Ergebnis der finanziellen Unterstützung von Nintendo war der zweite Teil der Serie, der auf Nintendos WiiU-Konsole zu einem der stärksten Hack'n'Slay-Abenteuer überhaupt avancierte. Mittlerweile genießt die namensgebende Protagonistin echten Kultstatus und der neueste Kampf gegen Engel, Dämonen oder andere Fantasiewesen wird sehnsüchtig von Fans des Franchise erwartet. Lange hat es nun gedauert - acht ganze Jahre vergingen immerhin seit dem letzten Action-Spektakel - ist nun endlich der dritte Teil von Bayonetta exklusiv für Nintendo Switch erschienen. Die Erwartungen sind dementsprechend hoch und eines vorneweg: Die Jungs und Mädels von Platinum Games haben geliefert.

Bayonetta ist zurück...

Ein leichtes Leben kann man der schrillen Umbra-Hexe bislang nicht nachsagen. In der Vergangenheit musste sie sich gegen Engel und Dämonen behaupten, was ihr dank ihrer Fähigkeiten teilweise locker von der Hand ging. Dabei vermochte die charmante Hexe neben ihrem extravaganten Äußeren auch immer die passenden Sprüche zu jeder Situation parat zu haben, um noch so missliche Lagen spielend leicht zu meistern. Der neue Ableger beginnt dabei genauso, wie man es erwarten darf: Enzo, der Kennern aus Teil zwei bekannt sein dürfte, befindet sich mit der Hauptdarstellerin auf Einkaufsbummel-Tour, um wenig später nicht ganz eingeladen auf einem Kreuzfahrtschiff einzuchecken. Etwas zusammenhanglos scheint die Geschichte zunächst erzählt, wobei sich in den nächsten Sequenzen eine Art Biowaffe offenbart, welche nichts Geringeres im Schilde führt, als die Menschheit auszulöschen. Besonders fies: Dieses Mal findet das Gefecht nicht in einer „Sphäre“ statt, die für natürliche Lebewesen keine Gefahr darstellen, sondern direkt im echten Leben.

Auch wenn es sich zunächst etwas gemächlich anhört, Bayonetta 3 benötigt nicht lange, um auf den Punkt zu kommen und das Potential der Geschichte zu entfalten. Diese ist, wie auch schon bei den Vorgängern, super erzählt und bietet keine Schwächen. Im Gegenteil: Dank der unterschiedlichen Charaktere, die immer wieder auftreten, und dank der flotten Sprüche der Hexe, ist für viel Abwechslung und Unterhaltung gesorgt. Apropos Abwechslung: Bayonetta 3 bietet ganze drei unterschiedliche Gameplay-Stränge. Bayonetta selbst kümmert sich um das Böse, versucht den Ursprung des Übels ausfindig zu machen und die Invasion der Biowaffen zu stoppen. Ein neuer Charakter, die Auszubildende Viola, hat ganz andere Aufgaben und übernimmt immer wieder Sequenzen während des Spielgeschehens. Da wir Spoiler vermeiden wollen sei dazu nur folgendes gesagt: ihr werdet einige interessante Länder wie Ägypten oder China bereisen. Und dann kommt da noch Jeanne ins Spiel. In Teil eins noch die große Rivalin, in Teil zwei eine wichtige Verbündete. Sie hat ebenfalls ihre eigene Geschichte, die allerdings in zweidimensionalen Abschnitten gespielt werden und ziemlich cool sind.

…und sie ist nicht alleine

Während letztere Levelpassagen durch Stealth-Einlagen abgerundet werden, bieten die Szenen mit Bayonetta und Viola die gewohnte Kost des Genres. Die Abwechslung der drei „Zutaten“ ist genau die Würze, die das gesamte Gameplay so faszinierend macht. Und egal welche der drei reizenden Damen ihr auch spielt - das Abenteuer gibt sich hinsichtlich der Steuerung und des Movesets keine Blöße. Es wird geschlagen, getreten, es werden gelungene Kombos auf das Parkett gezaubert, um dann mit einer stilvollen „Hexenzeit“ eure Feinde von der Bildfläche verschwinden zu lassen. All das funktioniert wie aus einem Guss und spielt sich beinahe wie ein Ballett. Dabei ist es nicht unbedingt so, dass sich Viola und Bayonetta gleich anfühlen, sondern beide Charaktere ihre Eigenheiten haben. Viola trägt ein Langschwert, kämpft aber auch mit blanken Fäusten. Bayonetta greift zu Pistolen, was wir bereits aus den Vorgängern kennen. Neu hinzukommen zum Beispiel Jojos, welche sich sehr spaßig anfühlen und andere neue Waffen; wir möchten nicht zuviel vorwegnehmen. Zudem kann sie sich auch in Hybridwesen verwandeln, zum Beispiel in eine Art Spinne, wodurch sie Wände hochklettern kann. 

Neu ist auch die Dämonenzeit, die sich aktivieren lassen kann. Hierbei dürfen wir ein mächtiges Wesen beschwören, was allerdings eine Magieleiste entleert und anfällig für Angriffe macht, da Bayonetta während dieser Zeit schutzlos agiert. Viola kann übrigens diese Dämonenzeit auch aktivieren, im Gegensatz zu Bayonetta darf sie dann allerdings noch weiter agieren. Trotzdem steuert sich Bayonetta, welche den größten Part der 15-stündigen Story einnimmt, deutlich agiler und abwechslungsreicher. Die Spielwelt wurde übrigens deutlich freier gestaltet und bietet endlich mehr Raum zur Erkundung. Wie bereits in den Vorgängern gibt es einige optionale Aufgaben, wie Umbras Tränen, von denen es pro Level jeweils drei zu sammeln gibt. Auch die Art und Weise, wie gespielt wird, entscheidet beispielsweise über die Ingamewährung. Wer den Schadenscounter weit nach oben treibt, bekommt mehr Geld, was sich dann in Heilmittel oder neue Waffen ummünzen lässt. 

Spielerische Meisterleistung

Bayonetta 3 bietet insgesamt drei Schwierigkeitsgrade und ist somit für jeden Spieler gut zugänglich. Während der einfache Schwierigkeitsgrad vernachlässigt werden kann, da dieser wirklich viel zu einfach ist, liefert der normale Schwierigkeitsgrad ausgewogene Kämpfe und die perfekte Balance zwischen Gameplay und Story. Wer das Spiel einmal durchspielt, darf auch noch einen vierten, sehr knackigen Schwierigkeitsgrad ausprobieren. Dieser hat es dann wirklich in sich und erfordert viel Übung, Skills und vor allem gute Nerven. Die Protagonistinnen wachsen mit ihren Aufgaben und so dürft ihr via Skilltrees eure Hexen verbessern. Dadurch teilt ihr mehr Schaden aus, steckt mehr ein und könnt dann so manche Stelle meistern, welche euch zuvor vielleicht das eine oder andere Mal Kopfzerbrechen bereitet hat. Wer sich einer besonderen Herausforderung stellen möchte, der versucht alle Levelabschnitte auf „Platin“ zu meistern. Doch Vorsicht: PlatinumGames hat das System etwas „vereinfacht“ und die begehrten Trophäen sind nun etwas leichter zu erreichen, was Hardcore-Fans sicher nicht freuen dürfte.

Sieht man jetzt aber einmal von ein paar Kleinigkeiten ab, ist Bayonetta 3 spielerisch gesehen der Kompletteste Teil der Serie. Das Spiel bietet genau das, was Serien-Veterane erwarten dürfen und noch viel mehr. Die neuen Gameplay-Elemente mit den beiden zusätzlich spielbaren Charakteren würzen dieses Action-Feuerwerk einfach perfekt ab und animieren dazu, mindestens einen zweiten oder einen dritten Durchlauf mit dem Hexen-Trio zu wagen. Dann ist da natürlich der „Fanservice“, den Spieler des Franchise kennen und der vor allem auf die exzessive Lebensweise der hübschen Protagonistin abzielen. Diese lässt sich bei Bedarf zu Beginn auch entschärfen. Aber seinen wir doch mal ehrlich: Was wäre Bayonetta ohne ein verruchtes Kichern oder eine sexy Tanzeinlage, bei der den männlichen Spieler beinahe die Augen am Bildschirm kleben bleiben. All das wirkt jedenfalls keineswegs übertrieben oder nervig, sondern gehört einfach zum guten Ton des Spiels.

Bayonetta 3 hat im Grunde nur eine echte Schwäche: Die Technik. Die technische Seite ist nicht aber auch nicht wirklich schlecht, aber eben auch nicht wirklich optimal. Die Kämpfe laufen flüssig ab, es gibt weder auf dem TV noch im Handheld-Modus kaum bis gar keine Ruckler und die Zwischensequenzen sehen mehr als nur ordentlich aus, wenngleich die Bildrate ordentlich nach unten geht. Überhaupt, bevor das große Meckern losgeht - Bayonetta 3 ist audiovisuell durchaus eine Bombe. Denn was an Effektfeuerwerken zusammen mit passenden musikalischen Vertonungen geleistet wurde, ist schon große Klasse. Auch die Synchronsprecher machen einen exzellenten Job. Egal was man also von der „neuen“ Bayonetta halten mag: sie funktioniert. Was aber weniger gut ist: die Technik der Hardware. Kantenflimmern, matschige Texturen und aufploppende Elemente nerven einfach. Bei diesen technischen Details merkt ihr der Nintendo Switch einfach das Alter bzw. ihre technische Limitierung an und gerade ein Titel, wie Bayonetta 3, schreit einfcah nach einer verbesserten Hardware.

FAZIT:

Normalerweise müsste ich nach dem letzten Absatz einen Haken unter das Spiel machen und sagen: Jawohl, klasse Leistung, liebe Entwickler, zwar taugt die Hardware nichts aber für ein gutes Spiel hat es dennoch gereicht. Doch nein, damit würde ich es mir zu einfach machen, insbesondere wenn ich das Spiel mit dem bereits grandiosen Vorgänger vergleiche, der mir schon sämtliche Superlativen aus der Tastatur gelockt hat. Ich lehne mich also durchaus weit aus dem Fenster, breche eine absolute Lanze für das Spiel und vergebe für Bayonetta 3 mit gutem Gewissen eine absolute Traumwertung. Warum? Die Technik kann nicht in allen Bereichen ganz mithalten – Punktabzug. Hier und da wurden Dinge etwas „vereinfacht“ - Punktabzug. Die Story dauert gerade einmal knapp 15 Stunden – Punktabzug. Nein, nein und nochmals nein! Bayonetta 2 war für mich am schon am Rande der Perfektion und Teil 3 macht alles noch ein Stück besser. Die Spielwelt ist größer, abwechslungsreicher und lädt mehr zu Erkundungen ein. Die spielerischen Möglichkeiten wurden noch einmal erhöht und mit den beiden Charakteren Viola und Jeanne ist auch viel mehr Abwechslung vorhanden als in den Vorgängern. Das Effektfeuerwerk, das an manchen Stellen vielleicht nicht mehr optisch auf der Höhe der Zeit sein mag, fasziniert von Anfang bis Ende und bringt euch audiovisuell eines der besten Switch-Spiele aller Zeiten. Und wenn ich nach dem Abspann, selbst wenn dieser bereits nach 15 Stunden erreicht ist, das Gefühl habe, ich muss sofort noch einmal von vorne spielen, dann macht ein Spiel für mich nicht nur vieles, sondern beinahe alles richtig. Und dann darf so ein Spiel aus meiner Sicht auf den Olymp eines Genres klettern. Chapeau, PlatinumGames!

Unsere Wertung:
9.5
Michael Prammer meint: "Furioser Action-Kracher aus dem Hause PlatinumGames mit leichten Abzügen in der Technik-Wertung - dennoch der kompletteste Teil der Serie!"
Bayonetta 3 von PlatinumGames erscheint am 28.10.2022 für Nintendo Switch. Wir haben die Version für Nintendo Switch getestet. Für diesen Test wurde uns ein Rezensionsexemplar von Nintendo zur Verfügung gestellt.
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1 Kommentar:
2null3)
2null3
Am 09.11. um 23:41
Ich muss die beiden Vorgänger wohl doch so langsam mal aus dem Regal holen, damit ich mir im Anschluss den dritten Teil zu Gemüte führen kann. :)