Test

Splatoon 3

Von Robert Emrich am 28.09.2022

Alle guten Dinge sind drei. Dieser einfachen Tatsache, die schon durch “Herr der Ringe”- Bände, Fragezeichen und die Teile des Triforce belegt wurde, kann sich auch ein Fun-Shooter wie die Splatoon-Reihe nicht entziehen. Und so schickt Nintendo die Ink- und Oktolinge mit einigen Änderungen und Neuerungen ein weiteres mal in die Schlacht, um euch den bisher besten Teil der Reihe zu präsentieren, der sich neu, aber trotzdem wie immer anfühlen soll. Ob und, wenn ja, wie das gelungen ist, verrät unser Test.

Tanz der Tentakel

Splatoon 3 setzt fünf Jahre nach den Ereignissen in Splatoon 2 an und führt euch zum ersten mal nicht wieder nach Inkopolis, der Hauptstadt der ersten beiden Teile, sondern in die Metropole Splatsville, die sich in den weit entfernten Splatlands befindet. Umgeben von kargem Ödland pulsiert hier das Leben und bietet euch, als jungem neuen Einwohner, alles was das Herz begehrt. Doch schnell wird klar, dass auch hier, fernab von Inkopolis, nicht alles zum Besten steht, als euch aus dem Untergrund die Nachricht erreicht, dass ein gewisser Käpt’n Kuttelfisch auf der Suche nach neuen Rekruten ist. Oktarianer sind ein weiteres mal hinter den Elektrowelsen her, die die Lebensräume der Inklinge (und jüngst auch Oktolinge) mit Energie versorgen, während sich mysteriöse pelzige Säugetiere in der Gegend breit machen. Natürlich ist eure Hilfe im Angesicht dieser Bedrohungen Ehrensache. Und so macht ihr euch, wenn ihr nicht gerade Turniere ausfechtet oder im Auftrag der Bär GmbH Salmonide bekämpft, auf den Weg, um Splatsville zu beschützen und in die Fußstapfen der Agenten zu treten, die in den damaligen Zeiten (und Spielteilen) als Helden in die Geschichte eingingen.

Während viele Nintendo-Titel (wie zum Beispiel die Mario-Spiele) auf eine recht einfach gehaltene Handlung setzen, geht Splatoon einen anderen Weg und versteckt die Hinweise auf seine reichhaltige Geschichte bevorzugt in der Solo-Kampagne des Spiels. So wurde die Geschichte der Inklinge, Oktolinge und Oktarianer in den Vorgängen bereits ausführlich beleuchtet und auch der aktuelle Teil bietet wieder allerlei Informationen, die ihr in den Gebieten außerhalb der Stadt finden könnt. Wichtig ist dieser zusätzliche Kontext aber nicht, wenn ihr Splatoon am liebsten im Online-Modus spielen wollt. Ähnlich wie in Blizzards Overwatch bietet euch die Geschichte einen netten Rahmen, trägt aber auch nur in diesem Zusammenhang zum spielerischen Mehrwert bei. 

Es wird Zeit für Splatter

Für all jene unter euch, denen Nintendos Versuch, einen Fuß in die Tür des Shooter-Genres zu bekommen, entgangen ist, gibt es hier noch einmal eine Zusammenfassung des Spielprinzips der Serie:

In Splatoon Mehrspieler-Modus, den man getrost als Zentrum des Spiels betrachten kann, dreht sich fast alles um den Versuch, in einem begrenzten Areal möglichst viel Fläche mit der Farbe des eigenen Teams einzufärben. Als Teil eines Viererteams aus Mensch-Tintenfisch-Hybriden, verteilt ihr zu diesem Zweck mit unterschiedlichen an Paintball-Pistolen oder Malerbedarf erinnernde Waffen die Farbe eures Teams in der begrenzten Arena, während ein gegnerisches Team dasselbe mit seiner eigenen Farbe versucht. Die wahre Besonderheit, liegt in der Fähigkeit der Charaktere, sich auf Knopfdruck in einen Tintenfisch zu verwandeln, der in der eigenen Farbe pfeilschnell durch die Gegend schwimmen, an Wänden hochsteigen und auch deutlich weiter springen kann, als in seiner menschlichen Form, während sich ganz nebenbei auch noch die Tanks eurer Waffen aufladen. In der gegnerischen Farbe habt ihr all diese Vorteile natürlich nicht und ein paar Treffer einer gegnerischen Farb-Waffe reichen oft schon, um das Zeitliche zu segnen. So ein Bildschirm-Tod hält aber zum Glück nur ein paar Sekunden, ehe ihr wieder in das Match einsteigen können und die Aufmachung der Waffen samt der Art des Kampfes macht Splatoon optisch zu einem der kinderfreundlichsten Shooter auf dem Markt.

Dabei solltet ihr aber nicht davon ausgehen, dass Splatoon aufgrund seiner jugendfreien Aufmachung ein Kinderspiel wäre. Mehr als 50 Waffen, die sich fast alle anders spielen und damit unterschiedliche strategische Anforderungen in einem Team erfüllen, geben euch in den pfeilschnellen Matches, die jeweils nur ein paar Minuten dauern, die Möglichkeit für unzählige Taktiken. Hinzu kommt eure Kleidung, die mit den weiteren Leveln, die ihr durch die Spiele verdient, Schritt für Schritt stärker wird, sodass auch hier zum Teil mehr strategisches Potential als in so manchem “erwachsenen” Shooter steckt. Sowie euer Charakter Level zehn erreicht hat, zieht das Spiel seine Schrauben noch ein weiteres mal ein wenig an und lässt auch in gewerteten Matches spielen, in denen aus Spaß dann tatsächlich quietschbunter Ernst wird. Dass die Matches bei aller Intensität auch bei wiederholten Niederlagen nicht frustrieren, liegt an der wohlüberlegten kurzen Dauer der Runden. Fünf Minuten lang gegen ein überlegenes Team zu verlieren, steckt man in der Regel locker weg, während es bei halbstündigen Matches bestimmt anders aussehen würde.

Neben dem PvP-Modus gibt es noch weitere Modi, in denen ihr das Spiel zum Teil ein wenig besser kennenlernen könnt, ohne euch von anderen Spielern das Fell über die Ohren ziehen lassen zu müssen. Die Singleplayer-Kampagne gibt euch Gelegenheit, den Umgang mit den Steuerung zu üben und auch noch etwas über die Welt erfahren, die seit neuestem von pelzigen Wesen angegriffen wird, während die Oktarianer ein weiteres mal ihr Unwesen treiben. Dabei erobert ihr die Gebiete im Ödland abschnittsweise zurück und deckt nach und nach alle Umstände der Bedrohung auf, während ihr euch immer fordernderen Gegner stellt, die eure Fähigkeiten mit der Zeit immer wieder auf die Probe stellen. Die Geschichte der Kampagne ist hübsch gemacht und macht schlicht Spaß, ist aber ganz klar nicht der Hauptgrund, warum sich die meisten Spieler Splatoon holen.

Ein weiterer Modus, der spieltechnisch im Prinzip eine Mischung aus dem PvP und dem PvE Modus darstellt, ist der Salmon Run, in dem ihr im Viererteam gegen vom System gesteuerte Monster antretet und kooperativ so viele Fischeier wie möglich erbeuten müsst. Das ganze spielt sich dank unterschiedlicher Waffen und Fähigkeiten, die das Spiel zwischen den Teammitgliedern automatisch verteilt, wie eine kurzweilige Variante von anderen kooperativen Shootern und ist immer mal wieder für eine schnelle Runde gut. Stundenlang am Stück kann der Modus in den meisten Fällen aber nicht motivieren, was aber auch kein Drama ist. Das Herzstück der Splatoon-Spiele ist und bleibt der Online-PvP-Modus, wobei es letztlich auch immer eine Frage der Mitspieler ist, ob und was am meisten begeistert. Grundsätzlich sind mehr Freunde immer besser. Doch mangels Splitscreen-Funktionalität haben wohl nur die wenigsten Spieler Zugriff auf drei Freunde, die mit einer eigenen Konsole, jeweils einer Kopie des Spiels und einem erforderlichen “Nintendo Online” Abo ausgestattet sind.

Für weitere Zerstreuung sorgen die von Nintendo in regelmäßigen Abständen abgehaltenen Splatfests, bei denen ihr einem von drei Teams beitretet und im Zeitraum des Events so oft wie möglich gewinnen müsst, um euer Team am Ende des Events mit den meisten Punkten zum Sieger zu küren. Außerdem könnt ihr in den Straßen von Splatsville noch an einem neuen kleinen Spiel teilnehmen, das optisch ein wenig an Tetris erinnert und in dem zwei Spieler Teile auf einem Feld so drapieren müssen, dass ihre Teile das größte Gebiet bedecken. Quasi Splatoon in der Domino-Variante. Außerdem könnt ihr am Briefkasten eine Statusmeldung verfassen, die sich mit etwas Glück an den Wänden der Stadt bei euch oder anderen Spielern wiederfindet. Das Feature, das mit der ersten Version des Spiels auf der WiiU eingeführt wurde, wird auch heute noch rege genutzt und bringt trotz der recht minimalistischen Werkzeugauswahl zum Teil beeindruckende Kunst hervor. Ein Bummel durch die Stadt kann sich also hin und wieder lohnen, wenn ihr mal eine Pause vom Kampf benötigt. 

Alles neu macht die Drei

Die ersten Neuerungen begegnen euch schon im frühen Spiel mit der Erstellung eures Charakters. Die Oktolinge, die mit der Okto-Erweiterung des zweiten Teils eingeführt wurden, stehen euch jetzt zusammen mit den traditionellen Inklingen von Anfang an zur Verfügung und warten mit ganz eigenen Erscheinungsmerkmalen wie Frisuren auf, die wie immer aber nicht endgültig festgelegt sind. Nach der Erstellung könnt ihr bei eurem Charakter zu jeder Zeit Rasse, Geschlecht und Aussehen ändern, wobei nichts davon besonderen Einfluss auf das Spiel hat, da Ink- und Oktolinge über dieselben Fähigkeiten verfügen. Die nächste Neuerung erwartet euch bei der zu jedem Spielbeginn üblichen Radiosendung, die jetzt, von besonderen Meldungen abgesehen, nicht mehr bis zum Ende gesehen, sondern in den Hintergrund verbannt werden kann. Eine tolle Änderung für alle, die sich schnell und ohne lange Vorrede in die Schlacht stürzen wollen. In der Stadt angekommen, halten sich die weiteren Innovationen erst einmal dezent im Hintergrund zurück. Klar, Splatsville ist zwar eine komplett andere Stadt als das altbekannte Inkopolis und mit seinen zusätzlichen Ecken und Gassen auch ein wenig größer als der Hub der ersten beiden Teile. Am Angebot, das eurem Charakter zur Verfügung steht, ändert das aber nur wenig. Ein neuer Shop bietet euch jetzt kosmetische Gegenstände an, mit denen ihr einen Spind dekorieren könnt. Und im Anmeldebereich für Online-Kämpfe findet ihr außerdem einen Automaten, an dem ihr euer im Spiel verdientes Geld in zufällige Verstärkungen und andere kosmetische Kleinigkeiten investieren könnt. Doch davon abgesehen bleibt es bei den üblichen Shops für Waffen, Shirts, Schuhe und Hüte, sowie den Zugängen zum Salmon Run, den Online-Matches und der Solo-Kampagne.

Fast könnte man im ersten Moment den Eindruck gewinnen, dass Splatoon 3 das Gameplay seiner Vorgänger nur minimal verbessert. Doch im Laufe der ersten Level wird recht schnell klar, an wie vielen Ecken und Kanten Nintendo gefeilt hat, um euch mit dem neuesten Teil die bisher rundeste Version der Spielreihe präsentieren zu können. Das umfasst sowohl inhaltliche Änderungen wie neue oder überarbeitete Level und Waffen als auch ein verbessertes Cloud-Speichersystem, durch das ihr das Spiel auf unterschiedlichen Konsolen spielen könnt, ohne auf jeder Konsole neu anfangen zu müssen. Dazu kommen eine Lobby, in der ihr jetzt nicht mehr untätig auf andere Mitspieler warten müsst, sondern auf einem kleinen Parcours eure Waffen und Fähigkeiten testen könnt und diverse Geschenke, die Splatoon 2 Veteranen erwarten, wenn sie ihren Speicherstand in das neue Spiel übertragen lassen. Die entsprechende Möglichkeit bietet euch das Spiel direkt beim ersten Starten. 

Doch neben all den positiv auffallenden Neuerungen gibt es leider auch einzelne Punkte, bei denen Nintendo die Möglichkeit für eine entscheidende Verbesserung verpasst hat. Der Netcode des Spiels ist nach wie vor nicht ganz optimal, auch wenn Spiele, in denen ein Spieler zu früh vom Server fliegt, jetzt ungewertet abgebrochen werden. Und auch Nintendos Beharren auf den aufs Handy ausgelagerten Voicechat löst bei uns Stirnrunzeln aus. Besonders wenn man bedenkt, dass verschiedene andere Spiele den Voicechat auf der Switch bereits seit einer ganzen Weile anbieten. Es bleibt zu hoffen, dass diese (verbesserten) Funktionen eines Tages nachgereicht werden. Sei es nun in einem weiteren Teil, in der überarbeiteten Version des Spiels, die bestimmt eines Tages für einen Nachfolger der Switch veröffentlicht wird oder aber (und das wäre die beste Variante) in einem späteren Update.

Technik 

Technisch gehört Splatoon 3 klar zu den Vorzeigetiteln, die ihr euch für die Switch zulegen könnt. Mit stabilen 60 Bildern pro Sekunde im Kampf und 30 FpS in der Stadt läuft das Spiel im Dock die meiste Zeit über in Full HD, während es auf dem Bildschirm der Konsole so oft wie möglich die 720er Auflösung anstrebt. In vereinzelten Momenten regelt die Konsole die Auflösung der Bildrate zuliebe ein wenig nach unten. Unscharf oder gar unspielbar wird es dabei aber nie. Akustisch liefert der Titel Abwandlungen des bekannten Soundtracks, die wie immer gewohnt fetzig das schnelle Geschehen auf dem Bildschirm begleiten. Auf eine Sprachausgabe verzichtet das Spiel aber auch weiterhin und bietet euch stattdessen die blubbrigen Laute, mit denen sich die Charaktere im Spiel schon in den Vorgängern verständigt haben. Die Steuerung lässt keine Wünsche offen und funktioniert dank der nutzbaren Bewegungssteuerung gewohnt zügig und präzise. Die Ladezeiten liegen weiterhin im vertretbaren Bereich, ohne besonderen Anlass zum Lob oder zur Kritik zu geben, was man auch über die bereits erwähnte Online-Anbindung des Spiels sagen kann. Da die Verbindung zu den Spielservern aber für einen beachtlichen Teil der Spielerfahrung zwingend erforderlich ist, wäre hier ein lobenswerter Zustand klar wünschenswert, während wir ein paar Sekunden im Ladebildschirm auch so verkraften können. Und um das klar zu stellen: Das Spiel läuft im Online-Modus die meiste Zeit über so gut, wie ihr es von den ersten beiden Teilen gewohnt seid. Aber mehr wäre in diesem Fall halt einfach mehr.

Fazit:

Splatoon 3 erfindet weder das Rad noch die Serie neu, schafft aber etwas, das den anderen beiden Teilen nicht gelang, indem es mich immer wieder zu noch einer schnellen Runde im Kampf motiviert. Grund dafür sind die vielen kleinen Änderungen, die den Spielfluss in allen möglichen Bereichen optimieren und nebenbei kleine Ecken und Kanten, die mich an den Vorgängern gestört haben, aus der Welt schafft. Das mag für sich betrachtet nach nicht viel klingen, zeigt aber, dass Nintendo mit dem neuen Titel nicht nur Geld aus einer Spielergruppe pumpen will, die mit den ersten Teilen eigentlich schon gut versorgt war. Klar ist nicht alles eitel Sonnenschein an der Farbkleckser-Front: Das verpflichtende Nintendo-Online Abo, der (nur meistens gut arbeitende) Netcode und der aufs Handy ausgelagerte Voicechat sind Punkte bei denen sich das Spiel noch steigern kann. Und auch der Umfang der neuen Karten und Waffen könnte angesichts der zum Teil aus den Vorgängern bekannten Inhalte noch ein wenig größer sein. Wobei wir Nintendo fairerweise zugestehen müssen, dass in den anderen Teilen mit nachgereichten Waffen und Leveln nicht geknausert wurde, sodass wir auch hier froher Hoffnung sind. Doch ungeachtet aller Kritiken, Hoffnungen und Spekulationen ist und bleibt Splatoon 3 ein sehr guter und würdiger Nachfolger, bei dem ihr, sofern ihr Interesse am Shooter-Genre auf der Nintendo Switch habt, bedenkenlos zugreifen könnt.

Unsere Wertung:
8.5
Robert Emrich meint: "Neu, besser und doch immer noch ganz wie immer. Splatoon 3 setzt die Reihe würdig fort."
Splatoon 3 von Nintendo erscheint am 09.09.2022 für Nintendo Switch. Wir haben die Version für Nintendo Switch getestet. Für diesen Test wurde uns ein Rezensionsexemplar von Nintendo zur Verfügung gestellt.
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1 Kommentar:
Buttergebäck)
Buttergebäck
Am 28.09.2022 um 20:17
Ein schönes Beispiel dafür, dass Evolution nicht schlechter sein muss als Revolution. Bin absolut glücklich mit dem Spiel.
2null3)
2null3
Am 29.09.2022 um 23:31
Das freut mich. Ich auch. ;-)