Test

Megabonk

Von Nico Zurheide am 11.01.2026

Megabonk ist eines dieser Spiele, bei denen ihr nach zehn Minuten denkt, ihr hättet es verstanden und nach zehn Stunden merkt, wie falsch diese Annahme war. Was auf den ersten Blick wie ein grellbuntes Indie-Experiment wirkt, entpuppt sich als präzise designter Action-Roguelike-Brocken, der seine Spieler bewusst überfordert, um sie danach mit genau diesem Gefühl immer wieder einzufangen. Megabonk will nicht elegant sein, nicht leise, nicht subtil. Es will laut sein, schnell, gnadenlos und vor allem: maximal spielbar.

Ihr landet in einer dreidimensionalen Arena, Gegner strömen aus allen Richtungen auf euch zu, Zahlen explodieren über dem Bildschirm und irgendwo dazwischen versucht ihr, euren Charakter am Leben zu halten. Das klingt vertraut und genau hier setzt Megabonk an. Es nimmt bekannte Survivors-Mechaniken, zieht sie in die dritte Dimension und fügt eine Bewegungsfreiheit hinzu, die das Genre spürbar verändert. Plötzlich reicht es nicht mehr, nur clever zu laufen. Ihr springt, ihr weicht vertikal aus, ihr nutzt Höhenunterschiede, während euch die nächste Gegnerwelle bereits einkreist. Megabonk fühlt sich von der ersten Sekunde an körperlich an.

Wenn Builds eskalieren und Bewegung zur Waffe wird

Der größte Trumpf von Megabonk ist sein Gameplay-Loop. Jeder Run beginnt überschaubar, fast harmlos. Ihr bewegt euch durch eine offene Karte, erledigt erste Gegner, sammelt Erfahrung und wählt Upgrades. Doch das Spiel versteht es meisterhaft, diese Kontrolle langsam zu untergraben. Aus einzelnen Gegnern werden Horden, aus klaren Situationen wird visuelles Dauerfeuer. Genau hier zeigt sich, wie stark das System aus Items, Fähigkeiten und Synergien greift.

Mit über siebzig freischaltbaren Items und mehr als zwanzig spielbaren Charakteren bietet Megabonk eine Build-Tiefe, die lange motiviert. Manche Figuren setzen auf rohe Flächengewalt, andere auf Status-Effekte, Kettenreaktionen oder pure Mobilität. Besonders spannend ist, dass viele Effekte miteinander interagieren, oft auf unerwartete Weise. Ein scheinbar harmloses Item kann in Kombination mit dem richtigen Charakter zu einer absurden Macht werden. Megabonk lebt von diesen Momenten, in denen ihr plötzlich merkt, dass euer Build eskaliert.

Die dritte Dimension spielt dabei eine entscheidende Rolle. Springen und vertikale Bewegung sind kein Gimmick, sondern integraler Bestandteil des Gameplays. Gegner greifen nicht nur von vorne an, sondern aus allen Ebenen. Plattformen, Kanten und Höhenunterschiede werden zu taktischen Werkzeugen. Das verleiht Megabonk eine Dynamik, die viele Genre-Kollegen vermissen lassen. Bewegung fühlt sich nicht nur gut an, sie ist überlebenswichtig.

Retro-Chaos mit klarer Haltung

Optisch setzt Megabonk auf einen bewusst reduzierten, polygonalen Stil, der an frühe 3D-Spiele erinnert. Die einfachen Formen sorgen dafür, dass das Geschehen trotz der visuellen Überforderung lesbar bleibt. Farben sind kräftig, Effekte überzeichnet, Gegnerdesigns oft grotesk. Megabonk will auffallen und schafft das mit einer eigenen, wiedererkennbaren Bildsprache.

Der Soundtrack unterstützt dieses Gefühl perfekt. Treibende Beats, die sich mit zunehmender Spieldauer verdichten, sorgen für einen konstanten Adrenalinpegel. Geräuscheffekte sind bewusst überzeichnet und tragen zur fast comichaften Überzeichnung des Chaos bei. Gleichzeitig bleibt das Spiel erstaunlich präzise. Treffer fühlen sich wuchtig an, Ausweichmanöver klar definiert, Feedback ist jederzeit vorhanden.

Narrativ hält sich Megabonk bewusst zurück. Es gibt keine epische Geschichte, keine langen Texttafeln, keine erklärenden Zwischensequenzen. Stattdessen erzählt das Spiel über seine Systeme. Über freischaltbare Charaktere, absurde Missionsziele und kleine humorvolle Details entsteht ein loses Gesamtbild, das mehr Stimmung als Handlung vermittelt. Das passt hervorragend zum Ansatz des Spiels. Megabonk will nicht erzählen, es will erlebt werden.

Motivation, Meta-Progression und der Sog des Noch-ein-Run

Was Megabonk wirklich gefährlich macht, ist seine Meta-Progression. Jeder Run bringt Fortschritt, selbst wenn er scheitert. Neue Charaktere, zusätzliche Items, permanente Verbesserungen und Herausforderungen sorgen dafür, dass ihr ständig etwas freischaltet. Dieses Gefühl von Wachstum ist allgegenwärtig. Es entsteht der klassische Sog, der euch sagt, dass der nächste Run vielleicht der entscheidende sein könnte.

Die Missionsstruktur verstärkt diesen Effekt. Über zweihundert Aufgaben fordern euch heraus, bestimmte Spielweisen auszuprobieren oder ungewöhnliche Kombinationen zu nutzen. Das Spiel belohnt Experimentierfreude und zwingt euch immer wieder, eure Komfortzone zu verlassen. Gerade hier zeigt sich, wie gut das Balancing gelungen ist. Trotz aller Eskalation bleibt Megabonk fair. Fehler sind fast immer nachvollziehbar, Erfolge fühlen sich verdient an.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Der Grafikstil polarisiert und wird nicht jeden abholen. Manche Karten wiederholen sich visuell, gerade in langen Sessions. Auch kann die Informationsflut Neueinsteiger zunächst überfordern. Doch diese Punkte verlieren angesichts der spielerischen Qualität schnell an Gewicht. Megabonk weiß genau, was es sein will und setzt das konsequent um.

Fazit

Megabonk ist ein Spiel, das keine halben Sachen macht. Es nimmt das Survivors-Prinzip, denkt es konsequent weiter und hebt es mit vertikaler Bewegung und kompromissloser Build-Tiefe auf ein neues Level. Die Mischung aus Chaos, Kontrolle und permanenter Eskalation funktioniert erstaunlich gut und sorgt für eine Langzeitmotivation, die nur wenige Genre-Vertreter erreichen. Wer schnelle Action liebt, gerne experimentiert und kein Problem mit Reizüberflutung hat, findet hier einen der stärksten Indie-Titel des letzten Jahres.

Unsere Wertung:
9.0
Nico Zurheide meint: "Megabonk ist ein kompromissloses Action-Roguelike, das mit Tempo, Build-Tiefe und Spielwitz begeistert und euch für sehr lange Zeit nicht mehr loslässt."
Megabonk von Vedinad erscheint am 21.02.2025 für PC. Wir haben die Version für PC getestet.
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