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Wie KI den Spielemarkt beeinflusst

Von Jeremiah David am 04.01.2026

Erst im vergangenen Dezember kündigte der US-Speicherhersteller Micron an, mit seiner Marke Crucial aus dem Endkunden-RAM- und SSD-Markt auszusteigen. Stattdessen will sich das Unternehmen ab Februar auf den KI-Markt konzentrieren. Für Gamer bedeutet dieser Schritt das Ende der beliebten und vor allem vergleichsweise günstigen Crucial-Produkte für PCs. Dies geschieht inmitten einer allgemeinen RAM-Knappheit die durch den KI-Boom verursacht wird. Weitere Preissteigerungen scheinen damit unausweichlich.

Während viele Experten immer öfter von einer "KI-Blase" sprechen und darauf hinweisen, dass Firmen wie Microsoft oder OpenAI mit KI-Produkten aktuell kaum bis gar kein Geld verdienen, und Nvidia seine massiven Gewinne durch eine "strategische Partnerschaft" mit OpenAI mehr oder weniger selbst finanziert hat, investieren Tech-Giganten weiterhin Milliarden in die umstrittene Technik. Firmen integrieren KI-Programme aggressiv und zum Teil gegen den Willen ihrer Kunden, in allen erdenklichen Produkten. So ist Microsofts KI "Copilot" inzwischen etwa fester Bestandteil von Windows 11, Office 365 und dem Browser Edge. In Australien musste sich Microsoft aufgrund damit verbundener Preiserhöhungen schon mit der dortigen Wettbewerbs- und Verbraucherkommission auseinandersetzen und Konsumenten Erstattungen anbieten. In einem offenen Brief verspricht Microsoft CEO Satya Nadella keinen Off-Schalter für die KI, sondern fordert Konsumenten stattdessen auf, nicht länger abwertend von "AI Slop" zu sprechen - obwohl der Begriff vom Wöterbuch Merriam-Webster erst als Wort des Jahres 2025 ausgezeichnet wurde.

Welchen Einfluss hat KI auf die Gaming-Industrie und uns Gamer? Nun, die rasant gestiegenen RAM-Preise könnten dafür sorgen, dass aktuelle Konsolen noch teurer werden. Speziell die Switch 2 könnte 2026 eine Preiserhöhung erfahren. Nach Angaben von Bloomberg muss Nintendo derzeit 41 Prozent mehr für den 12-GB-Arbeitsspeicher der Switch 2 zahlen. Hinzu kommt der NAND-Speicher, der ebenfalls bereits um 8 Prozent teurer geworden ist. Anfang Dezember führten diese Nachrichten bei Nintendos Aktienskurs zu einem Wertverlust von fast 5 Prozent.

Ob auch die Konsolen von Sony und Microsoft teurer werden, ist fraglich - aber nur weil PS5 und Xbox Series im vergangenen Jahr bereits Preiserhöhungen erfahren mussten und die Konzerne dem Markt sicher nicht noch mehr zumuten wollen. Laut Tom Henderson, Mitbegründer von Insider Gaming, hat die RAM-Krise dazu geführt, dass dort intern eine Verschiebung der für 2027 geplanten Next-Gen-Konsolen diskutiert wird. Demnach habe es bereits Anfang Dezember in den jeweiligen Unternehmen Gespräche und Diskussionen gegeben, den Launch von PS6 und Xbox-720-Two-X (Platzhalter-Titel) zu verschieben, um die aktuelle RAM-Krise auszusitzen.

Während die Konsolen- und PC-Preise steigen, könnte der Einsatz von KI in der Theorie aber zugleich zu günstigeren Spielepreisen führen. Die CEOs diverser Publisher träumen davon, ihre Belegschaft stark zu reduzieren und dennoch Spiele gleicher Qualität zu entwickeln. Generative KI-Systeme könnten etwa Grafiker, Konzept-Künstler, Übersetzer und Synchronsprecher ersetzen, während Programmierer zeitgleich mit KI-Tools schneller und effektiver arbeiten sollen. Bei der Qualitätssicherung könnten KI-Agenten helfen. Die Entwicklungskosten für Spiele dürften dadurch massiv sinken. In der Praxis werden wir davon aber, zumindest im Bereich der AAA-Spiele, wohl nichts mitbekommen. Bestenfalls werden die Preise nur nicht weiter steigen und sich stattdessen auf dem mit Mario Kart World erst kürzlich eingeführten Preisniveau von 80 bis 90 Euro einpendeln. Im Bereich der Indie-Spiele könnte KI dagegen tatsächlich zu billigeren Preisen führen, denn ein übersättigter Markt führt in der Regel zu Preiskämpfen. Der Einsatz von KI dürfte aber vor allem hier auch einen gewaltigen Qualitätsverlust nach sich ziehen, der bereits jetzt auf Steam und in den Online-Stores von Nintendo, Microsoft und Sony zu beobachten ist.

Der einzige Bereich, in dem Endkunden wirklich vom KI-Einsatz profitieren, ist Upscaling: Ohne KI-Technologien wie Nvidia DLSS oder AMD FSR wären moderne Spiele in 4K kaum noch spielbar. KI "rettet" hier die Performance, die durch die stagnierende Hardware-Leistung verloren geht.

Quelle: Insider Gaming

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