Test

Let's Sing 2024

Von Deniz Üresin am 16.11.2023

Kennt ihr noch Sing Star? Meine Freundin hatte gefühlt 28 verschiedene Spiele der Reihe für die PlayStation 2 und die haben die eine oder andere Studenten-Party ordentlich gerockt. Dabei waren auf jeder Disc ca. 20 Lieder eines bestimmten Genres, einer bestimmten Zeit oder einer bestimmten Band/SängerIn. Mit den beigefügten USB-Mikrofonen konnte man dann alleine oder zu mehreren die Liedchen nachträllern und Punkte für das Treffen der richtigen Tonlage erhalten. Auch wenn Sony inzwischen keine neuen SingStar-Spiele mehr herausbringt, lebt der Wunsch nach neuem Karaoke-Futter in uns allen weiter - und zum Glück gibt es den Publisher Plaion, der die Leere in unseren Herzen mit der Let’s-Sing-Reihe ausfüllen möchte - ob ihm das auch mit dem neuesten Ableger gelingt, erfahrt ihr in unserem Test!

Ein kleiner Überblick

Seit 2017 gibt es Let’s Sing auch für die Nintendo Switch - wahlweise als Download oder als Retail-Fassung inkl. 2 USB-Mikrofonen, die man natürlich nur über die Docking-Station der Switch anschließen kann. Wer keine Mikrofone hat oder im Handheld-Modus spielen will, kann aber auch wahlweise sein Smartphone als Mic-Ersatz nutzen. Dafür ist nur das Herunterladen der “Let’s Sing Mic”-App notwendig. Ähnlich wie in der Just-Dance-Reihe wird Let’s Sing jährlich iteriert und bringt dabei immer ca. 35 neue Lieder mit, darunter 20 “internationale Hits” und ca. 15 Lieder aus spezifischen Regionen. Im deutschen Nintendo eShop finden sich so z.B. immer nur die “Let’s Sing 20XX mit Deutschen Hits”-Fassungen. Weitere Lieder ließen sich dann in Fünferpacks für je fünf Euro dazuladen. Let’s Sing 2023 kommt so beispielsweise mit allen DLCs auf über 80 Song, von denen aber einige auch schon in der 2022er Version enthalten waren. DLCs aus Vorgängerversionen sind aber leider nicht auf die jeweils neue Version übertragbar, das Wechseln des Spiels ist also weiterhin fester Bestandteil des einen oder anderen Karaokeabends. 

Die neueste Auflage erfindet das Rad zwar nicht komplett neu und startet so beispielsweise ebenfalls mit 35 Songs, von denen 15 von deutschsprachigen Künstlern stammen, bietet aber neben dem normalen Karaoke-Modus einige Neuerungen wie einen Story-Modus, Online-Battles und ein Abo-Modell anstelle von kaufbaren DLC-Packs. Gehen wir die Änderungen einmal durch:

Ich will der allerbeste sein, wie keiner vor mir war!

Ein Story-Modus in einem Karaoke-Spiel? Naja, warum nicht? Im besten Fall motiviert der Modus für ein paar Stunden, im schlimmsten Fall wird er ignoriert. Ich habe mich nach dem Antesten für letzteres entschieden. Nach dem Erstellen eines Avatars folgt ihr quasi einer Visual Novel mit kleinen Gesangseinlagen, in denen ihr als Neuling an einer Musikakademie anfangt und Unterricht von der strengen, aber manchmal auch etwas seltsamen Miss Young bekommt. Bei den Avatar-Einstellungsmöglichkeiten seid ihr zu Beginn arg begrenzt, könnt aber im Spielverlauf immer mehr Accessoires, Frisuren etc. freischalten. Da die meisten Kopfbedeckungen aber arg durch die Frisuren durchclippen, empfehle ich diese wegzulassen. Auch schade ist, dass man für den Story-Modus ein Pronomen auswählen muss und nur “sie” und “er” zur Auswahl stehen - Ende 2023 ist sowas wirklich nicht mehr zeitgemäß, vor allem weil man auch ganz darauf hätte verzichten können. Naja, ihr wählt also im Story-Modus abends immer eine von drei vorgefertigten Nachrichten aus, die ihr in eurem Feed auf Social Media postet und geht am nächsten Morgen zu Miss Young, die euch ein bisschen Theorie beibringt und euch dann eine Aufgabe zuteilt. Zu Beginn geht es dabei nur darum, ein paar Sekunden lang den richtigen Ton zu treffen oder einen kleinen Ausschnitt aus einem Lied mit einer gewissen Qualität nachzusingen, später tretet ihr aber dann gegen andere (virtuelle) Schüler der Musikakademie an und müsst sie in einem Karaoke-Battle schlagen, um bis an die Spitze zu kommen und ein Weltstar zu werden. Vielleicht liegt das an meinem fortgeschrittenen Alter, aber bei mir cringet sich alles zusammen, wenn ich diesen Story-Modus starte. Positiv kann ich eigentlich nur die Übungen erwähnen, die Miss Young gelegentlich vorschlägt, um die Stimmbänder aufzuwärmen oder die bei dem Singen spezieller Töne helfen sollen. Zu sehr möchte ich das Spiel aber aufgrund dieses Modus natürlich auch nicht abstrafen, denn es ist eine nette Dreingabe und kann wie gesagt völlig ignoriert werden.

Und jetzt Let’s Sing - wenn’s klappt 

Das Herzstück eines jeden Let’s Sing ist natürlich der Classic-Modus, in dem einfach ein Lied ausgewählt und losgesungen wird. Die Lieder können dabei nach Titel, Interpret, Erscheinungsjahr und Genre sortiert werden. Um auch den Multiplayer bewerten zu können, habe ich drei FreundInnen eingeladen, die ihre Avatare “Sunny”, “Irma” und “Schatzi” genannt haben. Wir haben uns also mit vier verschiedenen Handys die “Let’s Sing Companion” App heruntergeladen, nachdem ich feststellen musste, dass die “Let’s Sing Mic” App nicht mit dieser Version von Let’s Sing kompatibel ist. Neu an der Companion App ist, dass hier nicht nur das Handy als Mikrofon verwendet werden kann, sondern auch der Avatar eingesehen und angepasst werden kann - und das ist auch schon alles. Wer also neben Let’s Sing 2024 noch andere Spiele der Reihe hat, braucht von nun an zwei verschiedene Apps auf seinem Handy. Das Singen mit dem Handy als Mikrofon klappt ganz gut - wenn die Verbindung funktioniert. Leider konnten gelegentlich entweder Schatzi oder Sunny nicht mitsingen, wenn sie kurz aus der App rausgegangen sind und sich erneut einloggen wollten. Die Lyrics und die zu singende Tonhöhe werden für jeden Singenden dabei einzeln angezeigt - ein unnötiges Feature, wenn alle den gleichen Text singen. Gerade bei kleineren TVs, wenn man weiter weg sitzt oder insbesondere im Handheldmodus wird es dabei schnell schwierig, etwas zu erkennen. Im Hintergrund ist - wie bei Let’s Sing üblich - das entsprechende Musikvideo zu sehen. Das wäre zwar nicht nötig gewesen, aber richtig “sehen” kann man es trotzdem nicht, denn im Vordergrund wuseln die selbst erstellten Avatare umher und machen Bewegungen, die absolut nicht zu dem aktuell Gesungenen passen. 

Neben dem Classic-Modus, der auch online (aber nur gegen zufällig gewählte Kontrahenten) gespielt werden kann gibt es auch noch den Feat-Modus, in dem zwei Zweier-Teams gegeneinander antreten und jeweils im Duett singen.

FAZIT

Es fällt mir schwer, Let’s Sing 2024 “objektiv” zu bewerten. Der Spaß, der mit diesem Spiel einhergeht, hängt vor allem davon ab, wie gut man die verfügbaren Lieder findet. Die meisten der Änderungen, wie die Notwendigkeit einer neuen App, die seltsam tanzenden Avatare und den Storymodus finde ich persönlich unnötig bis nervig. Auch finde ich es schade, dass ich keine Lieder mehr permanent kaufen kann und für die Erweiterung des Repertoires ein Abo abschließen muss. Aktuell gibt es ca. 50 weitere Songs für 3,99€ pro Monat, Rabatte gibt es allerdings auch (9,99€ für 3 Monate, 24,99€ für ein ganzes Jahr) und die Liste soll laut Hersteller fortlaufend erweitert werden. Ich sehe mich gezwungen, diese Mankos in meine Wertung einfließen zu lassen. Das soll Interessierte aber definitiv nicht abschrecken, sich die gegebenen Optionen anzuschauen (Liederauswahl, Abo-Modell vs. DLC), denn ein Let’s Sing, egal welches, kann sich durchaus auf jeder Party sehen lassen. 

Unsere Wertung:
6.0
Deniz Üresin meint: "Mit Let’s Sing 2024 können bei Bedarf diverse Lieder gesungen werden."
Let's Sing 2024 von Voxler erscheint am 07.11.2023 für PlayStation 4 und PlayStation 5 und Nintendo Switch und XBox One und XBox Series. Wir haben die Version für Nintendo Switch getestet. Für diesen Test wurde uns ein Rezensionsexemplar von PLAION zur Verfügung gestellt.
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