Test

Red Dead Redemption (Nintendo Switch)

Von Michael Prammer am 28.08.2023

Red Dead Redemption erzählt die Geschichte von John Marston. Die Entführung seiner Frau und seines Sohnes zwingt den Ex-Verbrecher seine ehemaligen Bandenkameraden zu finden, um sie ins Jenseits zu befördern und dadurch das Land sicherer zu machen. Aus diesem Grund reist er gut bewaffnet durch das Land und trifft auf die unterschiedlichsten, teils freundlichen, teils feindseligen Charaktere, um seine Mission zu erfüllen, obwohl er eigentlich nur sein altes Leben hinter sich lassen und sich wieder mit seiner Familie vereinen möchte. Die ganze Geschichte wird mit einer großartigen englischen Synchronstimme erzählt und spannend vorangetrieben. Deutsche Untertitel erleichtern euch bei mangelnden Sprachkenntnissen das Spielerlebnis.

John und der Wilde Westen

Die Story von Red Dead Redemption ist ein absolutes Highlight im Spiel, die zusammen mit dem oft sehr trockenen, aber stets sympathischen John Marston den Reiz des Spiels ausmacht. Jede noch so kleine Nebenhandlung, die man mit den Bewohnern erleben kann, weckt das Interesse des Spielers, auch weniger spannende Aufgaben, wie zum Beispiel dem Fangen wilder Pferde oder dem Transport eines Leichenwagens unterhalten großartig. Der Grund dafür sind oft die handelnden Charaktere und die damit verbundenen kleinen Geschichten. Es gibt auch einige Überraschungsmomente, obwohl einige Verfolgungsjagden und Schießereien durchaus absehbar sind. Allerdings leistet Red Dead Redemption hier einiges und das Konzept funktioniert auch heute noch perfekt und verspricht endlosen Spielspaß. Egal, ob ihr euch auf einer Mission befindet oder einfach durch den Wilden Westen streift: John hat euch einiges zu bieten. So kann er sich nicht nur zu Pferde oder in einer Kutsche fortbewegen, sondern auch die Eisenbahn nutzen oder sich mit einem Floß auf Flüssen fortbewegen. Die Steuerung von Pferd und Kutsche ist leicht zu erlernen und das Gameplay ist präzise genug für unterhaltsame Verfolgungsjagden. Die Umsetzung dieser Steuerung ist besonders gut, da sich die verschiedenen Bewegungsarten auch deutlich unterscheiden. 

Im Stil eines Westerns liegt Johns Hauptaugenmerk auf seinem individuellen Talent im Umgang mit Waffen. Wenn ihm menschliche und tierische Gefahren auflauern, kann John sich mit einem Gewehr, einer Schrotflinte, Fäusten und sogar einem Lasso verteidigen. Dank des einfach zu bedienenden Waffenrads können diese Waffen auch im Kampf schnell gewechselt werden und es gibt sogar verschiedene Versionen der Waffengattungen mit eigenen Attributen. Dadurch können Spieler ihren Spielstil zumindest teilweise weiterentwickeln, während sie die Länder von Red Dead Redemption erkunden. Ein besonderes Highlight stellt dabei das Jagen von Ganoven mit dem Lasso dar. Ein besonderes Feature von Red Dead Redemption ist das Dead-Eye-System. Wenn ihr eure Waffe mitten in einer Schießerei zieht, kann diese für präzise Kills in den „Zeitlupenmodus“ wechseln. Dadurch ist es einfacher, bestimmte Körperteile zu treffen, beispielsweise um einen Gegner nicht komplett auszuschalten, sondern um ihn zu entwaffnen oder ihn an der Flucht zu hindern.

Gigantischer Umfang

Neben den Hauptmissionen, die das absolute Highlight des Spiels darstellen, gibt es in Red Dead Redemtion abseits der Story jede Menge zu tun. Zufällige Quests stehen an der Tagesordnung und werden euch das eine oder andere Mal vom eigentlichen Weg „ablenken“. Dazu gesellen sich Schieß- oder Reitübungen, welche nicht nur das Spielerlebnis auflockern, sondern auch euren Charakter nebenbei verbessern. Und nicht zu vergessen sind die Schatzsuchen, die euch hin und wieder über den Weg laufen. Man könnte jetzt ewig so weiter aufzählen, der Reiz an Red Dead Redemption liegt aber auch gerade darin, selbst alle Kleinigkeiten zu entdecken. Und wem die 40-50 Stunden lange Hauptstory nicht ausreicht, der kann sich mit den ganzen Nebenaktivitäten gut und gerne noch weit über das Doppelte an Zeit auf seine Switch-Uhr packen.

Beibe bleiben nicht alle eurer Aktionen im Spiel unbemerkt. Wenn ihr euren Mitmenschen helft, erscheinen neue Quests und euer Vertrauen steigt. Wenn ihr euch jedoch dazu entschließen solltet, die Waffe sprechen zu lassen, beispielsweise um tote Zivilisten auszurauben, werden ihr von den örtlichen Strafverfolgungsbehörden verfolgt. Darüber hinaus gibt es allerlei kleine Herausforderungen im Bereich der Jagd, des Pflanzensammelns oder auch des Tötens von Banden, die euch zu einem noch westlicheren Helden machen. Dank dieser Aktionen könnt ihr außerdem zusätzliche Skins für John freischalten, die ihr in jedem eurer Wohnorte ändern können. Vom Umfang her bietet Red Dead Redemption also wirklich genug Abwechslung.

Tolle Technik

Das Aufregendste an der aktuellen Veröffentlichung ist für viele die technische Umsetzung für die Nintendo-Switch-Version. Einerseits können wir die grafische Verbesserung gegenüber der Originalversion des Spiels deutlich erkennen, die auch bereits in vielen Vergleichsvideos im Intzernet aufgezeigt wurden. Charaktere und Spielwelt wirken detaillierter, was sich auch in besseren Lichteffekten widerspiegelt. Die Spielwelt zeigt sich ebenfalls stark verbessert und glänzt mit vielen Städten, Dörfern, Campingplätzen und anderen interessanten Orten. Hin und wieder zollt die Hardware ihren Tribut und es kommt zu leichten Rucklern und spät aufploppenden Gegenständen. Insgesamt ist aber gerade die Weitsicht vorbildlich und ermöglicht auch eine eigene Routenplanung ohne Blick auf die Karte. Allerdings sollte man erwähnen, dass es dieses Spiel schon seit mehreren Jahren gibt, was man an vielen Stellen sieht. Das zeigt sich vor allem in den teilweise verwaschenen Texturen. Allerdings können dafür die Ladezeiten glänzen und sind äußerst positiv hervorzuheben. Vor allem beim Erkunden der Welt sieht man den Ladebalken nur selten und kann so problemlos durch die Wüste galoppieren. Rockstar Games hat hier großartige Arbeit geleistet und es ist bemerkenswert, das alles jederzeit und überall auf Nintendo Switch erleben zu können. 

Abschließend sollte noch hinzugefügt werden, dass die Nintendo-Switch-Version nicht nur das Hauptspiel, sondern auch die Handlung von Undead Nightmare enthält. In diesem postapokalyptischen Addon-Abenteuer wird Johns Welt von einem Virus heimgesucht, der seine Frau und seinen Sohn infiziert. Selbst in dieser verzweifelten Situation ist unser Held sehr trocken und kümmert sich um die Zombies. Ich bin auch mit diesem zusätzlichen Kapitel zufrieden, da die umherstreifenden Zombies und der Mangel an Munition für ein gruseliges Abenteuer sorgen. Es reicht zwar nicht ganz an die Stärke des Hauptspiels heran, aber ich habe es genossen, Undead Nightmare als unterhaltsame Ergänzung zu spielen.

Was ihr auf Nintendo Switch hingegen vermissen werdet, ist der Mehrspielermodus. Leider wurde diese Reise abgesagt, sodass ihr das Abenteuer nur alleine antreten könnt. Dementsprechend sind wir an diesem Punkt auch bei der Preispolitik angelangt, welches das Spiel wohl von der Bestwertung abhält. Die Verbesserungen sind spürbar, jedoch nicht ganz auf dem Stand des Maximalmöglichen. Die Inhalte sind gigantisch, allerdings wurde nicht das komplette „Game-of-the Year“-Paket veröffentlicht. Und trotzdem ruft man einen Vollpreis von rund 50€ aus. Keine Frage: Wer das Spiel noch nie gespielt hat und vor allem portabel spielen möchte, ist hier goldrichtig. Aber auf anderen Plattformen spielt ihr diesen Titel deutlich günstiger - und mitunter auch noch hübscher.

FAZIT:

Red Dead Redemption ist und bleibt ein absoluter Knaller. Das Spiel kann auch heute noch mit seiner Geschichte rund um den Cowboy John Marston begeistern und die kleinen Nebenhandlungen tragen zum Flair des Spiels bei. Die Steuerung klappt immer noch wie aus einem Guß und betrachtet man das Gesamtpaket, bekommt ihr hier ein absolut überragendes Open-World-Spiel, welches tage- wenn nicht sogar wiochenlang begeistern wird. Ein besonderes Lob muss man den Entwicklern auch für die Nintendo-Switch-Fassung aussprechen. Diese wurde nicht einfach nur lieblos dahingeklatscht, sondern mit viel Mühe und Sorgfalt auf das Hybrid-System angepasst. Die paar wenigen technischen Einschränkungen verzeiht man dem Spiel, falls man diese überhaupt wahrnimmt. Und so bleibt am Ende des Tage einzig der Preis, über den vielleicht diskutiert werden muss. Ist Vollpreis für ein Spiel dieses Alters angemessen? Wäre dafür nicht der komplette Inhalt aller erschienenen Versionen Pflicht gewesen? Will ich 50€ in die Hand nehmen, obwohl ich das Spiel auf anderen Systemen für einen Bruchteil des Preises bekomme? Egal, wie man die Fragen beantwortet: Red Dead Redemption macht auf Nintendo Switch eine großartige Figur und sollte auf jeden Fall beachtet werden.

Unsere Wertung:
9.0
Michael Prammer meint: "Herausragendes Western-Epos bekommt eine gelungene Switch-Umsetzung"
Red Dead Redemption (Nintendo Switch) von Rockstar Games erscheint am 28.08.2023 für Nintendo Switch. Wir haben die Version für Nintendo Switch getestet. Für diesen Test wurde uns ein Rezensionsexemplar von Rockstar Games zur Verfügung gestellt.
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