Test

Silt

Von Jeremiah David am 01.06.2022

Mit dem 9-Euro-Ticket nach Sylt? Ne, wir spielen stattdessen mit Silt und präsentieren euch postwendend unseren Test dazu!

Laut Wikipedia versteht man unter Silt "Feinböden unterschiedlicher Abkunft sowie unverfestigte klastische Sedimente, deren mineralische Bestandteile überwiegend (d. h. zu mehr als 50 %) eine Korngröße von 0,002 bis 0,063 Millimeter aufweisen". Hier bei NplusX verstehen wir unter Silt dagegen ein surreales Ozean-Erkundungsspiel. Silt ist ein Limbo-esques Adventure tief unter der Wasseroberfläche irgendeines namenlosen Ozeans. Als Spieler schlüpfen wir in die Rolle eines Tauchers, der am Meeresboden angekettet wurde und sich nach seiner Rettung auf eine Reise durch unendliche Tiefen macht. Wieso? Das erfahren wir nie. Eine Geschichte wird in Silt praktisch nicht erzählt. Hier ist die Reise das Ziel, und die lenkt uns durch bizarre, ganz in Graustufen gehaltene Unterwasserwelten mit verwinkelten Höhlen, merkwürdigen Ruinen, unzähligen Wurzeln und Algensträngen, fleischfressenden Pflanzen, flinken Fischen und leuchtenden Weichtieren.

Abzu meets Limbo

Der 2010 veröffentlichte Side-Scroller Limbo wurde vom kleinen Entwicklerteam Spiral Circus Games, bestehend aus dem Programmierer Dom Clarke und dem Künstler Tom Mead, ganz offensichtlich als Inspiration genutzt, was sich vor allem in der Optik und der Atmosphäre des Spiels bemerkbar macht. Silt setzt auf starke Hell-Dunkel-Kontraste. Nicht selten hat man außerdem das Gefühl, dass sich der Hintergrund in dichtem Nebel verliert. Anders als in Limbo sind die Umgebungen jedoch mit stellenweise sehr filigranen Texturen und Puppen-artigen Figuren oder Statuen ausgestattet und erinnern so ein wenig an Tuschezeichnungen aus einem äußerst düsteren Kinderbuch. Die Unterwasserwelt wurde in manchen Gebieten zudem mit Elementen wie aus einem Märchenwald oder einer Fabrik erweitert, wodurch der surreale Aspekt des Spiels noch gesteigert wird. Vom ersten Moment an ist klar, dass viel Zeit und Aufwand in die Gestaltung der Umgebungen gesteckt wurden. Ähnliches gilt für die Akustik, die vor allem mit dezenten, aber stets passenden Klängen für eine noch dichtere Atmosphäre sorgt.

Auch vom Gameplay her orientiert sich Silt an Limbo und ähnlichen Spielen, ohne dabei jedoch auf ein besonderes Alleinstellungsmerkmal zu verzichten. Unser Taucher muss diverse Rätsel lösen, um weiter in die Dunkelheit vorzudringen, kann dabei allerdings auf eine spezielle Fähigkeit zurückgreifen, die es ihm ermöglicht, von Fischen oder anderen Meeresbewohnern Besitz zu ergreifen. In der Praxis heißt das, dass wir durch Drücken der B-Taste zunächst eine Art leuchtenden Faden steuern dürfen, der sich vom Kopf unseres Tauchers durchs Wasser windet. Treffen wir mit unserem surrealen Fadenwurm auf eine Kreatur, nehmen wir Besitz davon und können deren jeweilige Spezialfähigkeit einsetzen. Ganz am Anfang des Spiels können wir so beispielsweise mit dem Gebiss eines Piranha-artigen Fisches die Kette durchbeißen, mit der unser Taucher am Meeresboden festgehalten wird.

Mit Trial & Error gegen Goliaths

Silt ist in vier verschiedene Kapitel von jeweils etwa 30 bis 45 Minuten Spielzeit unterteilt, die sich vor allem optisch voneinander unterscheiden. Schwimmen wir anfangs noch durch gespenstische Unterwasserwälder, bewegen wir uns vor allem im zweiten und dritten Kapitel durch zunehmend mechanisch wirkende Umgebungen. Am Ende eines jeden Kapitels wartet ein sogenannter Goliath auf uns. Das sind riesige Maschinen-Kreaturen, die wir besiegen müssen, um deren Augen zu stehlen, „denn in ihnen liegt ihre Macht“. Die Goliaths können unserem Charakter zwar gefährlich werden, wenn wir ihnen zu nahe kommen, die Begegnungen mit ihnen bieten uns aber dennoch keine klassischen Endboss-Kämpfe, sondern einfach nur weitere Rätsel. Haben wir erst einmal herausgefunden, wie der jeweilige Goliath zu besiegen ist, stellt er kaum noch eine Bedrohung dar.

Das gilt im Übrigen auch für den Rest des Spiels, wenn wir das vierte und letzte Kapitel ausklammern: Reaktionsvermögen und gutes Timing werden in Silt selten verlangt - im Gegenteil. Unser Taucher ist ziemlich langsam unterwegs und bekämpft Feinde nicht selbst, sondern sucht sich Wesen, mit deren Hilfe er die Gegner ausschalten oder einen Weg freiräumen kann. Die Rätsel sind größtenteils unterhaltsam, erfordern aber häufig eine Trial-&-Error-Vorgehensweise, die regelmäßige Tode unausweichlich macht. Besonders das letzte Kapitel ist in dieser Hinsicht schlecht designt und fühlt sich unfair an: Hier muss unser Taucher an einigen riesigen Würmern vorbei, die in Felslöchern auf Beute warten. Ohne Vorwissen ist es aber schlicht unmöglich zu sagen, wie weit die Würmer aus ihren Höhlen hervorschnellen können. Unser Taucher ist zudem viel zu langsam, um ihnen effizient ausweichen zu können, und zu allem Überfluss schwimmen überall leuchtende Quallenwesen umher, die bei der kleinsten Berührung explodieren.

Das Trial-&-Error-Spielprinzip setzt den Wiederspielwert des Spiels praktisch auf null. Zwar gibt es ein paar gefangene Taucher, die wir finden und befreien können, diese haben aber keinen Einfluss auf das Spielgeschehen. Sammelbare Items, Statistiken oder andere Boni gibt es ebenso wenig wie ein kohärentes Ende.

Fazit:

Silt ist ein kurzes, aber ebenso kurzweiliges Rätselspiel. Besonders hervorzuheben sind der einzigartige künstlerische Stil und die düstere Atmosphäre. Etwas schade ist dagegen, dass sich Silt im letzten Kapitel von den Rätseln abwendet und stattdessen Geschicklichkeitspassagen einführt, für die die Steuerung des schlaksigen Tauchers schlicht nicht ausgelegt ist. So bietet das Ende des Spiels viel Frustpotential und hinterlässt einen etwas faden Nachgeschmack. Trotzdem würden wir vom Entwicklerduo Dom und Tom gerne mehr sehen. Erwähnenswert ist an dieser Stelle außerdem noch, dass interessierte Spieler eine kostenlose Demo im eShop der Switch herunterladen können, um Silt vor dem Kauf anzuspielen.

Unsere Wertung:
7.0
Jeremiah David meint: "Kurzweiliges Rätselspiel mit einzigartiger Präsentation, aber schwachem Ende."
Silt von Spiral Circus erscheint am 01.06.2022 für PC und PlayStation 4 und PlayStation 5 und Nintendo Switch und XBox One und XBox Series. Wir haben die Version für Nintendo Switch getestet. Für diesen Test wurde uns ein Rezensionsexemplar von Fireshine Games zur Verfügung gestellt.
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3 Kommentare:
Pogo)
Pogo
Am 01.06. um 18:42
Wird irgendwann mal gekauft und gezockt.
2null3)
2null3
Am 02.06. um 20:27
Schöner Test. :)
Ozymandias)
Ozymandias
Am 04.06. um 10:44
Klingt gut, irgendwann werde ich mir Sylt auch holen.