Test

Nintendo Switch Sports

Von Jeremiah David am 06.05.2022

Im Jahre 2006 startete eine kleine, ganz in weiß gehaltene Konsole ihren Siegeszug gegen die scheinbar übermächtigen HD-Monster von Microsoft und Sony. Nintendos Wii etablierte sich dank ihrer damals innovativen Bewegungssteuerung trotz veralteter Grafik schnell zu einer äußerst erfolgreichen Party-Konsole, die Spielern jeden Alters Spaß bereiten konnte. Und das tat sie während den ersten Jahren vor allem mit einem Titel: Wii Sports. Die Sportspielsammlung lag der Konsole kostenlos bei und wurde dadurch ein fester Bestandteil unzähliger Videospiele-Bibliotheken. Mit Wii Sports Resort und Wii Sports Club gönnte Nintendo der Serie zwei weitere, mehr oder minder erfolgreiche Ableger für die Wii und WiiU, dann war erst einmal Pause. Jetzt bekommt auch die Switch ihr sportliches Party-Spiel. Wir haben „Nintendo Switch Sports“ für euch getestet.

Sechser-Pack

Nintendo Switch Sports bietet Spielern sechs verschiedene Sportarten. Im Einzelnen sind das Volleyball, Badminton, Bowling, Tennis, Chanbara und Fußball, die alle ausschließlich mit den Joy-Cons gespielt werden können. Im Herbst soll die Sammlung um Golf erweitert werden, ein genaues Datum für den kostenlosen DLC hat uns Nintendo jedoch noch nicht genannt. Bedenkt man, dass Wii Sports Resort mit ganzen 12 Sportarten daherkam, ist die Auswahl hier doch ein wenig dürftig, zumal Tennis und Badminton einander recht ähnlich sind.

Bevor wir uns aber überhaupt für eine Sportart entscheiden dürfen, müssen wir einen eigenen Charakter erstellen und auch hier könnte Nintendo Switch Sports die ersten Gamer bereits enttäuschen. Das Spiel bietet, neben der Option einen Mii aus dem Hauptmenü der Switch zu importieren, einen eigenen Charaktereditor, der ist aber so limitiert, dass alle der sogenannten "Sportmates" mehr oder weniger gleich aussehen. Die Charaktere sind immer gleich groß und haben dieselben Proportionen. Es stehen nur sechs Frisuren, eine Handvoll unterschiedliche Augenbrauen und ein paar Gesichtsmerkmale wie Sommersproßen, rote Wangen oder ein einziger Bart zur Auswahl. Brillen oder andere Assessoires gibt es gar nicht, beziehungsweise müssen erst freigespielt werden. Zum Thema freispielbare Extras kommen wir aber noch.

Haben wir unseren Charakter erstellt, kündigt eine Stimme überschwänglich das Betreten des Spacko-Squares an – zumindest klang das für mich anfangs so und ließ mich verwundert eine Augenbraue verziehen. Tatsächlich heißt die Sportanlage Spocco-Square und besteht aus ein paar modernen Plätzen und Hallen, in denen sich unser frisch gebastelter Avatar austoben darf.

Schwing den Arm... oder auch nur das Handgelenk

Tennis und Badminton spielen sich wie oben schon erwähnt sehr ähnlich. Fangen wir also beim Beschreiben der einzelnen Sportarten am besten hier an.

Der größte Unterschied zwischen Tennis und Badminton ist eigentlich die simple Tatsache, dass beim Tennis immer vier Spieler auf dem Platz sind, während beim Badminton nur zwei Spieler den Shuttlecock (ja, so heißt der Federball ganz offiziell) hin und her schießen dürfen. Mit den Joy-Cons soll dabei stets die natürliche Schlagbewegung des jeweiligen Sports nachgeahmt werden, tatsächlich sind die Joy-Con-Controller der Switch aber kaum präziser als die Wiimote der Wii, wodurch halbherziges Bewegen des Handgelenks genauso effektiv ist wie realistisches Schlagen. Gutes Timing ist letztlich der Schlüssel zum Erfolg, denn allein wie früh oder spät wir den Controller bewegen, bestimmt beim Tennis die Flugrichtung und die Art des Schlags. Beim Badminton können wir zusätzlich einen Stoppball durch Gedrückthalten des Triggers durchführen. Bei beiden Sportarten kann die Spielfigur zwar manuell über den Platz bewegt werden, sie zieht aber auch so immer automatisch in Richtung (Feder-)Ball.

Volleyball ist da schon ein klein wenig komplexer, wenn auch nur, weil wir nacheinander verschiedene Positionen auf dem Platz besetzen dürfen. Je nachdem wo wir stehen – die verschiedenen Positionen nimmt unsere Spielfigur ganz von alleine ein – müssen wir dann Aufschlagen, Baggern, Pritschen oder Blocken. Der Joy-Con-Controller wird dabei von unten nach oben oder umgekehrt geschwungen.

Die verhältnismäßig komplexeste Sportart ist zweifelsohne Chanbara. Hier treten immer zwei Spieler im Duell gegeneinander an, um sich mit Holzschwertern von einer Plattform in das darunterliegende Wasser zu stoßen. Dabei ist mehr als nur gutes Timing gefragt, denn wir müssen nicht nur Zuschlagen, sondern auch Schläge des Gegners richtig blocken. Letzteres erfordert, dass wir die Ausrichtung des gegnerischen Schwerts stets im Blick behalten und unser eigenes Schwert durch Drehen des Joy-Cons genau entgegengesetzt halten. Vertikale Schläge werden mit einem horizontalen Schwert abgeblockt und umgekehrt. Erfolgreiches Blocken führt dazu, dass unser Gegner kurzzeitig gelähmt ist und wir zu einem Konter ansetzen können. Zusätzlich zum normalen Schwert stehen auch ein Energieschwert und Zwillingsschwerter zur Auswahl. Das Energieschwert erlaubt aufladbare Angriffe, während Zwillingsschwerter einfach zwei normale Schwerter sind, die mit je einem Joy-Con in jeder Hand gesteuert werden.

Bowling ist... nun ja, Bowling eben. Wer schon einmal irgendeinen Teil der Sports-Reihe auf Wii oder WiiU gespielt hat, weiß, wie der Joy-Con geschwungen werden muss, um die Kugel in die Pins krachen zu lassen. Auf der Switch können online bis zu 16 Spieler gegeneinander antreten. Via Split-Screen dürfen erstmalig auch bis zu vier 4 Spieler gleichzeitig bowlen, was zu einem ziemlichen Chaos im heimischen Wohnzimmer führen kann. Neu sind hier außerdem optionale Spezial-Bahnen mit verschiedenen Hindernissen, die für eine zusätzliche Herausforderung sorgen. Dafür gibt es den 100-Pin-Modus aber leider nicht mehr.

Die letzte Sportart ist Fußball. Der Ball ist riesig – größer als unser Charakter – und muss durch Schwingen des Joy-Cons im gegnerischen Tor untergebracht werden. In der Praxis erinnert das Ganze an Rocket League, nur dass hier keine blitzschnellen Autos über das Grün rasen, sondern verhältnismäßig langsame Sportmates. Es wird im übrigen nicht elf gegen elf gespielt, sondern maximal vier gegen vier, und es ist nicht möglich Spieler zu wechseln oder mit dem Ball am Fuß zu laufen, wodurch wir praktisch immer nur mit der gleichen Spielfigur dem Fußball hinterherjoggen, um ihn dann mit einem flachen Schuss oder einer Flanke Richtung Tor zu bewegen. Das könnte mit vier Spielern vor der Glotze tatsächlich Spaß machen, aber nur die wenigsten Gamer dürften zuhause ganze acht Joy-Cons herumliegen haben. Anders als in den restlichen Sportarten benötigt hier nämlich jeder Spieler ein eigenes Joy-Con-Set, um die eigene Spielfigur und gleichzeitig die Kamera bewegen zu können.

Simpler Partyspaß mit fragwürdigem Item-System

Sollten es die oberen Zeilen nicht schon längst klargemacht haben: Die einzelnen Sportarten in Nintendo Switch Sports sind nicht sonderlich komplex. Die Charaktere laufen meist ganz von allein und gutes Timing ist viel wichtiger als präzise Bewegungen. Das kann durchaus als Kritikpunkt gesehen werden, bringt aber auch Vorteile mit sich, denn so läuft das Spiel bei geselliger Runde wieder schnell zur Höchstform auf. Egal ob Gelegenheitsspieler oder Hardcore-Gamer – jeder kann mit Nintendo Switch Sports Spaß haben ohne sich erst lange mit dem Gameplay oder der Steuerung vertraut machen zu müssen. Als Party-Titel ist Nintendo Switch Sports dadurch natürlich klasse, allerdings verpasst der Mangel an Komplexität der Langzeitmotivation einen Dämpfer, den Nintendo durch eine etwas kuriose Entscheidung offenbar absichtlich noch verstärkt: Wie oben schon erwähnt, lässt sich der karge Charaktereditor mit freischaltbaren Items erweitern. Neue Hüte, Kleider, Brillen und andere Gegenstände können freigespielt werden, um die Sportmates individueller zu gestalten, außerdem gibt es Sticker und verschiedene Designs für die unterschiedlichen Bälle, Schwerter und den Shuttlecock. Nintendo hat sich aber aus irgendeinem Grund dafür entschieden, die Items immer nur drei Wochen lang und nur im weltweiten Modus erhältlich zu machen. Das heißt im Klartext: Wer in Nintendo Switch Sports zusätzliche Items freispielen möchte, braucht eine kostenpflichtige Switch-Online-Mitgliedschaft und muss regelmäßig online gegen Fremde spielen. Wer alleine, im lokalen Mehrspielermodus oder auch online gegen Freunde spielt, bekommt für seine Highscores keine Belohnungen. Nicht einmal simple Statistiken gibt es. Für Spieler ohne Abo hält Nintendo weltweit lediglich einen "Probemodus" gegen erschreckend schwache KI-Gegner parat. Pro Woche sind im Probemodus maximal zwei Items freispielbar, außerdem ist er gespickt mit nervigen Einblendungen, die eine Online-Mitgliedschaft verkaufen wollen. Während einer Party in der eigenen Bude wird das die meisten Spieler kaum jucken, trotzdem ist es schade, dass Nintendo hier den Switch-Online-Service so ins Rampenlicht rückt und die allermeisten Items praktisch hinter eine Paywall stellt, obwohl das Spiel im lokalen Multiplayer zweifellos am meisten Spaß macht.

Wo es dagegen wenig zu meckern gibt ist die Technik: Optisch ist Nintendo Switch Sports den älteren Teilen der Serie natürlich haushoch überlegen und kommt zwar mit etwas Kantenflimmern, dafür aber völlig ohne Ruckler oder irgendwelche Bugs daher. Etwas schade ist jedoch, dass die gute Performance offenbar auf Kosten der Auflösung geht. Die liegt nämlich bei maximal 720p. So manche Halle oder Arena hätte zudem etwas mehr Leben vertragen können. Nicht einmal beim Fußball gibt es mehr als eine Handvoll desinteressierter Zuschauer am Spielfeldrand. Akustisch bietet uns Nintendo gewohnte Wii-Sports-Kost, das heißt unauffällige Hintergrundmusik, diesmal um ein paar Soundbites erweitert.

Fazit

Nintendo Switch Sports ist als Party-Spiel genauso famos wie es seinerzeit Wii Sports war. Sobald mehr als nur ein Spieler vor dem Fernseher sitzen oder vielmehr stehen, geht die Post ab. Das simple Gameplay und die intuitive Bewegungssteuerung ermöglichen es Jungspunden, alten Hasen, Profis und blutigen Anfängern gleichermaßen unbeschwert ins Spiel einzusteigen. Ungeachtet dessen kommt die Minispiel-Sammlung aber in mehrerlei Hinsicht etwas minimalistisch daher. Der Umfang ist mit sechs Sportarten nicht überragend, die Präsentation technisch zwar sauber, aber genauso unspektakulär, und Langzeitmotivation gibt es nur mit einem Switch-Online-Abo. Unterm Strich bekommen wir hier also ein Spiel, das für gelegentliche Multiplayer-Sessions bestens geeignet ist, aber, auch aufgrund unnötiger Onlinezwänge, langfristig kaum an den Bildschirm fesseln kann.

Unsere Wertung:
7.0
Jeremiah David meint: "Nintendo Switch Sports ist als seichtes Party-Spiel für ein paar Multiplayer-Abende bestens geeignet, bietet aber nur einen geringen Umfang und kaum Langzeitmotivation."
Nintendo Switch Sports von Nintendo erscheint am 29.04.2022 für Nintendo Switch. Wir haben die Version für Nintendo Switch getestet. Für diesen Test wurde uns ein Rezensionsexemplar von Nintendo zur Verfügung gestellt.
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1 Kommentar:
Tobsen)
Tobsen
Am 06.05. um 18:37
Damals auf der Wii fand ich es cool, aber es war halt auch die Zeit. Jetzt brauche ich das nicht mehr.
2null3)
2null3
Am 07.05. um 14:05
Geht mir ähnlich und die Kombination aus vergleichsweise geringem Umfang und schwacher Technik macht es leider auch nicht so richtig attraktiv. Aber zumindest ist besser als 1-2-Switch. :D