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Kommentar: 3 Dinge, die Nintendo auf der gamescom gut gemacht hat

Von Tim Herrmann am 29.08.2017

Seit jeher hat die gamescom ein Problem: Sie ist zwar das weltgrößte Gaming-Event mit den meisten Besuchern, weit vor der E3 oder der Tokyo Game Show. Doch inhaltlich ist sie irrelevant. Kaum ein Publisher nutzt den Anlass für wichtige Neuankündigungen, wärmt stattdessen meist nur alte E3-News auf. Allenfalls ist mal ein neuer DLC, ein kleiner Download-Titel oder eine Meldung über eine Portierung drin.

Das hat sich auch in diesem Jahr nicht wesentlich verändert. Und doch gab es einen Publisher, der die gamescom in diesem Jahr überraschend ernst genommen hat: Nintendo. Das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil Nintendo und die gamescom nicht nur gute Erinnerungen verbinden. In den Anfangsjahren kam der Branchenriese einmal gar nicht – ein Affront. 2016 und viele Jahre zuvor präsentierte man hingegen fast nur bereits erschienene Titel und versteckte Top-Hits wie The Legend of Zelda – Breath of the Wild (oder 2012 auch die Wii U-Konsole) hinter dicken Mauern oder im Business Center. Davon hatte letztlich niemand etwas.

Das Bild ist am Morgen des Fachbesuchertages der gamescom 2016 aufgenommen worden. Es ist nicht unbedingt repräsentativ für den Andrang auf den Stand insgesamt ...

2017 alles anders: Nintendo hat dieses Jahr einen vergleichsweise echt guten gamescom-Auftritt hingelegt. Das machen wir an drei Faktoren fest:

Erstens: Viele Anspielstationen für viele Spiele

Klar, 2017 ist Nintendo in einer viel besseren Ausgangslage als noch 2016. Denn im Gegensatz zum vergangenen Jahr gibt es immerhin neue Titel zu zeigen. Auf der E3 hat Nintendo Super Mario Odyssey vorgestellt, Metroid – Samus Returns enthüllt und Mario + Rabbids Kingdom Battle offiziell gemacht.

Zum Glück haben die Verantwortlichen begriffen, dass genau diese Titel auch Publikum an den Stand locken werden, und genug Anspielstationen aufgebaut. Zwar mussten echte Fans immer noch mitunter drei Stunden lang warten, um zehn Minuten durch die bekannte Demo des neuen Mario-Spiels zu laufen. Doch die gamescom wäre nicht die gamescom ohne diese absurde Wartezeit, die manche sich mit Campingstühlen und Multiplayer-Matches verkürzen.

Nintendo hat aber nicht nur einige wenige Blockbuster vorgestellt, sondern auch den Rest seines Herbst-Lineups illustriert. Darunter auch Titel wie FIFA 18 für Nintendo Switch, das in Deutschland als öffentlich spielbare Demo seine Europapremiere gefeiert haben dürfte (hier geht's zu unserem Preview zu FIFA 18). Auch die Switch-Umsetzung von The Elder Scrolls V – Skyrim gab es zu sehen, zusammen mit diversen amiibo-Figuren, den bereits erhältlichen Multiplayer-Titeln und einigen kleineren 3DS-Spielen.

Zweitens: Bühnenprogramm von internationaler Ausrichtung

Eine Live-Show auf der sogenannten "Battle Stage" gibt es bei Nintendo am Messestand seit Jahren – hier mal ein Event, dort mal ein Show-Match. Der ehemalige GIGA-Moderator Tim Feldner hat sich die dritte Augustwoche seit Jahren dick im Kalender geblockt, um bei Nintendo zu moderieren. Dieses Jahr mutete das Ganze aber etwas anders an.

Plötzlich wurde auf der deutschen gamescom Englisch gesprochen, plötzlich wurde das Bühnengeschehen live in alle Welt übertragen. Und plötzlich stand da nicht nur der Moderator, der Nintendos Factsheets rezitierte, sondern die Produzenten von Nintendos Blockbustern selbst. Mit Yoshiaki Koizumi und Yoshio Sakamoto waren der Mario- und Metroid-Produzent nach Köln gekommen; Koizumi war auch schon auf der E3 ein Stargast. Lest hier auch unseren Eventbericht dazu.

Ein starkes Zeichen ist das allemal. Nur eines fehlt jetzt noch: Wer Prominenz zur Spielemesse anreisen lässt, sollte ihr auch das eine oder andere neue Detail entlocken können. Wenn es eines Tages dazu kommen sollte, werden auch die Amerikaner morgens aufstehen und einschalten, wenn wieder gamescom im fernen Europa ist.

Drittens: Nintendo of Europes Treehouse heißt jetzt Red Cube

Dort, wo Nintendo in den vergangenen Jahren ein paar versprengte Stimmungsvideos und Mood-Filme vom Messestand nachreichte, füllte man die Tage diesmal mit massig Programm. Dass Nintendos Marketing-Manager aus Frankfurt sich dabei einiges bei ihren Kollegen aus Redmond abgeschaut haben, steht außer Frage. Aber das ist völlig legitim, schließlich gilt das Nintendo Treehouse zur E3 seit jeher als Anlaufpunkt für Infos und Neuigkeiten abseits der großen Enthüllungsstreams.

Nintendo of Europe nannte sein Live-Streaming-Programm Red Cube und übertrug live vom Messestand. Die europäischen Nintendo-Marketeers nahmen sich in selbigem Red Cube Zeit, einen ausführlichen Blick auf die neuesten Demos zu werfen; mit Xenoblade Chronicles 2 zeigten sie sogar eine neue Demo, die selbst die privilegierten Amerikaner von der E3 noch nicht kannten. Auch das: alles in englischer Sprache, um explizit nicht nur die regionale deutsche Zielgruppe anzusprechen, sondern die Messe international zu nutzen.

Das Format darf Nintendo gern beibehalten – und weiterentwickeln. Wie für das Messe-Lineup und die Prominentenauftritte gilt auch beim Livestreaming-Programm aber: Ein paar Neuigkeiten wären schön. Sie würden dabei helfen, der gamescom die Relevanz zu verleihen, die ihr als weltweiter Leitmesse mit 350.000 Besuchern zusteht.

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4 Kommentare:
Jerry)
Jerry
Am 29.08.2017 um 11:23
Für die Besucher war Nintendos Gamescom-Auftritt sicher nett (im Sinne von "Nintendo war da und man konnte Spiele anspielen"), aber für alle anderen trotzdem völlig bedeutungslos. Letztlich wurde ja doch nichts neues gezeigt oder angekündigt, oder? Es war halt eine große Werbetour für ein System, für das man den aktuellen Hype zumindest so lange aufrecht erhalten muss, bis der Spielenachschub irgendwann Mitte nächsten Jahres komplett wegfällt.
Asinned)
Asinned
Am 29.08.2017 um 16:25
Gab neue Szenen zu Xenoblade Chronicles 2 und SMO. Meines Wissens auch ein neuer Trailer zu Metroid 2. Ist natürlich noch weit entfernt von der E3 Infoflut, aber wie es der Autor treffend beschrieben hat geht es in die richtige Richtung.
JanoschTS)
JanoschTS
Am 31.08.2017 um 12:51
Die komplette Gamescom ist eine einzige große Werbetour. In der Hinscht war Nintendo in guter Gesellschaft.
Der R)
Der R
Am 29.08.2017 um 22:35
Mir ist Nintendos Stand auch sehr positiv aufgefallen. Nintendo wird wieder sichtbar.
kraid)
kraid
Am 30.08.2017 um 01:04
Ich kann an und für sich sehr gut englisch, kommuniziere im Internet überwiegend in dieser Sprache und schaue Filme und Serien oft im englischen Orginalton.

Aber das bei einer deutschen Spielemesse (bei Nintendo) durchweg englisch gesprochen wird, finde ich aber nicht so toll. Englische Untertitel hätten hier auch vollkommen ausgereicht.

Warum soll der englischsprachige Zuschauer nicht auch mal eine andere Sprache erleben und Untertitel lesen müssen?

Stattdessen bekommt er einen vielleicht etwas merkwürdig klingenden Englisch-Dialekt serviert.

Generell sollten derartige Shows immer in der jeweiligen Landessprache von Muttersprachlern durchgeführt und für ausländische Zuschauer untertitelt oder anderweitig übersetzt werden.

Was Reporterteams ausländischer Medien dann machen ist deren Sachen, aber die großen Aussteller sollten sich der Landessprache des Gastgeberlandes bediehnen.

Bei den Gästen die weder die Landessprache noch Englisch beherschen, sollte eben der Übersetzer in die Landessprache übersetzen und der Rest über Untertitel erfolgen.

Aber anscheinend bekommt Nintendo es noch nichtmal hin wenigstens deutsche Untertitel für ihre aufs Ami-Publikum ausgerichtete Sendung zu machen.

Wie gesagt, ich habe kein Problem mit englisch, aber damit das Nintendo (europe) damit Signalisiert wie sehr ihnen das Gastgeberland und der deutsche Markt am Allerwertesten vorbei geht.
Rächer)
Rächer
Am 30.08.2017 um 10:15
Das ist interessant. Welchen Livestream hast du denn schon mal gesehen, der einen Untertitel hatte? Ich frage mich nämlich wie das funktionieren soll.
Asinned)
Asinned
Am 30.08.2017 um 12:31
Mal abgesehen davon kann auch jeder englisch. Auch wenn sich der ein oder andere Nintendo Star einen Übersetzer an die Seite holt, er versteht auch so was abeght in englisch. Bei Deutsch ist das nicht der Fall. Wenn man international sein will muss es eben in englisch sein.
BastiSWO)
BastiSWO
Am 07.10.2017 um 18:54
Ich finde, dass das Potenzial der Gamescom nicht wirklich ausgeschöpft wird. Es sollte meiner Meinung nach mehr angekündigt werden.