Rise of the Tomb Raider
Im November 2015 setzte Rise of the Tomb Raider die Geschichte der im Jahr 2013 begonnenen Reboot-Trilogie um die ikonische Archäologin fort. Ihr werdet mit bekannten Charakteren in das verschneite Sibirien entführt, wo ihr nach der Göttlichen Quelle sucht, die bereits den Vater unserer Heldin in den Wahnsinn trieb. Nachdem der erste Teil des Reboots neu auf Nintendo-Konsolen veröffentlicht wurde und das Franchise wiederbelebt wurde, war es nur eine Frage der Zeit, bis auch das Sequel seinen Re-Launch erhielt. In dieser Woche war es dann endlich soweit: Rise of the Tomb Raider wurde in seiner „20 Year Celebration“-Edition (diesmal nur) auf der Nintendo Switch 2 veröffentlicht. Im Zuge der letzten Nintendo Direct wurde es angekündigt, der Release folgte unmittelbar danach, und wir hatten umgehend ein Testexemplar vorliegen. Warum Rise of the Tomb Raider auch heute noch ein großartiges Spiel ist und was Nintendo-Fans erwarten müssen, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Lara im Wettlauf gegen das Unbekannte
Wie schon angesprochen, führt euch Rise of the Tomb Raider nach Sibirien, um das Geheimnis der Göttlichen Quelle zu erforschen. Nicht nur, dass der heilige Ort einen sehr spannenden Namen trägt: Auch die Macht der Unsterblichkeit ist in ihm verborgen – eine Kraft, die auf keinen Fall in die falschen Hände gelangen darf. Unsere Protagonistin, Lara Croft, ist schließlich nicht die einzige, die sich für die Schatzjagd interessiert. Auch eine paramilitärische Gruppe namens Trinity hat die Glaubensstätte im Visier, und mit ihnen ist nicht gut Kirschen essen. Unter der Führung eines als Konstantin bekannten Wahnsinnigen tötet und sprengt sich die Organisation durch die frostige Tundra. Dies ist der Beginn eines nervenaufreibenden Wettlaufs. Das Spiel Rise of the Tomb Raider hat eine ungefähre Spielzeit von zwanzig Stunden – weniger, wenn ihr nur die Hauptmissionen spielt, und mehr, wenn ihr euch mit den verschiedenen Nebenquests auseinandersetzt. Die Geschichte weist zwar Höhepunkte und Wendungen auf, ist insgesamt jedoch durchschnittlich und fungiert lediglich als Rahmenhandlung für das unterhaltsame Gameplay. Das ist bedauerlich, denn die Inszenierung ist hervorragend und bietet großartig vertonte Dialoge, spannende Zwischensequenzen in beeindruckender Spielgrafik und zahlreiche Info-Schnipsel mit weiteren Fakten zur Handlung. Ihr vergeudet definitiv nicht eure Zeit, aber erwartet kein erzählerisches Meisterwerk wie The Last of Us.

Was dem Spiel an Story etwas untergeht, wird jedoch – wie schon erwähnt – durch ein unterhaltsames Gameplay wettgemacht. Während Lara Croft hüpft, schießt und rätselt, durchlauft ihr die teils atemberaubenden Schauplätze. Je gründlicher ihr vorgeht, desto mehr Belohnungen erwarten euch am Ende. In der Spielwelt gibt es zahlreiche optionale Abschnitte, Schätze und andere wertvolle Dinge, die ihr in eure Ausrüstung investieren könnt. Auf diese Weise kleidet ihr die Spielfigur nicht nur in frische Outfits mit individuellen Effekten, sondern erweitert auch deren Arsenal. Waffen und Werkzeuge können aufgewertet und verändert werden, was nicht selten ihre Optik verändert und das Gefühl der Progression verstärkt. Weil euer Equipment zu Beginn noch sehr rudimentär ist, müsst ihr zunächst im Verborgenen agieren. Doch im Laufe des Spiels entwickelt sich Lara Croft zu einer echten weiblichen "Kampfmaschine", die einem ganzen Bataillon aufnehmen kann...

… oder besser: könnte. Auch wenn es euch hin und wieder zum tumultartigen Schusswechsel zwingt, ist das Verborgene meist ein wirksames Mittel. Neben der Tatsache, dass ihr für lautloses Vorgehen deutlich mehr Erfahrungspunkte erhaltet, ist auch zu beachten, dass die Handhabung von Schusswaffen nicht unbedingt auf Top-Niveau ist. In höheren Schwierigkeitsgraden verzichtet das Spiel vollständig auf Zielhilfen, sodass ihr nur den Analog-Stick und das Fadenkreuz zur Verfügung habt. Obwohl Rise of the Tomb Raider eine Option für Bewegungssteuerung im Menü bietet, funktioniert diese nicht beim Zielen mit einer Waffe. Dies stellt eine erhebliche Lücke dar und ist ein wesentlicher Kritikpunkt an der aktuellen Umsetzung. Werfen wir jedoch einen Blick auf den Vorgänger, so ist das letzte Wort hier noch nicht gesprochen, und nachträgliche Updates könnten eine Lösung bieten. Löblich zu erwähnen ist allerdings, dass man auf die Maus-Funktion der Switch 2 setzt. Und die funktioniert richtig gut. Für viele Spieler wird diese Option zwar nur eine nette Dreingabe sein und weniger eine echte Alternative zur Steuerung. Man sollte es dennoch nicht unerwähnt lassen, dass sich das Abenteuer auch mit dieser Option beinahe tadellos steuern lässt.

Ordentliche Portierung mit kleinen Schönheitsfehlern
Mit Leichtigkeit wird auf dem Grundgerüst des ersten Reboot-Teils aufgebaut. Das heißt, auch in Rise of the Tomb Raider werdet ihr durch weitläufige Areale geführt, die sich euch nach und nach weiter erschließen. Anfangs versperren Barrikaden den Weg, aber später erhaltet ihr das passende Werkzeug, um diese Hindernisse zu überwinden. Rise of the Tomb Raider weist durchaus Metroidvania-Charakterzüge auf und regt dazu an, frühere Abschnitte noch einmal zu besuchen. Zunächst scheint die eisige Tundra Sibiriens eine fade Kulisse zu sein, doch sie entpuppt sich schnell als ein explosiver Spielplatz mit einer wunderschönen Fauna, beeindruckenden Gräbern und geheimnisvollen Ruinen, darunter verfallene russische Militäranlagen aus der Zeit des Kalten Kriegs. Hier ist Langeweile definitiv nicht gegeben. Abgesehen von der Handlung, die zweifelsfrei das Herzstück des Spiels ausmacht, bietet Rise of the Tomb Raider einige ausgewählte Arcade-Modi (sogenannte Expeditionen), darunter einen kooperativen Horde-Modus, sowie ein kleines Bonuskapitel in der legendären Croft Manor. Allesamt freundliche Dreingaben, die das Komplettpaket der „20 Year Celebration“-Edition nochmals abrunden. Darüber hinaus könnt ihr euch über Bonuswaffen und -outfits freuen, die euch den Überlebenskampf in der Kampagne (optional) erleichtern.

Auch nach zehn Jahren kann das Spiel grafisch überzeugen. Rise of the Tomb Raider war damals ein schönes Spiel – und das ist es noch immer. Die Umgebungen und Charaktermodelle sind detailreich, und Licht- sowie Schatteneffekte entsprechen problemlos dem Standard aktueller Software. Man kann hier und da das Alter erahnen, aber insgesamt überwiegt der Glanz. Bedauerlicherweise beträgt die Bildrate der Nintendo Switch 2, sowohl im mobilen als auch im stationären Betrieb, 30 FPS. Auch die Auflösung scheint auf 1080p (Full-HD) begrenzt zu sein. Betrachtet man das Steam Deck, so wären mindestens 40 FPS möglich gewesen, was das Abenteuer deutlich geschmeidiger und präziser erscheinen lassen würde. Auch hier kann jedoch auf den Entwicklungsverlauf des Vorgängermodells verwiesen werden, das anfangs auf beiden Geräten mit dreißig Bildern pro Sekunde lief und dessen Bildrate auf dem neueren Hybridmodell verdoppelt wurde. Wie man weiß, ist die Hoffnung das Letzte, was aufgegeben wird.

FAZIT:
Rise of the Tomb Raider kam quasi aus dem Nichts auf Nintendo Switch 2 und obwohl der Titel schon knapp 10 Jahre auf dem Buckel hat, ist es trotzdem erfreulich, Laras gelungenes Abenteuer auf der aktuellen Hybridkonsole spielen zu dürfen. Die Story war schon damals durchschnittlich und überrascht auch heute nicht, aber das Gameplay kann nach wie vor überzeugen. Die unbebauten Flächen bieten sich zum Entdecken an, eure Wachsamkeit wird belohnt und das allgegenwärtige Empfinden von Fortschritt spornt zum Weiterlesen an. Zu Beginn werdet ihr noch heimlich oder gar zur Flucht gedrängt, doch später mäht ihr in klassischer Rambo-Manier über die Schlachtfelder. Leider hat die Realisierung die typischen Aspyr-Krankheiten. Zielen mit der Gyro-Steuerung: nicht vorhanden. Verschiedene Grafikmodi: nicht vorhanden. Bereits im Vorgänger wurden viele Kleinigkeiten via Update nachgereicht und vielleicht hätte es dem Titel zu Beginn schon ganz gut getan. Auch die Tatsache, dass wir "nur" 60 Bilder pro Sekunde erreichen und der Titel optisch nicht ganz aus den Vollen schöpfen kann, trübt die Freude über Laras Aufrtitt etwas. Aber trotz allem bekommen wir für unter 30€ ein tolles Spiel, welches Lust auf das nächste Abenteuer der jungen Abenteurerin im kommenden Jahr machen dürfte.