Test

Demon Slayer: Kimetsu No Yaiba - The Hinokami Chronicles

Von Jeremiah David am 23.07.2022

Demon Slayer ist eine noch relativ junge Manga-Serie. Erst 2016 erschien der erste Band. Allein innerhalb der ersten vier Jahre wurden jedoch mehr als 60 Millionen Exemplare des Mangas verkauft (Quelle) und der wahnsinnige Erfolg führte schnell zu einer eigenen Anime-Serie mit dem Titel Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba, die den Manga rasch in die Top-10 der erfolgreichsten Mangas aller Zeiten hievte. Dieser Erfolg dürfte ungebremst weitergehen, denn seit Ende letzten Jahres gibt es nun auch noch eine Videospiel-Adaption der ersten Serien-Staffel. Wir haben die im Juni erschienene Switch-Version des Action-Adventures für euch unter die Lupe genommen.

Dämonentöter: Dämonenjäger

Demon Slayer: Kimetsu No Yaiba - The Hinokami Chronicles ist als Spiel in zwei Bereiche unterteilt: Zum einen gibt es den in mehrere Kapitel aufgespaltenen Geschichtsmodus und zum anderen den sogenannten VS-Modus, der es Spielern erlaubt on- oder offline gegen andere Spieler oder CPU-Gegner anzutreten. Die Kämpfe des VS-Modus finden in elf verschiedenen Arenen mit 33 nach und nach freischaltbaren Kämpfern statt. Im Vorfeld eines jeden Kampfes lassen sich Kampfdauer, Runden und diverse Handicaps einstellen, das Herzstück des Spiels ist jedoch zweifelsohne der Geschichtsmodus, der aus insgesamt acht Kapiteln und einigen zusätzlichen Sondermissionen besteht.

„Kimetsu no Yaiba“ heißt wörtlich übersetzt „Dämonenjäger“, womit sich „Demon Slayer: Kimetsu no Yaiba„ mit „Dämonentöter: Dämonenjäger“ übersetzen lässt. Dieser wenig dezente Titel erklärt praktisch schon, worum es im Geschichtsmodus des Spiels geht: In der Gestalt des Helden Tanjirō müssen wir Dämonen jagen und töten.

Tanjirō ist als Hauptcharakter erschreckend eindimensional und lässt sich problemlos auf seinen Heldenstatus reduzieren. Er ist mutig, gibt nie auf und kämpft stets für das Gute in der Welt, hat aber zumindest einen triftigen Grund, um gegen die paranormale Brut vorzugehen, denn seine Eltern wurden von Dämonen getötet, während seine jüngere Schwester Nezuko von ihnen gar in eine menschenfressende Bestie verwandelt wurde. Um sich nicht ständig ihrer Blutlust hingeben zu können, trägt Nezuko seitdem ein Stück Bambus zwischen ihren spitzen Vampirzähnen. Weil sie im Tageslicht sterben würde, begleitet sie Tanjirō tagsüber außerdem in einer großen Holzkiste, die er wie ein Rucksack auf dem Rücken trägt.

Als Tanjirō müssen wir eine Heilung für Nezukos Zustand finden und natürlich ihre Eltern rächen. Dazu trainieren wir bei Lehrmeister Urokodaki und spalten einen riesigen Felsen, um am letzten Auswahlverfahren der Dämonenjäger teilnehmen zu dürfen. Demon Slayer: Kimetsu No Yaiba - The Hinokami Chronicles beginnt kurz vor dieser traditionellen Prüfung und führt uns anschließend als frischgebackener Dämonenjäger durch verschiedene, von diversen Schreckgestalten heimgesuchte Ortschaften, an die uns eine sprechende Krähe schickt.

Seichtes Action-Adventure für jüngere Gamer

Demon Slayer: Kimetsu No Yaiba - The Hinokami Chronicles versteht sich als Action-Adventure, die Action steht allerdings ganz klar im Vordergrund. Der Adventure-Teil des Spiels hinterlässt einen ziemlich faden Eindruck, was unter anderem auch daran liegt, dass es im Spiel weder Items noch Rätsel gibt und die stellenweise hübsch gestaltete Welt kaum Interaktionsmöglichkeiten bietet. In den Ortschaften existieren zwar Läden und Wohnhäuser, aber Tanjirō kann sie nicht betreten. Viele NPCs stehen zudem einfach tatenlos in der Gegend herum und warten offenbar nur darauf, dass wir sie ansprechen - zumindest diejenigen, die unübersehbar mit einem leuchtenden Ausrufezeichen über dem Kopf ausgestattet sind. Die anderen Figuren stehen ganz ohne Grund in der Gegend herum. Als wäre das nicht schon schlimm genug, werden wir als Spieler an einer furchtbar kurzen Leine geführt. Durch Drücken von ZR wird der Geruch von Gegnern sichtbar gemacht und Tanjirō muss dann nur noch einem rot leuchtenden Faden folgen. Sammelobjekte sind ohne Ausnahme auf der Karte eingezeichnet und die wenigen Interaktionsmöglichkeiten mit der Spielewelt dürfen wir nicht selber entdecken, sondern werden uns vom Spiel geradezu aufgedrängt. Gibt es an einer Stelle beispielsweise ein Loch im Zaun, durch das Tanjirō in einen versteckten Hinterhof schlüpfen kann, ruft er bereits aus einiger Entfernung "I can make it through that gap" - wahlweise auf Englisch oder Japanisch, denn eine deutsche Sprachausgabe gibt es nicht.

So wird das Erkunden der Gebiete praktisch zu einer reinen Fleißaufgabe, bei der wir mit einer kleinen Anzahl an Personen sprechen oder optionale, blau oder gelb leuchtende Sammelobjekte aufheben können. Die blau leuchtenden Erinnerungsfragmente erlauben es uns, mehr über die Vergangenheit eines Charakters herauszufinden, während die gelb leuchtenden Kimetsu-Punkte bestimmte Belohnungsfelder im Hauptmenü freischalten.

Auch die Geschichte entfaltet nie ihr ganzes Potential. Letzteres liegt einerseits daran, dass sie mit einem Cliffhanger endet, aber mehr noch daran, dass sie zu häufig nur mit Hilfe von Textboxen vorangetrieben wird. Wir spielen nicht Tanjirōs gesamte Geschichte, sondern springen mit jedem Kapitel nur in einen besonderen Ausschnitt der mit Klischees gespickten Story. Demon Slayer: Kimetsu No Yaiba - The Hinokami Chronicles soll die Anime-Serie offensichtlich nicht ersetzen, sondern eher ergänzen. Die Charaktere und vor allem die Gegner sind fantasievolle, unterhaltsame Gestalten, außerdem sorgt der Slapstick-Humor für die ein oder andere lustige Szene, eine erzählerische Meisterleistung sollte abseits davon jedoch niemand erwarten.

Simple, aber spaßige Kämpfe

Während Demon Slayer: Kimetsu No Yaiba - The Hinokami Chronicles als Abenteuerspiel nicht überzeugen kann, macht es als Actionspiel immerhin eine ordentliche Figur. Im Laufe der meisten Kapitel trifft Tanjirō auf etliche kleinere Dämonen sowie einen größeren Endboss, die er bekämpfen muss. Lediglich während den Kapiteln 6 und 7, die im sogenannten Schmetterlingsanwesen stattfinden, werden die Kämpfe mit einem Minispiel ersetzt, bei dem im richtigen Takt eingeblendete Tasten gedrückt werden müssen.

Wenn Tanjirō auf einen oder mehrere Dämonen trifft, wird er stets in eine Art Arena verfrachtet, wo er sich mit leichten und schweren Angriffen sowie zahlreichen Kombos zur Wehr setzen kann. Mit der B- beziehungsweise A-Taste kann er zudem Springen und eine Ausweichbewegung durchführen, mit R gegnerische Angriffe blocken.

Hin und wieder dürfen wir auch mit anderen Kämpfern antreten oder Tanjirōs Schwester als Unterstützung herbeirufen. Speziell die abwechslungsreichen Bossgegner kommen mit unterschiedlichen Angriffsmustern und unterschiedlichen Attacken daher und machen durchaus Spaß, allerdings zeigt sich auch hier, dass CyberConnect2 bei der Entwicklung des Spiels wohl eine eher junge und unerfahrene Zielgruppe im Blick hatte, denn geübte Spieler werden praktisch nie vor eine nennenswerte Herausforderung gestellt. Viel zu leicht lässt sich ein A- oder S-Rang erkämpfen. Wer wider Erwarten doch einmal stirbt, wird sofort wiederbelebt - lediglich der S-Rang ist dann futsch. Sogar Quick-Time-Events, die das Drücken einer bestimmten Taste erfordern, sind lächerlich einfach zu meistern, weil es vollkommen ausreichend ist einfach alle Tasten gleichzeitig zu drücken. Völlig unverständlich ist hierbei, wieso die Entwickler dem Spiel nicht verschiedene Schwierigkeitsgrade spendieren konnten.

Technisch einwandfrei

Technisch macht Demon Slayer: Kimetsu No Yaiba - The Hinokami Chronicles dagegen wenig verkehrt. Die Switch-Version bietet zwar eine geringere Auflösung als die PlayStation- und Xbox-Versionen, aber leistet sich auch auf dem Handheld weder Ruckler noch Bugs, und die Ladezeiten sind (größtenteils) angenehm kurz. Die stilisierte Optik mit malerisch wirkenden Hintergründen und Charakteren im Cel-Shading-Look könnte direkt aus dem Anime stammen und dürfte Fans der Serie mehr als zufrieden stellen. Selbiges gilt auch für die Akustik. Die Synchronsprecher sind zwar nicht in der Lage wie normale Menschen zu sprechen, sondern müssen ihre Zeilen aus irgendeinem Grund stets hauchen oder schreien, aber das entspricht so wohl auch weitestgehend der Animevorlage.

Fazit

Demon Slayer: Kimetsu No Yaiba - The Hinokami Chronicles ist ein solides Actionspiel für Fans der Anime-Serie. Die Kämpfe gegen die abgedrehten Dämonen machen Laune, sind aber viel zu einfach, wodurch das gesamte Spiel geübten Spielern nur bedingt zu empfehlen ist. Alte Hasen sollten unserer Endwertung dementsprechend noch ein oder zwei Punkte abziehen. Jüngere Spieler werden mit dem Geschichtsmodus dagegen rund 8 Stunden lang gut unterhalten und können danach im VS-Modus gegen Freunde antreten oder sich online mit anderen Dämonenjägern messen.

Unsere Wertung:
7.0
Jeremiah David meint: "Solides Actionspiel für junge Anime-Fans."
Demon Slayer: Kimetsu No Yaiba - The Hinokami Chronicles von CyberConnect2 erscheint am 10.06.2022 für PC und PlayStation 4 und PlayStation 5 und Nintendo Switch und XBox One und XBox Series. Wir haben die Version für Nintendo Switch getestet. Für diesen Test wurde uns ein Rezensionsexemplar von Sega zur Verfügung gestellt.
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1 Kommentar:
TraxDave)
TraxDave
Am 10.08. um 21:32
Danke für die Einblicke. Ich wusste gar nicht, dass es sogar einen winzigen Adventure-Anteil gibt. Dachte es sind nur billig aneinander gereihte Kämpfe. CyberConnect2 vertraue ich bei Anime-Umsetzungen grds, also werd ich da wohl in einem Sale mal zugreifen. :)