The Elder Scrolls IV: Oblivion Remastered
Bethesda liefert wie zugesichert: Nach Fallout 4 und Indiana Jones ist nun auch Skyrim The Elder Scrolls 4: Oblivion Remastered auf Nintendo Switch 2 angekommen. Nintendo-Spieler erhalten hiermit ein riesiges Open-World-Rollenspiel, das trotz einiger Alterserscheinungen immer noch viel zu bieten hat. Die Umsetzung für die Switch 2 kann sich ebenfalls sehen lassen; Bethesda kann mit der Portierung insgesamt zufrieden sein, auch wenn es kleinere Kompromisse gibt. Wir klären auf.
Oblivion Remastered basiert auf dem Originalspiel aus dem Jahr 2006, das zu jener Zeit das Maß aller Dinge für Open-World-Rollenspiele war. Obwohl viele Mechaniken seitdem von Skyrim, The Witcher 3 und ähnlichen Spielen verbessert wurden, wird es von vielen Fans bis heute geschätzt und teilweise sogar verehrt. Nun habt ihr die Chance, den Klassiker auf der Switch 2 nachzuholen – grafisch überarbeitet und mit Verbesserungen im Gameplay, aber im Kern immer noch das gute, alte Oblivion, wie wir es seit 20 Jahren kennen.

Wie schlägt sich der Switch-2-Port?
Der Switch-2-Port von Oblivion Remastered bietet das gleiche Spielerlebnis wie auf allen anderen Plattformen, jedoch mit einigen netten Extras wie z.B. Touchscreen-Unterstützung, HD-Rumble, Zielen per Bewegungssteuerung und Maus-Support. Aber nichts davon ist wirklich notwendig - Switch-2-Besitzer werden sich trotzdem freuen. Bethesda und die Entwickler von Virtuos haben zudem eine Reihe von Bugs behoben und die Performance überarbeitet, um die Umsetzung zu realisieren. Einige dieser Optimierungen werden bald auch den anderen Umsetzungen für PC, PS5 und Xbox Series S/X zugutekommen, da viele Fans hier weiterhin über den unzureichenden Support des Spiels klagen. In diesem Punkt ist ein Lob für Bethesda durchaus angebracht: Den Entwicklern ist es gelungen, das gesamte Abenteuer samt der Add-ons Shivering Isles und Knights of the Nine auf die Speicherkarte der Switch 2 zu "quetschen". Es ist zwar unbedingt notwendig, dass ihr euch den Day-1-Patch herunterladet, aber ihr müsst deshalb nicht das gesamte Spiel nochmals herunterladen.
Falls ihr dennoch lieber die Download-Version aus dem E-Shop wählt, müsst ihr ggf. ein bisschen Platz schaffen, denn Oblivion Remastered nimmt auf der Switch 2 satte 58 Gigabyte ein. Die Nintendo-Konsole zielt grundsätzlich auf 30 FPS ab, einen Performance-Modus mit 60 FPS gibt es leider nicht. Für das ohnehin gemächliche Spieltempo ist das generell ausreichend und dank DLSS werden ohnehin meistens 30 Bilder pro Sekunde erreicht. Hin und wieder treten jedoch kleine Framedrops auf, die Bildrate ist also nicht vollkommen sauber. Die Einbrüche sind jedoch nicht so gravierend, dass sie den Spielspaß ernsthaft beeinträchtigen würden. Der Unterschied wird im Vergleich zu Skyrim jedoch sofort deutlich: Das fünfte Elder Scrolls auf der Switch 2 fühlt sich dank des mit Patch 1.2 eingeführten Performance-Modus deutlich geschmeidiger an. Hier bleibt noch Luft nachzubessern, liebe Entwickler.
Fairerweise bietet Skyrim grafisch gesehen aber auch wesentlich weniger: Für Oblivion, das 20 Jahre alte Originalspiel, wurde in der Unreal Engine 5 Stein für Stein und Grashalm für Grashalm nachgebaut, was zu einer viel detailreicheren Darstellung aller Umgebungen, Charaktere, Texturen, Monster und Landschaften im Vergleich zum Original führt. Auch die Beleuchtung, Schatten, Umgebungen und Wassereffekte wurden modernisiert, was dazu führt, dass Oblivion Remastered an manchen Stellen nicht wie ein Remaster, sondern wie ein echtes Remake aussieht. Trotzdem ist es wichtig zu bedenken, dass das Spiel immer noch auf der Original-Engine basiert, die seit 20 Jahren verwendet wird. Es wurde lediglich ein moderner Grafikmotor darübergelegt – ähnlich wie bei Diablo 2: Resurrected.

Im Docked-Modus wird die Grafik in 1080p auf dem TV-Bildschirm angezeigt. Dafür werden im Handheld-Modus lediglich 900p angestrebt, was vollkommen ausreicht. Obwohl DLSS in beiden Modi eine geringe Unschärfe verursacht, ist diese im normalen Betrieb kaum wahrnehmbar. Im Handheld-Modus werden einige Grafikdetails reduziert, die allerdings nur bei genauem Hinsehen auffallen. Spielt ihr im Handheld-Modus wird in der Distanz am Boden weniger Gras gerendert und Bäume sowie Blattwerk erscheinen weniger dicht und detailreich. Im TV-Modus sorgen Schatten und Beleuchtung zudem für einen höheren Kontrast. Das Resultat ist jedoch auch im Handheld-Modus noch absolut zufriedenstellend. Die Handheld-Darstellung verliert in der Distanz einige Details, was vermutlich auch mit der geringeren Auflösung zusammenhängt. Bäume werden in einer viel gröberen Weise dargestellt. Fast alle Bauwerke, Geröll und bedeutende Details der Landschaft werden angezeigt, mit Ausnahme von kleineren Gebäuden. Hier haben die Grafikdesigner einen gelungenen Kompromiss geschaffen.
Die Switch 2 bietet nur eine begrenzte Auswahl an Grafikoptionen. Außer einem FOV-Slider dürft ihr nur entscheiden, ob ihr Screen Space Reflections aktivieren oder deaktivieren wollt. Unserer Einschätzung nach hat diese Einstellung keine Auswirkungen auf die Performance, sondern ist eher eine Frage des persönlichen Geschmacks. Detailreichere Spiegelungen auf dem Wasser werden durch Screen Space Reflections erzeugt, allerdings bringen sie auch einen sichtbaren Nachteil mit sich. Wenn SSR aktiviert ist, wird die Landschaft realistischer auf der Wasseroberfläche widergespiegelt, wobei auch Bäume, Vegetation, Gebäude und andere Details der Umgebung reflektiert werden. Ohne SSR sieht die Darstellung nicht direkt hässlich aus, aber sie wirkt zumindest gröber und weniger realistisch.

Technisch solide - gigantischer Umfang
Die Ladezeiten auf der Switch 2 sind unterschiedlich. Bei der Schnellreise oder beim Betreten der offenen Spielwelt sind 15 bis 20 Sekunden gerade noch akzeptabel, aber gelegentlich verstreicht auch deutlich mehr Zeit. Wir hätten uns hier eine stärkere Optimierung gewünscht, denn Oblivion, ganz im Bethesda-Stil, ist voll von Ladebildschirmen, egal ob ihr einen Dungeon, eine Taverne, ein Wohnhaus oder einen Keller betretet. Die Fassungen für PC, PS5 und Xbox Series S/X sind hier tatsächlich überlegen, da die Ladepausen kürzer sind, was dem Spielfluss zugutekommt. Oblivion Remastered bleibt grundsätzlich sehr nah am Originalspiel. Eine üppige Open World erwartet euch, in der ihr völlige Freiheit genießt, in der stimmungsvolle Tag- und Nacht- Wechsel stattfinden und eine großartige Atmosphäre herrscht. Wer sich darauf einlässt wird entspannt zwischen 30 und 150 Stunden beschäftigt sein - oder sogar noch länger, wenn ihr wirklich alles entdecken und mitnehmen wollt. Die Welt von Cyrodiil ist randvoll mit Inhalten. Es liegt ganz bei euch, was ihr davon in Angriff nehmt, wohin ihr euch bewegt, welche Skills ihr euch aneignet und ob ihr dabei lieber aus der Ego- oder Verfolgerperspektive spielt.
Ihr habt die Möglichkeit, der (erzählerisch grundsoliden) Hauptstory zu folgen oder euch einer von mehreren Gilden anzuschließen, um beispielsweise eine Ausbildung zum Assassinen oder Zauberer zu erhalten. Nebenquests bieten kreative Einfälle am Wegesrand. Wer möchte, kann zum Vampir werden, nach mächtiger Ausrüstung und Schätzen suchen oder sich als Burgherr die Zeit vertreiben. Aber erwartet keine aufregenden Entscheidungen wie in The Witcher 3 oder Kingdom Come: Deliverance; Oblivion bietet im Vergleich zu moderneren Rollenspielen deutlich weniger. Auch bei den Dungeons ist Oblivion eher auf Quantität als auf Qualität ausgerichtet: Die Höhlen und Kerker ähneln sich doch häufiger und bieten kaum Abkürzungen. Hier hat Skyrim eindeutig die Oberhand. Auch die feurigen magischen Tore, die sich im Verlauf des Spiels an verschiedenen Orten öffnen, sind eine Besonderheit von Oblivion. Sie führen in eine Art Höllendimension, in der ihr vor allem Dämonen bekämpft - diese Abschnitte sind anfangs aufregend, nutzen sich aber ab, auch weil es hier kaum Überraschungen gibt.
Trotz des erneuten Patching von Oblivion Remastered für die Switch 2 solltet ihr kein gänzlich bugfreies Spielerlebnis erwarten. Das Originalspiel hatte bereits mit zahlreichen kleinen (und einigen größeren) Fehlern zu kämpfen, von denen einige bis heute nicht behoben wurden. In dieser Hinsicht hat das Remaster zwar Verbesserungen vorgenommen, dennoch sind auch heute noch einige Schnitzer im Spiel zu finden. Geringfügige Fehler in der physikalischen Berechnung, in Dialogen oder im Tagesablauf der NPCs sind nicht weiter schlimm. Einige dieser Fehler werden von der Community sogar gefeiert. Andere Käufer wünschen sich hingegen zusätzliche Bugfixes und Patches von Bethesda, insbesondere wenn eine Questreihe nicht korrekt abgeschlossen wird oder ein wichtiger Trigger nicht sofort ausgelöst wird. Diese Fehler lassen sich zwar oft auf irgendeine Weise umgehen oder aushebeln, aber allein aus diesem Grund ist es ratsam, öfter einen Spielstand zu erstellen. Besonders ärgerlich war bei unserem Test, dass das Spiel gleich zu Beginn mehrere Male abgestürzt ist und die Konsole sogar "eingefroren" ist. So etwas passiert euch hoffentlich nicht und gehört hoffentlich zu den Ausnahmen.
FAZIT:
Bethesda hat bereits mit Fallout 4 und Indiana Jones sehr hochwertige Portierungen für die Switch 2 abgeliefert. Oblivion Remastered führt diesen Trend nahtlos fort: Trotz der Begrenzung auf 30 FPS und etwas längerer Ladezeiten bietet das Spiel ein grafisch ansprechendes Remaster, das sich vor den anderen Umsetzungen nicht verstecken muss. Abgesehen von der beeindruckenden UE5-Optik bietet die Neuauflage sinnvolle Quality-of-Life-Upgrades, die das Spiel dringend benötigt hat. Jedoch: auch wenn Oblivion beliebt sein mag, ist es nun einmal 20 Jahre alt, und das merkt man auch. Ob beim Erkunden, bei Entscheidungen während Quests oder in Kämpfen – die moderne Konkurrenz bietet einfach mehr. Oblivion ist dennoch ein großartiges Open-World-Erlebnis mit dichter Atmosphäre und riesigem Umfang, wenn man sich darauf einlässt. Leider ist das Spiel nicht immer rundum fehlerfrei – und das ist eigentlich der einzige Vorwurf, den man Bethesda bei praktisch jedem ihrer Spiele machen muss. Abstürze, Bugs, unfreiwillige Aussetzer - all das scheint mittlerweile zum Alltag zu gehören. Wenn man diese Kinderkrankheiten beseitigt, dann schafft man in Zukunft beinahe perfekte Spiele.