Indie-Entwickler haben zunehmend Angst davor, Screenshots oder Videos unveröffentlichter Spiele zu teilen,...
KI-Firmen sind scheinbar der Meinung, sich im rechtsfreien Raum zu bewegen. Wortwörtlich Milliarden Texte, Bilder, Videos, Lieder und mehr werden von milliardenschweren Unternehmen zum KI-Training missbraucht. In Deutschland ist das legal, weil die Firmen sich hinter einem Gesetzt verstecken, das vor dem Aufkommen generativer KI-Systeme geschrieben wurde. Sie sehen KI-Training als Text- und Data-Mining. So ist für KI-Firmen die kommerzielle Nutzung von urheberrechtlich geschützten Inhalten legal, sofern der Urheber dem nicht ausdrücklich widerspricht. Dass ein solcher Widerspruch absolut gar nichts bringt, interessiert aktuell weder Politiker noch Richter und wird jetzt auch Indie-Entwicklern zum Verhängnis:
Wie die Seite 404-Media berichtet, trauen sich kleine Indie-Entwickler immer seltener Screenshots oder Videos von Spielen, die sich noch in der Entwicklung befinden, im Internet zu posten.
Als Beispiel wird Freya Holmér genannt, die auf Bluesky ein 50-sekündiges Video eines Prototyps für ein Tetris-ähnliches Spiel mit rotierenden Blöcken in den sozialen Medien postete. Innerhalb weniger Tage tauchten mehrere Plagiate ihres Spiels in App-Stores und im Internet auf.
Die Plagiate entstanden durch sogenanntes „Vibecoding“. Dabei nutzen Personen ohne jegliche Programmier- oder Designerfahrung generative KI, um basierend auf einfachen Textbefehlen Code zu schreiben und Benutzeroberflächen zu erstellen. Häufig wird der KI dabei befohlen, sich an bestehenden Programmen oder Spielen zu orientieren. Holmer's Video wurde vermutlich als Vorlage direkt in die KI geladen.
Charlie Greenman, der gegenüber 404 Media offen zugab, dass er Holmérs Idee gesehen hatte und schlicht kopieren wollte, sagt, er habe einige Prompts und etwa einen Tag benötigt, um seine Version des Spiels fertigzustellen. Greenman betont, er sehe in seinem Handeln keinerlei ethische Bedenken. Plagiate seien schließlich grundsätzlich nichts Neues. Er stellt zudem klar: „Das Spiel ist mir wirklich völlig egal. Niemand war daran interessiert.“
Diese Entwicklung entmutigt Indie-Entwickler, ihre Arbeit öffentlich zu teilen, da sie ständig die Sorge begleitet, dass ihre Konzepte sofort gestohlen und monetarisiert werden. Namhafte Entwickler wie Lucas Pope (Papers, Please) äußerten ähnliche Ängste, dass ihre Ideen von KIs „aufgesaugt“ und von anderen kopiert werden. Obwohl das Kopieren beliebter Trends für große Mobile-Publisher wie Voodoo schon lange eine lukrative Strategie ist, um schnelles Geld zu machen, senkt generative KI die Einstiegshürde drastisch. Dadurch werden professionelle Fähigkeiten sowie Fachwissen entwertet, während sich das ohnehin schon bestehende Klon-Problem der Branche weiter verschärft.
Quelle: 404 Media