Minishoot' Adventures
Knapp zwei Jahre nach seinem erfolgreichen Debut auf Steam erscheint Minishoot' Adventures nun auch für die aktuellen Konsolen. Wir haben uns die PS5-Version angesehen.
The Legend of Zelda: The Two Sticks
Ihr seid ein Raumschiff und müsst "die Korruption" beseitigen - mit diesem einzelnen Satz wäre die Story des minimalistischen Open-World-Shoot'em-Ups, das fast vollständig ohne Text auskommt, dann auch schon abgehakt. Ähnlich simpel gestaltet sich das Gameplay: Minishoot' Adventures ist ein Twin-Stick-Shooter, das heißt, ihr steuert euer Schiff mit dem linken Stick und könnt mit dem rechten in jede beliebige Richtung schießen. Zusammen mit einem Geschwindigkeitsboost, der für Ausweichmanöver oder Sprünge über Rampen eingesetzt werden kann, wäre die Steuerung damit ebenfalls schon fast vollständig abgehandelt. Im Laufe des Spiels findet ihr noch ein paar Spezialfähigkeiten, die euch im Kampf einen Vorteil verschaffen, aber fast vollständig optional bleiben.

Damit das nicht zu langweilig wird, haben die Entwickler das spartanische Gameplay in eine offene Spielwelt eingebettet, die ganz klar von klassischen 2D-Zeldas inspiriert ist. Somit gleitet ihr durch eine Oberwelt und Höhlensysteme, findet versteckte Herzteile oder neue Items, und erforscht im Laufe des Spiels mehrere Dungeons, die mit einem großen Bosskampf enden. Ähnlich wie seine Inspiration hält sich Minishoot' Adventures mit Questmarkern und ähnlichen Spielhilfen eher zurück, sodass man sich in der großen Welt auch mal verlaufen kann und nicht immer genau klar ist, wo und wie es weitergeht. Das kann natürlich auch als Pluspunkt verstanden werden, denn so dürfen wir die Spielwelt frei und auf eigene Faust erkunden, was heutzutage selten ist.
Alleskönner oder Nichtskönner?
Minishoot' Adventures macht sowohl als Shoot'em-Up als auch als Erkundungsspiel einen sehr guten, aber nicht herausragenden Eindruck. Die Schussmuster, die auf euch abgefeuert werden, sind nicht ganz so beeindruckend und ausgeklügelt wie in einem traditionellen Bullet-Hell-Shooter, sorgen auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad aber trotzdem für genug Herausforderung, um auch Genrefans auf Trab zu halten. Fehler werden hart bestraft, denn euer Schiff hält nicht viele Treffer aus, und Checkpoints gibt es eigentlich nur an den Eingängen der Dungeons. Nach einem Ableben in der Oberwelt startet ihr aus dem kleinen Dorf im Zentrum der Spielwelt und die meisten Gegner werden wiederbelebt. Falls euch das zu stressig ist, dürft ihr auf zahlreiche Assistenzfeatures bis hin zum Unverwundbarkeitsmodus zurückgreifen.
Auch die Dungeons kommen zwar einerseits mit ihren einfachen Schalterrätseln nicht wirklich an die Verliese aus Spielen wie A Link to the Past heran, sind auf der anderen Seite aber trotzdem komplex genug, um euch beim Spielen zum Mitdenken zu zwingen. Verdeckte Geheimgänge, die immer durch subtile Hinweise angedeutet werden, belohnen eure Aufmerksamkeit mit Erfolgserlebnissen. Die Oberwelt hält derweil einige Secrets bereit, die gut hinter verschachtelten Höhlensystemen versteckt sind und eure Beobachtungsgabe mindestens genauso stark fordern. Im weiteren Spielverlauf könnt ihr eine Funktion freischalten, die euch beim Aufspüren dieser Goodies etwas unter die Arme greift, sodass ihr zumindest wisst, an welchen Ecken der Spielwelt ihr suchen müsst.

Obwohl eure Spielfigur ein stummes Raumschiff ist, ist sie durchaus kommunikativ und freut sich beispielsweise mit Pirouetten über gefundene Items oder mit Herz-Emojis über ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Das ist unglaublich süß gemacht, aber ansonsten bleibt die audiovisuelle Präsentation von Minishoot' Adventures leider etwas blass. Die grauen Kreise und Dreiecke, die euch in der Spielwelt attackieren, haben keinerlei Persönlichkeit und sind genauso austauschbar wie die eigentliche Spielwelt, deren detailarmer Look leider ein bisschen an die Optik eines durchschnittlichen Smartphone-Titels erinnert. Auch die Hintergrundmusik fügt sich in dieses Bild ein und dudelt unauffällig vor sich hin. Da wäre deutlich mehr drin gewesen, aber immerhin läuft das Spiel - abgesehen von vereinzelten Grafik-Bugs - technisch absolut sauber.
FAZIT:
Minishoot' Adventures schafft es trotz seines spartanischen Gameplays, über seine etwa zehnstündige Laufzeit hinweg bestens zu unterhalten. Sowohl die Shooter-Einlagen als auch die Adventure-Elemente in der Oberwelt und den Dungeons sind zwar simpel gehalten, aber trotzdem herausfordernd genug, um auch erfahrene Spieler nicht zu unterfordern. Dadurch macht der Titel tatsächlich Lust auf mehr und ich hätte absolut nichts dagegen, irgendwann mal einen komplexeren und umfangreicheren Nachfolger zu spielen. Durch das Fehlen einer Story und die absolut durchschnittliche audiovisuelle Präsentation kommt Minishoot' Adventures zwar nicht an die Qualität anderer Zelda-Likes wie Tunic oder CrossCode heran; trotzdem können wir es Fans dieser Spiele praktisch uneingeschränkt empfehlen.