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Test

EA Sports FC 27

Von Kamil Witecy am 19.10.2026

Die Fußball-Weltmeisterschaft diesen Sommer ist längst abgehakt, die ersten Spieltage der neuen Saison sind absolviert und in den großen europäischen Ligen geht es wieder um Punkte, Titel und die nächste Trainerentlassung. König Fußball ist also zurück im Alltag – und damit steht natürlich auch der virtuelle Saisonstart auf dem Plan. Mit EA Sports FC 27 bringt Electronic Arts seine alljährliche Fußballsimulation wieder pünktlich zur aktuellen Saison auf den Bolzplatz. Nach etlichen Jahren FIFA und inzwischen mehreren Ausgaben unter neuem Namen stellt sich dabei allerdings jedes Mal aufs Neue dieselbe Frage: Hat sich auf dem Rasen genug getan, um den Kauf der neuen Version zu rechtfertigen? Wir haben uns erneut die Fußballschuhe geschnürt und berichten von unseren Erkenntnissen aus der PS5-Version.

Altbekanntes Leder

Wer die vergangenen FC-Ableger kennt und gespielt hat, braucht auch in diesem Jahr keine große Eingewöhnungsphase. Controller in die Hand, sich im Menü etwas durchwurschteln, den Anstoß-Modus finden, Mannschaft auswählen und schon kann es wieder auf dem grünen Rasen zur Sache gehen. Das grundsätzliche Spielgefühl bleibt dabei gewohnt vertraut, dennoch haben die Entwickler auf dem Platz an einigen Stellen eingegriffen. Im Mittelpunkt in diesem Jahr steht mehr Kontrolle durch den Spieler, was vor allem in der Defensive auffällt. Die automatische Unterstützung der KI wurde zurückgefahren, wodurch sich Zweikämpfe weniger häufig von selbst lösen. Ein Verteidiger, der irgendwo in der Nähe des Balles steht, nimmt euch die Arbeit nicht mehr ganz so zuverlässig ab wie zuletzt. Stattdessen müsst ihr eure Spieler besser positionieren, Passwege zustellen und den richtigen Moment für den Zweikampf erwischen. Das klingt zunächst nach einer kleinen Änderung, verändert das Spielgefühl aber durchaus. Wer bislang gerne mit dem ausgewählten Spieler blind auf den ballführenden Gegner zugestürmt ist und den Rest der KI überlassen hat, muss sich jetzt durchaus stark umgewöhnen.

Auf der anderen Seite wurde die offensive KI verbessert. Mitspieler erkennen freie Räume besser und starten sinnvollere Läufe, wodurch sich gerade im kontrollierten Spielaufbau mehr Möglichkeiten ergeben. Besonders angenehm fällt das beim Zusammenspiel aus kurzen Pässen und nachrückenden Spielern auf. Wer geduldig aufbaut, kann sich Lücken tatsächlich erspielen, anstatt ständig mit Steilpässen oder langen Bällen sein Glück zu versuchen. Auch manuell ausgelöste Über- und Unterläufe geben euch mehr Möglichkeiten, einen Angriff gezielt zu entwickeln.

Auch bei den Pässen hat sich etwas getan. Steilpässe verlangen mehr Präzision und fühlen sich dadurch weniger wie ein automatischer Knopfdruck in Richtung gegnerisches Tor an. Bei Flanken gilt Ähnliches: Richtung und Stärke wollen genauer gewählt werden, während verbesserte Laufwege der Angreifer für mehr Kontrolle im Strafraum sorgen. Zusammen mit den überarbeiteten Kopfbällen entsteht so etwas mehr Abwechslung rund um den Sechzehner. Auch Ecken lassen sich stärker beeinflussen, sodass Standards nicht mehr ganz so schnell in den immer gleichen Abläufen enden.

Insgesamt fühlt sich FC 27 dadurch weniger automatisiert an als noch im letzten Jahr. Gute Eingaben und ein überlegter Spielaufbau werden stärker belohnt, während schlechte Entscheidungen im Gegenzug auch schneller bestraft werden. Gerade in den ersten Partien kann das ungewohnt sein und sich etwas hakelig anfühlen, aber nach einiger Zeit fühlt man sich einfach stärker und direkter für das verantwortlich, was auf dem Platz passiert, was der Serie durchaus gut tut. Aus EA Sports FC wird dadurch natürlich dennoch noch lange keine knallharte Fußballsimulation, der diesjährige Ableger bewegt sich spielerisch aber zumindest ein Stück weiter in diese Richtung. Und das ist eine gute Sache, auch wenn die Neuerungen etwas Eingewöhnung bedürfen.

The Grounds: Bolzplatz trifft Online-Hub

Die auffälligste und von EA sehr pompös beworbene Neuerung abseits des klassischen Spiels hört auf den Namen The Grounds. Dahinter steckt nicht einfach ein weiterer Menüpunkt, sondern eine offene soziale Spielwelt, die gleichzeitig als neue Heimat für den Clubs-Modus dient. Ein neuer Story-Modus mit neuer Geschichte ist The Grounds aber explizit nicht. Bis zu 100 Spieler können sich stattdessen in den verschiedenen Bereichen aufhalten, andere Partien beobachten, gemeinsam spielen oder nach neuen Mitspielern suchen. Die Spielwelt verteilt sich dabei auf drei unterschiedliche Bezirke, die sich an den Fußballkulturen Großbritanniens, Frankreichs und Argentiniens orientieren.

Und tatsächlich fühlt sich The Grounds ein wenig so an, als hätte EA den klassischen Bolzplatz mit einem Online-Hub vermischt. Ihr bewegt euch mit eurem erstellten Fußballer durch die Umgebung, trefft andere Spieler und könnt praktisch direkt vom Straßenrand ins nächste Match wechseln. Neben dem klassischen 11-gegen-11 warten hier zudem auch viele kleinere Spielformen auf euch. Auf dem Kleinfeld geht es beispielsweise im 1-gegen-1, 2-gegen-2 oder 3-gegen-3 zur Sache, während auch Rush direkt aus der Spielwelt gestartet werden kann. Die kurzen Partien eignen sich hervorragend für zwischendurch und sorgen dafür, dass man nicht für jede Runde gleich ein komplettes Match einplanen muss. Dazu kommen Club-Turniere mit eigenen Regeln und zeitlich begrenzte Events.

Für zusätzliche Motivation sorgt überdies auch das Fortschrittssystem. Egal ob auf der Straße oder im Stadion: Eure Aktivitäten bringen Erfahrung für euren Pro und weitere Belohnungen. Über sogenannte Amps könnt ihr euren virtuellen Fußballer außerdem vorübergehend verbessern und unterschiedliche Builds ausprobieren, ohne euch dauerhaft auf einen bestimmten Spielstil festzulegen. Dadurch gibt es zumindest einen guten Grund, nicht ständig dieselbe Aktivität zu starten.

Seine größte Stärke spielt The Grounds aber mit Freunden aus. Gemeinsam von Partie zu Partie zu ziehen, zwischendurch eine schnelle Kleinfeldrunde einzuschieben oder einfach nach anderen Spielern Ausschau zu halten, funktioniert dabei erstaunlich gut. Gleichzeitig ist offensichtlich, dass EA das Konzept langfristig ausbauen möchte. Ob The Grounds dauerhaft interessant bleibt, hängt deshalb stark davon ab, wie regelmäßig neue Events und Spielvarianten hinzukommen. Zum Start ist der Modus aber deutlich mehr als nur eine hübschere Lobby und eine der interessanteren Neuerungen der vergangenen FC-Jahre.

Karriere mit mehr Leben

Für Einzelspieler dürfte dagegen die überarbeitete Managerkarriere interessanter sein. Hier hat EA unter anderem am Transfermarkt angesetzt. Spielerwerte und Ablösesummen reagieren endlich dynamischer auf die Entwicklung der Profis, während zusätzliche Vertragsklauseln mehr Spielraum bei Verhandlungen schaffen. Dazu kommen die Dynamic OVRs, durch die sich die Gesamtbewertung eines Spielers abhängig von Form, Moral und Fitness verändern kann. Eine wirklich sinnvolle Neuerung.

Das klingt auf dem Papier zunächst wenig spektakulär, macht sich über eine längere Karriere aber durchaus bemerkbar. Ein Spieler ist nicht mehr ganz so sehr eine festgeschriebene Zahl auf einer Karte, sondern seine aktuelle Situation hat stärkeren Einfluss auf seinen Wert und seine Leistung. Auch Manager Live bringt zusätzliche Szenarien und Herausforderungen in die Karriere. Wer bereits mehrere hundert Stunden in diesem Modus verbracht hat, bekommt deshalb zwar keine komplett neue Erfahrung serviert, die vielen kleinen Anpassungen sorgen aber zumindest dafür, dass sich die Karriere lebendiger und weniger statisch anfühlt. Dennoch gilt auch weiterhin, dass im Managermodus nach wie vor sehr viel weitere Luft nach oben vorhanden ist.

Die ewige Baustelle

Natürlich darf auch Ultimate Team in diesem Fußballjahr nicht fehlen. Das Grundprinzip ist und bleibt auch diesmal unverändert: Karten sammeln, Mannschaft verbessern, Aufgaben erledigen und sich anschließend darüber ärgern, dass der Gegner natürlich wieder genau die passende Spezialkarte besitzt. Wer FUT mag, bekommt auch in FC 27 jedenfalls wieder jede Menge zu tun.

Mit der FUT-Galerie richtet sich EA diesmal noch stärker an die Sammler. Außerdem wurden die Evolutions erweitert, sodass sich Spieler individueller entwickeln lassen. Gleichzeitig bleibt Ultimate Team ein inzwischen fast erschlagend großes Konstrukt. Events, Aufgaben, SBCs, Belohnungen und zahlreiche weitere Aktivitäten konkurrieren ständig um eure Aufmerksamkeit. Veteranen werden sich darin schnell zurechtfinden, Neueinsteiger dürften dagegen erst einmal einige Zeit benötigen, um überhaupt zu verstehen, was sie wann und warum erledigen sollen.

Und natürlich bleibt auch das leidige Thema Echtgeld bestehen. Ultimate Team kann zwar problemlos über Monate beschäftigen und funktioniert weiterhin hervorragend als langfristiger, kostenloser Modus. Doch wer möglichst schnell mit den besten Mannschaften mithalten möchte, muss allerdings entweder sehr, sehr viel Zeit investieren oder eben das Portemonnaie öffnen. Dieses Problem löst auch FC 27 nicht.

Fußball fürs Auge

Technisch präsentiert sich FC 27 gewohnt stark. Die großen Stadien sehen beeindruckend aus, die Spieler werden detailliert dargestellt und insbesondere bei den großen Partien kommt ordentlich Atmosphäre auf. Dazu gesellt sich erneut eine enorme Auswahl an Lizenzen mit tausenden Spielern, hunderten Vereinen sowie zahlreichen realen Stadien und Wettbewerben. Wer möglichst viel echten Fußball in einem einzigen Spiel haben möchte, bekommt weiterhin ein kaum zu überblickendes Gesamtpaket.

Allerdings ist die Serie inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem große optische Sprünge nicht mehr vorhanden sind, zugegebenermaßen aber auch immer schwieriger werden. FC 27 sieht daher erneut gut aus, keine Frage, aber eben auch sehr vertraut. Einlaufsequenzen, Wiederholungen und TV-Präsentation bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau, sorgen nach all den Jahren aber nur noch selten für echte Wow-Momente. Gelegentliche Animationen, bei denen Spieler etwas ungelenk ineinander geraten, erinnern zudem daran, dass auch EAs Fußballmillionäre nicht immer ganz sauber auf seinen Beinen steht.

Fazit:

Schablone raus und Feuer frei: EA Sports FC 27 erfindet den virtuellen Fußball auch in diesem Jahr erneut nicht neu, verbessert ihn auf dem Platz aber an den durchaus richtigen Stellen. Weniger Defensivautomatik, bessere Laufwege und mehr Kontrolle bei Pässen, Flanken und Standards sorgen dafür, dass sich Siege wie Fehler stärker nach den eigenen anfühlen. Dennoch sind die Änderungen jedoch wirklich nur Detailverbesserungen, die Serie tritt ansonsten eher auf der Stelle. The Grounds ist dafür jedoch eine überraschend umfangreiche Ergänzung für Clubs-Spieler, während die Karriere von kleineren Verbesserungen profitiert.

Wer jedoch eher nur gelegentlich kickt und mit FC 26 noch zufrieden ist und, muss deshalb nicht zwingend sofort zum nächsten Vollpreis-Ableger greifen. FC 27 gehört spielerisch aber zu den sinnvolleren Weiterentwicklungen der vergangenen Jahre und liefert unterm Strich wieder ein enorm umfangreiches Fußballpaket.

Unsere Wertung:
8.0
Kamil Witecy meint: "Gewohnt umfangreiches Fußballpaket mit wenigen, aber zumeist sinnvollen Änderungen. The Grounds stellt zudem eine willkommene Abwechslung dar."
EA Sports FC 27 von Electronic Arts erscheint am 25.09.2026 für PC und PlayStation 4 und PlayStation 5 und Nintendo Switch und Nintendo Switch 2 und Xbox Series. Wir haben die Version für PlayStation 5 getestet. Für diesen Test wurde uns ein Rezensionsexemplar von Electronic Arts zur Verfügung gestellt.
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