Assassin's Creed Black Flag Resynced
Als Assassin’s Creed IV: Black Flag 2013 auf der Wii U veröffentlicht wurde, war ich Feuer und Flamme. Ich hatte die Reihe erst kurz zuvor mit dem dritten Teil für mich entdeckt und stürzte mich, auf der Suche nach neuen Abenteuern, in die (See-)Schlacht um die sonnenbeschienenen Strände der Karibik des 18. Jahrhunderts, in der ich dutzende glückliche Stunden an der Seite von Edward Kenway verbrachte und mein Piraten-Imperium aufbaute. Als der Ruf der Reihe dann in den folgenden Jahren durch die Ubisoft-Formel und zwei mäßig gelungene Fortsetzungen seine ersten Dellen kassierte, hegte und pflegte ich meine Erinnerungen an die guten Zeiten im Stillen weiter, wagte mich aber nie an einen erneuten Streifzug durch Edwards Welt. Die Sorge, dass das Spiel meinen Ansprüchen heute nicht mehr gerecht werden könnte, war groß und so hatte ich mich bereits damit abgefunden, den Titel nie wieder anzufassen und mich stattdessen auf neue Geschichten mit anderen Figuren zu freuen. Doch die Videospielindustrie, die seit einigen Jahren nicht müde wird, alle großen Titel der letzten 30 Jahre noch einmal zu verwursten, hatte andere Pläne und so war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis einer der beliebtesten Teile der Reihe es noch einmal in die Shops der aktuellen Videospielplattformen schafft. Dankbarerweise hat Ubisoft in diesem Fall aber nicht die Abkürzung eines Remasters genommen, sondern Black Flag ein komplettes Remake spendiert, in dem Texturen, Modelle, Welten, Spielmechaniken und die Handlung überarbeitet oder sogar neu erstellt wurden, wodurch mein Interesse an dem Titel dann doch wieder geweckt wurde. Ob sie den Titel damit erfolgreich ins Jahr 2026 gebracht haben, musste, konnte, wollte und durfte ich noch einmal mit eigenen Augen begutachten, um euch in den folgenden Abschnitten davon zu berichten. Leinen los!
Off to Sea once more
Es beginnt, wie es schon vor dreizehn Jahren begann: Edward Kenway heuert auf der Jagd nach einem besseren Leben als Freibeuter in der Karibik an und gerät dabei durch mehrere (un-)glückliche Zufälle in den Jahrtausende alten Konflikt zwischen Templern und Assassinen. Soweit die klassische Heldengeschichte. Anders als die Protagonisten anderer Teile lässt Kenway der Kampf um die Freiheit der Menschen zunächst aber erfrischenderweise ziemlich kalt, da er nur den eigenen Wohlstand für sich und seine Frau im Blick hat. Erst im Verlauf der knapp 25 Stunden dauernden Kampagne (und durch einige zum Teil recht vorhersehbare Wendungen in der Handlung) lernt er den wahren Wert von Freundschaft und Familie kennen und reift so langsam aber sicher zur heldenhaften Meisterassassine heran, die den Templerorden in der Karibik im Alleingang zerschlägt. Die Geschichte findet sich so oder in vergleichbaren Varianten natürlich auch in anderen Teilen der Reihe, liefert im vierten Teil aber deutlich mehr Charakterentwicklung ab, wodurch Kenway aus der Reihe der Assassinen positiv heraussticht. Doch auch unabhängig von ihm funktioniert die Handlung als Vehikel, um die Geschichte voranzutreiben durchaus gut, zumal sie von den Entwicklern in Resynced ein wenig glatter gezogen wurde: Die Zeitsprünge in unsere Gegenwart in der ihr als namenloser Abstergo Mitarbeiter unterwegs seid wurden komplett gestrichen und durch zusätzliche Zwischensequenzen und Quests ersetzt, die Kenway und seine Piraten-Kameraden weiter beleuchten. Ob sich das im Fall des Protagonisten lohnt, ist angesichts der Tatsache, dass die Kenway-Saga bereits in fünf Spielen und einem DLC gründlich beleuchtet wurde, diskutabel. Im Verlauf der Handlung fügen sich die neuen Missionen aber natürlich in den Spielfluss ein und die Missionen, in denen es um andere Piraten wie Blackbeard oder Bonny geht, schaffen zusätzliche Abwechslung, von der es in Ubisofts Open-World-Spielen bekanntlich nie genug geben kann.
What will we do with a drunken Sailor
Denn wie üblich habt ihr auch im Remake von Black Flag wieder alle Hände voll zu tun. In der gewohnten Third Person View steuert ihr Edward zu Fuß oder an Bord seines Schiffes zwischen und über kleinere und größere Inseln, auf denen Haupt- und Nebenmissionen, sammelbare Schätze und allerlei andere Aufgaben auf euch warten. Die Weltkarte des vierten Teils ist im Vergleich zu späteren Welten noch überschaubar, bietet aber dennoch mehr als genug Platz für stundenlange Erkundungen und epische Seeschlachten, sodass sich die Spielzeit für fleißige Sammler verdoppeln oder sogar verdreifachen lässt. Bei der Gestaltung der Missionen hat Ubisoft auf das Feedback aus anderen Teilen gehört und hier und da an einigen Schrauben gedreht, um besonders nervige Aufgaben interessanter zu machen. Bestes Beispiel hierfür sind die Verfolgungsmissionen in denen ihr dauerhaft in Hörweite eines herumlaufenden NPCs bleiben musstet, ohne von diesem entdeckt zu werden - eine Aufgabe die regelmäßig für Frustration sorgte und sich heute zum Glück anders spielt: Entdeckt euch der NPC, scheitert die Aufgabe nicht, sondern passt sich der Situation an, indem der Charakter zum Beispiel Verstärkung ruft und euch in einen Kampf verwickelt. Überlebt ihr, geht die Quest mit den gesammelten Informationen weiter, auch wenn ihr mit der Spionage genau genommen nicht erfolgreich wart. Eine insgesamt positive Entwicklung. 
Auch die Kämpfe wurden ein wenig angepasst und legen jetzt deutlich mehr Fokus auf Abwechslung und das geschickte Kontern gegnerischer Attacken, um eure Widersacher aus der Deckung zu locken. Wer immer nur mit der immer gleichen Attacke angreift, kommt nicht weit, da die Gegner sich eure Angriffsmuster merken und entsprechend reagieren. Vielseitigkeit und Experimentierfreude sind die Schlüssel zum Erfolg und lehren euch praktischerweise nebenbei noch das Repertoire von Kenways Fertigkeiten. Dieses ist nämlich vergleichsweise reichhaltig und bietet neben schweren, leichten und heimlichen Angriffen unterschiedliche Waffen und zusätzliche Manöver, um eure Widersacher aus der Balance zu bringen. Die Masse der Möglichkeiten ist Fluch und Segen, da sie die Belegung herkömmlicher Controller übersteigt und einige Tasten doppelt belegt werden müssen. Eine gewisse Eingewöhnung ist dementsprechend mit ziemlicher Sicherheit erforderlich, ehe Angriffe so sitzen, wie ihr es möchtet.
Die übrige Steuerung lässt im Gegenzug kaum Wünsche offen. Diverse Lauf- und Kletteranimationen Kenways wurden angepasst, um Edwards Bewegungen noch flüssiger wirken zu lassen und auch euer Schiff, die Jackdaw, steuert sich dank eurer Crew, die gewissenhaft jedem eurer Befehle gehorcht, nur geringfügig träger, als Reittiere und Fahrzeuge in anderen Spielen. Das ist zwar nicht sonderlich realistisch, da Dinge wie Strömungen, Windrichtungen und die Masse eurer Brigg kaum eine Rolle spielen, sorgt aber dafür, dass ihr euch während der Seeschlachten die meiste Zeit über nur um den Kampf und nicht um die Steuerung kümmern müsst. Ob man das mag, hängt ein wenig vom persönlichen Geschmack ab. Black Flag in einen Topf mit dedizierten Piratenabenteuern wie “Sea of Thieves” oder “Windrose” zu werfen, würde aber auch keinen Sinn ergeben. Denn auch wenn die Schiffsreisen in diesem Teil ein zentrales Gameplay-Element sind, ändern sie am Kern der Spielidee der Serie so gut wie nichts. Der entspricht auch im Remake und trotz der zuvor genannten Änderungen weiterhin dem der früheren Spiele der Reihe und verzichtet beinahe vollständig auf die Rollenspielelemente der aktuellen Teile. Lediglich eure Basis kann jetzt noch ein wenig weiter ausgebaut werden. Doch die Spielmechanik, die nur daraus besteht, neue Features mit zuvor erbeutetem Gold zu kaufen, ist so simpel, dass auch hier kaum ein nennenswerter Wandel stattgefunden hat. So erhaltet ihr mit dem Resynced Remake im besten Sinn eine Kopie des Gameplays des Originals, bei dem nur einige der Ecken und Kanten entfernt wurden.
Roll, Boys, Roll!
Der Bereich, in dem sich erwartungsgemäß am meisten getan hat, ist selbstverständlich die Technik. Anders als beim Beyond Good & Evil Remaster ist Ubisoft bei Black Flag Resynced die volle Extrameile gegangen und hat dem Titel ein umfassendes Remake spendiert. Texturen, Modelle, Animationen, Sound und Code wurden umfassend überarbeitet oder von Grund auf neu gestaltet und mit der aktuellen Version der hauseigenen Anvil-Engine, mit der auch schon Assassin’s Creed Shadows entwickelt wurde, zum virtuellen Leben erweckt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und mit den jüngsten Teilen der Serie optisch ohne weiteres mithalten. Im Vergleich zum Original bietet Resynced neben einer höheren Auflösung deutlich detailreichere Gebiete und Charaktere, eine größere Sichtweite und alle möglichen grafischen Features, wie Raytracing, die vor dreizehn Jahren schlicht noch nicht möglich waren. Im Gegenzug bringt der Titel auch die aktuellen High-End-Konsolen technisch an ihre Grenzen, sodass sowohl die XBox Series X als auch die Playstation 5 auf Upscaling zurückgreifen, um die gewünschte 4K Auflösung auf eure heimischen Fernseher zu zaubern. Die native Auflösung schwankt, je nachdem welchen der drei verfügbaren Grafikmodi ihr aktiviert, zwischen 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde und 1440p mit 30 FPS. XBox Series S Besitzer und Besitzerinnen haben diese Auswahl nicht und bekommen das Spiel in einer Zwischenlösung mit reduziertem Raytraycing, 30 Bildern pro Sekunde und einer Auflösung die hochskaliert ein wenig unter 4K liegt präsentiert. Ein Versuch Ubisofts auf die Kritik einzugehen, die Spieler geäußert haben, als Assassin’s Creed Shadows mit zu vielen deaktivierten grafischen Features auf der Series S veröffentlicht worden ist.
Akustisch gab es ebenfalls einige Anpassungen, die aber weniger prägnant sind. Akustische Effekte wurden technisch auf den neuesten Stand gebracht und einige Melodien wurden ein wenig interessanter gestaltet, um nicht zu repetitiv zu wirken. Außerdem gibt es zehn zusätzliche Shanties, die ihr eure Crew singen lassen könnt und eine Neuinterpretation des Shanties “Leave her Johnny”, die der Musiker Woodkid beigesteuert hat. Die gute Synchronisation des Originals ist weiterhin vorhanden und steht in verschiedenen Sprachen zur Verfügung. Die Steuerung ist gut, aber nicht ideal: Edward und sein Schiff “Jackdaw” reagieren immer zügig und präzise auf eure Eingaben, sodass Navigation und Klettereinlagen sauber ausgeführt werden. Allerdings sind einige Buttons auf eurem Controller doppelt belegt, wenn ihr mit Edward Kämpfe an Land bestreitet, sodass es eine Weile dauern kann, bis alle verfügbaren Aktionen verinnerlicht sind und die anfängliche Verwirrung verflogen ist. Wie üblich speichert auch Black Flag Resynced alle paar Minuten automatisch euren Fortschritt, sodass ihr im Fall einer Niederlage nur wenige Minuten Spielzeit verliert.
Pay me the Money down (Fazit)
Assassins Creed Black Flag Resynced zu bewerten ist im Prinzip leicht: Als sauber ausgearbeitetes Remake eines der besten Teile der Serie kann der Titel jedem von euch, der Kenways Abenteuer vor dreizehn Jahren verpasst oder es gerne noch einmal erleben möchte, bedenkenlos ans Herz gelegt werden. Die Story bietet eine gute Charakterentwicklung, das Gameplay wurde aufpoliert und basierend auf dem Feedback der Spielerschaft von den lästigsten Nebenmissionen befreit und auch technisch erstrahlen Welt und Charaktere in gänzlich neuem Glanz. Bis hierhin ist also alles gut. Schwieriger würde es theoretisch mit der Bewertung werden, wenn man Spiele im Kontext mit dem aktuellen Geschäftsgebaren der jeweiligen Entwickler und Publisher betrachten würde. Das Spiel erfordert, obwohl es ein reines Single-Player-Spiel ist, eine Internetverbindung zu Ubisoft Connect und war während Netzwerkstörungen teilweise nicht spielbar. Auch Nachrichten rund um das Assassin’s Creed Entwicklerteam bei Ubisoft Barcelona, das am Tag nach dem erfolgreichen Release des Spiels entlassen wurde, machten unlängst die Runde und wären moralisch gesehen ein Argument für einen Punktabzug bei der finalen Bewertung. Eine solche Maßnahme würde aber auch all jene treffen, die jahrelang Zeit und Mühe in das Spiel investiert haben und am Ende sind wir mit unseren Tests euch unseren Lesern und Spielern verpflichtet. Deswegen bleibt es bei der Bewertung des Titels, der für sich genommen sehr gut geworden ist und allen Ansprüchen genügen dürfte, die Freunde der Serie haben könnten. Allen Piratinnen und Piraten wünschen wir dementsprechend gute Fahrt und fette Beute.