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Kommentar: Warum das Ende physischer Spiele allen Gamern schadet

Von Jeremiah David am 02.07.2026

Sony schafft ab Januar 2028 physische Datenträger ab (wir berichteten). In Läden werden dann lediglich noch Download-Codes in Spielehüllen verkauft, wobei davon auszugehen ist, dass auch diese mit der Zeit verschwinden werden. Sony argumentiert, dass dies ganz den Vorlieben der Spieler entspricht: Die Nachfrage nach physischen Datenträgern gehe konstant zurück und die meisten Playstation-Nutzer bevorzugten Digitalkäufe. Letzteres könnte sogar stimmen, aber das Verschwinden von Discs wird auch reine Digital-Käufer negativ treffen. Wir analysieren:

Das Ende des Preiswettbewerbs

Wenn physische Datenträger endgültig von der Bildfläche verschwinden, verliert der Gaming-Markt den klassischen Einzelhandel. Fällt die Konkurrenz durch Amazon, MediaMarkt, Ebay und Co. weg, führt das schnurgerade in ein absolutes Monopol der Plattformbetreiber.

Für Schwergewichte wie Sony gibt es dann kaum noch einen Grund, die Preise für digitale Spiele zu senken. Ein AAA-Blockbuster kostet zum Release 80 Euro – und kann über Jahre hinweg auf diesem Niveau verharren. Schließlich bestimmen allein der Publisher und Sony den Wert der Ware. Der gewohnte Preiskampf, bei dem sich verschiedene Anbieter gegenseitig unterbieten, gehört damit der Vergangenheit an. Es regiert der Einheitsgesamtpreis.

Zwar wird es auch nach Januar 2028 gewiss noch Rabattaktionen geben, doch diese dürften deutlich seltener und weniger drastisch ausfallen als heute. Der Grund liegt in der Natur digitaler Güter: Aktuelle Sonderangebote entstehen oft durch Zwänge, die Publisher gar nicht kontrollieren können. Fliegt ein Spiel bei den Wertungen durch, schwemmen unzufriedene Käufer den Gebrauchtmarkt mit billigen Exemplaren. Zudem müssen Händler ihre Lager leeren, um Platz für neue Ware zu schaffen – sie senken die Preise, um nicht auf den Boxen sitzenzubleiben.

Ein rein digitaler Store kennt jedoch keine Lagerkosten und keine Überproduktion. Ein Spiel kann dort ewig ohne Zusatzkosten digital "verstauben". Damit wird ein Grundpfeiler der freien Marktwirtschaft ausgehebelt: Der Plattformbetreiber kontrolliert das Angebot im Alleingang, während den Spielern als einzige Reaktion nur noch der Kaufverzicht bleibt.

Kein echter Besitz

Wenn wir eine Disc kaufen, gehört uns neben der Lizenz zum Spielen ein Stück Plastik mit Daten darauf. Wer digital kauft, erwirbt nur die Lizenz, die jederzeit widerrufen werden kann. Wenn Lizenzen auslaufen (z. B. wegen Musikrechten in Rennspielen) oder Publisher beschließen, ein Spiel komplett vom Markt zu nehmen, verschwindet es aus dem digitalen Store – und unter Umständen nicht nur von dort. Manche Spieler vergessen immer wieder, welche Macht Publisher haben. Konkretes Beispiel: Als Sony vor kurzem mehr als 500 Filme aus seinem digitalen Filmangebot löschte, annullierte der Konzern dabei auch die Lizenzen von Nutzern, die diese Filme bereits gekauft hatten. Die Filme wurden also auch von deren Festplatten gelöscht.

Wenn die Disc stirbt, stirbt auch die Möglichkeit, solche Spiele jemals wieder legal zu erwerben oder zu spielen. Das Spiel ist für alle weg.

Schlechtere Deals bei Konsolen-Hardware

Wenn Konsolenhersteller keine Disc-Laufwerke mehr verbauen müssen, fällt eine wichtige Kaufentscheidung weg. Aktuell gibt es noch die Wahl. Fällt die Disc weg, werden "Digital-Only"-Konsolen zum absoluten Standard. Das bedeutet, dass der Einstieg in das Ökosystem zwar anfangs vielleicht 50 € günstiger ist, wir diese Ersparnis aber durch die teureren digitalen Spiele im ersten Jahr merfach wieder draufzahlen, zumal bezweifelt werden darf, dass Hardwarehersteller diese Ersparnis überhaupt an den Endkunden weitergeben.

Wer profitiert letztlich vom Aussterben physischer Medien? Wir nicht.

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