Hands-On: ARMS

Von Deniz Üresin am 24. Mai 2017

Meine armen Arme! Für euch habe ich Extremsport getrieben und stundenlang ARMS gespielt, mit vollem Körpereinsatz! Hier mein Hands- bzw. eher ARMS-on.

Aufwärmen

„Das ist doch nur Wii Boxen 2!“, haben sie gesagt. „Das sind doch nur Minispielchen und wirres Gefuchtel!“, haben sie gesagt. Die ARMS-Direct (NplusX-Zusammenfassung) wurde zwar generell eher positiv aufgenommen, trotzdem konnten einige noch nicht von dem Spiel überzeugt werden

Aber was steckt denn nun wirklich hinter ARMS, dem neuen Multiplayerspiel von Nintendo für die Hybridkonsole Switch? Eigentlich lässt sich das am besten durch eigene Erfahrung mit dem Titel vermitteln und das weiß Nintendo offenbar, denn an den nächsten beiden Wochenenden finden die Global-Testpunch-Events statt, bei denen Switch-Besitzer selbst Hand anlegen können. Doch bis dahin müsst ihr euch erstmal mit meinen Eindrücken zum Spiel begnügen. Ich war bei Nintendo of Europe in Frankfurt am Main, um mir die virtuellen Boxhandschuhe für ein paar Sparrings überzustülpen. Dabei konnte ARMS in einigen Spielmodi und mit vielen verschiedenen Steuerungsmöglichkeiten getestet werden. Verzeiht aber bitte, dass der Grand-Prix-Modus noch nicht angerührt werden konnte und der Umfang der Möglichkeiten für Solisten weiterhin im Dunkeln bleibt.

Runde 1 – die Steuerung

Vorneweg: Es ist offensichtlich, dass ARMS voll und ganz auf die Joy-Con zugeschnitten entwickelt wurde. Auch wenn die Bewegungssteuerung anfangs etwas ungewohnt ist (vor allem, wenn man wie in Wii Sports Boxen weite Bewegungen macht), geht sie nach etwas Übung locker von der Hand und ist tatsächlich sehr präzise und sensibel. Führt man anfangs noch oft ungewollt irgendwelche Attacken aus anstatt nach vorne zu gehen, weil man die Joy-Con mal wieder zu ruckartig geneigt hat (ja, man bewegt sich, indem man die Joy-Cons in die entsprechende Richtung neigt. Das klingt deutlich unpräziser, als es eigentlich ist!), entwickelt man schnell ein Gespür dafür, wie empfindlich die kleinen Controllereinheiten für welche Bewegungen sind.

Wer trotz der wirklich sauberen Umsetzung so gar nicht mit der Bewegungssteuerung warm wird, kann entweder von diesem Spiel absehen oder eben eine klassischere Steuerungsoption wählen, denn ARMS ist vielseitig – selbst bei der Wahl des Controllers. Egal, ob man einen Joy-Con, beide gleichzeitig oder den Pro Controller verwendet, die Steuerung mittels Tasten ist überall recht ähnlich. Mit dem linken Stick bewegt man seinen Charakter und mit den vier Aktionstasten hüpft und schlägt man. Das funktioniert und eignet sich wunderbar, um zum Beispiel unterwegs zu zweit an einer Switch zu zocken, ohne zusätzliche Controller kaufen zu müssen. Für eine längere und vor allem intensivere Beschäftigung mit dem Spiel ist die Bewegungssteuerung allerdings fast unabdingbar, da sie deutlich komfortabler, intuitiver und wahrscheinlich auch präziser ist. Während meiner kurzen Auseinandersetzung mit diesen Steuerungsoptionen konnte ich übrigens nicht herausfinden, wie man ohne Bewegungssteuerung die Flugrichtung seiner ARMS während des Schlages beeinflussen kann, was ansonsten durch Neigen des entsprechenden Joy-Con nach Beginn der Schlaganimation geschieht.

Festhalten lässt sich: Ohne Bewegungssteuerung? Geht, aber ist hier ausnahmsweise mal nicht die erste Wahl. Nun aber genug über die Controller palavert, jetzt geht’s endlich mal ans Eingemachte: Ans Kämpfen!

Runde 2 – die Kämpfe

Hach ja, der Standardmodus eines jeden Beat’em-up-Spiels, das klassische Duell. In diesem Modus stehen sich zwei Kontrahenten in einer der vielseitigen und teils interaktiven Arenen gegenüber. Die Interaktionen beschränken sich meist darauf, dass manche Objekte mit einigen Treffern zerstört werden können, doch es gibt auch weitere kleine Besonderheiten wie eine Sprungfederbegrenzung oder das Erscheinen von Tetrisartigen Blöcken aus dem Boden. Außerdem erscheinen in zufälligen Abständen Bomben auf dem Kampffeld, die mit Boxhieben durch die Arena geschleudert werden können und deren Explosion heftigen Schaden verursacht, wenn man zu nah dran war. Es ist noch unklar, ob es eine Option gibt, die Bomben auszuschalten, wenn man lieber in Ruhe boxen will, ohne jede halbe Minute in die Luft gesprengt zu werden.

Abseits davon bekämpft man sich natürlich gegenseitig. Springen, Sprinten, Blocken, Greifen und mit seinen ARMS attackieren – das ist so ziemlich das Moverepertoire der ARMS-Charaktere, die sich alle aufgrund unterschiedlicher Fähigkeiten und Stats gehörig voneinander unterscheiden. So hat Kampfnudel Min-Min beispielsweise die Fähigkeit, mit einem Rückwärtssalto gegnerische Fäuste mit einem Kick zu blocken, während der leichtfüßige Ninjara nach einem Sprung noch einen effektiven Ausweichmove drauf hat. Zusammen mit den verschiedenen ARMS, die entweder schwer und kräftig oder zart und flink sind oder einfach aus einem Laserstrahlen verschießenden Drachenkopf bestehen, es ist so ziemlich alles möglich. Es ist allerdings nicht jeder ARM einzigartig, viele sind Variationen von anderen ARMS mit beispielsweise einem anderen Element.

Diese Elemente aktivieren sich mit aufgeladenen Schlägen. Mit einem Eishieb oder Donnerschlag können Gegner beispielsweise kurz eingefroren oder paralysiert werden. Zugegebenermaßen habe ich die volle Wirkung bzw. den taktischen Nutzen der verschiedenen Elemente während des Anspielens noch nicht ganz zu spüren bekommen, da könnten noch ein paar Trainingseinheiten vonnöten sein. Wahrscheinlich werden Zwischendurchspieler nicht einmal bemerken, dass es ARMS mit Elementen gibt, während sich für die Turnierkämpfer eine völlig neue Taktikwelt eröffnet. Taktik ist sowohl vor, als auch während des Kämpfens gefragt. Welche ARMS nehme ich mit in das Duell? Wie setze ich sie ein? Hat der Gegner irgendwelche Routineangriffe, die ich ausnutzen kann? Wer mit dem Titel nach der kurzen Einspielzeit warm geworden ist, merkt schnell, wie wirres Rumgefuchtel ganz natürlich überlegten und präzisen Angriffen weicht.

Noch einen Schritt weiter geht es bei den 4-Spieler-Kämpfen. Im 2vs2-Modus sind die beiden Teamkameraden dabei über eine Schnur miteinander verbunden, was bedeutet, dass man zusätzlich aufpassen und seine Bewegungen koordinieren muss. Wird ein Kämpfer beispielsweise durch eine Greifattacke durch die Arena geschleudert, wird sein Komplize mitgerissen.

Im Battle Royale kämpft jeder der vier Spieler für sich. Hier ist es besonders wichtig darauf zu achten, wo in der Arena man sich befindet. Steht man in der Mitte des Geschehens, braucht man sich nicht wundern, wenn ein Sturm von Kopfnüssen aus allen Richtungen auf einen niederhagelt. Der anvisierte Feind lässt sich dabei jederzeit per Knopfdruck ändern, sodass man alles im Blick haben kann. Trotzdem können gerade die 4-Spieler-Modi mit unerfahrenen Kämpfern (was wir am Anfang ja alle sind) gelegentlich in Chaos ausarten, sodass man mehr oder minder gezwungen wird, seine Taktik über Bord zu werfen, einfach draufzudreschen und zu hoffen, dass man als letzter noch steht. Diese Modi sind also wohl eher etwas für lustige Partyabende als für knallharte Kämpfe um Ruhm und Ehre.

Doch neben den Standard-Schlägereien hat ARMS noch ein paar andere spaßige Spielmodi aus dem Ärmel geschüttelt.

Runde 3 – die Minispiele

Volleyball, Basketball, „1 gegen 100“ und „Ins Schwarze“ –klingt erstmal nach einer kleinen Sammlung an unspektakulären Minispielen. Bei den meisten steckt jedoch noch etwas mehr dahinter!

In V-Ball spielt man nämlich nicht einfach nur Volleyball. Erstens ist der Ball riesig groß und zweitens steckt in seinem Inneren eine Bombe, die nach Zerstörung ihrer Hülle explodiert und einen Punkt für das Team bringt, dessen Seite von der Explosion verschont blieb. Auch in diesem Modus bringt einem zielloses Umherboxen nichts, man muss stets darauf achten, wo man auf dem Feld steht und wann man den Ball am besten schlägt, um ihn zielsicher und mit Schmackes übers Netz zu pfeffern.

Hoops, das Basketballminispiel, hat in ARMS auch eine lustige kleine Regeländerung: Es gibt keinen Ball. Stattdessen sammelt man Punkte, indem man sich den Gegner greift und in den Korb wirft. Einfach auf den Kontrahenten einprügeln ist hier also sinnlos, gutes Timing und geschickte Ausweichskills sind hier für einen Sieg vonnöten.

In Ins Schwarze haut man mit seinen ARMS auf erscheinende Zielscheiben. Der Clou ist hier, dass man dabei gegen einen Gegner antritt, der auf der gegenüberliegenden Seite steht. Bei der Konkurrenz um die begehrten Zielscheiben muss man genau einkalkulieren, wann man wirklich auf die Scheiben haut und wann man gezielt seinen Feind attackiert, um ihn beispielsweise für kurze Zeit außer Gefecht zu setzen und wertvolle Sekunden Vorsprung zu gewinnen.

Bei 1 gegen 100 boxt man sich durch eine Horde von 100 Feinden, ähnlich wie beim 100-Mann-Smash in der Smash-Bros.-Reihe. Dieser Modus spielt sich tatsächlich genau so, wie man es sich vorstellt: Es tauchen nach und nach immer mehr Gegner auf und es gilt, diese k.o. zu hauen.

Runde 4 – der Ausblick

Das waren alle Modi, die ich beim ARMS-Event angespielt habe. ARMS ist ein erfrischend anderes Beat’em up aus dem Hause Nintendo. Mit einer vorzüglichen Bewegungssteuerung, hoher Einsteigerfreundlichkeit bei gleichzeitig ausreichend komplexem Gameplay mit vielen Kombinationsmöglichkeiten und lustigen Minispielen, die mindestens genauso viel Scharfsinn, Reflexe und Taktik abverlangen wie die gewöhnlichen Prügeleien bringt es alle notwendigen Zutaten für einen Multiplayer-Hit mit sich, der sich auf der Switch vielleicht sogar neben Mario Kart 8 Deluxe und dem im Juli kommenden Splatoon 2 etablieren kann. Lediglich der Single-Player macht mir etwas Sorgen, denn neben dem angekündigten Grand Prix wird man, wie es aussieht, sonst eben nur die ganzen Multiplayer-Modi mit Bots spielen können. Wir dürfen auf den Test gespannt bleiben, bei dem auf den vollen Umfang des Spiels eingegangen werden kann.

ARMS erscheint am 16. Juni 2017 exklusiv für Nintendo Switch. Hier lässt es sich vorbestellen.

Ich sage jedenfalls: Lieber ARMS dran als Bein ab.

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14 Kommentare:


NXPro
vor 3 Jahren | 0
Das hört sich einfach verdammt geil an! Für mich muss der Titel eine gute Steuerung haben, entsprechend komplex sein und Spaß machen. Außerdem ist mir nur der Multiplayerpart wichtig. Ähnlich wie bei Mario Kart oder Splatoon macht das solo-spielen dort einfach keinen Spaß.

Nach dem Artikel scheint ARMS doch mehr zu werden, als einfach nur ein kleiner Nischentitel von Nintendo. Freue mich schon selbst ARMS anzulegen.

Matthew1990
vor 3 Jahren | 0
Wow... das lässt sich echt gut lesen.
Also, meiner Ansicht nach klingt es nach einer weit aus besseren Alternative zu dem neuem Injustice 2 oder Street Fighter. Alleine wegen den erfrischenden Spielmodi.
Leider konnte ich mich nie für 1vs1-Beat'Em Ups begeistern, sonst hätte ich definitiv zugeschlagen.

Ken_Sugisaki
vor 3 Jahren | 0
Klingt so, als würde das Spiel die ersten 60 Min spaß machen und dann eher nicht so. Zumal in Zukunft fürs online zocken schön abkassiert wird und damit der Multiplayer für mich egal ist.

Denios
vor 3 Jahren | 5
tatsächlich empfinde ich das genaue Gegenteil. die ersten Minuten sind etwas frustrierend, weil man noch etwas überfordert mit der ungewohnten Steuerung ist. Dann checkt man langsam, wie es funktioniert und kann sich erstmals richtig auf das eigentliche Gameplay konzentrieren. nach einer Stunde sind mir immer noch viele Kleinigkeiten aufgefallen, die ich vorher gar nicht bemerkt hatte und so baut man sich nach und nach immer bessere Strategien zusammen. Nach vier Stunden wollte ich gar nicht mehr aufhören, obwohl mir tatsächlich schon etwas die Arme wehtaten (bin aber auch sehr untrainiert :D), nur leider war das Event dann vorbei -.-

michi1894
vor 3 Jahren | 0
Danke, für diesen ausführlichen Bericht. Für mich ist nach dem, was ich hier lesen durfte, ein Kauf jetzt schon etwas sicherer geworden.

November2019
vor 3 Jahren | 0
genau dieser test veranlasst mich ARMS zu kaufen. toll, dass nplusx seine user nicht auf den arm nimmt!

Rächer
vor 3 Jahren | 0
Was man so hört und liest klingt wirklich interessant. Für mich ist aber immer noch das Anspielen beim Testpunch wichtig.

Rächer
vor 3 Jahren | 0
@November2019: Ups, ich wollte nicht kommentieren, sondern eine eigene Antwort schreiben xD

Falco
vor 3 Jahren | 0
Bekräftigt nach wie vor meine These, dass Arms ein ordentliches Spiel wird, das niemand aber wahrnehmen wird :D
Ich stehe dem Titel nach wie vor offen gegenüber. Hoffe, ich schaffe es, an einem Testpunch teilzunehmen und dann wirds wohl ein Spontankauf C:

Belphegor
vor 3 Jahren | 0
Wie ich diesen Titel nach wie vor links liegen lassen.

Rächer
vor 3 Jahren | 0
Vielleicht hast du ja Glück und bekommst noch einen Gutschein ;)
Belphegor
vor 3 Jahren | 0
Den ich für so einen Mist sicherlich nicht ausgeben würde.

Shanjjx
vor 3 Jahren | 1
Wir wissen es langsam (:


TraxDave
vor 3 Jahren | 1
Ich feire den Autor für die Zeile zum Abschluss! XD

Da nun mittlerweile der Global Testpunch stattfand, muss ich sagen, dass ich mit diesem Hands-on großteils übereinstimme. Insgesamt wirklich gut geschrieben.
Übrigens: ohne Motion-Controls lässt sich der Schlag einfach mit dem Control-Stick "curven", aber nur direkt beim Betätigen des Schlagknopfes, oder?