Test: 6180 the moon

Von Nico Zurheide am 16. Mai 2016

Mit Star Fox 0 gibt es aktuell einen von Nintendo selbst entwickelten Titel, der endlich das volle Potenzial des GamePads zeigen soll - nicht, dass das nach Super Mario Maker noch nötig wäre. Über die einzigartige Steuerung des Weltraumshooters gibt es auf NplusX bereits einen ganzen Artikel, in dem unter anderem der ständige Blickwechsel zwischen den beiden Bildschirmen bemängelt wird. Ein weiteres Spiel konzentriert sich momentan auf eben diese starke Verknüpfung der zwei Ansichten, es ist aber nur im eShop erhältlich und hört auf den Namen 6180 the moon.

Philosophie eines Himmelskörpers

Der südkoreanische Entwickler Turtle Cream schafft es, trotz des Genres des Spiels und der minimalistischen Aufmachung, eine philosophisch angehauchte Story um die Spielfigur zu stricken. Diese wird als weiße Kugel dargestellt und soll den Mond (also den Begleiter der Erde) verkörpern, der sich auf der Suche nach der unter mysteriösen Umständen verschwundenen Sonne macht. Auf seinem Weg zum Zentrum des Sonnensystems trifft er die entsprechenden Planeten Erde, Venus und Merkur und führt mit diesen Himmelskörpern jeweils eine kurze Unterhaltung, bevor er sich, gesteuert vom Spieler, an das Lösen der jeweils zehn Level macht. Mit Mond- und Sonnenlevel kommt 6180 the moon also in der Hauptstory auf 50 Level, dessen Anzahl sich durch die zweite "Kampagne" dann noch verdoppelt.

Die Unendlichkeit der zwei Bildschirme

Im Grunde werden während des gesamten Spiels nur drei geometrische Formen dargestellt: Eine Kugel (das ist der Mond), Quadrate (darauf kann man sich bewegen) und Dreiecke (diese sollte man vermeiden). Wie bei einem normalen Jump'n'Run muss die Spielfigur vom Start zum Ziel bugsiert werden, dabei gibt es neben den tödlichen Stacheln keine Gegner. Fällt der Mond aber einmal in einen Abgrund, ist es mit der Normalität schnell vorbei. Die Level breiten sich über zwei Bildschirme aus, man muss also stets TV und GamePad im Auge behalten. Fällt der Erdtrabant auf dem Fernseher in einen Abgrund, erscheint er oben auf dem Schirm des GamePads wieder und vice versa. 

Die Entwickler nehmen dieses Konzept und erstellen damit viele unterschiedliche Rätsel, die immer wieder andere Herangehensweisen erfordern. Durch Trampolinblöcke, temporär verschwindende Passagen, mobile Stacheln und sogenannten "Sonnentropfen" lockert sich das Spielgeschehen noch etwas auf. Letztgenannte Tropfen stoppen bei Aktivierung den Mond in seiner derzeitigen Bewegung und werden zur Absolvierung mancher Level zwingend benötigt. Mit der Zeit gewöhnt man sich an dieses Gameplay und kann viele Rätsel schnell lösen. Die zweite Kampagne stellt dann erfrischenderweise noch einmal alles auf den Kopf - wortwörtlich. Die Level aus dem ersten Durchlauf müssen hier, leicht abgeändert, von hinten nach vorne durchsprungen werden. Das erfordert noch einmal einiges an Nachdenken, hat aber auch den Effekt, dass die Level zum Ende hin immer leichter werden.

Hier wäre doch etwas mehr Vielfalt wünschenswert gewesen. Überhaupt kann das Spiel nicht lange unterhalten, nach nur zwei Stunden waren die 100 Level absolviert, weitere Herausforderungen werden nicht geboten. Eine Ausnahme gilt vielleicht für Achivement-Jäger, die spielinternen Errungenschaften sind allerdings auch nicht allzu anspruchsvoll und leider wird nicht einmal klar erkennbar, welche der Erfolge bereits erzielt wurden und welche nicht. Das Spiel lässt sich nur mit dem GamePad steuern, obwohl es für viele wohl einfacher gewesen wäre, den Tablet-Controller direkt zum Fernseher zu stellen und dann mit dem ProController zu spielen, so fiele der Aufwand des Blickwechsels minimal aus. So kommt der Titel allein bei der angebotenen Vielfalt und Variabilität wie ein besseres Smartphonespiel daher, tatsächlich erfolgt ein Release auf iOS allerdings erst noch.

Fazit:

Die äußerst minimalistische Aufmachung von 6180 the moon tut dem Spielspaß zwar keinen Abbruch, dieser hätte aber länger ausfallen müssen. Die kurze Unterhaltung bietet mit den unendlichen Bildschirmen immerhin eine selten gesehene Spielmechanik und kreiert dadurch einige außergewöhnliche Level. Doch das Drumherum orientiert sich in seiner Quantität zu sehr am minimalistischen Spielstil, als dass ein wirklich zufriedenstellendes Spielerlebnis geboten werden könnte. Der ständige Blickwechsel hätte zumindest stückweise vermieden werden können, wenn eine Nutzung des Pro Controllers erlaubt gewesen wäre. So bleibt "nur" eine zwar erfrischende, aber auch sehr kurze Spielerfahrung. 

Wertung:

6.0

Nico Zurheide meint:

"Ein selten gesehenes Spielkonzept kann nicht über mangelhaften Umfang hinwegtrösten."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Schlecht
Technik: Gut

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1 Kommentare:


Der R
vor 5 Jahren | 0
Wie viel kostet denn der Titel? Ich finde das sollte in der Bewertung des Umfangs durchaus eine Rolle spielen...