Von der Demo zur Beta

Von Michael Prammer am 15. Mai 2016

Demo-Versionen befinden sich im Wandel der Zeit. Immer mehr Publisher stellen lieber Beta-Versionen zum Ausprobieren bereit. Wir haben uns mit der Thematik beschäftigt.

Wer sich ein Auto kauft, macht für gewöhnlich eine Probefahrt. Schließlich gibt man eine ganze Menge Geld für ein neues Gefährt aus und möchte es vor dem Kauf ausführlich testen. Eine gewisse Parallele gibt es hier auch zu Videospielen. Zwar kosten sie keine Unsummen, doch Lebenszeit ist zu knapp für schlechte Spiele – und manche würde man gerne vor dem Kauf einmal ausprobieren. Die klassischen Demo-Versionen gehören jedoch einer sterbenden Rasse an; und so haben Publisher eine neue Art gefunden, ihre Produkte vorab testen zu lassen: mit sogenannten Betas.

Demo-Versionen kennt jeder. Diese „Demonstrationen“ im wörtlichen Sinne sollen einen Einblick in ein Videospiel gewähren. Hier sind meistens nur kleine Levelausschnitte oder eine begrenzte Charakterauswahl vorhanden, schließlich möchte man nicht zu viel vom fertigen Spiel preisgeben. Die kurzen Spielschnipsel sind eigentlich immer kostenlos, denn sie sollen ja möglichst viele potenzielle Käufer ansprechen und zu tatsächlichen Käufern machen. Gerade auf dem PC sind Demo-Versionen darüber hinaus vor allem dazu gut, herauszufinden, ob die vorhandene Hardware-Leistung noch ausreicht.

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Demos sterben aus

Nintendo bietet in den eShops seiner aktuellen Systeme Wii U und Nintendo 3DS bereits einige Demo-Versionen an. Sie sind in der Regel auf zehn bis 30 Starts begrenzt und liefern kurze Einblicke in das Spielgeschehen. Auf Wii U darf man beispielsweise Bayonetta 2 oder Pikmin 3 testen, während auf dem Nintendo 3DS Super Smash Bros. einem Test unterzogen werden darf.

Doch die klassischen Demo-Versionen scheinen eine aussterbende Art zu sein, es werden immer weniger. In den Download-Stores von XBOX One und Playstation 4 sind nicht mehr allzu viele klassische Testversionen zu finden. Vielmehr machen sich die Entwickler eine neue Methode zu eigen: die Beta-Version. Es handelt sich dabei um eine fast finale Version eines Spiels, das zu Testzwecken an die Nutzer gereicht wird. Dabei entsteht eine Win-Win-Situation für Hersteller und Spieler. Der Spieler darf bereits einige Wochen vor Release ein heiß ersehntes Spiel über einen kurzen Zeitraum in oftmals ordentlichem Umfang testen. Der Hersteller hingegen kann sich über diesen Zeitraum Feedback einholen, um das Produkt noch zu verbessern. Beta-Versionen werden vor allem bei Multiplayer-Spielen eingesetzt, um die Server einem sogenannten Stress-Test zu unterziehen.

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Sorry, we’re closed

Die Publisher unterscheiden zwischen offener und geschlossener Beta. Die geschlossene Beta wird hin und wieder auch als Werbemittel für Vorbesteller eingesetzt. Oder die Hersteller verteilen Codes zu den geschlossenen Betas im Rahmen von Gewinnspielen. In der offenen Version dürfen alle Spieler das Spiel in einem bestimmten Zeitraum herunterladen. Aktuell ist Blizzards Overwatch als offene Beta beispielsweise für XBOX One zu haben. Mit Doom und Battleborn gab es in der Vergangenheit zwei weitere Shooter, die getestet werden durften. Nintendo hinkt hierbei etwas hinterher. Lediglich Splatoon durfte vorab in der Testfire-Version vorab getestet werden, und das auch nur in bestimmten vorab festgelegten Zeitfenstern.

Die Frage ist nun: Was ist besser? Demo oder Beta? Beta-Versionen bieten Herstellern einen echten Mehrwert, weil sie in gewisser Weise bei der Entwicklung helfen. Doch oftmals gibt es Beta-Versionen nur für Multiplayer-Spiele. Was ist aber mit Singleplayer-Titeln? Hier sind in Zukunft viel mehr Spiele zu wünschen, die sich vorab als Demo testen lassen. Vor allem die Fülle an verfügbaren Spielen macht die Entscheidung für oder gegen bestimmte Titel schwierig. Da wäre mit einer gut gestalteten Demo bereits geholfen. Publisher könnten sie auch viel besser als Werbemittel einsetzen. Eine Demo ein paar Wochen im Voraus zu veröffentlichen, kann oft auch einen gewissen Hype um ein Spiel schüren. Gerade Nintendo sollte solche Vorab-Versionen verstärkt nutzen, um die Werbetrommel besser zu rühren; denn qualitativ muss man sich ja nur selten verstecken. Bei den aktuellen Systemen wird dieses Instrument noch zu sporadisch eingesetzt; vielleicht sollte das japanische Unternehmen die Strategie bei Nintendo NX optimieren.

Zweite Meinung von Nico Zurheide:

Demo oder Beta? Egal, Hauptsache Italien. Bei dieser Thematik muss auch die Frage gestellt werden: Waren Demos jemals wirklich stark verbreitet, bei den Herstellern beliebt? Vor internetfähigen Konsolen gab es jedenfalls kaum eine Möglichkeit, Spiele vor ihrem Erscheinen selbst anzutesten, von Spielemessen einmal abgesehen. Und auch im Zeitalter von Downloads konnte sich die Demo meines Erachtens nach nie wirklich durchsetzen - so schön das Konzept auch sein mag. Das Videospiel ist ein Medium, von dem man durchaus durch kurze eigene Eindrücke ein ausführliches Bild bekommen kann. Und wie Michi schon schrieb, ist es schade, dass kaum noch Einzelspielerspiele eine Demo-Version spendiert bekommen.

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Neben der Verlagerung hin zur Beta kann ich noch eine weitere, meiner Meinung nach viel stärkere Entwicklung ausmachen. Early Access ist auf dem Vormarsch. Spieler bezahlen eine frühe Version des Spiels, um vorab als Tester eine unfertige Version spielen zu "dürfen". Mit dem Bezahlen des Kaufpreises kommt immerhin ein Mitspracherecht mit, welche Aspekte des Titels noch einer Verbesserung bedürfen. Early Access ist zwar momentan noch vorrangig auf dem PC, genauer gesagt Steam, zu sehen. Doch können wir durchaus davon ausgehen, dass die Publisher sich dieses Konzept des Geldverdienens durch unfertige Spiele (die auch als solche gekennzeichnet sind) auch auf dem großen Konsolenmarkt nicht lange entgehen lassen wollen.

Nintendo muss sich bei dem Konzept seiner neuen Konsole also mal wieder fragen, ob man mit der Zeit gehen will oder bei den nicht mehr ganz aktuellen Modellen bleiben möchte. Dabei ist gar nicht die technische Leistung der NX-Konsole gemeint, dieses Rennen möchte Nintendo ohnehin nicht bestreiten. Vielmehr sollten die Online-Strukturen und die Vielfältigkeit des virtuellen Angebots im Fokus stehen. Wirklich gut konnte auf Wii U nur Mario Kart 8 online gespielt werden (Smash Bros. und Splatoon mit Abstrichen), und selbst da gab es noch Verbesserungsbedarf. Der Nintendo eShop ist im Vergleich mit Xbox One und PlayStation 4 ein langsames Konstrukt, das schon bei seiner Etablierung nicht mehr aktuell war. Dabei bedarf es im Grunde gar nicht viel, die Stores auf Konkurrenzkonsolen alt aussehen zu lassen. Nintendo muss sich nur trauen, diese Schritte zu gehen.

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10 Kommentare:


Belphegor
vor 4 Jahren | 3
Ach was hab ich in den 90er Demos gezockt. Das war damals quasi die Hochzeit der Demos. Ganz ohne Imternet. Schön verteilt durch CDs in Spielemagazinen. Das war eine tolle Zeit.

Heute als Beta-Tester für die Konzerne ist das alles nicht mehr so toll. Und was muss ich hier lesen? Es gibt idioten die DAFÜR zahlen? Die Gamer sind es echt selber schuld das Konzere uns für doof verkaufen denn wir SIND doof!

Day One Patches, Unfertige Beta-Versionen als Vollversionen zu verkaufen, Digitalversionen die teurer als Retail sind, DLC Abzocke, Early Access der bezahlt werden will, F2P und P2W. Jährliche Updates großer Franchises ohne Innovation und Neuerungen. SP Modi die kaum der Rede wert sind. Zu meiner Zeit wäre das alles NICHT möglich gewesen. Back to Cardridges, back to Oldschool! #AlwaysOffline Konsole!

Tim
vor 4 Jahren | 3
Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit... gehen ;)

prog4m3r
vor 4 Jahren | 0
Spiele im Early Access würde ich niemals kaufen... Beta-Versionen beachte ich nicht und Demos? Gelegentlich, aber eigentlich weiß ich persönlich ja ob ich mir ein Spiel kaufen werde schon lange bevor etwas in dieser Richtung kommt. Besonders bei Nintendo bedarf es für mich eigentlich keiner Demos, da es von vornherein ziemlich klar ist inwieweit ein Titel unterhalten können wird, aber wie Michi schon sagt; Nintendo braucht ihre Spiele qualitativ i.d.R. nicht zu verstecken und würde gut daran tun Demos aktiver als Werbemittel zu nutzen... unter Umständen vielleicht sogar auf den Plattformen der Konkurrenz ;)

Tobsen
vor 4 Jahren | 0
Ich mag Demos lieber als Betas, da das für mich nur Demos im Prinzip sind, die nach einer gewissen Zeit "abgeschaltet" werden. Inwieweit das Feedback der Beta-Spieler tatsächlich das fast fertige Spiel noch beeinflusst, weiß ich nicht genau, aber ich vermute mal, dass kaum.
Auf dem 3DS habe ich zB um die 25 Demos, die ich immer mal wieder spiele und nicht im Hinterkopf habe, dass das nur noch bis zum soundsovielten des Monats bis 23h59 möglich sein wird.

ÖinkÖink
vor 4 Jahren | 1
Brauch man heutzutage überhaupt noch Demos? Heute werden Games lange vor Release analysiert, zerstückelt und geprüft. Der Spaßfaktor geht auch irgendwie unter und die Spiele an sich stehen gar nicht mehr so im Mittelpunkt, nur noch das Drumherum.

Vyse
vor 4 Jahren | 0
Demos verlieren IMO auch durch youtube-Videos an Relevanz. Man findet dort genug Gameplay-Videos, mit denen man sehr gut beurteilen kann, ob sich ein Kauf lohnt oder eben nicht. Einer der wichtigsten Aspekte des Spiels ist für mich die Herausforderung, und in einem Gameplay-Video kann ich sehr schnell sehen, ob der Spieler mit seinen Spezialattacken alles umhaut oder kaum Lebensenergie verliert, obwohl er ständig getroffen wird.

Kōji
vor 4 Jahren | 0
Also ich bin da irgendwie anders als ihr :D Auch wenn ich auf YT schon Gameplay Material en Masse sehen kann, ist es mir wichtig ein Gefühl für die Bedienung bzw. das Spielgefühl zu erhalten. Gutes Beispiel war die Splatoon Demo. Da wusste ich nach zwei Runden bereits, dass ich mir das Spiel holen werde.

Anders gefragt. Wer von euch, hat sich Star Fox Zero ohne mulmiges Gefühl geholt?

Denios
vor 4 Jahren | 0
Jo, kommt echt aufs Spiel an, da hat Koji recht. Bei SF0 ist halt das Problem, dass eine 30min-Demo das halbe Spiel gezeigt hätte :D D :D Aber ansonsten bieten sich gerade ungewöhnliche Spiele als Demokandidaten an. Bei nem JRPG mit rundenbasierten Kämpfen brauch ich keine Demo, da reicht oft ein kurzes Youtube-Vid (wobei die Demos zu Bravely Default und Bravely Second wirklich richtig geil gemacht sind und voller Details stecken)

Der R
vor 4 Jahren | 0
Ich bevorzuge eindeutig Demos. Wenn ich eine Demo spiele, gehe ich davon aus dass die Demo bereits ausgereift ist und das Spiel in der Form auch auf den Markt kommt (oder ist). Es liefert mir einen echten Einblick ob ich mir ein Spiel kaufen möchte oder nicht.
Betas hingegen traue ich ehrlich gesagt nicht so richtig über den Weg.Kann vlt ganz nett sein - aber weiß ich danach wirklich in welcher Qualität sich das Spiel am Ende abspielt? Weiß ich wie viel noch geändert - oder eben nicht geändert wird? ...eine Beta kann ganz nett sein - kann sich aber noch in wichtigen Dingen von der finalen Fassung unterscheiden. Vlt. bin ich auch einfach alt... ^^

Retrogamer_alias_Papa
vor 4 Jahren | 0
Oh, Belphe ist ja in meinem Alter angekommen.

Topic: Demos habe ich noch nie groß beachtet. Einzig die Tomb Raider 2,3 & 4 habe ich mir extra geholt. War immer ganz heiß auf Laras nächstes Abenteuer. 2 Käufe habe ich mal aufgrund einer Demo gemacht. Das war Disneys Hercules welches besser als der Film war, sowie Wipeout 2097.

Bei Betas habe ich mich 3x in der schweren Anfangszeit des DRM beworben, da mir langsam die neuen "Pflicht"-Spiele ausgingen. Leider wurde ich immer abgelehnt, und Daher war das Thema Betatester für mich gestorben. Ich finde das mit den Betas ja eigentlich eine gute Idee, allerdings scheinen die Publisher lernresistent zu sein, wie Belphe schon schrieb: Day One Patch etc.

Will das nicht nochmal wiederholen.