Test: Yo-Kai Watch 2: Knochige Gespenster

Von Deniz Üresin am 07. April 2017

Ein Jahr ist es nun her, seit man in Europa zum ersten Mal in die bunte Welt der Yo-Kai eintauchen konnte. Zeit für ein großes Comeback!

Yo-Kai Watch geht hierzulande endlich in die zweite Runde, dieses Mal gleich mit zwei Versionen, genannt „Knochige Gespenster“ und „Kräftige Seelen“, die sich ähnlich wie Pokémon-Editionen derselben Generation hauptsächlich in der Verfügbarkeit mancher Monster unterscheiden. Doch bevor es richtig losgeht, werden alle Uhren erstmal wieder auf Null gestellt…

Willkommen in Lenzhausen… schon wieder?

Wie bereits im ersten Teil könnt ihr zu Beginn auswählen, ob ihr als Katie oder Nate spielen möchtet. Kurz darauf beginnt auch schon die erste Zwischensequenz, in der zwei Hexen nachts bei euch einbrechen und eure Yo-Kai Watch mitsamt euren Erinnerungen an eure Abenteuer aus dem Debüt klauen. Dies bedeutet, dass euch nach und nach erst wieder erklärt werden muss, was Yo-Kai sind, wie die Yo-Kai Watch funktioniert und was eigentlich im Vorgänger passiert ist – etwas redundant für Kenner der Serie, aber ideal für Neueinsteiger.

Yo-Kai sind unsichtbare, geisterhafte Wesen, die überall auf der Welt verteilt ihr Unwesen treiben. Sie können Menschen und Gegenstände beeinflussen und haben oft nur Schabernack im Sinn. So liegt es an euch, ausgerüstet mit der magischen Yo-Kai Watch, mit der ihr die Tunichtgute aufspüren könnt, für Ruhe und Ordnung in der Stadt zu sorgen. Das Tutorial, das euch durch die große, bunte und detaillierte Stadt Lenzhausen führt, ist recht lang, erklärt aber wichtige Grundlagen und entlässt euch dann in eine niedliche, kleine, aber wenig aufregende Story um den langen Kampf zwischen „Knochis“ und „Kraftis“, zweier großer Yo-Kai-Fraktionen.

Alles beim Alten

Die Story ist, wie bei Yo-Kai Watch 1, in Kapitel unterteilt, die sich ähnlich wie Anime-Episoden anfühlen. Neben der Hauptstory gibt es aber auch hier wieder sehr viel zu entdecken und zu sammeln – und die Nebenquests sind tatsächlich oft interessanter als die eigentlichen Schlüsselaufgaben und storyrelevanten Cutscenes, da Nate (oder Katie) hier oft auf unterhaltsame Art und Weise mit Freunden, Klassenkameraden oder Fremden interagiert, immer unterstützt von seinem Butler-Geist Whisper, der nie um einen dummen Spruch verlegen ist.

Doch nicht nur von der Story, auch optisch und vom Gameplay her hat sich seit dem Vorgänger nicht viel getan. Das Spiel ist im bunten Anime-Stil gehalten, hübsch anzusehen und läuft größtenteils flüssig - außer bei eingeschaltetem 3D-Effekt, der zwar schön aussieht, aber zu gelegentlichen Rucklern führt. Im Hintergrund laufen wie immer meist fröhliche, gelegentlich auch etwas schaurigere Melodien, die das Spielgeschehen gut einfangen und untermalen.

Das Kampfsystem ist ebenfalls fast gänzlich unverändert geblieben. Mit bis zu sechs Yo-Kai könnt ihr in den Kampf ziehen, wobei drei jeweils aktiv kämpfen, während die anderen auf der Ersatzbank auf ihren Einsatz warten. Die Geister kämpfen dabei weitgehend autonom, während man selbst nur durch Drehen eines Rades auf dem Touchscreen die aktiven Kämpfer austauschen, Items einsetzen oder Spezialattacken auswählen kann. Diese Spezialattacken werden dabei über kleine Minispielchen aktiviert, bei denen man Schriftzeichen nachmalen, herumfliegende Kugeln antippen oder schnell Kreise auf dem Touchscreen zeichnen muss. Erfahrene Yo-Kai-Watchler merken sofort: Es sind dieselben Minispiele wie beim Erstling. Das geht natürlich mit denselben Problemen einher – Chaos ist vorprogrammiert, wenn man auf dem unteren Bildschirm gerade seine Kalligraphie-Skills auspackt, während auf dem oberen der Kampf weitergeht.

Leider ist bei den Yo-Kai auch keine wirkliche KI zu erkennen - sie wählen ihre Angriffe, Verteidigungen und Buffs völlig willkürlich aus, ohne eine erkennbare Strategie. So kommt es oft vor, dass nur noch ein einziger Gegner mit wenigen HP übrig ist, eure Gruppe sich aber erstmal geschlossen mit Statuswertupgrades aufrüstet, anstatt einfach einmal draufzuhauen und den Kampf zu beenden.

Nach dem Sieg erhalten die Yo-Kai aus eurem Team einige Erfahrungspunkte, die mit gelegentlichen Levelups und damit erhöhten Statuswerten einhergehen. Außerdem besteht eine gewisse Chance, dass sich eines der besiegten Yo-Kai euch anschließen möchte. Sammler können sich glücklich schätzen: Über 350 Geister lassen sich in Yo-Kai Watch 2 fangen - ganze 100 Monster mehr als es Pokémon in dessen zweiter Generation gab. Gegner werden dabei wie beim Vorgänger nicht zufällig getroffen, man muss sie entweder durch Sondierung der Umgebung mit der Yo-Kai-Linse finden oder in manchen Gebieten, in denen sie frei herumlaufen, berühren, um einen Kampf zu initiieren.

Auch abseits der Kämpfe wird der Touchscreen häufig verwendet. So kann man darüber auf das Yo-Kai-Pad zugreifen, auf dem im Laufe des Spiels nach und nach nützliche Apps installiert werden, wie zum Beispiel der Questlog, eine Wetterapp, eine Musikapp und viele weitere. 

Neuigkeiten

Glücklicherweise hat Yo-Kai Watch 2 aber noch ein kleines bisschen mehr zu bieten als nur ein paar neue Geister. Konnte im Vorgänger fast ausschließlich die Stadt Lenzhausen erkundet werden, haben sich inzwischen ein paar neue bereisbare Orte hinzugesellt, wodurch die Spielwelt ein ganzes Stück gewachsen ist. Erreichbar sind die neuen Dörfer dabei per Zug – einem weiteren Novum in der Serie. Ganze 18 Haltestellen sind über das Liniensystem, bestehend aus drei verschiedenen Linien und einem Expresszug, ansteuerbar, wobei die meisten Bahnhöfe nicht viel zu bieten haben und man nur an den Endhaltestellen (und natürlich an der Haltestelle Lenzhausen) auch den Ort um den Bahnhof herum erkunden kann. Damit die Fahrt nicht langweilig wird, kommt es dabei im Zug immer wieder zu Begegnungen mit Bekannten, Unbekannten und Yo-Kai, sowie einigen lustigen Gesprächen zwischen eurer Spielfigur, eurem Butler Whisper und eurem treuen Freund Jibanyan, dem katzenartigen Yo-Kai.

Reisewütige können sich außerdem auf ein weiteres interessantes Reiseziel freuen: Die Vergangenheit! Ein Teil der Story spielt nämlich 60 Jahre vor Beginn der Handlung von Yo-Kai Watch 2, sodass sich Nate (oder Katie) entsprechend gelegentlich mithilfe eines Zeitreise-Yo-Kai genau dorthin begeben.   

Fazit:

Yo-Kai Watch 2 ist deutlich größer als der erste Teil - viel mehr hat es aber leider im Vergleich zum Vorgänger nicht zu bieten. Das Fangen, Trainieren, Sammeln und Tauschen der Monster funktioniert genau so gut wie eh und je, die Spielwelt steckt wie immer voller Liebe zum Detail, es lassen sich überall kleine Wortwitze, Popkultur-Anspielungen und witzige Minispiele entdecken.

Demgegenüber stehen eine recht unmotivierte Story und ein durchwachsenes, sehr passives Kampfsystem, welches nur im Kampf gegen die teilweise innovativ gestalteten Bosse voll zur Geltung kommt (da der Rest des Spiels ziemlich einfach ist). Nun liegt es an den letztes Jahr in Japan erschienenen Editionen der dritten Generation, die Gameplay-Mankos ihrer Vorgänger auszubügeln. Für Europa wurde ein Release bislang allerdings nicht angekündigt.

Wertung:

7.0

Deniz Üresin meint:

"Yo-Kai Watch 2 ist größer als sein Vorgänger, hat aber sonst keine nennenswerte Weiterentwicklung durchgemacht."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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3 Kommentare:


the_Metroid_one
vor 1 Jahr | 0
Danke für den Test Denios. Hab die Versionen beide hier. Der Vorgänger gefiel mir bin aber nicht groß motiviert. Wird aber sicher mal gespielt.

Denios
vor 1 Jahr | 1
wenn du den Vorgänger cool fandest, wirst du Teil 2 auch sehr gut finden^^ ist halt more of the same :D das Zugfahren hat mir auch viel Spaß gemacht, weil es so "realistisch" dargestellt ist, mit den Lautsprecheransagen und dass man manchmal umsteigen und auf die Linie achten muss und so.

KilledGamer
vor 1 Jahr | 0
Ich hatte die Demo zum ersten Teil gezockt und war etwas abgeschreckt vom Kampfsystem. Es war mir dann doch etwas ZU passiv. Aber schön, dass das Spiel gut ist.
Schön geschriebener Test.