Test: Dead or Alive Xtreme 3 (Import)

Von Andreas Held am 08. Mai 2016

Bereits beim Release des ersten Dead or Alive-Titels vor 20 Jahren machte Team Ninja keinen Hehl daraus, dass das optische Design des weiblichen Teils der Kämpferriege ein paar zusätzliche Käufer anziehen soll. Somit war es fast schon eine logische Konsequenz, als einige Jahre später - damals noch exklusiv für die erste Xbox - Dead or Alive Xtreme Beach Volleyball angekündigt wurde. Statt sich gegenseitig zu verprügeln, zeigten sich die Mädels in diesem Spiel in Bademoden und traten im Beach Volleyball sowie in ein paar anderen Minispielen gegeneinander an. Zu diesem Zeitpunkt sorgte die Ankündigung des Fun-Sport-Titels noch für allgemeine Belustigung. Heutzutage jedoch ist Fanservice in Videospielen so sehr verpönt, dass sich KoeiTecmo dazu entschieden hat, das Spiel vorsichtshalber nur innerhalb Asiens zu veröffentlichen. Wer Dead or Alive Xtreme 3 spielen möchte, kann dies trotzdem problemlos tun: Die außerhalb Japans vertriebene Asia-Version ist nämlich englisch untertitelt und kann, da die PlayStation 4 keine Region Codes hat, weltweit abgespielt werden. Wir haben die englischsprachige Version importiert und uns selbst angesehen, wie der Titel im Vergleich zu ähnlichen Spielen abschneidet.

Urlaub nach Programm

Im Hauptfokus von Dead or Alive Xtreme 3 steht weiterhin die Beach Volleyball-Simulation, an der sich im Vergleich zum ersten Teil praktisch nichts geändert hat. Das Gameplay belohnt schnelle Reaktionen und gutes Timing - vor allem beim Aufschlag und bei Schmetterbällen müsst ihr den Ball genau im richtigen Moment treffen, damit euer Angriff nicht ins Netz geht oder zu leicht pariert werden kann. Reagiert ihr schnell genug auf einen Block-Versuch der KI-Gegner, könnt ihr statt des Schmetterballs einen kleinen Lupfer ausführen und so fast garantiert einen Punkt landen. Dead or Alive Xtreme bietet zwar nicht annähernd die Spieltiefe eines Pro Evolution Soccer, beherbergt aber dennoch genug Potential für fordernde Matches mit langen und intensiven Ballwechseln. Die Steuerung funktioniert dabei jederzeit perfekt, und die Grafik liefert auch in hektischen Spielsituationen konstante 60 Bilder pro Sekunde.

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Natürlich wäre eine bloße Aneinanderreihung von Volleyball-Matches sehr langweilig. Um dem vorzubeugen, hat Team Ninja ein eigenes Setting um die Sportart herum gestrickt: So spielt ihr jeweils 14-tägige Urlaube auf einer tropischen Insel durch, sodass ihr auch anderen Beschäftigungen in Form von Minispielen nachgehen könnt. Diese sind zwar mit viel Aufwand präsentiert, bleiben spielerisch aber sehr dünn: Das Tauziehen zum Beispiel funktioniert nach dem Stein-Schere-Papier-Prinzip und ist somit eher Glückssache, während ihr beim Pool Hopping oder beim Klettern im Prinzip nur ein Quick-Time-Event durchspielt. Die Jetskis, die man im zweiten Teil noch in bester Wave-Race-Manier über den Ozean jagen konnte, wurden ersatzlos gestrichen - das Casino, in dem ihr abends eine Runde pokern oder in Glücksspielen etwas Geld verzocken könnt, hat jedoch weiterhin geöffnet.

Für ein gewisses Maß an Langzeitmotivation sorgen Elemente, die nach einem Urlaub dauerhaft erhalten bleiben. Verschiedene Strandbekleidungen, die ihr im Laufe eures Aufenthalts erwerben oder verschenken könnt, bleiben permanent und für zukünftige Durchgänge im Inventar der Protagonistinnen gespeichert. Die einzige erwähnenswerte Neuerung erlaubt es euch, auf Knopfdruck die Rolle des Eigentümers des Urlaubsresorts einzunehmen; in diesem Rahmen werdet ihr im Laufe des Spiels zahlreiche Missionen erhalten, für deren Erfüllung ihr Erfahrungspunkte bekommt, die sich aufsummieren und mit der Zeit ein paar neue Features freischalten. In dieser Rolle dürft ihr auch Fotos von den Urlauberinnen schießen, die auf der PS4 gespeichert bleiben und sich von dort aus auf einen USB-Stick kopieren lassen. Das Kernfeature für viele Fans ist das Sammeln der Badeanzüge: Für jede der neun Urlauberinnen können über 200 Strand-Outfits erworben werden, allerdings hat jede Figur nur auf einen kleinen Teil der Kollektion Zugriff. Wollt ihr eine Kämpferin in einem Badeanzug sehen, der für sie nicht im Laden käuflich ist, müsst ihr diesen an sie verschenken und darauf hoffen, dass euer Geschenk auch angenommen wird.

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Nur Fanservice und schlechtes Gameplay?

In den meisten Import-Reviews großer Magazine hat Dead or Alive Xtreme 3 extrem schlecht abgeschnitten. Die Tester führen dabei das Fehlen von Spielinhalten als Grund für ihr negatives Urteil an. Viele Leser sind jedoch der Meinung, dass auch die subjektive Grundhaltung der Autoren zu bestimmten gesellschaftspolitischen Themen bei der Wertungsfindung eine entscheidende Rolle spielte. Vergleicht man Dead or Alive Xtreme 3 mit dem spielerisch durchaus sehr ähnlich ausgelegten Mario Tennis: Ultra Smash, steht das von Team Ninja entwickelte Spin-Off eigentlich besser da: Denn während Marios Auftritt abseits von einzelnen Tennismatches wirklich nichts mehr vorzeigen kann, bietet Dead or Alive Xtreme 3 außerhalb des Beach Volleyballs zumindest noch einige Minispiele und hunderte sammelbare Outfits an. Auch die Präsentation des PlayStation 4-Titels ist deutlich aufwändiger: die Umgebungen sind viel detaillierter, die Figuren ungleich besser animiert. Trotz all dieser Faktoren hat Nintendos Fun-Sport-Titel den deutlich höheren Metascore.

Vor allem im Hinblick auf die sonstige Berichterstattung der Magazine, die Dead or Alive Xtreme 3 schlecht bewertet haben, darf man also zumindest die begründete Vermutung äußern, dass möglicherweise auch andere Faktoren bei der Beurteilung des Titels eine Rolle gespielt haben. Wahrscheinlich hat die Angst vor einer negativen Berichterstattung durch Redakteure, die ein Review zu einem Videospiel als Plattform für ihre persönliche gesellschaftspolitische Agenda missbrauchen könnten, KoeiTecmo zu der Entscheidung veranlasst, Dead or Alive Xtreme 3 nicht außerhalb Asiens zu veröffentlichen. Denn ein solcher Shitstorm würde den kompletten Markennamen "Dead or Alive" nachhaltig negativ belasten. Erst wenn man das Spiel einmal selbst zu Gesicht bekommt, wird die komplette Lächerlichkeit dieser Diskussion deutlich: Junge Frauen liegen in Bikinis am Pool oder spielen Beach Volleyball, und das war's im Prinzip. Trotzdem gibt es Aktivisten, die gegen solche Spiele vorgehen, als hätten wir keine größeren Probleme in unserer Gesellschafft - wie zum Beispiel Atomwaffen oder den IS.

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Natürlich müssen wir an dieser Stelle auch ehrlich sein: Eine Beach Volleyball-Simulation, in der man die Bandmitglieder von One Direction steuern und Badeshorts sammeln darf, würde vermutlich niemanden interessieren. Wir wollen auch nicht verleugnen, dass sich die Figuren in Dead or Alive Xtreme 3 durch geradezu lächerlich freizügige Outfits und in bestimmten Event-Szenen auf eine Art und Weise zur Schau stellen, die sich fast ausschließlich an männliche Spieler richtet. Das Spin-Off wird also nicht allein durch sein Gameplay getragen; der Fanservice allein macht aber auch kein Vollpreisspiel aus. Tatsächlich ist es bei Dead or Alive Xtreme 3 wieder das berühmte Gesamtpaket, das den Titel interessant macht: Das seichte, letztendlich aber unterhaltsame Gameplay funktioniert in Kombination mit den hübschen Damen, dem Sammeltrieb und der positiven Urlaubsatmosphäre. So gesehen ist Dead or Alive Xtreme 3 vergleichbar mit Spielen wie Animal Crossing oder Stardew Valley, die ebenfalls wenig Herausforderung oder Tiefe bieten, aber auf ihre eigene Art und Weise Spaß machen. Und ganz abgesehen davon stellt die Beach Volleyball- und Urlaubssimulation eine willkommene Abwechslung zu den Action-Titeln und Rennsimulationen dar, die seit zwei Jahrzehnten den Markt dominieren.

FAZIT:

Rein objektiv betrachtet ist Dead or Alive Xtreme 3 ein ziemlich belangloses Spiel. Denn obwohl die Beach Volleyball-Matches dank des hohen Spieltempos durchaus kurzweilig sein können, würde das Gameplay allein wohl niemanden länger als ein bis zwei Stunden lang unterhalten können. Die sonstigen Minispiele sind zwar optisch sehr schön präsentiert, aus spielerischer Sicht jedoch kaum erwähnenswert. Und betrachtet man den Umfang der gebotenen Spielinhalte vor dem Kontext, dass es sich bei dem Spin-Off um einen Vollpreistitel handelt, fällt das Preis-Leistungs-Verhältnis äußerst dürftig aus. Die Mikrotransaktionen und den lächerlich überteuerten DLC wollen wir an dieser Stelle nicht groß thematisieren, da diese Faktoren auf das Kernspiel keinen Einfluss haben. Ein Import der englischsprachigen Asia-Version macht also nur für diejenigen Spieler Sinn, die dem Outfit-Sammelwahn und der visuellen Präsentation des Titels so viel abgewinnen können, dass auch nach einem Dutzend virtueller Urlaube die Luft noch nicht raus ist. Damit platziert sich Dead or Alive Xtreme 3 ganz klar als Nischentitel. Wer jedoch eine Ausflucht vom grauen, blutigen Shooter-Alltag sucht und Team Ninja den Feature-Mangel und das größtenteils sehr seichte Gameplay verzeihen kann, darf ruhig über einen Kauf nachdenken.

Wertung:

5.5

Andreas Held meint:

"Das anspruchslose Gameplay wird aufgewertet von der schönen Optik, dem Sammelwahn und der sonnigen Inselatmosphäre - trotzdem bleibt Dead or Alive Xtreme 3 ein extremer Nischentitel."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Mangelhaft
Technik: Sehr gut

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14 Kommentare:


ÖinkÖink
vor 5 Jahren | 0
Kasumi gefällt mir nur wenn ich sie mit Ayane durch eine Wand schleudern kann. :-)

GF0P
vor 5 Jahren | 1
Ey! Lass mir die Kasumi zufrieden! ;-)

MrMatschi
vor 5 Jahren | 1
Das Spiel wäre für mich bislang der einzige Grund, mir eine PS4 zu kaufen...
Aber ganz soweit geht's mit dem "Fanatismus" dann doch nicht! ;)

Farbi11
vor 5 Jahren | 0
Gut geschriebener Test! Ist zwar kein Spiel für mich, aber ich habe den Artikel trotzdem (!) gerne gelesen.

Tobsen
vor 5 Jahren | 3
Da ich wirklich ein Freund von Bikinis bin, habe ich mir einen Import dieses Spiels natürlich nicht nehmen lassen; Ich würde es als Bikini-Simulator x Beachvolleyball x Minispiele x Tamagotchi einordnen. Die letzten beiden Aspekte erfüllt das Spiel nicht optimal, aber sie sind eben vorhanden und allemal nett! Einen Butt-Battle zu gewinnen ist zwar nicht so befriedigend, wie einen Silber-Rathalos zu legen, aber man kann wirklich nicht sagen, dass er keinen Spaß macht^^. Das Volleyballspielen ist, wie im Test richtig erwähnt wird, überraschend gut gemacht. Also das macht wirklich als Volleyballspiel Spaß. Das würde ich auch spielen, wenn One Republic die Charaktere stellen würden^^. Last but(t) not least ist der Bikini-Aspekt halt wirklich super umgesetzt: es wird gehüpft, gewackelt, gesqzeezed, es verrutschen Träger und Riemchen und die Figuren werden mit der Zeit (kauft man ihnen keinen Sunblocker) immer brauner. Generell sieht die Haut einfach super gut aus. Wenn eine Figur ins Wasser fällt und sie danach am Beckenrand steht und kleine Tröpfchen auf ihr herunterrinnen: das ist schon sehr nah dran, das uncanny-valley zu durchschreiten. Evtl könnte Tecmo diesen Teil der Soft-Engine 2.0 (lol) auch für andere ihrer Spiele benutzen oder sie weiterverkaufen. Solch echte Haut täte auch anderen Spielfiguren sicher nicht schlecht. Generell ist übrigens der ganze Trubel um das Spiel mega-lachhaft. Man sieht halt wirklich nichts. In jedem Spiel von idea factory sieht man "mehr" bzw ist alles viel anzüglicher konnotiert. DoAX3 ist einfach eine Urlaubsanlage mit ein paar Frauen in Bikinis drin. Das war's halt echt. Auch in den ersten 45 Minuten von Witcher 3 sieht man mehr Haut, Körperteile und Erotik als man je in DoAX3 sehen wird. Das stört allerdings niemanden. Von daher ist klar, dass so 2/10er- Bewertungen, die man finden kann, nicht das Spiel, sondern irgendeine political-correctness-Schablone bewerten, in die DoAX3 eben nicht passt. Dass Bikinis die Wurzel allen Übels zu sein scheinen, die man am besten überall rauszensiert, konnten wir im letzten 3/4 ja gut miterleben. TMS führt den Trend ja nun ebenfalls fort.

TeeKayDodo
vor 5 Jahren | 0
Schöne Umschreibung, Tobsen. Jetzt weiß ich endlich was DoA Xtreme überhaupt ist. ;) Nur was meinst du mit deinen letzten beiden Sätzen bezüglich Zensur und "TMS"?

blither
vor 5 Jahren | 0
Das ist ja schon fast eine Hype-Wertung, wenn man sich andere Reviews durchliest ;)

Politac Correctness wird aber auch bei DOAX3 großgeschrieben, oder warum verzichtet man auf eine US- und EU-Version?

GF0P
vor 5 Jahren | 1
Schade, dass das Teil nicht für die One kommt. Soweit mir für Kasumi, Ayane und Co. eine PS4 zuzulegen kommts nich! Ich leg da meine Hoffnung voll auf das NX! ;-)
Aber WTF ist ein Butt-Battle?!

Tobsen
vor 5 Jahren | 1
Zwei Mädels stehen voneinander abgewandt auf einer im Pool treibenden Schaumstoffinsel. Ziel ist es nun, durch Po-Schwinger gegen den Po der Gegnerin selbige von der Insel zu schubsen.

prog4m3r
vor 5 Jahren | 2
Moment mal Andy! Hat Mario Tennis Ultra Smash nicht auf WiiUX.de noch eine 6.0 erhalten?! Du alter SJW :D !

NaIzE
vor 5 Jahren | 0
Ich habe es mir auch vor ner Weile für die Vita importiert. Für zwischendurch ganz gut. :D

Der R
vor 5 Jahren | 1
Wenn das Ganze jetzt noch Teil eines richtigen DoA wäre oder das Volleyballspielen noch mehr Anspruch hätte, dann würde ich dafür glatt eine PS4 oder Vita holen ^^. Aber mit den Minispielchen werde ich nicht glücklich ;)

GF0P
vor 5 Jahren | 0
Kann man das eigentlich auch mit PS-VR spielen? :-P

Alternativ hätte ich dann gern eine New3DS-Version.

Vyse
vor 5 Jahren | 0
Es soll wohl noch ein kleiner PSVR-Modus als DLC nachgereicht werden. Wirkliche Infos gibt es da aber nicht drüber.