Test: TrackMania Turbo

Von Andreas Held am 01. Mai 2016

Seit seinem ersten Release vor 13 Jahren ist die Serie TrackMania das Steckenpferd des französischen Studios Nadeo, das abseits seiner Rennspiel-Serie nur eine Segelsimulation und den gescheiterten Multiplayer-Titel ShootMania Storm vorweisen kann. In ihren vielen Erweiterungen und Sequels blieb sich die Serie dabei immer treu und gehörte zwar nie zu den ganz großen Playern im Rennspiel-Genre, konnte aber trotzdem eine treue und respektable Fan-Basis für sich aufbauen. Das Studio wurde 2009 von Ubisoft übernommen, und der Publisher-Gigant wirft seitdem ein verstärktes Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit des Franchise. Mit TrackMania Turbo erreichte uns nun im Prinzip eine Konsolen-Portierung von Trackmania², die mit komplett neuen Strecken und einer zusätzlichen Umgebung auch PC-Spieler locken möchte und offensichtlich darauf ausgelegt ist, die Serie im Mainstream zu platzieren. Wir haben uns angesehen, ob das funktionieren könnte.

International Time Attack Formula

Das Grundgerüst der Serie ist immer noch das Gleiche wie vor 13 Jahren: Auf kurzen Rennstrecken, deren Ziel in der Regel in unter einer Minute erreicht werden kann, tretet ihr ausschließlich gegen die Uhr und wahlweise gegen Geisterautos an. Diese Strecken sind in der Regel gespickt mit Fallen, riesigen Absprungrampen und Loopings, die aus TrackMania klar einen Arcade-Racer machen, der irgendwo zwischen Ridge Racer und F-Zero angesiedelt ist. Diese Strecken sind in vier verschiedenen Umgebungen untergebracht, die nicht nur die Optik, sondern auch das Gameplay sehr stark beeinflussen. Im Canyon seid ihr in den amerikanischen Rocky Mountains unterwegs und navigiert mit der sehr driftlastigen Steuerung durch kurvige Straßen. Valley hingegen ist in Europa beheimatet und konfrontiert euch mit vielen Offroad-Abschnitten, die eine sehr feinfühlige Bedienung eures Lenkrads erfordern. In der neu hinzugekommenen Lagoon fahrt ihr oft über magnetische, achterbahnartige Strecken und müsst aufgrund der sehr direkten Steuerung schnelle Reflexe beweisen. Im sehr klassischen Stadium donnert ihr schließlich mit einem Formel-Rennwagen über künstlich konstruierte Strecken, Besonderheiten in der Steuerung fehlen hier. Alle vier Umgebungen haben gemeinsam, dass die Steuerung der Wagen auf allen Untergründen sehr gut funktioniert - Unfälle sind immer ein Fehler des Spielers, auch wenn sie auf unbekannten Strecken zunächst kaum zu vermeiden sind.
In der Hauptkampagne des Spiels müsst ihr in den vier Umgebungen insgesamt 200 Kurse absolvieren. Für die Einhaltung bestimmter Zeitvorgaben erhaltet ihr Medaillen, die zum Fortschreiten in der Kampagne benötigt werden. Eine große Neuerung gibt es hier: Sobald ihr euch drei Silbermedaillen verdient habt, bekommt ihr die zum Freischalten der letzten Rennserie benötigte Goldmedaille einfach geschenkt. Was zunächst wie ein Zugeständnis gegenüber Gelegenheitsspielern klingt, entpuppt sich mit der Zeit als notwendiges Übel, da Nadeo den ohnehin schon sehr hohen Schwierigkeitsgrad der Serie für TrackMania Turbo noch einmal martialisch angehoben hat. Auf den meisten Strecken seid ihr mit über 400 Stundenkilometern auf einer Straße unterwegs, die kaum breiter ist als euer Auto, müsst Absprungrampen im exakt richtigen Winkel treffen und die Positionierung von Hindernissen auswendig kennen. Macht ihr dabei den allerkleinsten Fehler, habt ihr bestenfalls noch die Chance auf eine Bronzemedaille. Die Zeitvorgaben für die Goldauszeichnung erscheinen hingegen geradezu utopisch.

Abgespecktes Gesamtpaket

Im Vergleich zu den PC-Vorgängern hat Ubisoft einige Elemente aus dem Spiel entfernen lassen, die sich um von Nutzern generierte Inhalte drehen und somit vermutlich der Verlagerung auf Konsolen zum Opfer fielen. Den Streckeneditor gibt es noch, allerdings ist dieser mit dem Controller eher umständlich zu bedienen und die maximale Größe der erstellbaren Strecken wurde stark begrenzt. Alle anderen Schnittstellen für von Spielern generierte Inhalte - zum Beispiel die Möglichkeiten, eigene Fahrzeugmodelle oder Soundtracks in das Spiel zu importieren - wurden hingegen ersatzlos gestrichen. Auch die Skillpunkte, die es in den Vorgängern als Belohnung für gute Leaderboard-Platzierungen gab, sind spurlos verschwunden. Ein weiteres Ärgernis für PC-Spieler ist die vor allem auf Offroad-Abschnitten sehr sensible Steuerung, die ein analoges Eingabegerät praktisch erzwingt. Für Konsolenspieler werden diese Kürzungen weniger relevant sein, da derartige Features generell PC-Titeln vorbehalten sind.


Punkten kann TrackMania Turbo hingegen aus technischer Sicht: Die uns vorliegende PS4-Version läuft generell mit den für ein schnelles Rennspiel sehr wichtigen 60 Bildern pro Sekunde, die nur selten durch Ruckler oder Screen Tearing gestört werden. Die Xbox One-Version ist nur minimal schlechter, läuft jedoch in einer geringeren Auflösung. Auch stilistisch haben euch die Strecken einiges zu bieten: Valley und Lagoon überzeugen mit detaillierten Umgebungen und satten Farben, und auch die beiden auf den ersten Blick eher steril wirkenden Umgebungen Canyon und Stadium überraschen immer wieder mit schönen Designs und toll gestalteten Strecken. Eure Ohren hingegen werden sich in Anbetracht der generischen Techno-Musik eher langweilen, diese jedoch eher ertragen wollen als den ständigen Boxenfunk, über den ihr meistens harsch kritisiert werdet. Hinkt ihr hinter dem herausgeforderten Geist hinterher, was fast durchgehend der Fall ist, wirft euch die Rennleitung im Sekundentakt an den Kopf, was für ein miserabler Fahrer ihr doch seid. League of Legends-Spieler, die es gewohnt sind von ihrem Teamkollegen beschimpft zu werden, sollten sich daher wie zu Hause fühlen - alle anderen werden eine Option, mit der der Boxenfunk ausgeschaltet werden kann, vergeblich suchen.

FAZIT:

Für sich selbst genommen ist TrackMania Turbo ein sehr gelungenes Rennspiel mit einem einzigartigen, funktionierenden Konzept und tollem Umfang. Durch den extrem hohen Schwierigkeitsgrad wird es dutzende Stunden dauern, bis man sich durch die 200 Strecken lange Kampagne gewühlt hat. Die rasante Spielgeschwindigkeit, visuell ansprechende Umgebungen, ideenreich gestaltete Strecken und eine grundsolide Technik sorgen derweil dafür, dass die Jagd nach Bestzeiten auch auf Dauer nie langweilig wird. Da Ubisoft den Titel obendrein zu einem ermäßigten Preis verkauft, kann man das Preis-Leistungs-Verhältnis kaum kritisieren - lediglich PC-Spieler, die die Vorgänger kennen, werden einige Features zur Individualisierung des Spiels vermissen, die im Zuge der Verlagerung auf Konsolen gestrichen wurden. Allen Lesern, die eine große Herausforderung suchen und Lust auf ein sehr schnelles, Arcade-lastiges Rennspiel mit einem Fokus auf Zeitrennen haben, können wir TrackMania Turbo hingegen fast uneingeschränkt empfehlen.

Wertung:

8.0

Andreas Held meint:

"TrackMania ist ein schnelles und knallhartes Rennspiel - die Jagd nach Bestzeiten auf halsbrecherischen Strecken weiß bestens zu unterhalten."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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10 Kommentare:


nibez
vor 3 Jahren | 1
Ich werde mir das Spiel auf jeden Fall holen, TrackMania ist immer gut. Ärgerlich sind natürlich die abgespeckten Features, aber da wird durch die Community und entsprechende Mods sicher Abhilfe geschaffen.

GF0P
vor 3 Jahren | 1
Bei Trackmania Turbo ist die Trennung zwischen Frust und Motivation haarscharf! Komplett ausrasten oder mit der Beckerfaust auf die Couch springen?
Das Spiel verzeiht nicht einen Fehler! Wobei eine Bronze-Medallie noch recht komfortabel mit dem einen oder anderen Ausrutscher - zumindest noch in der "Weißen Linie" - zu erreichen ist, muss man bei Silber schon hart an der Ideallinie fahren und bei Gold nicht das Bremsen übertreiben!
A propos Bremsen und Frust! Was tierisch nervt ist das feste Buttonlayout! Wie oft habe ich schon versehentlich auf "Track neu starten" gehämmert, statt den Bremsbutton zu erwischen! Ist man gerade auf Goldkurs, schallt da gerne mal ein Brüller durch die abendliche Wohnung!
Das Fahrverhalten ist jedoch meist nachvollziehbar, allerdings scheinen die Rennen auf dem Mars oder Mond statt zu finden. Die Pirouetten und Saltos, die der Schlitten nach einem Fahrfehler dreht sind anders als durch einen Bruchteil der irdischen Gravitation nicht zu erklären!
Gut das die Strecken so kurz sind! Die "nur noch ein Versuch" Motivation schlägt voll zu und lässt den Frust - zumindest für die nächsten 30 Sekunden - vergessen.
Der Techno-Soundtrack peitscht einen dazu permanent vorwärts! Leider lässt sich dessen Lautstärke nicht separat regeln!
Die übrige technische Umsetzung ist durchaus als gut zu bewerten. Steuerung reagiert 1a und die Grafik sieht gut aus und läuft (auf Xone) stets flüssig, wenn auch mit Mikro-Tearing am Start.

Die Strecken sind allerdings teils unfair gestaltet. Mittelinseln nach einer Bodenwelle bei 300+ km/h? Dazu ein recht niedriger Blickwinkel, so dass man nicht mehr rechtzeitig reagieren kann! Da erinnert das Spiel an Sonic: es hilft nur ein Auswendig lernen der Tracks! Hier sind die kurzen Strecken abermals von Vorrteil.

Als Kind der 80er erinnert mich Trackmania natürlich an Mindscape's 4D Sports Driving a/k/a "Stunts". Was haben wir nicht nächtelang im Keller vor Papas Arbeitsrechner gehockt und die unfairsten Strecken ausgeheckt!
Auf der Konsole ist der Editor natürlich nicht so komfortabel zu bedienen, wie am PC mit Maus, aber Spass macht es dennoch. Allerdings kackt das Spiel bei über 850km/h ab ;)
Am Umfang vermisse ich allerdings den aus früheren Teilen bekannten "Puzzle Modus".
Alles in Allem gibt es einen dicken fetten Daumen nach oben! Cooles Arcadegame, das mal eben nach Feierabend begeistern kann!

ÖinkÖink
vor 3 Jahren | 0
Es gibt nicht's geileres als Loopings und Megasprünge! :D

Der R
vor 3 Jahren | 0
Gibts das Spiel auch für Linux/OSX ?

nibez
vor 3 Jahren | 0
Nein.

Ken_Sugisaki
vor 3 Jahren | 0
Gibts das Spiel auch fürn Tamagotchi?

@R: Kein Mensch der nicht Google bedienen kann, weiß was Linux ist...

wal
vor 3 Jahren | 1
...und wieder musste ich erstmal lesen , um zu finden, dass es gar kein WiiU Spiel ist. Markiert eure Artikel in der Überschrift !

Vyse
vor 3 Jahren | 0
Im Info-Kasten rechts steht ganz deutlich "Systeme: Xbox One, PS4, PC".
Der R
vor 3 Jahren | 0
Den Info-Kasten sieht man aber nicht auf Anhieb, wenn man ihn noch nicht kennt. Wer schaut schon nach rechts auf einer Seite ^^. Und sobald man zum Test scrollt (auf einem 13" Display z.B. nach weniger als 1 sekunde notwendig) ist der Infokasten auch ganz schnell aus dem Bild raus.


GF0P
vor 3 Jahren | 0
1200 Zeichen Kommentar weg! I c h könnte brechen!