Test: Titanfall 2

Von Lars Peterke am 17. November 2016

Alle Jahre wieder stellt sich im Herbst die Frage: Welche Spiele können den Thron ihres jeweiligen Genres im Weihnachtsgeschäft für sich beanspruchen? Aktuell ist die Frage in den meisten Genres recht leicht zu beantworten. RPG-Fans zählen die Tage bis zum Release von Final Fantasy XV, elitäre Spieler mit Anspruch vertreiben sich die Wartezeit auf The Last Guardian mit tollen Indie-Titeln wie Abzû und Strategen greifen zu Civilization VI. Wer Lust auf ausufernde Multiplayer-Duelle hat, zieht in Battlefield 1 in die Schlacht. Schwieriger sieht es hingegen bei der Krönung des besten Shooters aus. Denn das grandiose DOOM hat die Zielgruppe vermutlich bereits zur Genüge gespielt. Activision hat mit seinem neuen Teil von Call of Duty bereits Bedarf angemeldet, während Respawn Entertainment nun seine lang erwartete Fortsetzung zu Titanfall ins Rennen schickt. Wir verraten euch in unserem Test, ob Titanfall 2 seinen Genre-Rivalen überholen kann.

Endlich komplett

Der Release von Titanfall vor zwei Jahren war ein mutiger Wurf. Als Exklusivtitel für die Xbox One sollte er der Konsole von Microsoft zu einem guten Start verhelfen. Aus Mangel an Zeit und Ressourcen entschieden sich die Entwickler von Respawn Entertainment jedoch dazu auf einen Einzelspielermodus zu verzichten und sich komplett dem Mehrspieler-Part zu widmen. Titanfall avancierte zu einem Achtungserfolg und mit dem zweiten Teil wollen die Entwickler nun endlich ein komplettes Paket anbieten. So wirbt Titanfall 2 mit einer hochwertigen Solo-Kampagne. Ferner ist das Schützenfest nun nicht länger ein Exklusivtitel, sondern erscheint neben der Veröffentlichung für Xbox One und dem PC auch für die PlayStation 4.

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Rein inhaltlich zieht man dadurch mit dem Konkurrenten Call of Duty gleich, der sich in diesem Jahr mit seinem “Infinite Warfare”-Universum ebenfalls in einem futuristischen Setting präsentiert. Darüber hinaus wurde bereits im Vorfeld eine Ankündigung bezüglich Titanfall 2 gemacht, die relativ untypisch für den Markt ist: So bestätigten EA und Respawn Entertainment, dass es keinen Season Pass, wohl aber zusätzliche Inhalte geben wird, die allesamt kostenlos sein sollen.

An der Front

Das Titanfall-Universum beschreibt eine futuristische Zukunft, in der die Menschheit bis tief in den Weltraum vorgedrungen ist. Als Weiterentwicklung von Exo-Skeletten existieren verschiedene Arten von Mechs wie etwa die Titans, die nicht nur für militärische Zwecke, sondern auch für alltägliche Arbeiten verwendet werden. Sie werden von Piloten gesteuert, die für dieses Privileg eine umfassende Ausbildung durchlaufen müssen. Am Rande der erkundeten Teile des Universums mündete die ständige Rivalitäten zwischen der totalitären Interstellar Manufacturing Corporation und der Frontier Milizia schließlich in einem Krieg, dem Titan War.

In der Solo-Kampagne schlüpft ihr in die Rolle von Jack Cooper, einem Soldaten der Miliz. Als in der Schlacht sein Mentor getötet wird, überträgt dieser kurz vor seinem letzten Atemzug die Kontrolle seines Titans BT-7274 an Cooper. Dieser muss nun trotz mangelnder Pilotenausbildung die Mission seines Mentors fortführen und die Pläne der IMC durchkreuzen. Dabei steigert sich die Tragweite der Ereignisse von Mission zu Mission, bis schließlich (natürlich!) absolut alles auf dem Spiel steht und in Sachen Bombast die ganz schweren Geschütze aufgefahren werden.

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Die Kampagne präsentiert sich dabei kurz und knackig und geübte Spieler können sie in wenigen Stunden absolvieren. Anlass zur sehr großen Kritik gibt es dabei aber nicht, denn in dieser Zeit wird man jederzeit bestens unterhalten. Neben dem guten Missionsdesign und einigen inszenatorischen Highlights ist das in erster Linie der witzigen KI des Titans BT zu verdanken. Immer wieder gibt es im Missionsverlauf Dialogoptionen, die in schnippische Unterhaltungen zwischen dem Titan und seinem Piloten münden. Darüber hinaus profitieren die einzelnen Missionen ungemein von den Pilotenanzügen, die eines der Markenzeichen von Titanfall sind. Sie erlauben es dem Spieler Doppelsprünge auszuführen, an Wänden entlangzulaufen und beide Bewegungsaktionen beliebig oft miteinander zu verketten. Für Titanfall 2 sind zudem einige neue Fähigkeiten für die Anzüge hinzugekommen. Ihr könnt nun eure Gegner mit Hologrammen verwirren, auf dem Boden entlangrutschen oder euch mit einem Greifhaken durch die Gegend schwingen.

Die Missionen verlangen dabei mit beständiger Regelmäßigkeit von euch, euren Titan zu verlassen. So wechseln sich Mech-Schlachten und flottes Shooter-Gameplay gekonnt ab. Und sind mal keine Gegner zu bekämpfen, nutzt Titanfall seine Spielmechaniken für seichtes Jump and Run-Gameplay à la Metroid Prime. Das Sahnehäubchen sind schließlich die Bosskämpfe, die nicht nur weitere Abwechslung ins Spiel bringen, sondern die Story der Kampagne zudem um die herrlich comichaft überzeichneten Anführer der Gegenpartei bereichern.

Aus 3 mach 6

Während man mit der Kampagne komplettes Neuland betritt, hat man sich beim Multiplayer eher darauf konzentriert das ohnehin bereits recht runde Spielkonzept mit einer wichtigen Änderung noch weiter zu verfeinern. Dabei handelt es sich um den Wegfall der drei Gewichtsklassen für die Titanen zu Gunsten von sechs individuellen Mechs mit jeweils unterschiedlichen Fähigkeiten. So kann der richtige Titan zur richtigen Zeit ein Match problemlos drehen, sofern seine Fertigkeiten nicht wieder durch einen anderen Titan gekontert werden. Durch diese Prise MOBA-Gameplay bekommen die Matches eine noch taktischere Note.

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Die neuen Karten umschmeicheln die Neuausrichtung im Gameplay. Sie sind etwas größer als im Vorgänger und geben den Spielern so etwas mehr Luft und Raum, um ihre Angriffe oder entsprechende Konter-Aktionen zu planen. Das gibt einem nicht nur ein größeres Gefühl von Kontrolle, sondern trägt zudem zu einer intensiveren Spielerfahrung bei, sobald sich die Action im Kampf um den nächsten Checkpoint entlädt. Die Größe der Maps bringt aber auch einen Nachteil mit sich. Während Titanfall 15 Multiplayer-Karten aufgefahren hat, kann die Fortsetzung zum Start nur mit neun Arealen aufwarten. Wie bereits eingangs erwähnt sollen künftige Multiplayer-Karten aber kostenlos veröffentlicht werden.

Bei den Spielmodi wurde auch aufgestockt, allerdings handelt es sich dabei in den meisten Fällen nur um Variationen vorhandener Modi. In “Skirmish” spielt man auf kleineren Arealen, in “Free for All” gibt es keine Teams und jeder Spieler ist auf sich allein gestellt, während im “Ground War” die verschiedenen Mehrspieler-Modi einfach per Zufall durchgemischt werden. Ein größerer neuer Modus ist “Bounty Hunt”. Hier infiltrieren Gegner in mehreren Wellen das Schlachtfeld. Getötete Gegner bringen euch Cash. Dabei ist es auch möglich das Geld feindlicher Piloten zu stehlen, indem ihr sie tötet. Nach jeder Gegnerwelle öffnet die Bank für wenige Momente auf verschiedenen Punkten im Areal ihre Tore. Schaffen es Spieler ihr Geld dort erfolgreich abzuladen, wandert die Kohle auf das jeweilige Teamkonto. Dieser Modus ist nicht nur ein spannender Twist für das Multiplayer-Gameplay, sondern sorgt auch für packende Duelle, wenn feindliche Piloten es schaffen euch abzuschießen, kurz bevor ihr euren Geldbetrag bei der Bank abliefern könnt.

Auch strukturell hat Respawn Entertainment an einigen Stellschrauben gedreht. Es gibt Verbesserungen beim Matchmaking und der Verteilung von Skillpunkten und mehr Möglichkeiten bei den benutzerdefinierten Anpassungen von Waffen bzw. Titanen. Darüber hinaus führt man mit “Networks” ein Gilden-Feature ein. Spieler können beliebig vielen Netzwerken beitreten. Wenn sie dann online spielen, sorgt das Spiel automatisch dafür, dass sie zusammen mit anderen Mitspielern aus dem gleichen Netzwerk im gleichen Spiel landen.

Fazit:

Titanfall 2 ist ein hervorragender Nachfolger geworden, der sich in allen Aspekten runder präsentiert als sein ohnehin schon gelungener Vorgänger. Die neue Solo-Kampagne ist trotz des etwas geringen Umfangs eine astreine Punktlandung geworden. Dank eines guten Missionsdesigns und pointierten Storyparts überholt man in diesem Segment schon jetzt die Konkurrenz. Das Herzstück ist und bleibt aber natürlich der Multiplayer-Modus. Dank behutsamer Änderungen spielt sich dieser nun etwas filigraner, was der Langzeitmotivation zu Gute kommt. Trotz flotter Action ist der Multiplayer von Titanfall 2 also auch etwas für Planer und Denker. Er illustriert eindrucksvoll, wie versiert Respawn Entertainment weiter an seiner Formel schraubt und sie perfektioniert. Zusammen mit der tollen Solo-Kampagne bietet Titanfall 2 ein tolles Spieluniversum, welches Genre-Konkurrenten wie Call of Duty mit Anlauf den Rang abläuft.

Wertung:

9.0

Lars Peterke meint:

"Dieser gelungene Nachfolger etabliert die Reihe neben den Branchengrößen."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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2 Kommentare:


Chris
vor 4 Jahren | 0
Warum werden die Mikrotransaktionen eigentlich wie auch schon bei Destiny mit keinem Wort erwähnt?

Sollte ja wohl das Mindeste sein, dass DLC nicht nochmal extra kostet, wenn man schon Mikrotransaktionen in einem Vollpreistitel hat.

treib0r
vor 4 Jahren | 0
Von welchen Miktotransaktionen sprichst du?