Test: Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System

Nutzer-Story von Belphegor am 11. November 2016

Während der E3 2016 am 14.06.2016 kündigte Nintendo eine neue, kleinere Version des NES an, die mit 30 vorinstallierten Spielen ausgestattet ist und am 11. November 2016 erschienen ist. Sämtliche Spiele sind vorinstalliert, das Gerät bietet keine Datenschnittstelle zur Erweiterung. Da ich das Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System rechtzeitig vorbestellt habe wurde es mir von einem der größten online Versandhäuser der Welt soeben pünktlich zugestellt. Zeit das "Mini-NES" einem kleinen Test zu unterziehen.

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Kommen wir erst mal dazu was Nintendo mit dem "Mini-NES" überhaupt bezweckt. Da Nintendo auf der E3 wenig Neues für das Weihnachtsgeschäft 2016 anzukündigen hatte und auch der Hoffnungsträger The Legend of Zelda - Breath of the Wild ins Jahr 2017 verschoben wurde, musste Nintendo irgendeine "Cash Cow" ähnlich der amiibo aus 2014 aus dem Hut zaubern, um wenigstens etwas zu Weihnachten in die Regale stellen zu können. Da in den letzten Jahren immer mehr eine Retrowelle sowohl im Film- als auch im Videospielbereich populär wurde und Nintendo sowieso gerne Ihre Spiele immer und immer wieder in diversen Formen wie Neuauflagen, Remakes oder der Virtual Console an den Mann bringt, lag es nahe das man auch eine "Retro-Konsole" baut. Die Kosten hierfür sind verschwindend gering und die Margen dürften gigantisch hoch sein. Am Ansturm der Vorbestellungen (das Ding ist seit Monaten restlos vergriffen) sieht man auch das der Plan aufging. Auch wenn bis dato nichts angekündigt ist, dürfte Nintendo bereits an Nachproduktionen arbeiten. Bei den amiibo war es ja ähnlich. Erst OOP und dann wurde der Markt mit Nachproduktionen überschwemmt.

Was genau ist aber jetzt das Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System? Im Endeffekt handelt es sich um einen Emulator der 30 fest installierte Nintendo Klassiker abspielt. Es handelt sich um ein geschlossenes System welches nicht ans Internet angeschlossen werden kann. Auch können keine Discs, Module, SD-Karten oder andere Medien abgespielt werden. Der Modulschacht ist verschlossen und kann nicht geöffnet werden und dient nur dem Design welches eine Miniaturform des originalen NES ist, so wie es der westliche Markt aus den 80er Jahren kennt. Das Gerät wird mittels HDMI-Anschluss mit dem TV verbunden (vorbei die Zeiten des Antennensteckers) und die Stromzufuhr erfolgt mittels Mikro-USB-Anschluss auf USB-Kabel. VORSICHT: um es an eine Steckdose anzuschließen benötigt man noch einen Adapter für das Ende des USB-Kabels. Nintendo bietet sowas nicht an und man muss es von einem Dritthersteller kaufen. Alternativ kann man das USB-Kabel ans TV, eine Konsole, eine Powerbank oder sonstige stromspendende Geräte anschließen die einen USB-Port haben. Alleine das ein Adapter fehlt zeigt wie sehr Nintendo auf Marge aus ist und das Teil möglichst billig produziert und für einen recht hohen Preis mit einer UVP von 69,99 € an den Mann bringt (lokale Angebot können tiefer liegen).

Das zweite "Highlight" ist der Controller. Wer dachte seine original NES-Peripherie andocken zu können hat sich leider geirrt. Dem Gerät liegt eine Miniaturreplik des NES-Controllers bei und die Anschlüsse sind anders als beim Ur-NES. Das Kabel ist dabei etwa 1/3 so lang wie das Originalkabel des damaligen Controllers. Da das HDMI Kabel auch nicht wirklich lang ist wird man in heutigen großen Wohnzimmern mit TV-Bildschirmen jenseits der 60" Probleme haben vernünftig spielen zu können. Entweder man sitzt sehr nah am Fernseher (was für die Augen und das Spielerlebnis sehr schlecht ist) oder man muss weitere Adapater oder Verlängerungskabel von Drittherstellern dazu kaufen. Ein Wireless-Adapter ist bereits angekündigt. Vorrangig ist das Gerät auch nicht als Spielekonsole gedacht sondern eher als Sammlerstück für Retro- und/oder Nintendofans. Ich zum Beispiel werde das Gerät nicht anschließen und in eine Vitrine stellen.

Darüber hinaus gibt es softwareseitig einige Änderungen zum Original-NES. Nintendo bietet jedem Spiel einen Speicher-Slot mit 4 Spielständen. Insgesamt kann man also 120 Spielstände anlegen. Allerdings nicht frei wählbar. Will man zum Beispiel Super Mario nicht spielen (und somit nicht speichern) dafür aber die freien Blöcke für Zelda verwenden so geht dies nicht. Jedes Spiel hat 4 feste Speicherslots und das war es. Positiv: dies ist mehr als es die Virtual Console mit einem Slot bzw. einem Fortsetzungspunkt her gibt und viele NES-Titel hatten damals auf den Modulen gar kein Speichersystem und man musste die Spiele am Stück durchspielen. Durch das aufgesetzte Speichersystem geht aber auch der Schwierigkeitsgrad und damit der Frustfaktor bei den speicherlosen Spielen verloren. Heutige Spieler die kaum noch knackig schwere Spiele gewohnt sind freuts. Hardcoregamer schütteln nur mit dem Kopf. Immerhin kann man aber selbst wählen ob man einen "One-Try-Run" versucht und aufs speichern verzichtet oder ob man Savegames benötigt.

Eine weitere softwareseitige Änderung ist die Auflösung. Alle Spiele laufen in den original amerikanischen 60 Hz (hierzulande gab es wegen dem PAL-System nur eine 50 Hz Variante der Spiele) und drei neue Bild-Modi wurden hinzugefügt:

  • Original Seitenverhältnis 4:3
  • Originalauflösung-Modus der ihnen auf dem Bildschirm jeden Pixel als perfektes Quadrat anzeigt
  • CRT-Modus der die typischen Scanlines alter Röhrenfernseher simuliert

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Habe ich noch etwas vergessen? Ach ja, viele Leser werden sich sicher fragen welche Spiele denn nun auf dem kleinen Kasten drauf sind. And here we are:

  • Balloon Fight
  • BUBBLE BOBBLE
  • Castlevania
  • Castlevania II: Simon’s Quest™
  • Donkey Kong
  • Donkey Kong Jr.
  • DOUBLE DRAGON II: THE REVENGE
  • Dr. Mario
  • Excitebike
  • FINAL FANTASY®
  • Galaga
  • GHOSTS‘N GOBLINS
  • GRADIUS™
  • Ice Climber
  • Kid Icarus
  • Kirby’s Adventure
  • Mario Bros.
  • MEGA MAN 2
  • Metroid
  • NINJA GAIDEN®
  • PAC-MAN
  • Punch-Out!! Featuring Mr. Dream
  • StarTropics
  • SUPER C™
  • Super Mario Bros.
  • Super Mario Bros. 2
  • Super Mario Bros. 3
  • Tecmo Bowl
  • The Legend of Zelda
  • Zelda II: The Adventure of Link

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Zugegeben das Line-Up kann sich sehen lassen bzw. es wurden die größten und bekanntesten Marken ausgesucht. Das Original-NES bietet aber satte 785 Spiele in den USA und Europa an und da sind diese 30 Titel ein Witz gegen. Zumal, wie oben bereits erwähnt, man wird niemals in irgendeiner Weise andere Titel noch auf das Gerät drauf bringen können. Hier hat Nintendo grad in Bezug auf die Vermarktung mit der VC einen Fehler gemacht. Man stelle sich nur vor man würde dieses Gerät inkl. dieser 30 vorinstallierter Spiele kaufen können und Nintendo würde die gesamte NES-Bibliothek in Form der VC als Download zur Verfügung stellen. Dann könnte man von einer echten Neuauflage des NES reden welches für viele Spieler interessant sein könnte. So ist es einfach nur ein "Spaßgerät" welches für 3 Minuten ansehnlich ist und einen ein bissl in die 80er Jahre abschweifen lässt aber keine wirkliche Konsole die einen die nächsten Jahren unterhalten kann. Zumal mit der Wii, Wii U und 3DS VC eine starke und bessere Konkurrenz bereits aus dem Hause Nintendo kommt. Als Weihnachts-Gag taugt das Ding aber und der 40-jährige Familienvater kann seinem "kleinen Kevin" zu Weihnachten mal zeigen, wie scheiße die Spiele aussahen, die er in seiner Jugend gezockt hat...

Fazit: Das Nintendo Classic Mini: Nintendo Entertainment System ist ein kluger Schachzug von Nintendo. Es melkt alt eingefleischte Nintendofans mit dem Versprechen ein bissl Nostalgie unter dem Weihnachtsbaum zu finden. Das quasi alle Titel jederzeit im eShop der Wii U / 3DS geladen werden können bleibt natürlich unerwähnt. Die fehlende Spieleerweiterung ist das Haupt-K.O. Kriterium zumal ein Netzwerk / WLAN-Anschluss das Teil in der Herstellung ca. 1,13 € teurer gemacht hätte. Nintendo wollte einfach nicht. Für Nintendofans und Sammler wie mich, die so etwas als Sammlerstück ansehen und sich in die Vitrine stellen, ist es natürlich toll aber auch sinnfrei. Gerade weil es nicht genutzt wird. Immerhin gibt es auch noch das japanische Famicom als Mini-Replik welches ich mir natürlich auch bestellt habe und direkt aus Japan importiert wird (Kostenpunkt gut 130 € + Verzollung). Somit werden beide Geräte nebeneinander in der Vitrine schon cool aussehen. Für den normalen Spieler der mit Retro-Optik und Retro-Games nicht anfangen kann ist das ganze Ding natürlich nichts.

Durch den immensen Erfolg dürfte Weihnachten 2017 dann das Nintendo Classic Mini: Super Nintendo Entertainment System unter dem Weihnachtsbaum liegen. Well played Nintendo, well played!

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Wertung:

6,5

Belphegor meint:

"Nette Idee die aber wegen technischer Mängel (Hard- und Software) nur Retroliebhaber mit großer Geldbörse anlocken wird!"
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Mangelhaft

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3 Kommentare:


Farbi11
vor 2 Jahren | 1
Ich finde deinen Test erstaunlich negativ. In der Virtual Console müsste man pro Spiel 5€ hinlegen, macht in der Summe 150€! Da sind 70€ Für Spiele und Hardware gar nicht übel, selbst wenn man Kabel nachkauft. Technik mangelhaft wahrscheinlich wegen der Kabel oder? Das finde ich auch nicht fair, sicherlich ist das Gerät gut verbaut und funktioniert technisch einwandfrei. Oder gab es Berichte über Abstürze und dergleichen. Insbesondere der Pixel Perfect Anzeigemodus verdient ein Lob. Umfang durchschnittlich? Naja die Erweiterbarkeit wäre sicherlich nett gewesen, das stimmt. Es gibt ja noch andere Mega Man Spiele...

Belphegor
vor 2 Jahren | 0
Hey Danke für Dein Feedback. Klaro wenn man jetzt 5 € pro Game aus der VC veranschlagt sieht das Gerät im ersten Moment wie ein Schnäppchen aus. Andererseits muss man sagen das es sich hier um Spiele handelt die Nintendo auch gerne schon verschleudert hat. Die Zelda und Mario-Spiele wurden schon öfters mit 50 % Rabatt angeboten (2,49 €). Ich selbst habe durch die NES Trial Campaign auf der Wii U Kirby's Adventure, Donkey Kong, Ballon Fight und Punch Out für je 0,30 € / Spiel erhalten. Ich würde mal salopp behaupten das man locker 15 der 30 Titel für viel weniger als die veranschlagten 4,99 € bekam / bekommt.

Technik Mangelhaft aus drei Gründen: Ja die Kabel sind eine Frechheit. Dazu der fehlende Adapter für die Steckdose und am Ende dann wirklich die fehlende Netzwerkanbindung um das Gerät updaten bzw. weitere Titel drauf laden zu können. Hier wurde super viel Potential verschenkt. Am Ende bleibt die Erkenntnis das durch das Gerät schnell ne Mark verdient werden will ohne wirklich über das enorme Potential nachgedacht zu haben. Wie gesagt: 785 Titel bietet die westliche NES-Bibliothek.
Farbi11
vor 2 Jahren | 0
Auf jeden Fall darf man gespannt sein, ob sie es bei der SNES Variante besser machen, sofern sie denn kommt. Es gibt so viele geile SNES Spiele, wie viele sollte man denn da auswählen? Hier wäre es sinnvoll, eine Grundauswahl mitzuliefern und weitere Spiele als Download oder vielleicht auch als Kombimodule anzubieten (Megaman X - X3, Secret of Mana + Evermore, etc.)