Test: Axiom Verge

Von Michael Prammer am 15. September 2016

Die Metroid-Serie feiert ihren 30. Geburtstag, Nintendo hat es aber anscheinend nicht mitbekommen oder verschlafen. Während der Handheld 3DS immerhin ein Spin-Off spendiert bekam, ging die Heimkonsole bislang leer aus. Doch jetzt gibt es Grund zur Freude für Metroid-Fans, denn mit Axiom Verge gibt es schon länger einen würdigen Genre-Vertreter, der es nun endlich auch auf Nintendos Plattform schaffte.

Wissenschaftler statt Blondine

Die Geschichte erzählt nicht von einem strahlenden Helden oder einer vollbusigen Amazone, sondern von einem nerdigen Wissenschaftler. Ein Experiment in dessen Labor geht im Jahr 2005 in New Mexiko gehörig schief und nach einer Explosion landet der Protagonist in einer geheimnisvollen Welt. Dort findet er nicht etwa einen vor Kraft strotzenden Weltraumanzug, sondern entdeckt dank einer mysteriösen Stimme eine seltsame Waffe. Es entwickelt sich eine Suche nach einem Fluchtweg durch eine kryptische Welt. Bereits jetzt schon sind die Parallelen zu der Metroid-Serie kaum noch zu bestreiten.

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Das ist auch durchaus so gewollt, denn Axiom Verge ist ein Vertreter des sogenannten Metroidvania-Genres. Das Prinzip ist denkbar einfach. Man spielt in einer 2D-Welt, die im eigentlichen Sinne recht offen gestaltet ist. Viele Wege sind jedoch versperrt und können erst durch das Erlernen diverser Fähigkeiten passierbar gemacht werden. So kommt es wie auch schon bei der Metroid-Serie vor, dass man bereits zu Beginn auf einen Weg stößt, den man erst einige Stunden später mit einer dafür erforderlichen Fähigkeit bewältigt. Backtracking ist dabei an der Tagesordnung, jedoch sind genau die „ah-jetzt-habe-ich-die-nötige-Erweiterung-jetzt-kann-ich-durch-die-Tür-am-Anfang“-Momente die gewisse Würze in diesem Genre.

In den Wurzeln ein Metroid

Das Rad wird also nicht gänzlich neu erfunden und so macht Axiom Verge genau das, was man von einem Genre-Vertreter erwartet. Der Protagonist durchforstet verschiedene Räume, sammelt Power-Ups und erlegt an manchen Stellen große Endbosse. Die Story wird dabei gelegentlich von kleinen Sprachboxen weitererzählt. Dies geschieht lobenswerterweise komplett auf deutsch. Die ganz große Stärke des Spiels liegt in der Erkundung selbst. Jedoch offenbaren gerade die kolossalen Bosse so einige Schwächen. Dieses sehen zwar furchteinflößend aus, sind jedoch meist recht einfach zu bezwingen. Ist das Angriffsmuster einmal studiert, ist es fast schon lächerlich einfach, gerade die Bosse zu Beginn aus dem Weg zu räumen. Dafür legt der Schwierigkeitsgrad bereits nach einigen Spielstunden kräftig zu und dank zweier Schwierigkeiten, die man zu Beginn wählen kann, sind sowohl Anfänger, als auch Profis bestens bedient.

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Technisch ist Axiom Verge gut umgesetzt, sofern man sich mit dem Retrostil anfreunden kann und will. Der Titel sieht aus, als würde er direkt vom Super Nintendo entstammen. Das birgt leider auch ein paar Schwächen. So ähneln manche Welten von den Hintergründen und deren Farbgebung her einfach zu sehr dem Hauptdarsteller, was gelegentlich zu kleineren Problemen führen kann. Jedoch ist gerade auch die Optik für Freunde klassischer Videospiele ein echter Hingucker. Die Soundkulisse präsentiert sich dazu passend ebenfalls sehr atmosphärisch. Aber auch hier sollte man einen Faible für Retrospiele haben, denn die dudelige und piepsige Musik ist für aktuelle Videospielverhältnisse und modernen Games lauschende Ohren nicht unbedingt verträglich. Was wir an dieser Stelle auch löblich erwähnen möchten, ist die GamePad-Einbindung der Wii-U-Version. Egal, ob Waffenwechsel (bzw. die Power-Ups an den Waffen) oder eine vernünftige Übersichtskarte - was viele Spiele auf der aktuellen Nintendo-Konsole vermissen lassen, wurde hier mit Bravour gemeistert.

Fazit:

Axiom Verge ist ein außergewöhnlicher Metroid-Klon geworden. Die Erkundung ist motivierend, die verschiedenen Power-Ups und Waffenfähigkeiten öffnen immer wieder neue und verborgene Orte und können den Spieler für Stunden an den Bildschirm fesseln. Die Endgegner sind zwar toll designt, offenbaren jedoch einige Schwächen und sind mit der richtigen Taktik teilweise zu leicht zu bezwingen. Das herrliche Retrofeeling, das Axiom Verge vermittelt, wird heutzutage nicht mehr jedem Spieler zusagen, offenbart aber dennoch kaum Schwächen und spielt sich durchaus flott. An ein Super Metroid kommt Axiom Verge beileibe nicht ran, da aber ein neuer, „echter“ Metroid-Ableger wohl in weiter Ferne ist, sollte man dieses Indie-Spiel gerade als Genre-Fan auf sein Spielgerät laden. Auf Wii U auch wegen der gelungenen Einbindung des GamePads.

Von uns getestet: Wii-U-Version

Zweite Meinung von Lars Peterke:

Axiom Verge als einen Metroid-Klon zu bezeichnen, würde dem Indie-Titel (der übrigens von nur einer Person erschaffen wurde!) keinesfalls gerecht werden. Wer den Titel genau studiert, der wird schnell feststellen, wie viel mehr in ihm steckt. Neben Einflüssen anderer Genre-Klassiker sind es insbesondere die sehr präzise Steuerung und die durchweg erhabene Spielbarkeit, die den Titel aus der Masse herausheben. Zudem gibt es hin und wieder schöne Überraschungsmomente, etwa wenn die Kamera bei einem Bosskampf völlig genreuntypisch herauszoomt. Ferner schafft es Axiom Verge mit der Glitch-Mechanik seiner 2D-Welt eine hohe Vielschichtigkeit zu verleihen und präsentiert sich dadurch insbesondere im späteren Spielverlauf nochmal sehr souverän. Da ist es durchaus verschmerzbar, dass die vielen verschiedenen Waffentypen keinen Mehrwert für das Spiel bringen, ja sogar ein negativ anzumerkendes Aushebeln von Bossgegnern ermöglichen. Davon ab gibt es auch in der B-Note wirklich wenig zu kritisieren. Wenn die Metroid-Reihe noch einmal zu ihren Wurzeln zurückkehren sollte, wird sie sich auch an Axiom Verge messen lassen müssen. Ein größeres Kompliment kann man diesem Titel eigentlich nicht machen.

Wertung:

9.0

Michael Prammer meint:

"Hervorragender Metroidvania-Titel, der zwar nicht ganz an den großen Bruder kommt, aber dennoch richtig toll geworden ist."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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4 Kommentare:


Metroid
vor 2 Jahren | 0
Das sieht doch nicht aus wie ein SNES, sondern wie ein NES Spiel (8 Bit)! o.O

Tim
vor 2 Jahren | 0
Es ist 'ne Mischung. Im Gegensatz zu z.B. Shovel Knight nutzt es nicht nur die Farben, die es auf dem NES gab, sondern noch mehr. Der Entwickler hat sich da nicht sklavisch an die Strukturen von damals gehalten, sondern die Regeln da gebrochen, wo er es für sinnvoll hielt.

Farbi11
vor 2 Jahren | 0
Es interessiert mich schon, aber die Grafik gefällt mir leider überhaupt nicht. Alles ist so grau!

Aka-Rubber
vor 2 Jahren | 0
Ich finde das Spiel süchtig machend. Die Stimmung ist genau wie bei Super Metroid beklemmend. Die musikalische Untermalung tut ihr übriges dazu.

Habe schon lange kein so gutes Spiel mehr gespielt und kann es jedem der ein Faxanadu, Battle of Olympus oder eben Metroid mochte nur wärmstens empfehlen.