Test: Pokémon Tekken

Von Nico Zurheide am 15. März 2016

Tekken. Pokémon. Tekken. Pokémon. Auf den ersten Blick gibt es zwischen diesen beiden Spielereihen eine große Gemeinsamkeit: Das Kämpfen. Das ist wohl auch Bandai Namco aufgefallen, die in Zusammenarbeit mit The Pokémon Company ein Prügelspiel für Arcade-Automaten entwickelten, welches ein Crossover der traditionsreichen Serien darstellt. Das Ergebnis ist bekanntlich Pokémon Tekken (verständlicherweise wurde für Deutschland der internationale Name Pokkén Tournament nicht verwendet), ein 3D-Prügelspiel in Tekken-Manier, dafür aber mit Pokémon als Kämpfern. Nun muss man also nicht mehr Pikachu und Co in rundenbasierte Kämpfe schicken, sondern kann sich mit den Kreaturen direkt und ohne Umwege die Köpfe einschlagen. Gelingt die Umsetzung des Arcade-Titels für Nintendos Heimkonsole?

Verschmelzung zweier Spielereihen

Spielerisch geht der Titel natürlich in Richtung des zweiten Namenteils – ein Pokémonspiel mit Charakteren aus Tekken wäre wohl eher weniger interessant. Pokémon Tekken bietet insgesamt vier relevante Spielmodi, dazu gibt es noch zwei weitere, kleinere Beschäftigungen. Einer der beiden kleineren Bereiche des Spiels ist der Trainingsmodus, in dem grundlegende und fortgeschrittene Spielmechaniken schonend beigebracht werden. Anfänger können sich durch das Tutorial schlagen und die Grundlagen lernen, weiterführend gibt es spezielle Dojos für generelle Kombos und Manöver der einzelnen Pokémon. Dazu kann man sich im Freien Training ausprobieren, in allen Trainingsmodi gibt es jedoch weder Geld noch Erfahrungspunkte zu gewinnen.

Geld und Erfahrungspunkte? Diese Dinge kommen Pokémon-Veteranen sicher bekannt vor. In „Pokétekken“ gibt es genauso Levelanstiege bis 100, wie in den Handheld-Rollenspielen. Ein guter Kampf bringt dem Kämpfer viel Erfahrung und so sollte es spätestens jeweils nach zwei Kämpfen einen Levelanstieg geben, der einen von vier Werten verstärkt. Die Skillpunkte lassen sich auf Angriff, Verteidigung, Strategie und Resonanz nach Belieben verteilen und können jederzeit umsortiert werden. Strategie stärkt die Fähigkeiten der Helferteams und Resonanz ist ein neues Konzept in diesem Spiel, das bei Pokémon eine Art Megaentwicklung auslöst. Beide Begriffe greifen wir gleich wieder auf, vorerst jedoch zum Preisgeld. Mit diesem lassen sich in „Deine Stadt“ – dem zweiten Bereich des Spiels, in dem nicht richtig gekämpft wird – Individualisierungsobjekte für den Spieleravatar erwerben. Von Frisur und Kleidung über Gesichtsbemalung bis zu Hintergründen wird hier genügend Raum zur Kreativität geboten. Neben der Charakter-Erstellung lassen sich in Deine Stadt auch allgemeine und feinere Einstellungen vornehmen, wie etwa das Partner-Pokémon oder der Kampfbonus.

Die Wahl bei diesen und weiteren Optionen sollte wohl überlegt sein, denn in dem Hauptmodus, der Ferrum-Liga, lassen sich diese nicht mehr ändern. Pokémon Tekken spielt in der Region Ferrum und die Eroberung der Ligaspitze ist das große Ziel eines jeden Trainers. Natürlich läuft das etwas anders als in den Hauptspielen ab: Es existieren vier Ligen unterschiedlicher Schwierigkeit, durch die man sich hochkämpfen muss. Die Ligen bestehen aus vierzig bis neunzig Trainern und jeweils sechs Trainer mit Platzierungen im gleichen Bereich kämpfen reihum gegeneinander, um Plätze gutzumachen. Die Top 8 einer Liga kämpfen in einem Turnier gegeneinander, um die Meisterschaft unter sich auszumachen. Um dann aus einer unteren Liga in eine höhere aufzusteigen, muss die Rangprüfung bei einem besonders starken Trainer bestanden werden. Das ganze System macht für ein Spiel dieser Art Sinn, da viele Kämpfe garantiert werden; es klingt jedoch spannender, als es sich letztendlich in der Praxis präsentiert. Vor allem in den unteren Ligen ist der Schwierigkeitsgrad sehr niedrig gehalten und so kann man nach etwa zehn Spielstunden bereits den Champion der obersten Liga herausfordern – auch wenn das noch nicht das Spielende darstellt.

Taschenmonster im Kombowahn

Die Kämpfe selbst – und das ist bekanntermaßen das Wichtigste bei einem Prügelspiel – sind actionreich und gut ausbalanciert. Die 14 Kämpfer teilen sich in die Gruppen Standard, Kraft, Technik und Tempo auf und jeder Kämpfer hat seine eigenen Vor- und Nachteile. Während Rutena beispielsweise gut aus der Ferne angreifen kann, sollte man mit Knakrack niemals viel Luft zwischen sich und seinen Gegner lassen. Durch Angriffe, Kombos, Konter, Schilde, Greifangriffe und die eben angesprochenen Helferteams und Resonanzen bietet jeder Kampf einiges an Abwechslung. Die insgesamt 15 Helferteams bestehen immer aus zwei Pokémon, von denen man eines vor jeder Runde wählen kann. Bei einem Einsatz der Helfer wird abhängig von dessen Eigenschaft der Gegner angegriffen oder der eigene Kämpfer geheilt, verteidigt oder gestärkt. Die Resonanzanzeige, in Kämpfen als Limit angezeigt, steigt mit guten Kampfaktionen und lässt bei dessen Auslösung den eigenen Kämpfer kurzzeitig um einiges stärker werden. Neben stark erhöhten Angriffs- und Verteidigungswerten gibt es einmal pro Limit einen Limitschlag auszuführen, der dem Gegner auch schonmal gut ein Drittel der Gesundheit entziehen kann. Da das Limit aber meist nur einmal pro Runde aufgeladen ist, wird die Balance des Kampfes dadurch wenig gestört, zumal beide Kämpfer ungefähr zeitgleich die Leiste füllen.

Die Angriffe und vor allem Kombos gestalten sich glücklicherweise nicht so kompliziert wie eventuell von Tekken und Konsorten gewohnt. Trotzdem ist die Palette an Attacken gut gefüllt, mit Aktionstasten und Steuerkreuz kann man schon knapp zwanzig Angriffe starten – Kombos noch nicht dazugezählt. Wechselt der Kampf nach einem starken Treffer von der 3D- in die 2D-Ansicht, ändern sich viele Attacken noch einmal. Die Ausführung von Kombos benötigt auch keine stundenlange Einarbeit, nach einigen Kämpfen hat man bereits die grundlegenden Angriffe drauf. Selbst wenn man keine Begabung für Kampfspiele haben sollte, gibt es ja noch spezielle Trainigsbereiche extra für Kombos. Durch die einfache Handhabung, die große Vielfalt und zusätzlichen Konter- und Griffangriffen fühlen sich die Kämpfe zwischen jedem Kämpferpaar angenehm dynamisch und fair an. Natürlich sind auch hier klassische „Spam-Attacken“ vorhanden, die Freundschaften malträtieren können. Eine Wechselwirkung zwischen den Pokémontypen existiert hingegen nicht.

Freundlich zu Anfängern und Sammelwütigen

Nach guten Kämpfen, in denen man ein großes Spektrum an Techniken zeigte, winken besonders viele Erfahrungspunkte und ein hohes Preisgeld. Im eigenen Interesse sollte man also von den immer gleichen Attacken absehen, da sonst seine Kämpfer langsamer ihre Werte verbessern. Einen letzten Einfluss auf den Kampf übt die spielinterne Beraterin aus. In „Deine Stadt“ lässt sich der Kampfbonus auswählen, den sie einem während des Kampfes zukommen lässt. Das kann entweder ein Ansteig der Limitanzeige sein oder einen sofortigen Einsatz der Helferpokémon ermöglichen. In den Einstellungen kann man auch festlegen, wie oft die Beraterin Ratschläge gibt, wobei „Normal“ die volle Dröhnung bedeutet und selbst bei „Keine“ bekommt man nach guten Kämpfen noch ein „Awesome!“ an den Kopf geworfen – es sei denn, der Sound der Sprachausgabe ist stumm gestellt. Während die Bildschirmtexte deutsch sind, gibt es Sprache nur in englisch oder japanisch.

Trotz der angesprochenen kurzen Spielzeit kommen Sammelwütige in Pokétekken voll auf ihre Kosten. Zum einen gilt es natürlich, die Ferrum-Liga zu erobern und jeden Kämpfer auf Level 100 zu bringen. Zusätzlich hält das Spiel eine große Menge an Kleidung für den Avatar und hunderte Titel für das eigene Profil bereit. Ach, eine Story hat das Spiel sogar auch noch zu bieten. Diese erledigt sich aber im Verlauf der Liga quasi automatisch und dient letztendlich nur dazu, Mewtu und dessen Schattenseite als 15. und 16. Kämpfer freizuschalten. Auch amiibo-Figuren kommen zum Einsatz: Bis zu fünf Mal am Tag schaltet eine Figur einen speziellen Titel oder ein Kleidungsstück frei, alle amiibo sind kompatibel. Die spezielle Schatten Mewtu-Karte schaltet den Kämpfer temporär frei, dies geschieht aber ohnehin im Verlauf des Spiels.

Wer sein Glück nicht in der Ferrum-Liga probieren möchte, kann auch sein Können im Einspielermodus gegen Coms oder im Lokalen Multiplayer gegen einen Freund testen. In diesen beiden Modi kann man die Regeln der Standardkämpfe nach Belieben festlegen, also Schwierigkeitsgrad, Kampfzeit, die nötigen Siegpunkte sowie den Einsatz von Limits und Fertigkeitenstufen; Erfahrungspunkte und Preisgeld gibt es aber dennoch. Daneben werden Extrakämpfe angeboten, in denen zufällig Items erscheinen, die zum Beispiel die Gesundheit regenerieren oder die Limitleiste ein wenig füllen. Der Online-Kampf ist zum Zeitpunkt dieses Tests leider nicht vollständig verfügbar, bietet jedoch Freundschafts- und Rangkämpfe gegen Gegner auf der ganzen Welt, optionale Kämpfe gegen Freunde und Ranglisten. Sollte es nicht erhebliche Probleme in diesem Multiplayer geben, hat er keinen großen Einfluss auf die Endwertung, beziehungsweise wurde bereits bedacht.

Fazit:

Pokémon Tekken reiht sich nahtlos in die lange Reihe gut funktionierender Pokémon-Spin Offs ein. Trotz der Spielmechanik der Tekken-Serie präsentiert sich der Titel als Pokémonspiel, nur dass es statt rundenbasierter Kämpfe und einem komplexen Kampfsystem eben die direkte Action gibt. Diese ist aber erfreulich ausgeglichen und abwechslungsreich, trotz offensichtlicher Einsteigerfreundlichkeit des Titels gibt es einige Kombos zu meistern. Die Optionalität der allgegenwärtigen amiibo ist lohnenswert, hier wird nicht in Kämpfe oder nötige Spielzeit zum Aufleveln der Kämpfer eingegriffen. In Zwischensequenzen wird sogar gezeigt, wie gut ein Wii U-Spiel aussehen kann, während der Kämpfe ist die Optik dann nicht mehr ganz so hervorragend, aber immer noch zweckmäßig. Sehr schön ist es da, dass die Hintergründe der 19 Arenen während der Kämpfe auffallend belebt sind. Leider ist die Spielzeit zum Abschließen des Hauptmodus nicht besonders lang und die Story ist nicht der Rede wert. Der Schwierigkeitsgrad ist gerade in den unteren Ligen lächerlich niedrig, steigert sich dann aber zum Ende hin. Pokémon Tekken zeigt also die Pokémonkämpfe in einem neuen Licht und das nicht einmal schlecht, leidet aber gerade im Vergleich zu Super Smash Bros. unter wenig Umfang.

Wertung:

8.0

Nico Zurheide meint:

"Gutes Kampfspiel, das aber in vielerlei Hinsicht nicht mit Super Smash Bros. mithalten kann."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Sehr gut

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1 Kommentare:


Janax
vor 3 Jahren | 0
Ich kann dem Tester nur zustimmen! Macht Spaß, aber eher ein kurzweiliges Spiel. Klar, geht es hier hauptsächlich um die Charaktere, ohne Pokémon wäre es nichts Besonderes, meiner Meinung nach.