Test: Aspire: Ina's Tale

Von Robert Emrich am 21. Dezember 2021

Ganz schön (und) kurz: Erlebt Abenteuer, löst Rätsel und entkommt einem mysteriösen Turm, der sich von den Träumen seiner Opfer ernährt.

Es passiert zwar leider nicht ganz so oft, wie wir es uns wünschen würden, aber immer mal wieder überraschen einzelne Indie-Entwickler die Spielerschaft, indem sie uns Titel präsentieren, die nicht nur spielerisch, sondern auch durch ihre kunstvolle Präsentation begeistern können. Playdead’s “LIMBO” und das von Nomada Studio entwickelte “Gris” sind nur zwei der Titel, die in diese exklusive Liste gehören und beide Spielen schaffen es, Rätsel, Plattformer-Elemente und eine eher melancholische Handlung mit einer besonderen Ästhetik zu einem großartigen Spielerlebnis zu verbinden. Jetzt ist Wondernaut Studios “Aspire: Ina’s Tale” auf dem PC, der XBox und der Nintendo Switch veröffentlicht worden und versucht, euch mit ähnlichen Stilmitteln gleichermaßen zu begeistern. Ob das gelingt, haben wir uns im Test der Nintendo-Switch-Version des Spiels einmal genauer angesehen. 

Ein Mädchen, ein Turm und viele offene Fragen

Inas und damit auch Euer Abenteuer beginnt unter allerlei rätselhaften Umständen. Nachdem ihr lange Zeit in einer Stasiskammer schlafend gefangen gehalten wurdet, erwacht ihr plötzlich am Boden unter eurer zerbrochenen Kammer und habt keine Ahnung, wie ihr in Gefangenschaft geraten seid oder warum euer Gefängnis plötzlich zerstört worden ist. Eine erfolgreiche Flucht aus dem Träume-verschlingenden Turm, in dem sich eure Zelle befindet scheint aber zum greifen nahe. Und so macht ihr euch auf den Weg, um Antworten auf eure Fragen zu erhalten, der Gefangenschaft zu entkommen und letztlich einen Weg in die geliebte Heimat zu finden.

Leider beantwortet das Spiel in den folgenden drei bis vier Stunden, die ihr zum Durchspielen von Inas Abenteuer benötigt, nicht alle der Fragen, die sich euch in seinem weiteren Verlauf stellen werden. Viele Aspekte der Geschichte um Ina, den Turm und seine Bewohner werden nur zaghaft angedeutet und es kann sehr gut sein, dass ihr euch am Ende des Spiels kaum schlauer als am Anfang fühlt. Das macht die Handlung zwar nicht schlechter als die Geschichten vergleichbarer Werke und lädt zur freien Interpretation des Erlebten ein. Etwas mehr Kontext hätte dem Spiel aber nicht geschadet und an einigen Stellen auch einen bleibenderen Eindruck hinterlassen.

Gewohnte Rätselkost 

In weiten Teilen ist Aspire ein ganz normales Rätselspiel, in dem ihr die üblichen Puzzles lösen müsst, um es durch die Räume der verschiedenen Bereiche des Turms zu schaffen. Dabei verschiebt ihr Kisten, klettert an Seilen herum und aktiviert Schalter. Nichts was euch wirklich Kopfzerbrechen bereiten oder nicht schon von anderen Titeln bekannt sein dürfte. Doch schon kurz nach den ersten Räumen, die wie eine Einleitung aufgebaut sind, erhaltet ihr die Fähigkeit, mit Lichtgeistern zu kommunizieren, die ihr immer wieder in der Umgebung finden und zum Erleuchten ausgewählter Gegenstände nutzen könnt. Diese erweitern die Komplexität der Rätsel ein wenig und bieten euch Schutz vor Monstern, denen Ina sonst hilflos ausgeliefert ist. Denn obwohl das Lösen von Puzzeln den Hauptbestandteil des Spiels ausmacht, kann Ina relativ einfach sterben, wenn sie in einen falschen Abgrund oder ins Wasser fällt, oder von einem der wenigen Monster im Spiel erwischt wird. Zum Glück bietet das Spiel aber eine reiche Auswahl an automatischen Speicherpunkten, sodass ein Neustart nach einem Ableben kein Drama darstellt.

Im weiteren Verlauf des Spiels lernt Ina dann noch zwei weitere Geistersorten kennen, mit deren Hilfe sie Kisten vergrößern oder schwebend bewegen kann. Durch diese zusätzlichen Mechaniken gewinnen die Rätsel nach und nach an Niveau und und werden euch zumindest für eine kurze Weile beschäftigen. Letztlich stellt euch das Spiel in jeder Situation aber immer nur die zur Lösung des Problems benötigten Mittel zur Verfügung und jedes Rätsel kann stets nur auf auf eine Weise richtig gelöst werden. Durch die Limitierungen, die das Spiel sich damit selber auferlegt, ist wildes Herumprobieren zwar möglich, aber selten nötig und im Verlauf unseres Tests gab es letztlich nur eine Handvoll Rätsel, die es in sich hatten. In allen anderen Bereichen bietet Aspire euch atmosphärisch gestaltete Verliese, Gemäuer und Palastgärten, sowie einige wenige Charaktere mit denen ihr reden könnt und die eure Flucht zum Teil sogar unterstützen.

Doch all das bleibt immer in der sprichwörtlichen Schwebe und bildet atmosphärisch einen Mittelweg zwischen Limbos Düsternis und Gris’ Leichtigkeit, der einfach nicht so mitreißen kann, wie die beiden anderen Werke, die sich stilistisch klar an unterschiedlichen Enden des Spektrums positioniert haben. So bleibt Aspire ein kurzweiliger und unterhaltsamer Titel, wird euch aber mangels Wiederspielwert kaum ein zweites mal zum Durchspielen motivieren können.

Schönes Bild, schönere Musik und einige kleine Schwächen

Technisch hält sich Inas Abenteuer durchweg anständig und liefert euch zu jeder Zeit eine saubere Leistung mit einer schönen und zum Thema der einzelnen Bereiche des Spiels gut passenden Grafik. Auch akustisch kann das Spiel voll überzeugen und der Soundtrack, als heimlicher Star des Titels, kann in jeder Situation mit dem gezeigten Bild mithalten, ohne sich dabei störend in den Vordergrund zu drängen.

Lediglich die leicht schwammig wirkende Steuerung kann im ersten Moment nicht ganz überzeugen, funktioniert nach einigen Minuten aber problemlos und fehlerfrei. Außerdem konnten wir das Spiel in zwei Situationen durch übereilte Aktionen “kaputt” spielen, sodass wir zu unserem letzten automatischen Speicherstand zurückkehren mussten. Im jeweils zweiten Anlauf traten die Fehler dann aber nicht mehr auf, sodass der Spielspaß im Rahmen unseres Tests bis zum Ende des Spiels nie bleibenden Schaden genommen hat. 

Fazit:

Trotz einiger im Test genannten Mängel, ist Aspire: Ina’s Tale ein durchgehend schönes Spiel, das in seiner recht kurzen Zeit sehr gut unterhalten kann. Die Grafik ist für sich alleine stehend sehr gut und auch der Soundtrack bringt das, was sich auf euren Bildschirmen abspielt zu jeder Zeit super zur Geltung. Auch beim Gameplay macht der Titel wenig falsch und bietet leichte bis mittelschwere Kost, die euch kurzweilig einen verregneten Sonntag Nachmittag versüßt.

Doch eben diese Kurzweiligkeit und der fehlende Mut der Entwickler, das Spiel bei seiner Grundstimmung oder der Handlung klar zu positionieren sorgen dafür, dass Aspire trotz all des Lobes immer ein wenig im Schatten seiner großen Geschwister zurückbleibt. Mit ein wenig mehr Mut zum Experiment, einem grafisch kompromissloseren Stil oder einer Handlung, die weniger Fragen offen lässt, hätte Aspire sich seine Stellung auf dem Markt ohne weiteres sichern können. So bleibt der Titel ein spielerisches Neutrum, das Fans von Spielen wie Gris, Journey oder Limbo gut gefallen wird, selbst wenn es kaum längerfristigen Eindruck hinterlassen wird.

Wir danken Untold Tales Games für die Bereitstellung des Testmusters.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

6.5

Robert Emrich meint:

"Schön, kurz, unterhaltsam, seicht: Jeder dieser Begriffe kann Aspire: Ina's Tale gut beschreiben."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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