Test: Death's Door

Von Robert Emrich am 03. Dezember 2021

Alles stirbt. Aber nur selten so charmant und großartig, wie in diesem Abenteuer.

Als Devolver Digital im vergangenen Juli das Zelda-like Death’s Door auf der Xbox und dem PC veröffentlichte, war die Freude bei den Besitzern der Systeme verständlicherweise groß. Immerhin ist die Liste der Spiele, die sich plattformübergreifend daran wagen, in die übergroßen Fußstapfen der “The-Legend-of-Zelda”-Reihe zu treten kurz und jeder Zuwachs stets willkommen. Ganz besonders, wenn sich der Zuwachs dabei so gut schlägt, wie das aktuelle Werk des Indie-Studios Acid Nerve, das zuvor mit dem Soulslike “Titan Souls” einigen Erfolg verbuchen konnte. Jetzt ist Death’s Door endlich auch für die PlayStation und die Switch erhältlich und wir haben uns den Titel auf Nintendos Konsole einmal angesehen und für euch getestet, ob das Spiel seinem Ruf gerecht werden kann. 

Don’t fear the Reaper

Euer Abenteuer beginnt mit der Fahrt ins Büro. Rumpelnd setzt euch der Bus vor dem Hauptquartier der Erntekommission ab, die grau durch die Leere jenseits von Raum und Zeit treibt und schon bessere Zeiten gesehen haben muss. Hier arbeitet eure Krähe als Sensenmann und sammelt, als eine von vielen Angestellten, die Seelen der Sterblichen ein, um mit deren Energie die Türen anzutreiben, durch die ihr in die Welt gelangt, um weitere Seelen einsammeln zu können. Ein leidiger Job in einem endlosen Kreislauf, aber irgendwer muss ihn ja machen. Denn Seelen, die nicht geerntet werden, verwandeln sich in Monster und richten damit Unheil in der Welt an, was vermutlich auch eurem jüngsten Auftrag, einer so genannten “Riesenseele” widerfahren ist. Riesenseelen, so erklärt man euch, sind zwar schwerer als üblich einzusammeln, bringen der Kommission dafür aber eine ordentliche Menge Energie und euch mit etwas Glück ein paar Tage Urlaub ein. Ein verlockendes Angebot für eure Krähe, die als Angestellte der Kommission nur während eines aktiven Auftrages altert und ansonsten Äonen lang leben (und arbeiten) kann. Und so macht ihr euch frohen Mutes auf in den Kampf, während die Mächte des Schicksals ganz eigene Pläne mit Euch haben, um die Geheimnisse hinter der legendären Tür des Todes zu lüften und damit das kosmische Gleichgewicht zwischen Leben und Tod für immer zu verändern.

Angreifen, rollen und immer wieder Federn lassen

Das Spielprinzip von Death’s Door ist ebenso einfach wie spaßig: In 3D-isometrischer Ansicht bewegt ihr eure Krähe durch die Spielwelt, bekämpft dabei alle möglichen Monster und sammelt deren Seelen ein, um die euch gestellten Aufgaben zu erledigen. Im Angriff stehen euch leichte und schwere Schläge sowie Fernkampf-Angriffe zur Verfügung, wobei letztere durch erfolgreiche Nahkampf-Treffer oder die Zerstörung von Gegenständen immer wieder aufgeladen werden müssen. Ein cleveres System, das euch dazu bringt, regelmäßig zwischen den unterschiedlichen Attacken zu wechseln und die vielen Gegner nicht nur aus der sicheren Entfernung zu bekämpfen. Weitere Fähigkeiten lassen euch unter anderem Bomben und Feuerbälle verschießen und werden euch an festen Stellen im Spiel verliehen. Zusätzliche Nahkampfwaffen können ebenfalls in der Welt gefunden werden, bieten euch aber nur leicht abgewandelte Kampfstile ohne echten Vorteil. Euer normales Schwert bleibt zu jeder Zeit eine gute Wahl. 

Für die Verteidigung steht euch eine schnelle Ausweichrolle zur Verfügung mit der ihr den meisten Angriffen mit etwas Geschick und gutem Timing entgehen könnt. Gelingt euch das einmal nicht, verliert ihr einen eurer vier Lebenspunkte. Sind alle Lebenspunkte verloren, landet ihr selber im Jenseits, nur um Sekunden später wieder an der letzten Tür zu starten, die ihr in der Spielwelt passiert habt. Weitere Nachteile hat das Sterben in Death’s Door zum Glück nicht, denn die Kämpfe sind durchgehend knackig, dabei aber niemals unfair. Ein wenig zusätzliche Erleichterung bieten euch die in der Welt sammelbare Kristallsplitter mit deren Hilfe ihr eure Lebens- und Fernkampfangriffs-Punkte leicht erhöht, sowie Blumentöpfe in denen ihr zuvor gefundene Samen einpflanzen könnt. Die daraus wachsenden Blumen heilen euch vollständig und laden sich nach jedem Tod und Verlassen der Zone wieder auf, sodass ihr mit der Zeit in allen Gebieten regelmäßig die Chance habt, euch mehrfach zu erholen. Die andere Möglichkeit sich zu heilen, ist die Reise zum Hauptquartier der Erntekommission durch eine der Türen, die ihr in nahezu allen Abschnitten der Welt freischaltet. Die Türen bleiben, einmal geöffnet, fest bestehen und geben euch die Möglichkeit, mit Umweg über die Zentrale schnell zwischen allen besuchten Gebieten hin und her zu reisen. Außerdem könnt ihr im Hauptquartier die Kampfwerte eurer Krähe im Tausch gegen kleinere Seelen aufwerten, sodass sich ein Besuch des Arbeitsplatzes immer wieder lohnen kann.

Abseits des Hauptquartiers ist die Spielwelt in vier Abschnitte unterteilt: Eine Friedhofswelt und die drei Hoheitsgebiete der Bosse, die alle mit dem Friedhof im Zentrum verbunden sind. Die Gebiete der Bosse sind thematisch an ihre Herrscher angepasst und folgen alle einem identischen Muster, bei dem ihr erst eine Außenwelt, dann einen Dungeon und zuletzt noch eine weitere Zone durchqueren müsst, um schließlich in die Kammer des Bosses zu gelangen, dessen Riesenseele ihr einsammeln müsst. Wie bei Zelda-Spielen bedeutet das festgelegte Muster aber natürlich nicht, dass sich die Gebiete nicht inhaltlich massiv unterscheiden und euch allerhand unterhaltsame und gelegentlich auch witzige Situationen bieten können. Denn neben den vielen Monstern findet ihr immer wieder kleine Gebiete mit freundlichen Figuren, die euch gerne in kurzen Gesprächen etwas über sich und die Welt erzählen und dadurch ein wenig zusätzliche Farbe ins Spiel bringen. Und auch die Endgegner beweisen regelmäßig Charakter und zeigen in den Dialogen, dass sie eher fehlgeleitet als einfach nur böse sind, selbst wenn sie das am Ende der großartigen Kämpfe trotzdem nicht rettet, wenn ihr ihre Seelen einsammelt. Bis es aber soweit ist, liefert euch jeder Boss einen verbissenen Kampf mit ganz eigenen Mechaniken, die erst einmal durchschaut werden müssen, ehe ihr den Sieg davon tragen könnt. Dabei achtet das Spiel aber auf eine faire Lernkurve und am Ende waren es einige der Zwischengegner, die uns im Rahmen unseres Tests die meisten Leben gekostet haben.

Zuckerbrot mit Peitschen-Spuren

Die heimlichen Stars von Death’s Door sind die durch Spiele wie die “Dark Souls”-Reihe inspirierte Zonen, deren Aufbau euch regelmäßig verschlossene Tore öffnen oder Leitern zu neuen Gebieten aktivieren lässt. Die dadurch entstehenden neuen Wege bieten entweder Abkürzungen um bekannte Areale herum oder Zutritt zu neuen Abschnitten und werden vom Spiel direkt gespeichert, womit sie auch nach einem Ableben eurer Krähe weiterhin nutzbar bleiben. Dasselbe gilt für die vielen kleinen Arenen in denen ihr diverse Gegnerwelle ausschalten müsst. Auch sie müssen jeweils nur einmal erfolgreich absolviert werden, sodass sich jeder kleine Teilerfolg wie ein eigenes abgeschlossenes Level anfühlt. Durch das andauernde Gefühl einen kleinen Sieg errungen zu haben (egal ob ihr eine Zone weiter erschlossen oder eine Gegner-Mechanik durchschaut hat) bleibt die Motivation im Spiel auch nach mehreren Niederlagen konstant hoch und der Spaß am Spiel garantiert. Durch geschickt platzierte Rätsel, die bewusst an die Situation in der ihr euch befindet angepasst sind, wird das Spielgeschehen zwischen den kampflastigen Gebieten zusätzlich aufgelockert. So sind die Denksportaufgaben in den für die Handlung relevanten Bereichen oftmals vergleichsweise einfach, während sie sich in anderen optionalen Bereichen zu beachtlichen Herausforderungen entwickeln können. Auf diese Weise nimmt Acid Nerve dem Spiel ein wenig von seinem Tempo, ohne es für Speedrunner, die das Spiel gerne in so kurzer Zeit wie irgend möglich durchspielen möchten, uninteressant zu machen. 

Wer es nicht so eilig hat, sollte für das Spiel zehn bis 18 Stunden einplanen. Je nachdem wie viele der sammelbaren Gegenstände ihr gerne finden möchtet und ob euch das zweite Ende, das nach dem Abspann freigespielt werden kann, interessiert oder nicht. Letzteres, so viel kann spoilerfrei gesagt werden, verwebt die Handlung des Spiels mit dem zuvor von Acid Nerve veröffentlichten Titel “Titan Souls” und ist damit gerade für Fans des Spiels ein Muss. Dafür erfordert es aber ein wenig Backtracking, das ihr ansonsten weitestgehend vermeiden könnt, wenn ihr das Spiel nur abschließen möchtet. Denn bei der Motivation für das Sammeln der Gegenstände und das Aufwerten aller Kampfwerte hätte es trotz all des Lobes noch Luft noch oben gegeben. Viele Items deuten in ihren Beschreibungen subtil Geschichten und Verbindungen zueinander an, werden dabei aber nie konkret genug, um ein wirkliches Sammelfieber auszulösen. Und auch die Upgrades der Kampfwerte sind so minimal, dass man den Unterschied in der Angriffskraft erst nach mehreren Aufwertungen wirklich bemerkt. 

In jedem Fall könnt ihr das Spiel nach dem Erreichen beider Enden und dem Sammeln aller Gegenstände aber entspannt zur Seite legen, da der Wiederspielwert ohne zusätzliche Schwierigkeitsgrade oder erreichbare Erfolge eher gering ist. Zwar hätten wir uns während unseres Tests gerne noch weitere erforschbare Zonen gewünscht, um das Abenteuer so lange wie möglich genießen zu können. Um es aber einfach so immer wieder und wieder durchzuspielen, fehlt dann doch der Anreiz.

Scharf wie des Schnitters Sense

Wenn es um die Technik geht, macht kaum ein aktuelles Spiel Death’s Door so leicht etwas vor. Die Grafik setzt jede der wundervoll kreierten Zonen großartig in Szene und das Spiel läuft in allen Bereichen so sauber und flüssig, dass man den Eindruck gewinnen könnte, es wäre speziell für die Nintendo Switch entwickelt worden. Besondere Erwähnung bei der Grafik verdienen die Schatten, die die Figuren in geschlossenen Räumen werfen. Objektiv betrachtet vielleicht eine Nebensächlichkeit, aber ein Feature, das man bei Switch-Spielen nur selten findet und das gerade in den Dungeons zur Atmosphäre beiträgt. Die Kamera leistet durchgehend gute Arbeit und sorgt dafür, dass ihr sowohl bei großen Bossen als auch in schnellen Kämpfen mit vielen Gegnern nicht den Überblick verliert.

Begleitet wird das Spiel von einem eindrucksvollen Soundtrack, der das Geschehen wechselnd mit harmonischen Melodien und epischer Schlachtmusik passend unterlegt, während auf eine Sprachausgabe vollständig verzichtet wurde. Die Ladezeiten zwischen den Gebieten liegen mit fünf bis zehn Sekunden im für die Switch bemerkenswert schnellen Bereich und auch die Steuerung reagiert in jeder Situation schnell und präzise, sodass ihr selbst auf kleineren Plattformen in der Nähe von Abgründen sicher navigieren könnt. Einzig die Tastenbelegung der Fernkampf-Fähigkeiten ist unglücklich belegt und es stellt sich die Frage, warum zum Schießen eine Schultertaste und der A-Button gedrückt werden müssen, wenn Letzterer doch grundsätzlich mit keiner Funktion belegt ist. Leider bietet das Spiel euch in diesem Fall auch keine Option zur Änderung an. Dafür könnt ihr aber das dargestellte Blut deaktivieren und den Titel dadurch auch für jüngere Spieler etwas zugänglicher machen, selbst wenn diese mit Spielen wie dem Remake von The Legend of Zelda: Links Awakening aufgrund der bunten Grafik und der leichteren Schwierigkeit mehr Spaß haben dürften.

Fazit:

Nachdem sich Spieletester und Spieler der PC- und Xbox-Version von Death’s Door nun schon seit Monaten einig sind, kommen auch wir nicht um die Feststellung herum, dass Acid Nerves neuestes Werk ein echter Knaller geworden ist. Obwohl es im Vergleich zu den vorbildgebenden Zelda-Spielen eher klein wirkt, holt das Spiel aus dem was es hat das Maximum heraus und bietet euch knackige Kämpfe, eine gute Handlung und eine tolle Atmosphäre. Alles getragen von einem fast perfekten technischen Unterbau, der das Spiel auf der Switch ausgezeichnet präsentiert. Dass der Titel nur für Fans und Speedrunner aktuell einen echten Wiederspielwert bietet und bei den sammelbaren Gegenständen und möglichen Aufwertungen ein wenig an Tiefe vermissen lässt ist schade, ändert aber nichts daran, dass ihr für den aufgerufenen Preis (aktuell 19,99 Euro im Eshop) mit Death’s Door kaum etwas falsch machen könnt. Für uns eines der besten Zelda-likes seit langem und ein sicherer Platz in der Top 5 der besten (Indie-)Spiele des Jahres.

Wir danken Devolver Digital für die Bereitstellung des Testmusters.
Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

8.5

Robert Emrich meint:

"Hinter der Tür des Todes lauert haufenweise Spaß. Wo bleibt die Fortsetzung?"
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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1 Kommentare:


Asinned
vor 1 Monat | 2
Schöner Test. Fand das Spiel damals überragend und freu mich dass es jetzt mehr Leiten zugänglich ist