Test: Mario Party Superstars

Von Jeremiah David am 16. November 2021

It's party time again.

Mario Party Superstars ist der sage und schreibe zwölfte Konsolen-Teil der Serie, aber erst der zweite, der keine Nummer mehr im Titel trägt. Anders als noch bei Super Mario Party, dem ersten Mario Party-Spiel auf der Switch, macht das bei Superstars jedoch durchaus Sinn, denn eigentlich handelt es sich hier nicht um einen neuen Teil der Reihe. Superstars bietet keine neuen Inhalte, sondern versteht sich vielmehr als eine Art Best-Of älterer Mario Party-Titel. Kann das Spiel trotzdem (oder gerade deswegen) überzeugen? Diese Frage wollen wir für euch beantworten.

Mario ärgere dich nicht

Für all diejenigen, die die letzten zwanzig Jahre auf dem Mond verbracht haben und deshalb nie Kontakt mit der Mario Party-Reihe hatten, sei zunächst einmal das Spielprinzip erklärt: Mario Party ist im Grunde ein relativ klassisches Brettspiel, bei dem sich die Spieler mit Hilfe eines Würfels über verschiedene bunte Felder bewegen müssen, um ein Ziel zu erreichen. Das Ziel sind hier Sterne, von denen immer wieder einer am Anfang des Spiels an einer Stelle des Spielbretts erscheint. Auf dem Weg zum Stern müssen Münzen gesammelt werden, damit dieser finanziert werden kann. Wenn unsere Spielfigur – hier natürlich ein Charakter aus dem Mario-Universum – nach dem Würfeln auf einem blauen Spielfeld landet, bekommt er allein dafür schon Münzen. Noch mehr Münzen gibt es für das erfolgreiche Bestreiten von Minispielen. Doch Achtung: Auf roten Spielfeldern kann unsere Spielfigur auch Münzen verlieren und noch schlimmer sind Bowser-Felder, die ein besonders negatives Ereignis triggern. Neben den blauen und roten Feldern gibt es noch grüne. Hier bekommen wir spezielle Items oder triggern Ereignisse, die uns helfen oder alternativ die Mitspieler ausbremsen.

Wie bei jedem Brettspiel gilt auch hier: Für Einzelspieler ist Mario Party Superstars nicht ausgelegt. Zwar ist das Spiel solo spielbar, der Spielspaß bleibt beim Zocken mit CPU-Gegnern jedoch weitestgehend auf der Strecke. Mario Party ist eben – wer hätte es gedacht – ein Partyspiel, das idealerweise mit mehreren Freunden gemeinsam im Wohnzimmer oder zumindest über eine Onlineverbindung gezockt werden sollte. Vor allem mit vier Freunden auf der heimischen Couch läuft Mario Party zur Höchstform auf, wobei der Spielspaß über die Jahre hinweg häufig vom jeweiligen Gimmick des Mario Party-Teils abhängig war. Um die Serie frisch zu halten, versuchte Nintendo nämlich immer wieder verschiedene Grimmicks einzubauen. So lag Mario Party 6 und 7 auf dem Gamecube beispielsweise jeweils ein Mikrofon für Sprachanweisungen bei. In den Minispielen der Wii-Versionen wurde stattdessen exzessiver Gebrauch der Fuchtelsteuerung gemacht, und auf der WiiU kam analog dazu der zweite Bildschirm zum Einsatz. Im letzten Mario Party-Teil, Super Mario Party, musste mit den Joy-Cons gespielt werden, wodurch es nicht möglich war andere Controller zu verbinden oder gar im Handheldmodus zu spielen. Mario Party Superstars verzichtet dagegen vollkommen auf irgendein Gimmick und bietet stattdessen Mario Party-Spaß in Reinform, wahlweise mit den Joy-Cons oder irgendeinem anderen Gamepad.

Das Party-Dorf

Im Hauptmenü von Mario Party Superstars stehen uns sechs Punkte zur Auswahl. Das Menü ist dabei wie eine kleine, übersichtliche Hub-Welt mit mehreren Gebäuden gestaltet, wobei wir die Häuschen lediglich wie in einem herkömmlichen Menü anwählen, statt mit einer Figur betreten dürfen. Mittig platziert ist der wohl wichtigste Modi, der schlicht "Mario Party" heißt. In der Regel starten wir hier gleich eine Spielesession mit Freunden und lassen die anderen Menüpunkte links liegen. Daneben gibt es aber auch noch den Minispiel-Berg, das Datenhaus, das Freundehaus, Toads Laden und das Optionshaus. In Letzterem nehmen wir einfach nur verschiedene Einstellungen vor. In Toads Laden dürfen wir erspielte Münzen für Sticker, Kartendesigns, Musikstücke oder Enzyklopädieeinträge ausgeben, die danach zusammen mit diversen Statistiken im Datenhaus aufgelistet werden. Das Freundehaus – nicht zu verwechseln mit einem Freudenhaus – ist für Onlineaktivitäten relevant, während der Minispiel-Berg spaßige Minispiel-Action ganz ohne Spielbrett ermöglicht.

Nach dem Anwählen von "Mario Party", führt uns Koopa als Gastgeber beziehungsweise Moderator in das Spielprinzip ein und stellt die fünf Spielbretter von Mario Party Superstars vor: Yoshis Tropeninsel, Space-Land, Peachs Geburtstagstorte, Woodys Wald und Horror-Land sind Spielbretter mit ansteigender Schwierigkeit, die allesamt aus den ersten drei Teilen der Serie auf dem Nintendo 64 stammen. Die Spielbretter wurden optisch im Vergleich zu den N64-Versionen aber natürlich ordentlich aufgehübscht und präsentieren sich trotz ihrer bunten Farbgebung stellenweise fast fotorealistisch. So würfeln sich die Spielfiguren auf Peachs Geburtstagstorte beispielsweise tatsächlich über eine realistisch-lecker aussehende Sahnelandschaft mit Keks-Rand, Waffeln und dunkelroten, glänzenden Kirschen.

Best of Mario Party

Auf jedem Spielbrett werden zwischen 10 und 30 Runden gespielt, wodurch eine Spielesession in der Regel zwischen 30 und 90 Minuten dauert. Nach dem Beenden der voreingestellten Rundenzahl wird abgerechnet. Der Spieler mit den meisten Sternen gewinnt. Bei gleicher Anzahl an Sternen entscheidet die Zahl der gesammelten Münzen. Grundsätzlich hat dabei der Zufall einen großen Einfluss auf das Spielgeschehen, schließlich muss zu Beginn jedes Zuges eine Zahl zwischen 1 und 10 gewürfelt werden, die bestimmt, wie viele Felder wir mit unserer Spielfigur vorrücken dürfen. Wenn vor Spielbeginn die optionalen Bonussterne aktiviert wurden, werden außerdem zusätzliche Sterne zufällig verteilt und können schnell mal das eigentliche Spielergebnis kippen. Aus einem Verlierer wird dann rasch ein Gewinner, denn auch schlechte Ergebnisse können paradoxerweise belohnt werden. Bonussterne werden beispielsweise an Spieler vergeben, die die meisten oder wenigsten Felder vorgerückt sind, die meisten oder wenigsten Münzen gesammelt oder die meisten Minispiele gewonnen haben.

Apropos Minispiele: Hier zeigt sich, dass Mario Party Superstars wirklich ein Best-Of vergangener Serienteile ist, denn Superstars bietet uns statt neuer Minispiele eine Auswahl der 100 beliebtesten Spielchen. Vor Spielbeginn werden uns verschiedene Minispiel-Pakete wie "Familie", "Action" oder "Geschick" angeboten, wobei wir Superstars natürlich auch willkürlich entscheiden lassen können. Für Nostalgiker stehen übrigens auch Minispiel-Pakete mit nur N64- oder Gamecube-Minispielen bereit.

Die Spielchen an sich sind größtenteils abwechslungsreich und bieten unterschiedlichste Herausforderungen. In manchen Minispielen treten alle Spieler gegeneinander an, in anderen werden dagegen kleine Teams gebildet. Hin und wieder kommt es auch vor, dass ein Spieler allein gegen den Rest antritt. Als Belohnung warten stets Münzen.

Es ist nicht alles Gold...

Dem Best-Of-Prinzip von Mario Party Superstars ist es zu verdanken, dass der Titel trotz fehlender Innovationen viel Spaß macht und die beste Party-Action seit langem bietet. Doch es ist nicht alles Gold was glänzt. Die Auswahl der Minispiele ist zwar weitestgehend, aber nicht vollständig gelungen. Es gibt einige Minispiele aus unterschiedlichen Serienteilen, die einander ungemein ähneln und dasselbe Spielprinzip praktisch nur in anderer Optik darstellen. Sowohl bei "Dem Himmel so nah..." aus Mario Party 5 als auch "Himmelsstürmer" aus Mario Party 6 geht es beispielsweise darum, über Plattformen nach oben zu springen. In dem einen Minispiel sind die Plattformen Blätter, in dem anderen sind es Parakoopas und Wolken. Ansonsten unterscheiden sich die Spielchen nicht. Hier hätten die Entwickler von NDcube mehr Sorgfalt bei der Auswahl der Spielchen walten lassen können.

Hinzu kommt die Tatsache, dass fünf Spielbretter schlicht und einfach nicht viel sind, erst Recht, wenn man bedenkt, dass es sich hier ausschließlich um alte, bekannte Boards handelt. Auch die Anzahl der spielbaren Charaktere wurde im Vergleich zum direkten Vorgänger von 16 auf 10 reduziert. Hier hätte Nintendo uns eine größere Auswahl anbieten dürfen. Und zu guter Letzt müssen wir noch die freispielbaren Belohnungen ansprechen, die größtenteils an Lächerlichkeit kaum zu überbieten sind. Die Sticker zum Schmücken der eigenen Party-Karte (eine Art Profilkarte, die anderen Spielern online gezeigt wird) sind so nett, wie sie sinnfrei sind, die Enzyklopädieeinträge sind nicht einmal das. Wer 100 Münzen für den Enzyklopädieeintrag zu Mario ausgibt, schaltet den folgenden Text frei: "Ein allseits beliebter, kühner Held mit roter Mütze und typischem Schnurrbart." Das war's. Einträge für Luigi, Peach und Co sind nicht besser. Freispielbare Charaktere, Kostüme oder Items hätten dem Spiel zweifelsohne gutgetan.

Fazit:

Mario Party Superstars ist aus Sicht der Entwickler ein völlig risikofreies Spiel. Statt auf Teufel komm raus neue Ideen umzusetzen, um die Serie irgendwie voranzutreiben, haben die Jungs und Mädels von NDcube einfach ein Potpourri der beliebtesten Minispiele zusammengestellt und mit einigen der besten Spielbrettern der ersten drei Spiele kombiniert. Das ist weder innovativ noch sonderlich spannend, aber funktioniert schlicht und einfach gut, und zeigt, dass es manchmal sinnvoll sein kann, eine Sache nicht unnötig kompliziert zu machen. Mario Party Superstars ist kein perfektes Spiel und hätte vor allem einen größeren Umfang bieten können, ist aber dennoch das beste Mario Party-Spiel, das wir seit langem bekommen haben. Fans und Neulinge dürfen bedenkenlos zugreifen.

Wertung:

8.0

Jeremiah David meint:

"Mario Party Superstars ist ein Best-Of vergangener Mario Party-Spiele. Nicht mehr und nicht weniger."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Sehr gut

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2 Kommentare:


Nintendofan
vor 2 Wochen | 1
Letzte Woche zu viert gespielt, war ein sehr unterhaltsamer Abend :D

Denios
vor 2 Wochen | 1
Hab es mir jetzt auch besorgt und ist echt cool Mal wieder :) (mein letzter Teil war 5 :D)