Test: The Dark Pictures Anthology: House of Ashes

Von Jeremiah David am 15. November 2021

Der Horror geht in die dritte Runde.

Die Dark-Pictures-Anthologie könnte kaum einen passenderen Titel haben. "Anthologie" ist im Grunde nur ein schickeres Wort für "(Kurz-)Geschichtensammlung", und Bandai Namco bietet uns genau das. Seit 2019 ist jedes Jahr ein weiteres, kurzes Horror-Adventure als Teil der Dark-Pictures-Reihe zum Budgetpreis erschienen. Auf das nicht überragende, aber immerhin kurzweilige "Man of Medan" und das vergleichsweise langweilige "Little Hope" folgt jetzt "House of Ashes". Kann der neuste Teil der Reihe die Messlatte anheben? Wir haben die PS5-Verson für euch getestet, um genau das herauszufinden.

Unter der Erde wartet das Böse

Wir schreiben das Jahr 2003 und George W. Bush lässt seine Truppen im Irak mit Hochdruck nach den chemischen Waffen suchen, mit denen Saddam Hussein tausende Menschen getötet haben soll. Der junge und ambitionierte Lieutenant Colonel Eric King ist der Meinung, das Versteck eben dieser Waffen mit Hilfe von Satellitenbildern entdeckt zu haben und macht sich mit einer Handvoll Soldaten und drei Helikoptern auf, um in der Wüste Iraks nach einem unterirdischen Labor zu suchen, findet dort jedoch nur die Zuflucht einiger Drogendealer. Die Einheimischen und einige Soldaten aus Husseins Armee sind natürlich wenig erfreut über den unangekündigten Besuch und liefern sich mit den Amerikanern ein Feuergefecht. Dabei schaffen sie es sogar einen Helikopter abzuschießen, der schließlich abstürzt und in einem großen Feuerball untergeht. Die Explosion lässt die Erde beben und öffnet eine uralte Höhle mit einem verfluchten sumerischen Tempel, der Freund und Feind gleichermaßen verschluckt.

Fortan schlüpfen wir als Spieler abwechselnd in die Rollen von Eric King, seiner wenig treuen Frau Rachel, den US-Soldaten Nick und Jason sowie dem irakischen Soldaten Salim, um alleine oder gemeinsam einen Weg aus den düsteren Katakomben des Tempels zu finden. Letzteres ist leichter gesagt als getan, denn im Tempel trachten bizarre Kreaturen nach den Leben der Soldaten.

Die Story ist B-Movie-Trash, kann aber gut unterhalten, was auch daran liegt, dass House of Ashes ein viel besseres Tempo bietet als Little Hope. Die unmenschlichen Gegner sind außerdem die furchteinflößendsten, die Supermassive Games seit den Wendigo in Until Dawn erschaffen hat. Die Charaktere dürften Dark-Pictures-Veteranen derweil sofort bekannt vorkommen, denn es handelt sich weitestgehend um dieselben Charaktermodelle, die auch schon in Man of Medan und Little Hope auftraten. So sieht Sergeant Nicolas "Nick" Kay beispielsweise dem frisch verlobten Alex Smith aus Man of Medan zum Verwechseln ähnlich und Jason gleicht Private Joseph "Joe" Roberts, während die Nebencharaktere Dr. Clarice Stokes und Joey Gomez bereits als Taylor in Little Hope und Charlie in Man of Medan auftraten. Das kann bisweilen etwas irritieren, zumal die Charaktere in House of Ashes nicht von denselben Schauspielern verkörpert werden wie in den vorhergehenden Teilen der Serie. Vermutlich wollten sich die Entwickler durch das Recyceln alter Charaktermodelle einfach nur Zeit und Arbeit sparen.

Altbewährtes Gameplay, neue Kamera

House of Ashes versteht sich im Grunde als reines Single-Player-Spiel, wobei es wie in den vorhergehenden Einträgen der Serie wieder einen Online-Koop-Modus gibt. Mit Hilfe dessen können zwei Spieler die gleiche Geschichte teilen, während sie verschiedene Charaktere kontrollieren. Manche Szenen spielen sie dann gemeinsam, andere getrennt voneinander. Im Filmnachtmodus wird derweil ein Controller an vorgegebenen Stellen herumgereicht, damit bis zu fünf Spieler abwechselnd am Spiel teilhaben dürfen. Jeder Spieler schlüpft dann in die Rolle eines anderen Charakters, wobei erwähnt werden sollte, dass die Charaktere unterschiedlich viel Zeit im Rampenlicht genießen.

Gameplay-technisch weicht House of Ashes nicht weit von den bekannten und ziemlich limitierten Wegen der Vorgängertitel ab und so gibt es an dieser Stelle nicht viel zu beschreiben. Wer auf Geballere oder Rätsel steht, sollte sich von der Dark-Pictures-Anthologie fernhalten. In House auf Ashes kann weder gesprungen noch geschossen werden. Auch nutzbare Items oder gar Crafting-Systeme gibt es nicht. Nach wie vor gilt es stattdessen, die fünf spielbaren Charaktere durch die düsteren Umgebungen des Spiels zu navigieren und diverse Quick-Time-Events zu meistern, um möglichst viele Personen überleben zu lassen. House of Ashes ist also mehr ein interaktiver Film, als ein klassisches Videospiel, was auch noch durch dicke schwarze Balken unter und über dem Bild verstärkt wird.

Laut Supermassive Games gibt es mehr als 60 verschiedene Arten, wie Eric, Rachel und Co ums Leben kommen können. Auch einige Jumpscares und die serientypischen Vorhersehungen sind wieder dabei. Immerhin kommt House of Ashes mit einer großen Neuerung daher: Statt auf feste Kameraperspektiven wie in den frühen Resident-Evil-Teilen zu setzen, bietet der neuste Teil der Serie eine frei bewegbare Kamera (und Taschenlampe), die dem Spiel außerhalb der vielen Cut-Scenes die Optik eines Third-Person-Shooters verleiht. So haben wir als Spieler nun etwas mehr Kontrolle über das Geschehen und können uns noch besser in die Rollen der Charaktere hineinversetzen.

Optisch kann House of Ashes nicht immer, aber doch meistens überzeugen. Die offeneren Gebiete am Anfang des Spiels erinnern an die Modern-Warfare-Titel der Xbox360- beziehungsweise PS3-Ära und zeigen, dass Supermassive Games nicht mehr mit dem Budget und der Entwicklungszeit des PS4-Exklusivtitels Until Dawn arbeitet. Einige Umgebungen speziell in den klaustrophobischen Gängen des sumerischen Tempels und den umliegenden Höhlen und Gebäuden sehen dagegen in 4K auf der PlayStation 5 fast fotorealistisch aus und bieten gelungene Licht- und Staubeffekte, die hervorragend zur allgemein dichten Atmosphäre des Spiels passen. Ähnliches gilt auch für die Qualität der Charaktermodelle und Animationen. An für sich sind die Modelle schön ausgearbeitet, speziell die zu weit auseinanderstehenden Zähne sehen jedoch ungewollt komisch aus und bei Gesprächen halten die Figuren nicht immer einen realistischen Blickkontakt, sondern starren manchmal völlig willkürlich zu Boden oder an die Decke. Nach einiger Zeit fallen solche kleinen Makel jedoch weniger auf und im Großen und Ganzen besticht House of Ashes durchaus mit einer detaillierten, hochwertigen Präsentation.

Fazit

Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: House of Ashes unterscheidet sich spielerisch kaum von Man of Medan und Little Hope. Wer die Dark-Pictures-Serie bisher nicht mochte, wird auch den dritten Teil nicht mögen. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass Fans der Reihe bedenkenlos zugreifen können. Wir bekommen hier eben mehr vom Gleichen: Ein spielerisch seichtes, aber atmosphärisch und technisch gut umgesetztes Horror-Adventure, das mit seiner etwas trashigen Story rund fünf Stunden lang kurzweilige Unterhaltung bietet. Die neue Kamera und die 4K-Auflösung sind dabei kleine, aber willkommene Änderungen, die House of Ashes mitnichten zum Genre-Thron verhelfen, zumindest jedoch auf den ersten Platz unter den bisher veröffentlichten Dark-Pictures-Teilen heben. Die Serie entwickelt sich definitiv in die richtige Richtung.

Wertung:

7.5

Jeremiah David meint:

"House of Ashes ist ein routiniert entwickeltes Horror-Adventure mit den üblichen Stärken und Schwächen der Serie."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Sehr gut

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1 Kommentare:


Ozymandias
vor 2 Wochen | 0
Der größte Horror sind immer noch die Dialoge. Aber irgendwie hat dieses Trashige auch etwas an sich. Man muss sich halt drauf einlassen. Man of Medan hab ich im GamePass gespielt und es war auf seine Art unterhaltsam. Ich hoffe mal, dass die anderen Teile auch noch folgen werden. =)