Test: Gang Beasts

Von Michael Prammer am 17. November 2021

Ihr seid auf der Suche nach einem durchgeknallten Spiel für Multiplayer-Sessions? Glückwunsch! Ihr habt es gefunden!

Simples Spielprinzip

Wir schlüpfen in die Rolle eine Knetfigur, die nicht nur selten dämlich aussieht, sondern sich auch genau so bewegt. Das Ziel des Spiels ist es, seine Mitstreiter aus dem Verkehr zu ziehen, um als letzte triumphale Knetfigur den Sieg des Kampfes zu erringen. Das war es bereits zum Thema Spielprinzip. Mehr ist da nicht. Es gibt keine Rätsel oder Hintergrundgeschichte; nichts, was dem Spiel in irgendeiner Form Tiefe verleihen würde. Hier offenbart sich bereits eine ganz große Schwäche des Titels; für Einzelspieler wird schlichtweg zu wenig geboten. Der sogenannte "Wellen-Modus", bei dem es darum geht, möglichst viele Gegner in verschiedenen Wellen zu beseitigen, ist zwar als Solist machbar, jedoch bockschwer, was die Vermutung zulässt, dass auch hier lieber mit mehreren Spielern Hand angelegt werden sollte.

Neben dem "Wellen-Modus" gibt es den "Kampf-Modus", den "Team-Kampf-Modus" und "Fußball". Kampf- und Team-Kampf-Modus beinhalten das Ziel, Kontrahenten von Klippen zu stürzen, in Lava zu versenken oder von einem LKW zu schubsen - je nachdem, was die dazugehörige Map eben hergibt. Wichtig ist, dass euer Charakter, respektive euer Team als letzte Instanz auf dem Feld steht.

Der Spiel-Modi Fußball ist im Vergleich ein wenig spezieller, denn hier kommt die Steuerung zum Tragen, welche aus jedem noch so talentierten "Freizeit-Messi" einen Kreisliga-Kicker macht. Die Steuerung ist nämlich zugunsten der Situationskomik nicht darauf ausgelegt, besonders präzise oder punktgenau zu fungieren. Die Knetfiguren hampeln grundsätzlich unbeholfen durch die Gegend, bedingt auch durch die Tatsache, dass ihr die Arme der jeweiligen Figur separat steuern könnt.

Viel Abwechslung mit schwächelnder Technik

Unterstützt wird das abgefahrene Spielprinzip von abwechslungsreichen Arealen, die allesamt ihre unterschiedlichen Eigenschaften haben. Da wären zum Beispiel ein paar fahrende LKW, die alle paar Meter unter zu tief hängenden Schildern hindurch fahren, was von eurer Knetfigur entweder mit Sprüngen oder dem Ableben quittiert wird. Ein weiteres Beispiel ist ein Leuchtturm, der mit der Zeit an Plattformen verliert und so zum Balanceakt wird. Zum Glück ist es allerdings ohnehin eure Aufgabe, eure Gegenüber beim Verlassen dieser Plattformen zu unterstützen. Dies geschieht durch Tritte, Griffe mit verbundenen Würfen oder einer Kopfnuss. Wer den Feind im richtigen Moment auskontert, benebelt diesen kurz und kann zum finalen Wurf ansetzen. Diese ganzen Kombinationen hören sich im ersten Moment anspruchsvoll an, sind aber sehr schnell zu lernen und oftmals mit viel Glück verbunden, was dazu führt, dass auf dem Bildschirm häufig nur eine "Fuchtelorgie" zu sehen ist.

Etwas schade ist, dass bereits zu Beginn viele Anpassungsmöglichkeiten verfügbar sind. Die Entwickler hätten den Wiederspielwert durch freischaltbare Extras deutlich steigern können. Stattdessen bringen die Siege oder Niederlagen rein gar nichts - außer der Gaudi. Auch das bewirkt, dass das Spiel nur mit Freunden zu Besuch wirklich reizvoll ist. Zwar bietet Gang Beasts auch einen Online-Modus, bei diesem kommt jedoch einfach nicht dieselbe Freude wie beim Partyabend mit Freunden auf.

Optisch bietet Gang Beasts mitnichten überragende, aber allemal ordentliche Kost, zumal das simple Spielprinzip kein Effektfeuerwerk erfordert. Leider hält die Technik nicht ganz Schritt und so kommt es hin und wieder zu ärgerlichen Bugs und Grafikfehlern. Begleitet wird das Ganze von Verbindungsabbrüchen im Online-Modus und Rucklern beim Spielen. Auch die Ballphysik beim Fußball ist trotz aller Komik grenzwertig und trübt den Spielspaß doch etwas. Musikalisch und Soundtechnisch passt allerdings alles und so wurde der Titel zumindest in der Hinsicht ordentlich versorgt.

Fazit:

Gang Beasts ist auf den ersten Blick ein Spiel, für das es schwer ist, die richtigen Worte zu finden. Wenn man am Wochenende mit seinen Kumpels einen Kasten Bier getrunken hat, sich dann grölend auf die Couch setzt und diesen Titel anwirft, dürfte Gang Beasts sein größtes Potential entfalten. Auch ohne den Konsum von berauschenden Mitteln wird dieser Multiplayer-Titel einigen Spielern Freude bereiten, weil er, vor allem mit mehreren Spielern, eine riesen Gaudi bereiten kann. Für eine Personengruppe ist das Spiel dagegen definitiv nichts: Für Einzelspieler. Egal ob online oder offline - hier wird unter dem Strich einfach zu wenig geboten, was eine Anschaffung für Solisten rechtfertigen würde. So bleibt Gang Beasts ein Party-Spiel, das mit einigen Finessen noch besser hätte werden können und auf diese Weise nur für besondere Abende herausgeholt werden dürfte.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wir danken Boneloaf für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

6.0

Michael Prammer meint:

"Für Party-Abende bestens geeignet - für Solo-Kämpfer eine herbe Enttäuschung"
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Mangelhaft

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