Gruselige Games zu Halloween - Vol. 2

Von Jeremiah David am 31. Oktober 2021

Was zockt ihr an Halloween?

Vielleicht läutet es heute Abend an eurer Türe, und vielleicht stehen dann ein paar verkleidete Kinder vor dem Haus und grölen fröhlich: „Süßes oder Saures!“

Wie sollte eure kompromisslose Antwort lauten? Wir schlagen vor: „Verschwindet! Ich zocke gerade!“

Schon vor zwei Jahren haben wir euch eine Liste gruseliger Spiele für Halloween präsentiert. Seitdem ist allerdings viel Zeit vergangen und noch wichtiger, es wurden viele neue Spiele veröffentlicht, daher wollen wir euch am gruseligsten Tag des Jahres (den 18. Mai mit dem Eurovision Song Contest ignorieren wir an dieser Stelle) erneut eine Auswahl an Horror-Games anbieten. Kommt mit uns auf eine Reise in das Reich der Toten. Es warten düstere Abenteuer auf euch!

Wir beginnen unsere Liste mit einem Titel, der sogar Nicht-Gamern ein Begriff sein sollte. Die olle Hexe Blair kennen die Älteren unter euch nämlich womöglich aus dem Found-Footage-Film „The Blair Witch Project“ aus dem Jahre 1999. Wer jetzt mit den Augen rollt, dem können wir aber glücklicherweise versichern, dass das Spiel nicht viel mit dem Film gemein hat. Der Film und das Spiel verwenden beide den Wald von Burkitssville als Setting, und auch einige Stilmitteln wurden aus dem Film ins Spiel übertragen, die Geschichte von Blair Witch handelt jedoch von dem ehemaligen Polizeibeamten Ellis, der zusammen mit seinem Schäferhund Bullet in den mysteriösen Wäldern nach einem verschwundenen Jungen suchen soll.

Die Jungs und Mädels vom polnischen Bloober Team sind praktisch Horror-Experten, die in den vergangenen Jahren etliche gute bis sehr gute Gruselspiele wie The Medium, Layers of Fear oder Observer veröffentlicht haben, und Blair Witch reiht sich in diese Serie nahtlos ein. Die Atmosphäre ist zum Schneiden dick und so macht das Erkunden des Waldes trotz fehlender Action viel Spaß. Mit einer Spielzeit von rund sechs Stunden lässt sich das Ganze mit etwas Durchhaltevermögen sogar in einer Nacht durchspielen, wobei ihr wenn möglich auf die Switch-Version verzichten solltet, da diese technisch einfach nicht mit den anderen Fassungen mithalten kann.

Unseren Test der Switch-Version von Blair Witch findet ihr hier.

Bereits 2019 haben wie euch einen Teil der Resident-Evil-Reihe empfohlen. Village ist der neuste Eintrag in die langjährige Horrorserie aus dem Hause Capcom, entfernt sich jedoch inhaltlich etwas von den Vorgängern. Zwar dürfen wir gelegentlich noch immer Zombies abballern, darüber hinaus bietet uns Village aber auch noch eine Auswahl neuer Gegner aus der Zeit der klassischen Schauerliteratur rund um den Beginn des 19. Jahrhunderts an. So warten in einem riesigen Schloss beispielsweise drei Vampir-Damen mit ihrer Herrin auf Frischfleisch, während im titelgebenden Dorf Unmengen Werwölfe ihr Unwesen treiben. Die Story ist Müll, aber wer auf seichte, technisch erstklassig umgesetzte Horror-Unterhaltung mit einer guten Portion Action steht, der wird mit Resident Evil Village voll auf seine Kosten kommen.

Unseren Test der PS5-Version (mit Anmerkungen zu Stadia) von Resident Evil Village findet ihr hier.

Wenn euch die neuen Einträge in die Resident-Evil-Serie zu actionreich sind und ihr euch mehr nach den Anfängen der Reihe sehnt, dann könnte Tormented Souls genau das Richtige für euch sein. Die Herren von Publisher PQube und Entwicklerstudios Dual Effect und Abstract Digital scheuen sich nicht, Parallelen zu Resident Evil oder Silent Hill zu ziehen und versprechen die Rückkehr "klassischen Survival-Horrors". Tatsächlich ist das kein leeres Versprechen. Tormented Souls spielt sich wie der erste Resident-Evil-Teil, stilecht mit festen Kameraperspektiven und einem Kampfsystem, das voll auf das automatische Anvisieren der Gegner setzt. Die Feinde sehen derweil aus, als wären sie einem späteren Silent-Hill-Teil entrissen worden. Optisch ist Tormented Souls jedoch (fast) voll auf der Höhe der Zeit und überzeugt mit einem wunderbar detailliert und schön gruselig ausgearbeiteten Herrenhaus.

Das Horror-Adventure erzählt die Geschichte der jungen Frau Caroline Walker, der eines Tages ein mysteriöser Brief zugestellt wird. Der Umschlag ist nur mit einem Fake-Absender versehen und beinhaltet ein leicht angekokeltes Foto von Zwillings-Mädchen, die offenbar im Wildberger Hospital im kanadischen Ort Winterlake verschwunden sind. Natürlich macht sich Caroline auf, um die Mädchen zu finden.

Unseren Test der PS5-Version von Tormented Souls findet ihr hier.

Ihr wollt keinen gewöhnlichen Horror? Kein 0815-Setting? Keine stumpfsinnige Story rund um irgendwelche Hexen, Vampire und Zombies? Dann können wir euch Mundaun empfehlen. Der Indie-Titel ist nämlich mitnichten ein gewöhnliches Horrorspiel. Schon die Präsentation ist absolut einzigartig: Mundaun ist komplett in Graustufen gehalten und sieht aus, als wäre es von einem mittelmäßig begabten Künstler gezeichnet worden. Dazu kommt ein mehr als frisches Setting in den Schweizer Alpen und eine rätoromanische Sprachausgabe, die es vorher sicher noch nie in einem Videospiel gab.

Als Spieler schlüpfen wir in die Rolle von Curdin, der den mysteriösen Tod seines Großvaters untersuchen will. Dabei treffen wir auf einige bizarre Gestalten und noch bizarrere Monster, und decken auf, dass Großvater während dem Krieg mit dunklen Mächten hantierte. Mundaun legt zwar einen eindeutigen Fokus auf seine Story und das Erkunden der Spielwelt, bietet aber auch einige gelungene Rätsel und (weniger gelungene) Survival-Passagen. Als Ganzes ist Mundaun ein klassischer Fall von "mehr als die Summe seiner Teile". Der Ausflug ins Schweizer Hinterland macht definitiv Spaß, allerdings solltet ihr bei Interesse nicht zur Switch-Fassung greifen, da diese von einigen technischen Problemen geplagt wird.

Unseren Test der Switch-Version von Mundaun findet ihr hier.

Unser letzter Titel dieser Liste stammt genau wie Blair Witch von einem Entwicklerstudio, das sich auf Horrortitel spezialisiert hat. So stammen beispielsweise SOMA und diverse Teile der Penumbra- und Amnesia-Reihen aus dem Hause Frictional Games.

Amnesia Rebirth ist ein First-Person-Horrorspiel und so sehen wir alles stets durch Tasis Augen. Tasi ist eine Frau mittleren Alters, die im Jahr 1937 mit dem Flugzeug abgestürzt ist und nun in der Sahara festsitzt. Um der Hitze der nordafrikanischen Sonne zu entgehen, flieht sie in unterirdische Katakomben, was dort auf sie wartet ist allerdings schlimmer als die wabernde Hitze der Wüste.

Über weite Strecken hinweg ist Amnesia Rebirth kein reinrassiges Horrorspiel. Der Adventure-und Rätsel-Anteil ist größer als noch in den Vorgängern. Wer sich wirklich nur gruseln möchte oder gar auf ein Splatter-Fest hofft, wird mit Rebirth weniger Spaß haben als mit vergleichbaren Konkurrenzprodukten. Wer dagegen düstere Ruinen, Katakomben und fremdartige Sci-Fi-Bauwerke erkunden sowie eine interessante, unheimliche Geschichte erleben möchte, ist hier genau richtig. Das algerische Setting wirkt frisch, die Technik ist fast auf dem Niveau großer Blockbuster, die Atmosphäre über jeden Zweifel erhaben.

Unseren Test der PS4-Version von Amnesia Rebirth findet ihr hier.

Happy Halloween!

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1 Kommentare:


GF0P
vor 1 Monat | 5
Nun, ich gebe grundsätzlich einen F*** auf Halloween, denn mich stört es gewaltig, dass dadurch die knapp zwei Wochen später angesiedelte Tradition des Sankt Martin mehr und mehr verdrängt wird.
Ich habe vor einigen Jahren schon Eltern, die mit ihren Grundschulkindern verkleidet vor meiner Tür standen gesagt, sie könnten gerne mit Laterne wiederkommen, dann gäbs auch reichlich Naschereien!
Dementsprechend niedrig ist auch mein Interesse an diesem Wochenende Horrorfilme oder - Games zu konsumieren, zumal ich für sowas auch viel zu schreckhaft geworden bin.
Vielleicht allerdings spiele ich heute mal wieder Plaque Tale. Der zweite Teil erscheint bald und ich will die 50GB von der Platte haben, also ist der zusätzliche Ausschlaftag und die allgemeine düstere Stimmung, zumal es heute ja bereits um 18:30 recht finster sein dürfte, ein passender Anlass das Finale mal anzugehen.