Test: B.A.T.S.: Bloodsucker Anti-Terror Squad

Von Andreas Held am 20. Oktober 2021

Verbirgt sich hinter dem um Aufmerksamkeit buhlenden Namen ein Spiel mit Substanz?

Untote gegen Skorpione

B.A.T.S. möchte sich in allen Belangen als Retro-Titel präsentieren, und tut dies auch mit seiner Handlung. Die vier Verbündeten des Vampirs Count Bloodvayne, die zusammen die titelgebende Anti-Terror-Einheit formen, wurden von der Terrororganisation STING und ihrem Anführer Scorpion Supreme entführt. Bloodvayne zieht los, um seine Verbündeten zu befreien und Scorpion Supreme schließlich auszuschalten. Das ist dann tatsächlich auch schon die ganze Story - nach dem Intro kommt der Titel fast komplett ohne Text aus. Dass B.A.T.S. im Jahre 2021 einfach ein bisschen stupides Entertainment bieten will, kann man dem Titel durchaus positiv anrechnen - allerdings stellt sich die Frage, ob der krude Humor mit Sprüchen wie "See you later, masturbator!" oder Werbetafeln für 69 Dollar teure Sonnenbrillen nicht zu sehr in die andere Richtung ausschlägt.

Auch spielerisch präsentiert sich der 2D-Platformer extrem simpel und kommt beinahe schon mit einer ganz klassischen Zwei-Knopf-Steuerung aus: Neben einem Sprung- und einem Angriffs-Button steht uns nur noch eine Ausweich-Taste zur Verfügung, doch da dieses Ausweichmanöver quasi nutzlos ist, kam es bei unserem Spieldurchgang kaum zum Einsatz. Ähnlich simpel ist auch das Leveldesign: Ab und zu müsst ihr einen Schalter umlegen, um eine Tür zu öffnen - und damit wären die Puzzle-Aspekte dann auch schon vollständig abgehandelt. Einfach ist B.A.T.S. trotzdem nicht: Das erste Level dient als Tutorial und auch die frühen Abschnitte der späteren Gebiete sind recht einfach gehalten, aber zwischendurch begegnen uns immer wieder Passagen, in die auch Genre-Veteranen eine zweistellige Anzahl von Versuchen investieren müssen.

Schnelles Gameplay mit schnell gefundenen Macken

Mit dem schnellen Gameplay wollten sich die Entwickler offenbar am Spielgefühl von Dead Cells orientieren, bleiben in der Praxis aber weit hinter dem aus Frankreich stammenden Roguelike zurück. Stattdessen haben wir in B.A.T.S. dasselbe Problem, das man aus schlechten Sonic-Klonen kennt: Aufgrund der hohen Laufgeschwindigkeit des Protagonisten rennen wir ständig in Gegner und Hindernisse hinein, die uns keine angemessene Reaktionszeit lassen. Um das auszugleichen, haben die Entwickler auch das Health-System an Sonic angelehnt: Anstelle von Ringen sammeln wir Blut ein, das als Schutzschild gegen Feinde und Projektile dient. Werden wir dann getroffen, verlieren wir all unser Blut - egal, wie viel wir gerade bei uns tragen. Erst wenn wir dann noch einen zweiten Treffer einstecken, bevor wir das nächste Blut-Pickup einsammeln können, wird dies mit dem Verlust eines Bildschirmlebens bestraft. Da fast jeder Gegner bei seinem Ableben etwas Blut fallen lässt und weitere Konserven einfach in den Levels herumliegen, dürfen wir unseren Schutzschild nach einem Gegentreffer meist sofort wiederherstellen und es kann durchaus vorkommen, dass wir fast im Sekundentakt getroffen werden und trotzdem kein Bildschirmleben verlieren. Die größte Schwierigkeit geht daher von Passagen aus, in denen wir Fallen ausweichen oder gegen Roboter kämpfen müssen.

Auch in vielen anderen Aspekten macht B.A.T.S. keine wirklich gute Figur. Das Leveldesign ist bestenfalls unkreativ und abwechslungsarm; schlimmstenfalls kommt es direkt aus der Mario-Maker-Hölle: Mal bietet uns das Spiel ein Power-Up an, nur um uns beim Versuch dieses aufzusammeln zu töten, und in einem späteren Level müssen wir uns mehrmals für eine von zwei Türen entscheiden, wobei die falsche Wahl mit dem Tod der Spielfigur bestraft wird. Die fünf spielbaren Figuren haben klare Balancing-Probleme - Rick Ghastly verfügt als einziger über eine Distanzwaffe, die zwar ständig nachgeladen werden muss, ihn aber trotzdem zum mit Abstand stärksten Charakter macht. Der Holzpflock im Herzen des Retro-Platformers ist aber ganz klar seine Spielzeit: Trotz der Notwendigkeit, bestimmte Levelabschnitte aufgrund des Schwierigkeitsgrads immer wieder zu wiederholen, ist der Abspann nach einer guten Stunde erreicht. Speedrunner sollten die Spielzeit ohne Abkürzungen oder sonstige Exploits schnell unter die Zehn-Minute-Marke drücken können. Immerhin läuft die Portierung des Multiplattformtitels auch auf Nintendos alternder Hybridkonsole ohne technische Probleme.

Fazit:

Der wohl auffälligste Aspekt von B.A.T.S.: Bloodsucker Anti-Terror Squad ist der Titel des Spiels, mit dem der Retro-Platformer sicherlich eine gewisse Sichtbarkeit in den überfüllten Online-Schaufenstern erzielen kann. Doch wie so oft gibt es hinter der bunten Fassade recht wenig zu sehen. Die minimalistische Story und das ebenso simple Gameplay könnten funktionieren, wenn sie wirklich auf den Punkt umgesetzt wären, aber durch einige Fehler im Spieldesign fällt der Spaßfaktor bestenfalls durchschnittlich aus. Und selbst wenn ihr wirklich Freude an der vampirischen Terroristenjagd hättet, wäre der Spaß sehr schnell wieder vorbei, da ihr trotz des stellenweise sehr hohen Schwierigkeitsgrads für keines der fünf Level mehr als 15 Minuten brauchen solltet. B.A.T.S. fühlt sich in vielerlei Hinsicht eher wie ein Spaßprojekt von Hobbyentwicklern als ein professionelles Videospiel an.

Wertung:

5.0

Andreas Held meint:

"Durchschnittlicher Retro-Platformer mit einer lächerlich kurzen Spielzeit."
Spielerlebnis: Durchschnittlich
Umfang: Schlecht
Technik: Gut

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