Test: The Jackbox Party Pack 8

Von Robert Emrich am 19. Oktober 2021

Spiel's noch einmal, Jack.

Von Jackbox Games, den Machern von Spielen wie “Drawful” und “You don't know Jack”, kommt jetzt mit dem achten Jackbox Party Pack neues Futter für Quizwütige, Freunde, die gerne online zusammen spielen, und gemeinhin für die Art von Partys, bei denen sich Eltern im Stillen freuen, weil keiner schwanger nach Hause geht. Wir haben uns das Ganze für euch angesehen und der Spielesammlung auf den virtuellen Buzzer gefühlt. 

An die Handys, fertig, los!

Das Wichtigste vorweg: Das Jackbox Party Pack 8 ist, so wie seine Vorgänger, kein einzelnes Spiel, sondern eine Sammlung aus fünf Spielen, die in keinem Zusammenhang zueinander stehen und auch keine Geschichte oder ähnliches erzählen. Der Titel lässt sich also eher mit einer klassischen Spielesammlung, als mit Spielen wie der Mario-Party-Reihe vergleichen. 

Technische Besonderheit der Jackbox Spiele ist, dass sie zwar auf der Plattform, auf der sie gestartet wurden laufen, dort aber nicht direkt gespielt werden. Vielmehr muss sich jeder Spieler mit einem Handy (mit Touchscreen), einem Tablet-PC oder einem regulären PC kostenlos auf der Webseite jackbox.tv mit einer Raumnummer anmelden, die das Spiel euch vor dem Start der ersten Runde mitteilt. Von da an tätigt ihr alle Eingaben direkt im Browser des gewählten Gerätes. Spielt ihr beispielsweise auf der Switch, übernimmt diese die Rolle des Moderators und zeigt euch Dinge wie das aktuell präsentierte Bild oder den Punktestand an. 

Damit haben die Spiele, je nach Sichtweise, entweder die höchsten Anschaffungskosten, da jeder von euch wenigstens ein Handy benötigt, oder aber die niedrigsten Kosten, da heutzutage eh fast jeder eines oder mehrere der benannten Geräte besitzt und ihr keine zusätzlichen Controller braucht.

Die fünf üblichen Verdächtigen

Noch bevor ihr euch mit euren Tablets oder Handys aber anmelden könnt, muss der Moderator per regulärem Controller natürlich zuerst einmal eines der Spiele starten, die wir euch im folgenden kurz vorstellen wollen.

Drawful Animate setzt das Spielprinzip seiner namensgebenden Vorgänger, von einer kleinen Neuerung abgesehen, konsequent fort. Wieder muss jeder Spieler zuerst ein vom Spiel vorgegebenes Objekt zeichnen, dann die Werke der anderen möglichst kreativ benennen und zuletzt den richtigen Titel unter allen Vorschlägen auswählen, um möglichst viele Punkte zu sammeln. Dieses Mal müsst ihr allerdings gleich zwei kleine Bilder zeichnen, die wie bei einem Daumenkino eine winzige Animation ergeben. Das klingt zwar zuerst anstrengend, klappt aber in der Praxis erstaunlich gut und kann mit drei bis zehn Spielern gespielt werden.

Poll Mine erinnert ein wenig an die Spielshow “Familien-Duell” bei der zwei Familien beispielsweise zehn Dinge erraten mussten, die 100 zuvor befragte Personen gerne mit in den Urlaub nehmen. Da 100 zu befragende Personen nicht in den Lieferumfang des Spiels passten, liefert euch das Spiel zur jeweils aktuellen Kategorie vorgefertigte Antworten. Euer Team muss diese nun ihrer Wahrscheinlichkeit entsprechend anordnen und danach mittels lautstarker Diskussion erraten, wie wohl das gegnerische Team die gleichen Antworten bei sich angeordnet hat, um das Spiel zu gewinnen. Zwei bis zehn Spieler können an dem Duell teilnehmen. Damit es unterhaltsam wird, sollten es aber mindestens vier Spieler sein.

The Wheel of enormous Proportions stellt eine Mischung aus Quizshow und Glücksrad dar, in der Derjenige gewinnt, der als erster genügend Punkte im Quiz sammelt und dann beim Glücksrad eines seiner eigenen Felder trifft. Da schnelle und richtige Antworten im Quiz mit zusätzlichen Glücksrad-Feldern belohnt werden, auf denen man gewinnen kann, haben kluge Köpfe hier einen gewissen Vorteil, auch wenn der Zufall am Ende natürlich doch immer noch gegen euch arbeiten kann. Zwei bis acht Spieler können hier teilnehmen und wie immer wird es mit steigender Spielerzahl spaßiger. 

Mit Weapons Drawn versucht sich Jackbox Games im Bereich der Murder Mystery Spiele, wobei jeder von euch gleichzeitig Detektiv und Mörder ist. Abwechselnd ermordet jeder von euch einen der Mitspieler (die trotzdem weiterhin mitspielen dürfen) mit einer Mordwaffe, die ihr zuvor anhand einer Vorgabe gezeichnet habt, wobei ihr einen verräterischen Buchstaben eures Namens geschickt im Bild einbauen müsst. Mittels hitziger Diskussionen versuchen jetzt alle Beteiligten, den Mörder anhand der Zeichnung zu ermitteln, während der wahre Schuldige unerkannt eifrig mitdiskutiert und die Schuld einem anderen in die Schuhe schieben will. Vier Mitspieler braucht das Spiel mindestens. Maximal acht sind aber immer besser.

Job Job gehörte in unserem Test mit zu den witzigsten Spielen, auch wenn ein virtuelles Bewerbungsgespräch zuerst einmal wenig unterhaltsam klingt. In mehreren Runden bekommt ihr humorvolle Fragen gestellt, die ihr so gut wie möglich beantworten müsst. Der Spaß dabei ist, dass ihr nur in jeder zweiten Runde selber schreiben könnt, während ihr in den Runden dazwischen bunt gemischt einzelne Wörter aus den vorherigen Antworten eurer Mitspieler erhaltet. Dass dabei in den meisten Fällen keine besonders sinnvollen, aber witzig zu lesenden Sätze herauskommen, liegt in der Natur der Sache. Gewonnen hat, wer von seinen Mitspielern die meisten Punkte für die besten Antworten bekommen hat. Drei bis zehn Spieler dürfen sich hier behaupten.

Anders als in diversen Vorgängern verzichtet Jackbox Games in diesem Teil auf Spiele mit Shooter- oder Plattformer-Elementen. Eine kluge Entscheidung, da die besagten Spiele im WLAN mäßig und über den Stream im Internet bestenfalls furchtbar liefen. Der aktuelle Teil gehört damit zu den vergleichsweise besseren Vertretern der Reihe und kann an einem Abend mit den Freunden auf der Couch für viel kurzweiligen Spaß sorgen. Leider bieten die Spiele aber keine Langzeitmotivation und der nette Humor der anfangs, wenn alles noch neu ist, sehr gut funktioniert, verbraucht sich nach einer Weile recht schnell. 

So bieten die Spiele genug Material, um sich auch nach dutzenden Partien nicht zu wiederholen. Doch ob ihr dann noch auf sie Lust habt, ist eine andere Frage. 

Bedingt gut

Technisch gesehen ist auch der neueste Teil der Reihe wieder so anspruchslos, dass die Switch ihn ohne große Mühe abspielen und dabei mit der Konsolen-Konkurrenz gleichziehen kann. Auch die Anbindung ans Internet und die Steuerung über diverse Handys, in diesem Spiel technisch gesehen der wichtigste Aspekt, funktioniert schnell, einfach und ohne Probleme, sodass theoretisch alles gut ist. Trotzdem gibt es zwei Aspekte, die das Spiel nur bedingt empfehlenswert machen:

Zuerst einmal wird das Spiel auf der Switch wieder nur in englischer Sprache angeboten, sodass entsprechende Kenntnisse zwingend erforderlich sind, um die gestellten Aufgaben und Fragen verstehen und bewältigen zu können. Für die PC-Variante der Spiele werden im Internet regelmäßig kostenlose Mods angeboten, die sämtliche Texte übersetzen, doch auf der Switch habt ihr diesen Luxus natürlich nicht und solltet dementsprechend vor dem Kauf überlegen, ob ihr genug Freunde habt, die die Sprache beherrschen, ehe es zu langen Gesichtern kommt.

Außerdem bietet die Nintendo Switch weiterhin keine eingebaute Möglichkeit zum Streamen an, sodass ihr den Titel ohne zusätzliche Capture-Card nur lokal vor dem heimischen Fernseher spielen könnt. Mit dieser Einschränkung steht die Switch-Version des Spiels leider ganz alleine da und ist die am wenigsten attraktive Version des Titels, den ihr euch auch alternativ für alle anderen aktuellen Konsolen und Computersysteme holen könnt.

Fazit:

Der achte Teil der Jackbox Party Pack Reihe fügt sich spielerisch sauber in die Reihe ein und erweitert das Repertoire für Freunde der Serie um fünf neue Spiele, die sich alle humorvoll-unterhaltsam spielen lassen, aber wenig Langzeitmotivation bieten. Technisch läuft alles wie gehabt problemlos, was bei den geringen Anforderungen der Spiele aber auch kaum jemanden überraschen dürfte.

So wäre der Titel für Freunde kurzweiliger Unterhaltung eigentlich einen Blick wert, die Beschränkung auf die Englische Sprache und die fehlenden technischen Möglichkeiten der Nintendo Switch legen dem Titel aber weitere Steine in den Weg. Wer über diese Hürden hinwegsehen kann, kann gerne zugreifen und sollte mit dem Titel viel Spaß haben. Für alle anderen empfehlen wir eher Titel wie das jüngste WarioWare oder das kommende Mario Party Superstars.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version.

Wir danken Jackbox Games für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

7.0

Robert Emrich meint:

"Solider kurzweiliger Spaß für Freunde der englischen Sprache, der auf anderen Konsolen besser aufgehoben ist."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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