Test: Sonic Colours: Ultimate

Von Michael Prammer am 28. September 2021

Von Dr. Eggman und seinem intergalaktischen Vergnügungspark

Sonic Colours zählte 2010 zu den besseren Spielen rund um den blauen Igel, welches seinerzeit auf der Wii erschienen ist. Etwa elf Jahre später erscheint nun die Neuauflage unter anderem für Nintendo Switch und wir haben uns dieses Abenteuer etwas genauer angesehen.

Sonic war in den 90er-Jahren der große Gegenspieler von Super Mario und der Versuch von Sega, Nintendo in die Suppe zu spucken. Im Videospiel-Kosmos um den pfeilschnellen Igel war und ist es Dr. Eggman, der Sonic das Leben schwer machen möchte. So auch in diesem Spiel. Der Bösewicht eröffnet einen intergalaktischen Freizeitpark und möchte sich damit scheinheilig für seine bisherigen böswilligen Taten entschuldigen. In Wirklichkeit hat der Fiesling natürlich nicht die Absicht, irgendjemandem etwas Gutes zu tun, sondern möchte mit Hilfe des Parks die Energie der sogenannten "Wisps" für seine Zwecke aufsaugen, um sich deren magischer Fähigkeiten zu Nutze zu machen. Sonic aber kann selbst die Fähigkeiten der Alien-artigen Wesen verwenden, um Dr. Eggman das Handwerk zu legen. Und genau um diesen Zweikampf geht es in der Geschichte des Spiels, welche im Übrigen nicht nur mit deutschen Synchronsprechern stark vertont wurde, sondern in Zwischensequenzen auch toll präsentiert wird.

Ab in den Freizeitpark

Zunächst landet der Spieler etwas unsanft im Spiel und darf sich an den ersten Level versuchen, ohne etwas vom Plot mitzubekommen. Hier wird die Grundmechanik der Steuerung erklärt und die ersten Versuche des Igels näher gebracht. Schon recht bald eröffnet sich dann aber der Freizeitpark und ihr springt in die abwechslungsreichen Level. Diese sind ein bunter Mix aus 2D und 3D, haben immer wieder unterschiedliche Routen zu bieten und verfolgen im Grunde nur das Ziel, möglichst schnell vom Start zum Ziel zu gelangen. Dabei können sich die Perspektiven durchaus ändern, sodass nach einer kurzen 2D-Sprungpassage über mehrere knifflige Plattformen eine Rutschpartie über lange Gleise in 3D ansteht. Dank der Wisps, die es zunächst einzusammeln gilt, werden bei nochmaligem Betreten der Level weitere Wege möglich. So lässt sich beispielsweise eine rote Art der Wesen einsammeln, die dann eine Barriere aufhebt, hinter der sich ein bestimmtes Sammelobjekt verbirgt.

Der Wiederspielwert ist dank dieser Wisps und verschiedener Sammelobjekte durchaus gegeben und Highscore-Veterane möchten zudem möglichst schnell durch die Abschnitte sprinten. Das gelingt nach einigen Versuchen ganz gut, erfordert allerdings etwas Übung und Reaktionsvermögen. Wer allerdings einen Level verinnerlicht hat, bestimmte Passagen auswendig kennt und genau weiß, wann er den flinken Igel wie, wann und wo manövrieren muss, der zaubert eine pfeilschnelle Darbietung aufs Parkett. Dank der Level-Rankings von Rang D bis Rang S ist auch hier eine tolle Motivation geboten, immer den höchsten Rang zu ergattern. Wie immer bei einem Sonic-Spiel gilt: Die goldenen Ringe sind überlebenswichtig. Und gerade im Hochgeschwindigkeitsrausch bleibt der blaue Igel gerne mal an einem Hindernis hängen. Ein Treffer kostet euch alle Ringe bis auf einen, ein weiterer Treffer ist euer Ende – nichts Neues im Leben eines schnellen Igels.

Hoher Wiederspielwert – missratene Technik

Der Schwierigkeitsgrad fällt relativ überschaubar aus, gerade in den ersten Leveln, was für Einsteiger gerade recht kommt. Mit den Anfangswelten solltet ihr noch keine Schwierigkeiten bekommen, einzig die Boss-Level könnten ein paar kleinere Schweißperlen auf eure Stirn treiben. Später zieht der Schwierigkeitsgrad dann aber an, ohne unfair zu werden und das Spiel fordert euch dann schon an der einen oder anderen Stelle heraus. Beim einfachen Durchspielen des Titels sollte eigentlich niemand große Probleme bekommen, bei der Jagd nach den begehrten S-Rängen und allen Sammelobjekten sind allerdings viele Nerven und Geduld gefragt. Hier kann es schon zum einen oder anderen Frustmoment kommen, da einige Passagen dann doch bockschwer sind. Eines sei erwähnt: An der Steuerung wird es zu keinem Moment liegen, denn die ist absolut perfekt umgesetzt. Sonic steuert sich wahnsinnig präzise und geschmeidig durch die schnellen Level.

Aus technischer Sicht hatten wir bereits zu Beginn einen Teil der Präsentation vorweg genommen. Die deutsche Vertonung in den tollen Zwischensequenzen ist einfach klasse und treibt die Geschichte motivierend voran. Die Optik ist soweit ganz schick, für ein Remake hätte sie vielleicht nicht einen Ticken hübscher ausfallen dürfen - der Unterschied zur Wii-Version ist jetzt nicht überwältigend, wenngleich natürlich deutlich detailreicher. Nintendofans müssen leider wieder einige technische Abstriche im Vergleich zu anderen Versionen machen, die teilweise fast schon eklatant sind. Während auf PlayStation- und Xbox-Geräten 60 Bilder pro Sekunde und bis zu 4K-Auflösung möglich ist, begnügen wir uns auf Nintendos Hybrid-Konsole mit 30 Bildern pro Sekunde. Das ist für ein Hochgeschwindigkeitsspiel wie Sonic einfach zu wenig. Und man merkt leider auch, dass die Power fehlt. Hier und da kommt es zu Einbrüchen der Bildrate, unschönen Rucklern und hässlichen Texturfehlern. Dass auf der Switch 60fps möglich sind, haben schon andere Spiele bewiesen, weshalb dieser Umstand nicht nachvollziehbar ist. Alleine dieser technische Aspekt hätte schon ein ganz anderes Erlebnis aus dem Titel machen können. Angesichts dieser Tatsachen muss man sich Gedanken machen, lieber auf ein anderes System zurückzugreifen, wenn man denn eines zur Verfügung hat. Denn so toll sich Sonic auch spielt, wenn die Technik nicht richtig mitspielt, ist das schönste Spielerlebnis nur halb so viel wert.

Fazit:

Mit Sonic Colours: Ultimate wurde eines der besten 3D-Abenteuer um den blauen Igel neu aufgelegt und grundsätzlich ist das auch die richtige Entscheidung. Das Spiel bietet eine Menge Abwechslung, einen hohen Wiederspielwert und eine alberne aber dennoch schön präsentierte Story. Sonic steuert sich wahnsinnig präzise, der Schwierigkeitsgrad und die Lernkurve des gesamten Spiels sind von Beginn an stimmig und motivieren zu stundenlanger Highscore-Jagd. Das Remake hat neben einiger kosmetischer Neuerungen im Vergleich zum Original nicht allzu viel mehr zu bieten, weshalb ich diese im Test nicht erwähnt habe. Lieber habe ich mich vollends auf die Technik konzentriert, denn diese ist bei der Nintendo-Switch-Version gelinde gesagt ziemlich vermurkst worden. Ob es an der Hardware der Konsole liegt, will ich dabei gar nicht ausmachen, da auch andere Spiele 60 Bilder pro Sekunde darstellen können - diese wären auch hier zwingend notwendig gewesen. So können wir auf der Hybrid-Konsole von Nintendo keine uneingeschränkte Kaufempfehlung aussprechen und empfehlen euch dringend, den Titel auf einem anderen System zu spielen.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version
Vielen Dank an Sega für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

6.0

Michael Prammer meint:

"Im Grunde ein gelungenes Remake, das auf Nintendo Switch allerdings technisch grenzwertig umgesetzt wurde."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Mangelhaft

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1 Kommentare:


SantiagoWinehouse
vor 2 Monaten | 0
Das Spiel hat mir richtig Laune gemacht, war echt gut. Sehe aber für mich persönlich keinen Grund, das Spiel nochmals zu kaufen