Test: Super Monkey Ball: Banana Mania

Von Andreas Held am 29. September 2021

SEGA beschert uns zum 20. Geburtstag seiner ausgefallenen Serie ein Remaster des ersten Super Monkey Balls und seines Nachfolgers.

Monkey Madness

Mit Super Monkey Ball veröffentlichte SEGA einen der wohl merkwürdigsten Launch-Titel für den Nintendo Gamecube. Die Konsolenportierung des ursprünglich für Spielhallen entwickelten Geschicklichkeitsspiels war auf den ersten Blick von Marble Madness inspiriert, allerdings gab es einen entscheidenden Unterschied: Statt eine Murmel mit dem Analogstick direkt zu steuern, kontrollierte das Eingabegerät den Neigungswinkel des gesamten Levels, was die Kugel somit ins Rollen brachte. Auf diese Weise musste ein in einem Plastikball eingeschlossener Affe an Hindernissen vorbei und über enge Brücken bis zum Zieltor am Ende des Levels dirigiert werden. Der konsolenexklusive zweite Teil änderte nichts am grundlegenden Spielprinzip, verlagerte aber den Ansatz des Level-Designs: Während der Erstling als reines Geschicklichkeitsspiel bezeichnet werden kann, war der Nachfolger eher Trial-and-Error-lastig und wir mussten neben unseren Händen auch unseren Kopf benutzen, um erst mal die optimale Herangehensweise für ein Level zu finden.

Im Sommer 2019 verwirrte und verärgerte SEGA Fans der Super-Monkey-Ball-Serie mit der Ankündigung von Banana Blitz HD - einem aufgehübschten Port des ungeliebten Wii-Titels Banana Blitz, der seinerzeit auf eine Bewegungssteuerung ausgerichtet war und an diese unpräzise Steuerungsart angepasste, stark vereinfachte Levels beinhaltete. Die meisten Anhänger der Affenbälle sind sich einig, dass das Franchise nach dem Erscheinen des zweiten Teils stark abbaute und hätten sich wohl eher ein Remake der ursprünglichen Releases gewünscht. Anlässlich des Serienjubiläums wird SEGA dieser Forderung nun gerecht: Zwanzig Jahre nach ihrem Einstand auf dem Nintendo Gamecube feiern die beiden Originale ihr Comeback auf allen aktuellen Konsolen und dem PC - im Rahmen eines Remakes, das der Marketing-Aussage "sowohl für Fans als auch für Neueinsteiger" gerecht werden will.

Neue Features für alle

Super Monkey Ball und sein Nachfolger gehören zu den schwierigsten Videospielen aller Zeiten, sodass selbst erfahrene Spieler dutzende oder gar hunderte Versuche in ein einzelnes Level investieren mussten. Konsequenterweise stattete SEGA das Remake mit einer Reihe von Vereinfachungen aus. Extraleben und die Möglichkeit eines Game Overs wurden komplett abgeschafft, und wenn wir in demselben Level fünf mal scheitern, erscheint automatisch ein Pop-Up, das uns die Aktivierung von Assistenzfeatures erlaubt. Haben wir diese eingeschaltet, zeigen orange Pfeile den empfohlenen Pfad zum Ziel an, das Zeitlimit wird verdoppelt und wir können mit der rechten Schultertaste einen Zeitlupen-Modus aktivieren. Reicht das immer noch nicht, dürfen wir ein Level auch einfach überspringen. Um die Bonus-Schwierigkeitsgrade freizuschalten, müssen wir auf den Einsatz dieser Assistenzfeatures verzichten. Außerdem wurden 23 Levels aus den Originalspielen modifiziert, um sie etwas zu vereinfachen, und wir dürfen mit dem rechten Analogstick die Kamera drehen, was vor zwanzig Jahren noch nicht möglich war.

Tatsächlich haben die Entwickler bei der Entwicklung des Remakes aber nicht nur an Neueinsteiger, sondern auch an Serienfans gedacht, die sich über fünf Bonus-Spielmodi freuen dürfen. In drei davon müssen Variationen der bekannten Levels gespielt werden, in denen ihr entweder vom Ziel zurück zum Start navigieren, alle Bananen einsammeln oder umgekehrt allen Bananen ausweichen müsst. Dadurch wird der ohnehin schon sehr hohe Schwierigkeitsgrad noch einmal spürbar verschärft. Die anderen beiden enthalten einmal die Originalversionen der 23 vereinfachten Levels und einmal die insgesamt 46 Levels, die in Super Monkey Ball Deluxe (der Xbox- und PS2-Portierung von Super Monkey Ball 1 und 2) enthalten waren. Eine bittere Pille müssen Monkey-Ball-Veteranen aber trotzdem schlucken: Das Popup, das euch nach dem Verlust von fünf Extraleben fragt, ob ihr die Assistenzfeatures aktivieren möchtet, lässt sich nicht abschalten - und wird somit schnell ähnlich nervig wie eine Großmutter, die euch bei zwanzig Grad Außentemparatur ständig fragt, ob ihr nicht lieber eine Jacke anziehen wollt.

Die ganze Affenbande brüllt

Eines muss jedoch klar sein: Der zwanzig Jahre alte Schwierigkeitsgrad ist in diesen Remakes fast vollständig intakt. Die Assistenzfeatures bringen meist recht wenig - insbesondere die Pfeile können sogar störend sein, wenn sie in einem ohnehin schon völlig linearen Level die Sicht auf enge Pfade oder Hindernisse verdecken. Noch viel abschreckender für Gelegenheitsspieler dürfte die Tatsache sein, dass ihr innerhalb eines Spieldurchgangs keine Speicherstände anlegen könnt, sodass auf den Expertenschwierigkeitsgraden jeweils 60 sehr schwierige Levels am Stück absolviert werden müssen - was gut und gerne fünf bis zehn Stunden lang dauern kann. Sofern ihr nicht auf die Resume-Funktionen der neuesten Konsolengeneration zurückgreifen könnt oder wollt, müsst ihr euch also irgendwann mal einen oder zwei Tage frei nehmen, um Super Monkey Ball: Banana Mania in einer Marathon-Sitzung durchzuspielen.

Ein starkes Indiz dafür, dass Banana Mania einem sehr großen Teil der modernen Spielekonsumenten viel zu schwierig sein dürfte, liefert die vor dem offiziellen Release herausgegebene Testversion: Denn aus irgendeinem Grund zeigt das Spiel im Menü an, wie viele Spieler einen bestimmtem Schwierigkeitsgrad insgesamt bewältigt haben. Glaubt man dieser Statistik, haben zwar ein paar Dutzend unserer internationalen Kollegen die Casual-Schwierigkeitsgrade abgeschlossen, aber fast niemand das Ende der schwierigeren Kurse erreicht. Tatsächlich war ich sogar eine ganze Zeit lang der weltweit einzige Tester, der überhaupt eine andere als die leichteste Stufe von Super Monkey Ball durchgespielt hatte. Es dürfte interessant sein zu sehen, wie sich diese Statistik nach dem offiziellen Release des Spiels entwickelt.

Hardcore- und Partyspiel in einem

Neben den weit über 200 Levels aus den ersten beiden Super-Monkey-Ball-Teilen enthält Banana Mania auch alle zwölf der Party-Minispiele, die in den beiden Gamecube-Originalen enthalten waren. In Sportarten wie Monkey Bowling, Monkey Billard oder Monkey Golf dürft ihr die Affenbälle als Spielgerät missbrauchen, in Monkey Tennis und Monkey Soccer steuert ihr die Säugetiere direkt, und im beliebten Monkey Target wird eure Kugel nach dem Absprung von einer Sprungschanze zu einem Fluggerät, das ihr auf eine Zielscheibe dirigieren müsst - Pilotwings lässt grüßen. Die Party-Spiele sind zwar kaum mehr als zehn Minuten lang interessant, aber kompetent umgesetzt und können, wenn ihr mal Besuch von weniger videospielebegeisterten Freunden oder Verwandten bekommt, sicherlich den ein oder anderen Multiplayer-Abend gut füllen.

Ebenfalls kompetent umgesetzt ist die Switch-Portierung des Remakes, auch wenn es hier und da einige Schönheitsfehler zu bemäkeln gibt: Die Framerate ist nicht immer zu 100% stabil, und aufgrund der geforderten Präzision können selbst kleinste Ruckler fatale Folgen haben. Außerdem trafen wir während unseres Tests auf einen endlosen Ladebildschirm, der einen Neustart erforderlich machte, zum Glück jedoch keinen Spielfortschritt kostete. Davon abgesehen macht das Remake in allen Punkten einen sehr guten Eindruck: Sowohl die grafische Frischzellenkur als auch der neue Soundtrack sind dem Ryu Ga Gotoku Studio, das Banana Mania entwickelt hat, gut gelungen. Neben den bereits erwähnten Bonuslevels haben die Entwickler noch ein paar weitere Extras ins Spiel gepackt - darunter einen Foto-Modus und die Möglichkeit, anstelle der Affen noch weitere spielbare Charaktere aus bekannten SEGA-Franchises freizuschalten. Lediglich der für das Spiel komponierte Theme Song "Hello Banana" wirkt etwas befremdlich, da sich der aufdringliche Ohrwurm gezielt an Kleinkinder zu richten scheint, die mit dem anspruchsvollen Gameplay hoffnungslos überfordert wären.

Fazit:

Mit Super Monkey Ball: Banana Mania liefert uns SEGA ein Remake der ersten beiden Teile von Super Monkey Ball, wie es sich Fans schon bei der Ankündigung von Banana Blitz HD gewünscht hätten. Trotz der für Einsteiger vorgenommenen Anpassungen ist das Geschicklichkeitsspiel immer noch fast genauso knallhart schwierig, wie wir es aus der Gamecube-Ära kennen - lediglich die ständigen Nachfragen, ob wir die Assistenzfeatures aktivieren möchten, sind auf Dauer etwas nervig. Auch audiovisuell macht die Neuauflage eine sehr gute Figur, wenngleich wir in der Switch-Umsetzung einige technische Blessuren zu beklagen haben, die sich letztendlich aber kaum negativ auf den Gesamteindruck auswirken. Zu guter Letzt wurde das Remake mit einigen Extras erweitert - vor allem die extrem schwierigen Bonuslevel und die zusätzlichen spielbaren Charaktere werten das Gesamtpaket sinnvoll auf. Jedem, der die Originale vor fast zwanzig Jahren gespielt hat und sie heute einmal nachholen möchte, können wir die Portierung also ohne Einschränkungen empfehlen. Neueinsteiger, die Spaß an sehr herausfordernden Videospielen haben, sollten sich das Remake ebenfalls einmal ansehen.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version
Vielen Dank an Sega für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

8.5

Andreas Held meint:

"Liebevoll entwickeltes Remake, das dem Original spielerisch treu bleibt und es mit vielen Extras und technischen Verbesserungen weiterentwickelt."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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2 Kommentare:


Matthew1990
vor 3 Wochen | 0
"Tatsächlich war ich sogar eine ganze Zeit lang der weltweit einzige Tester, der überhaupt eine andere als die leichteste Stufe von Super Monkey Ball durchgespielt hatte."

Es ist ja leider so, dass man einfach nur noch Spiele durch zieht, eine Stunde rein investiert, so viel wie möglich aufschnappt, schnell die Review schreibt und so schnell es geht raus haut ohne sich wirklich damit zu beschäftigen.

Ich finde, alleine deshalb hebt sich dieser Test von den anderen ab, weil man hier erkennt, dass du dich auch mit einem Schwierigkeitsgrad und damit auch mit dem Spiel auseinander gesetzt hast.

SantiagoWinehouse
vor 2 Wochen | 0
Damals fand ich das Spiel recht amüsant, heute aber lockt es mich nicht mehr.