Test: Super Animal Royale

Von Robert Emrich am 24. September 2021

Ein Battle Royale der etwas anderen Art.

Bei der Masse der bereits vorhandenen Battle-Royale-Shooter, wird sich der eine oder andere vielleicht unweigerlich fragen, ob das Genre noch einen weiteren Vertreter benötigt. Das kleine Entwicklerteam des Pixile Studios würde diese Frage wohl mit einem klaren “Ja” beantworten, nachdem es jüngst seinen eigenen Titel Super Animal Royale auf dem PC, Mac und allen aktuellen Konsolen veröffentlicht hat. Ob wir ihm damit zustimmen würden und ob sich der Titel mit seinen Alleinstellungsmerkmalen vielleicht auch für euch lohnen könnte, sehen wir uns im Folgenden einmal an. 

Mit Schirm, Charme und Möhre 

Das Genre bedarf zwar eigentlich keiner Vorstellung mehr, aber eine kurze Zusammenfassung schadet ja bekanntlich nie: 

In Battle-Royale-Spielen wird eine feste Anzahl von Spielern oder Teams in einer riesigen Arena ausgesetzt, in der sie sich gegenseitig bekämpfen. Ihr starten in der Regel mit minimaler Ausrüstung und müsst Waffen, Rüstung und Verpflegung in der Welt finden, in der die Gegenstände zuvor oft großzügig und ebenfalls zufällig verteilt wurden. Durch giftiges Gas, das sich vom Rand langsam zu einem vom Spiel festgelegten Bereiche bewegt, wird das Gebiet in dem ihr euch unbeschadet bewegen könnt immer kleiner, sodass ein Kampf irgendwann unausweichlich wird. Das Spiel endet, wenn nur noch ein Spieler oder Team am leben ist und das Match damit für sich gewinnt. Auf eine Handlung verzichten die Spiele meistens völlig oder nutzen sie nur, um einen groben Kontext für die Schlachten zu liefern.

Die Zusammenfassung beschreibt auch Super Animal Royale sehr gut, das sich bei den grundsätzlichen Regeln am Vorbild der Genre-Größen PUBG und Fortnite orientiert, bei der Aufmachung aber komplett eigene Wege geht. So springt ihr mit euren 63 Gegenspielern (bzw. gegnerischen Teams) nicht aus einem Kampfflugzeug oder Hubschrauber, sondern aus einem Container, der auf einen riesigen Condor geschnallt wurde. Außerdem sind eure Charaktere keine Menschen, sondern niedliche anthropomorphe Tiere wie Bären, Füchse, Hunde oder Enten, um nur einige zu nennen. Da diese alle dasselbe können, darf sich hier jeder sein liebstes Tier aussuchen, um sich mit ihm in die Schlacht auf dem 2D-Schlachtfeld zu stürzen. In der Arena angekommen sammelt ihr Rüstungen und Waffen aus insgesamt 17 Gattungen, von denen ihr immer zwei mit euch tragen könnt, sowie eine von drei Granaten-Sorten und macht euch auf die Jagd nach euren Mitspielern. Die daraus resultierenden Kämpfe spielen sich wie ein Twin-Stick-Shooter bei dem ihr gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen rennen und schießen könnt. Außerdem bietet euch das Spiel eine Ausweichrolle mit der ihr euren Gegnern mit etwas Glück ausweichen könnt. Dank Limonade und Klebeband lassen sich auch Leben und Rüstung wieder auffüllen. Die Matches spielen sich aufgrund der großen aber nicht riesigen Karte vergleichsweise schnell und sind in der Regel nach zehn bis 15 Minuten vorbei, wenn ihr denn so lange durchhaltet und nicht vorher besiegt wurdet. Da aber auch Niederlagen mit Erfahrung und gelegentlichen kosmetischen Items belohnt werden und die Wartezeit zum nächsten Match nie lang ist, kommt im Spiel nur selten Frust auf.

Weniger Tiefgang, gleicher Spaß

Der Wegfall einer Dimension erfordert von 3D-Battle-Royale-Veteranen ein gewisses Umdenken. Denn ohne Zoom und mit einer zentrierten Sicht auf den eigenen Charakter sieht jeder Spieler das gleiche und althergebrachte Taktiken wie Snipern oder Campen funktionieren in diesem Spiel nur sehr begrenzt. Stattdessen setzt Super Animal Royale auf schnelle Schuss- und Waffenwechsel sowie den cleveren Einsatz von Granaten und Sicht-blockierenden Objekten wie Häusern oder Felsen. Denn trotz der Draufsicht, werden euch immer nur die Gegner angezeigt, die euer Charakter auch selber sehen könnte, wodurch sich regelmäßig Gelegenheiten für einen Hinterhalt oder eine Flucht ergeben. So entwickelt der Titel eine ganz andere Dynamik, als seine 3D-Kollegen, da ihr zwar kaum noch Sorgen vor einem Schuss in den Rücken haben müsst, dafür aber umgekehrt auch nicht mehr hinterrücks angreifen könnt. Das wird Freunden der 3D-Varianten vielleicht weniger gefallen, macht den Titel für Neulinge und jene, die nur ein paar entspannte Runden zwischendurch spielen möchten aber umso ansprechender. 

Free2Play aber kein Pay2Win

Auf der Nintendo Switch gibt es mittlerweile eine Sammlung von Titeln, die kostenlos alleine oder gegen andere Menschen gespielt werden können und dafür zum Teil nicht einmal eine Nintendo Online Mitgliedschaft benötigen. Super Animal Royale gehört nun zum Glück für alle, die den Titel einfach einmal ausprobieren wollen, zu diesen Spielen und kann direkt aus dem Eshop heruntergeladen werden.

Da Programmierer aber auch Miete zahlen müssen, bietet das Spiel euch mit Mikrotransaktionen die Möglichkeit, dann doch noch den einen oder anderen Euro in das Spiel zu investieren, um besondere kosmetische Gegenstände freischalten zu können. Nötig ist das nicht, denn keiner der Gegenstände gibt euch irgendeinen Vorteil im Spiel und auch die nutzbaren Tiercharaktere müssen von allen Spielern auf dem gleichen Weg und frei von Bargeld freigeschaltet werden. Außerdem gibt es (wie so oft in kostenlos erhältlichen Spielen) noch eine zweite Währung, die ihr durch das Spielen von Partien erhaltet und ebenfalls für andere, nicht ganz so ausgefallene Gegenstände ausgeben könnt. Es gibt also genug Alternativen und das Spiel hält sich insgesamt mit aufdringlich blinkender Werbung und großen Bannern, die man erst schließen muss zurück. Womit der Titel einen sehr angenehm unaufdringlichen Eindruck abliefert. Dennoch ist ein wenig Vorsicht angebracht: Das Spiel ist dermaßen kinderfreundlich gestaltet, dass es wohl den einen oder anderen jungen Spieler dazu verleiten könnte, das gesparte Taschengeld in ein paar hübsche Texturen zu investieren. Wer das verhindern möchte, sollte den Zugang zum Eshop mit einem Passwort sichern, oder das Gespräch mit den Sprösslingen suchen. 

Crossplay, Cross-Save, aber noch keine Cross-Gruppen

Pixile Studios hat sein Spiel nicht nur auf allen größeren Plattformen herausgebracht, sondern arbeitet offenbar auch daran, es auf allen Plattformen gleichermaßen beliebt zu machen. Dementsprechend wurden direkt mit der Veröffentlichung des Spiels eine Crossplay und Cross-Save Funktion entwickelt, sodass ihr nicht nur gegen Spieler auf allen Plattformen spielen könnt, sondern, nach der Erstellung eines Accounts im Spiel, auch fließend zwischen allen verfügbaren Plattformen wechseln könnt und dabei immer Zugriff auf euren aktuellen Spielfortschritt habt. Das funktioniert bei freigeschalteten Tieren, Gegenständen, Leveln und der im Spiel verdienten Währung reibungslos. Nur die für Echtgeld gekaufte Währung scheint aktuell noch an die Plattform auf der man sie gekauft hat gebunden zu sein, sodass ihr hier ein wenig vorplanen solltet, ehe ihr Geld auf unterschiedlichen Plattformen sinnlos ausgebt.

Die Crossplay-Funktion kann im Hauptmenü vor dem Start eines Matches schnell und einfach (de)aktiviert werden und gibt euch die Gelegenheit, gegen Spieler auf anderen Plattformen anzutreten, was aber nicht immer empfohlen werden kann, da zum Beispiel PC Spieler mit Mouse und Tastatur in der Regel einen kleinen Vorteil beim Zielen haben. Dafür habt ihr hier aber ausschließlich echte Spieler mit denen ihr euch messen könnt. Stellt ihr Cross-Play dagegen ab und spielt nur auf den aktuell noch nicht allzu vollen Switch-exklusiven Servern, wird die Lobby in der ihr vor den Partien auf andere Spieler wartet nach ein bis zwei Minuten mit Bots aufgefüllt, die als Gegner durchaus bedrohlich, aber halt keine echten Menschen sind.

Ein Feature, das die Entwickler sich gerade noch ansehen und hoffentlich bald nachreichen, ist die Möglichkeit, plattformübergreifende Gruppen mit Freunden zu bilden. Da so etwas in anderen Spielen, wie zum Beispiel Rocket League, aber schon ohne Probleme möglich ist, ist ein wenig hoffen und warten sicher nicht verkehrt. 

Gut, aber noch nicht perfekt

Technisch macht Super Animal Royale eine durchaus anständige Figur und schwächelt auf der Nintendo Switch nur in der Flugsequenz in der ihr über die Arena fliegt ein wenig, wenn das Geschehen zeitweise mit weniger als 20 Bildern pro Sekunde dargestellt wird. Am Boden, im eigentlichen Spiel läuft dann aber alles flüssig und problemlos. Aufgrund der Cartoon-Grafik bleibt die Switch an dieser Stelle dann auch nicht hinter den anderen Plattformen zurück und stellt das Geschehen so hübsch wie ein PC, wenn auch nicht mit der gleichen Framerate dar. Auch in allen anderen Belangen wie der Steuerung und der Akustik schlägt sich die Switch-Version sehr gut und war mit einer Latenz von durchschnittlichen 20 Millisekunden flink mit den Servern des Spiels verbunden. 

Fazit:

Mit seinem neuen Werk machen die Entwickler von Pixile Studios vieles richtig und bereichern den Markt der Battle-Royale-Shooter um einen Titel, der vielleicht gerade aufgrund seiner Einfachheit und der damit verbundenen niedrigen Lernkurve neue Spieler an das Genre heranführen kann. Der kostenfreie Einstieg und die Cross-Play und -Save Funktionen machen den Titel zu einem kurzweiligen Multiplayer Vergnügen, das man problemlos zwischendurch für ein paar Runden spielen und dann auch wieder zur Seite legen kann, aber nicht muss. Eltern sollten sich bewusst sein, dass das Spiel mit seiner Zugänglichkeit und den möglichen Mikrotransaktionen ein gewisses Potential hat, Kindern das Taschengeld aus der Tasche zu ziehen und sollten mit diesen entweder vorher ein entsprechendes Gespräch führen oder den Eshop mit einem Passwort sichern.

Davon abgesehen ist Super Animal Royal aber ein toller kleiner Titel, den jeder, der dem Genre einmal eine Chance geben wollte, gerne einmal auf der Plattform seiner Wahl ausprobieren sollte. 

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version
Wir danken den Pixile Studios für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

8.0

Robert Emrich meint:

"Kleine Tiere, große Knarren und Bananen auf denen Feinde ausrutschen können. Was will man mehr?"
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Gut

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