NplusX Photo Mode #6

Von Die Redaktion am 19. September 2021

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

In NplusX Photo Mode zeigen wir euch besonders schöne, lustige oder spannende Bildschirmfotos und wollen euch mit kurzen Anekdoten dazu unterhalten, Diskussionen anzetteln oder euch unbekannte Spieleperlen näherbringen.

Nico: Für ein Seminar über psychische Krankheiten habe ich vor einiger Zeit mal eine Präsentation über ein bestimmtes Level in What Remains of Edith Finch gehalten. Der meiner Meinung nach bislang beste "Walking Simulator" behandelt in kleinen Abschnitten die Geschichten der einzelnen Mitglieder der Familie Finch, die allesamt an mentalen Problemen litten. Lewis, der Fließbandarbeit in einer Fischfabrik erledigt, hängt seinen immer lebendiger werdenden Tagträumen nach. Diese überlappen sich zusehends mit den Geschehnissen der echten Welt und nehmen schließlich beinahe die gesamte Aufmerksamkeit des Jungen in Anspruch. Die Entwickler des Spiels vermittelten die behandelte Krankheit durch das Vorlesen des Briefes, den Lewis Mutter von seiner Psychiaterin bekam. Das Gameplay spiegelt dabei ganz hervorragend die langsame Eskalation der Krankheit wider, indem der Spieler fast bis zum Ende der Geschichte zwei Aufgaben parallel bewältigen muss. Während anfangs noch das Köpfen der Fische im Vordergrund steht, nimmt die Steuerung des imaginären Lewis immer mehr Aufmerksamkeit in Anspruch, je weiter dessen Reise voranschreitet. Die Fantasie-Welt entwickelt sich dabei ebenfalls voran, von einem anfänglich aus Text und Linien bestehenden Labyrinth über einen 2,5D-Dungeon bis hin zur 3D-Welt, die zum Schluss sogar aus der Egoperspektive betrachtet wird. Die völlige Realitätsflucht ist somit perfekt.

Es gibt natürlich viele Spiele, die die unterschiedlichsten psychischen Besonderheiten und mentalen Probleme thematisieren. Ob solche Werke bei einer Therapie helfen können, hängt dabei natürlich immer vom individuellen Spieler ab - jeder hat schließlich seine ganz eigene Geschichte und seine eigenen Probleme. So berichten beispielsweise viele Spieler des emotionalen Dramas Depression Quest, dass das textbasierte Spiel ihnen mit ihren Problemen helfen konnte, mindestens genauso viele Gegenstimmen dazu existieren aber auch. Daran merken wir aber: Videospiele sollten aufgrund ihrer jetzt schon vorhandenen Vielfältigkeit zu diesem Thema auf jeden Fall mit in derartige Therapien einbezogen werden. Und wenn sie sich dann spielerisch noch so erfinderisch zeigen wie What Remains of Edith Finch, dann ist das auch eine gute Sache für die Glücklichen unter uns, die Games einfach nur zum Spaß zocken.

Jerry: Ich kann mich Nico nur anschließen und What Remains of Edith Finch wärmstens empfehlen. Ob das Spiel bei einer Therapie helfen könnte, hab ich mich aber ehrlich gesagt noch nie gefragt. Das Spiel ist für mich wie ein modernes Märchen, oder eher wie eine Serie ebensolcher und dadurch auf skurrile Art wunderbar unterhaltsam, selbiges gilt aber natürlich auch für Unmengen anderer Spiele, unabhängig vom behandelten Thema. Jedes Videospiel bietet uns eine Gelegenheit zur Realitätsflucht und lässt uns in fremde Welten eintauchen, häufig durch die Augen einer fremden Person oder sogar eines Tieres. Vor einiger Zeit habe ich hier in NplusX Photo Mode ein Bild aus dem Spiel "Ghost of a Tale" gepostet. Das Spiel lässt uns in die Haut einer Maus schlüpfen und eine mittelalterliche Burg erkunden. Ich hab noch einige weitere Screenshots aus Ghost of a Tale auf meiner Festplatte, denn Mäuse, Ratten, Frösche und andere Tierchen in lustigen Kostümen sind schlicht und einfach putzig und ich möchte euch irgendwann noch das ein oder andere Bild aus dem Spiel zeigen, aber nach dem Lesen von Nicos Text habe ich mich für diese Ausgabe von Photo Mode stattdessen für einen Screenshot aus Resident Evil Village entschieden. Wir müssen an den kleinen Dingen im Leben Freude haben. Corona- und Klimakrise, Hochwasserkatastrophen, diverse Kriege und andere Dinge gestalten die täglichen Nachrichten im Fernsehen nicht wirklich heiter, aber den allermeisten von uns geht es doch eigentlich prima. Manchmal scheint es nur schwer, den eigenen Blick auf das Positive zu lenken, wie hier auf Omas Lieblingsteller, der mitten im Sumpfgebiet von Resident Evil Village zwischen all den Trümmern der umliegenden Gebäude wie durch ein Wunder heil und sauber geblieben ist...

Robert: Ich war als Kind immer ein Fan der alten Disney Cartoons. "Steamboat Willie" und alle darauf folgenden Werke haben mich trotz oder vielleicht auch gerade wegen der technischen Grenzen mit denen die Zeichner leben mussten, immer fasziniert und auch heute noch haben handgezeichnete Spiele, Filme und Comics immer einen besonderen Platz in meinem Herzen (ganz besonders dann, wenn auch noch analog mit Stiften auf Papier gezeichnet wurde).

Außerdem war ich ein Kind des Zeitalters in dem Videospiele ihren Weg erstmals in die Häuser und Wohnungen der Spieler schafften und mit einem wohligen Schauer erinnere ich mich an die Spiele, die uns damals vorgesetzt wurden. Einige wenige waren toll, viele waren schlicht furchtbar und die meisten waren nach allen Maßstäben viel zu schwer. Was natürlich bis zu einem gewissen Grad Absicht war, denn mit ein paar Duzend Kilobyte Platz auf einem Speichermodul mussten die Spiele ja trotzdem lange genug unterhalten können, um ihre Preise rechtfertigen zu können. So dauerte es bei Super Mario Land, einem Spiel, das man mit etwas Übung in einer Mittagspause durchspielen kann, Tage und Wochen bis wir es zum ersten mal bis zum Abspann geschafft hatten. Und wer es geschafft hatte, kannte das Verhalten der Gegner in den ersten Leveln meistens schon auswendig, weil man es sich bis zu einem gewissen Grad einfach merken musste. Aber wir fanden es toll.

Cuphead verbindet für mich diese beiden Erinnerungen in einem Werk und während der spielerische Teil des Titels in mir sehr ambivalente Gefühle weckt (ich hasse es, dass ich das Spiel liebe), gefällt mir die Grafik so unglaublich gut, dass sich sogar das offizielle Buch "The Art of Cuphead" in meinem Bücherregal befindet. Und um ganz ehrlich zu sein: Das Buch befand sich schon eine gute Weile vor dem Spiel in meinem Besitz.

Ihr habt auch einen tollen Screenshot geschossen? Dann schickt uns das Bild samt kurzem Begleittext zu! Dafür könnt ihr entweder das Forum nutzen oder einem unserer Redakteure eine private Nachricht schicken.

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2 Kommentare:


GF0P
vor 1 Monat | 1
Es freut mich diese Rubrik wieder hier zu sehen. Ich habe mich schon gefragt was daraus geworden ist!
Schade nur, dass die Screenshots so klein sind, gerade bei sehr dunklen Szenen, wie z. B. dem Resishot kann man keine Details erkennen.
Gibt es keine Möglichkeit eine Vollbildansicht zu implementieren? Das wäre super!

2null3
vor 1 Monat | 0
Da hast Du bei diesem Format natürlich recht: Wenn es um Bilder geht, sollten wir die irgendwie auch größer darstellen können. Aber da muss Lars mal gucken, was gemacht werden kann. In jedem Fall ein sinnvoller Vorschlag.