Test: Monster Harvest

Von Robert Emrich am 31. August 2021

Wir züchten Monster aus Pflanzen und schon haben wir den Salat.

Von den Entwicklern des kleinen Studios Maple Powered Games bekommen wir das Spiel Monster Harvest, das sich als Mischung aus Spielen wie Stardew Valley und Pokémon versucht. Ob das klappt und ob ihr euch das Spiel als Fans der genannten Vorbilder kaufen solltet, haben wollen wir für euch herausfinden.

Schleim oder nicht Schleim

Keine Frage: Euer Onkel ist ein verrücktes Genie. Durch seine Experimente, bei denen er Pflanzen und den Schleim von Monstern kombinierte, schuf er sogenannte “Pflanztiere”, also Tiere, die wie Pflanzen aus der Erde wachsen. Diese Entdeckung löste natürlich einiges an Aufsehen aus und euer Onkel war plötzlich ungemein gefragt. In Windeseile bildete sich eine kleine Stadt rund um sein Labor. Selbstverständlich hatte dieser mit all den Forschungen und dem Ruhm kaum noch Zeit für die Bewirtschaftung seiner alten Farm. Und so fragt er euch in einem Brief, ob ihr nicht an seiner Stelle die Farm leiten wollt, auf der ihr schon in Kindertagen so gerne Zeit verbracht habt. Jugendlich flexibel im Lebenswandel sagt ihr natürlich sofort zu und steht jetzt auf der alten Farm, um dieser zu neuem Glanz zu verhelfen und ein großer Pflanztierzüchter zu werden.

Ausdauernd Ausdauer verplanen

Die Tage in Monster Harvest folgen keiner festen Zeitvorgabe, sondern richten sich nach euren Aktivitäten und damit der Ausdauer eures Charakters. Morgens nach dem Aufstehen ist der Energiebalken noch komplett voll, doch schon einige Minuten Holzhacken, Steine zertrümmern oder Feldarbeit reichen aus, um die Leiste komplett zu leeren, sodass ihr ab diesem Zeitpunkt für den Rest des Tages keiner körperlichen Arbeit mehr nachgehen, dafür aber noch in der Stadt herumlaufen und mit den anderen Charakteren interagieren könnt. Lebensmittel in eurem Inventar können die Ausdauer geringfügig wieder aufladen, doch im Grunde genommen ist euer Tag an diesem Punkt in den meisten Fällen vorbei und es wird Zeit zu schlafen.

Vor dem Einschlafen überlässt euch das Spiel die Wahl, ob ihr nach Einbruch der Dunkelheit noch einmal aufstehen und die Nacht mit ein wenig Erholung unsicher machen wollt, oder lieber einfach gleich ganz bis zum nächsten Morgen durchschlaft. Diese Entscheidung ist wichtig, denn Dungeons können in der Region rund um Pflanzheim nur in den Nachtstunden besucht werden. Da eure Ausdauer, wenn ihr Nachts nochmal aufsteht nur zu einem kleinen Teil aufgefüllt wird, kommt an dieser Stelle etwas strategische Planung ins Spiel: Verbraucht ihr alle Energie schon am Tag auf dem Feld oder arbeitet ihr lieber nur ein wenig, um dann mit umso mehr Energie in die Dungeons zu ziehen? Wie ihr euch Nacht für Nacht entscheidet, ist komplett euch überlassen und viel falsch machen könnt ihr nicht. So oder so wacht ihr, nachdem ihr in der Nacht noch einmal ins Bett gehuscht seid, am nächsten Morgen mit voller Energie und bereit für den neuen Tag auf.

Auf dem Feld ackern

Das Leben auf der Farm mag zwar anstrengend sein, aber es lohnt sich. Ist das an das Haus grenzende Feld erst einmal von Bäumen und Felsen befreit, könnt ihr euch hier mit dem Saatgut, das ihr in der Stadt kaufen oder in Dungeons finden könnt beliebig ausleben. Durch all eure Aktionen sammelt ihr Erfahrungspunkte und steigt Level auf, die euch zwar nicht stärker machen, dafür aber Baupläne für Zäune, Vogelscheuchen, Wege und anderes nützliches Zeug, mit dem ihr eure Farm aufwerten könnt, freischalten. Außerdem finden sich mehrere Grundsteine für Gebäude, die ihr mit der entsprechenden Menge Materialien und Geld bauen und dann weiter aufwerten dürft. Dass alle Gebäude feste Plätze haben und ihr eure Farm dementsprechend nicht komplett selber gestalten könnt, ist ein wenig schade. Immerhin ist euch aber das Einrichten eures Wohnhauses frei überlassen.

Die Feldarbeit läuft ähnlich wie bei den meisten Spielen dieser Art ab: Einpflanzen, ein paar Tage lang täglich gießen (oder sich an Regentagen über die gesparte Energie freuen) und dann ernten. Pure Saat bringt verschiedene Obst und Gemüsesorten, die ihr verkaufen oder weiterverarbeiten könnt. Spannend wird es aber, wenn ihr eure Saat mit den sechs verschiedenen Schleimsorten behandelt, die ihr in der Welt finden, herstellen oder kaufen könnt. Während euch die ersten Kombinationen mit einfachen Kämpfern für die Dungeons versorgen, erschaffen spätere Versuche teure Nutztiere wie Pflanz-Hühner und Pflanz-Schweine oder sogar Reittiere mit denen ihr schneller durch die Gegend reisen könnt. Noch ein wenig vielschichtiger wird es durch die drei zyklisch wechselnden Jahreszeiten, in denen immer andere Pflanzen aufgezogen werden können. So könnt ihr insgesamt 72 unterschiedliche Pflanztiere finden und aufziehen, sofern ihr die Geduld dazu habt.

Im Gewölbe kämpfen

Die Dungeons in der Region um Pflanzheim bilden das zweite Kernelement des Spiels und bieten euch zum einen die Möglichkeit, an viele zum Teil anders nicht erhältliche Ressourcen zu kommen und zum anderen die Gelegenheit, eure Monster im Kampf hochzuleveln. Dabei arbeitet ihr euch durch die immer rechteckigen Räume eines prozedural generierten Dungeons, baut die verteilt liegenden Ressourcen nach Bedarf ab und bekämpft böse Pflanztiere mit euren eigenen Pflanztieren. Jedem eurer Tiere stehen je nach Level des Tieres ein bis drei unterschiedliche Angriffe zur Verfügung, mit denen es auf euren Gegner eindrischt. Das Tier, dessen Lebensbalken zuerst leer ist, verliert. Sollte euer Pflanztier unterliegen, steigt direkt der nächste eurer Begleiter in den Kampf ein und setzt diesen fort. Ist der letzte eurer Begleiter besiegt, werdet ihr aus dem Dungeon geworfen. Anders als in anderen, vergleichbaren Spielen sind eure Optionen als Trainer sehr begrenzt. Ihr könnt weder aufgeben noch eine Runde aussetzen oder weglaufen. Alle Kämpfe enden erst mit dem Ableben eines Pflanztieres und ja, auch eure Tiere sterben und sind nach dem Tod verloren. Das klingt hart, aber jeder eurer toten Begleiter hinterlässt Herzen, mit denen ihr den Boden eurer Farm aufwerten könnt, sodass neue Pflanztiere direkt mit einem höheren Level geboren werden. Auch könnt ihr außerhalb des Kampfes die Reihenfolge, in der eure Begleiter auf den Gegner treffen immer wieder ändern und bereits angeschlagene Tiere damit in der Kampfreihe nach hinten bringen. Lebenspunkte der Tiere regenerieren sich zwar nur über Nacht, doch so kann man seine liebsten Kartoffel-Mutanten schützen. Zuletzt habt ihr noch ein vergleichsweise nutzloses Schwert im Inventar, mit dem ihr nur beeinflussen könnt, ob euer Monster zuerst angreift oder nicht. Das wirkt als Mechanik ein wenig dürftig, zumal euer Schwert keinen Schaden verursacht, funktioniert aber in den meisten Fällen.

Überall unterwegs

Wenn ihr nicht auf eurer Farm arbeitet oder Dungeons unsicher macht, bewegt ihr euch früher oder später durch Pflanzheim und seine umliegenden Gebiete, die voll mit allen möglichen skurrilen Charakteren sind. Einige treiben Handel, andere haben hin und wieder einen Ratschlag für euch. Fast alle sind euch wohl gesonnen - ein Zustand, der mit Geschenken für die Bewohner sogar noch gesteigert werden und dann Boni wie Rabatte bei Einkäufen freischalten kann.

Regelmäßig (und in einem jederzeit aufrufbaren Kalender gut erkennbar) finden kleine Events statt, bei denen sich zum Teil neue Spielinhalte freischalten lassen. Aber auch so sorgt das Spiel alle paar Tage dafür, dass etwas Neues in der Welt passiert. Forscher können außerdem für ein wenig Gold weitere Gebiete rund um Pflanzheim freiräumen lassen und in ihnen weitere Charaktere und Abenteuer finden. 

So kommt es, dass man in Monster Harvest viel zu tun hat und dies trotz der Gefahr der vermeintlichen Monotonie auch nach ein paar Stunden noch gerne tut. Viel zu oft kam uns während des Tests der Gedanke, nur noch schnell einen Tag zu spielen, wobei ein einzelner Tag dank der vielen Möglichkeiten problemlos eine halbe Stunde Echtzeit dauern kann. Dementsprechend ist es schwer, eine genaue Schätzung für die Spieldauer des Titels abzugeben. Freunde des Genres können sicher einige dutzend Stunden auf dem Feld verbringen. 

Zu viele Schädlinge ruinieren das Gemüse

Wer jetzt Lust auf eine kleine Runde mit den eigenen Monstern bekommen hat, sollte bei der Switch-Version des Spiels aktuell allerdings noch den einen oder anderen Patch abwarten. Denn im Spiel tummelt sich, bei aller Liebe zum Handwerk, ein ganzes Sammelsurium kleiner und größerer Bugs. Die Probleme fangen im Spielmenü bereits bei der Eingabe des Charakternamens mit einem schwer erkennbaren und hypersensiblen Cursor an und gehen später mit einem kaum erreichbaren “Dungeon verlassen” Button weiter.

Ein anderer Button zum Überspringen von Zwischensequenzen reagiert auf keinerlei Eingaben, und zu kleine Textfenster sorgen gelegentlich dafür, dass mehrere Wörter unlesbar übereinander liegen. Einige der Texte wurden zu allem Überfluss offensichtlich nicht von Menschen übersetzt, und beim Betreten eines prozedural generierten Dungeons wurden wir einmal unbeweglich in eine Wand teleportiert und mussten den Dungeon über den bereits erwähnten Button direkt wieder verlassen. Solche und ähnliche Probleme gehören jedoch noch zu den witzigeren Fehlern, denen wir begegnet sind und lassen sich ebenso wie die viel zu schnell und ruckhaft animierten Kämpfen, die dadurch auch irgendwie defekt wirken, noch gut verzeihen.

Nachdem man sich an das Menü gewöhnt hat, macht die Arbeit auf der Farm nicht nur aufgrund des tollen Soundtracks viel Spaß. Aber auch mit noch so viel Nachsicht, kann man dem Spiel nicht nachsehen, dass das Speichern des Spielstandes nicht immer richtig funktioniert. Dadurch kann euer aktuelles Spiel unter Umständen unspielbar werden. Im Rahmen unseres Tests ist uns das leider mehr als nur ein Mal passiert, und so können wir für den Augenblick zumindest die Switch-Version des Titels trotz zweifellos vorhandener Qualitäten nicht empfehlen. Sollten Patches einige der Fehler beheben, passen wir gegebenenfalls auch unsere Wertung entsprechend an.

Fazit:

Monster Harvest verbindet Elemente aus Spielen wie Stardew Valley und Pokémon zu einem unterhaltsamen und kurzweiligen Spiel. Grafik und Sound wissen zu gefallen und auch viele der Spielmechaniken wurden überlegt genutzt, sodass der Alltag auf dem Bauernhof auch nach diversen Stunden immer noch viel Spaß machen kann.

Leider enden die Gemeinsamkeiten an dieser Stelle aber auch schon wieder, da Monster Harvest den qualitativen Standard seiner Vorbilder trotz vorhandenen Potentials nicht erreicht. Zu viele technische Fehler in verschiedenen Bereichen des Spiels vermitteln leider den Eindruck, als wäre zumindest die Nintendo-Switch-Version eher hektisch durchgepeitscht, als gezielt geplant worden, sodass der Titel aktuell wirklich nur für frustresistente Genre-Fans, die etwas Neues suchen, interessant ist.

Allen anderen empfehlen wir auf einen Patch zu warten, sich nach einem Test für eine andere Plattform umzusehen, oder einen der anderen artverwandten Titel auszuprobieren.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version
Wir danken Merge Games für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

4.5

Robert Emrich meint:

"Monster Harvest hat viel Potential, aber in der Switch-Version zum Teil gravierende Fehler, die noch ausgebessert werden müssen."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Mangelhaft

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