Test: Gelly Break Deluxe

Von Nico Zurheide am 30. August 2021

Oder: Wenn nur zwei Drittel des Namens stimmen.

Der Koop-Platformer Gelly Break von ByteRockers Games erschien im November 2018 bereits auf allen gängigen Systemen und kam nun in einer "Deluxe"-Version erneut auf den Markt und damit auch auf die Nintendo Switch. Diese Info ist ob der Grafik des Actionspiels nicht unerheblich, könnte man hier beim ersten Blick doch von einer simplen Handyspiel-Portierung ausgehen. Das aber klingt wie eine Beleidigung und würde dem Gameplay von Gelly Break Deluxe nicht unbedingt gerecht werden.

Denn wir übernehmen hier die beiden wabbligen Blobs Gel und Lee, die ihrerseits stets zusammenhalten müssen, um den bösen Evil Blob aufzuhalten. Das Zusammenspiel von Gel und Lee beziehungsweise von euch und eurem Spielpartner steht hier ständig im Fokus, denn nur durch Kooperation lässt sich der - nun, kooperative - Platformer meistern. Bewegen können sich die beiden Klumpen zwar auch unabhängig voneinander, die meiste Zeit jedoch wird der eine auf dem Kopf des anderen herumgetragen. Nur so lassen sich die meisten Platforming-Passagen überwinden und ausschließlich der obere Blob kann Schleimklumpen verschießen, die den zahlreichen Gegnern den Garaus machen können.

Wirklich gefährlich sind die undefinierbaren und oft nur von links nach rechts schwebenden Feinde freilich nicht. Beide Spieler teilen sich einen gemeinsamen Lebensbalken, der bei Kontakt mit den Gegnern oder Stürzen in einen Abgrund nur ein wenig schrumpft. Heilitems sind großzügig in den Leveln verstreut und sollte der Balken doch einmal komplett verschwinden, zerstört der Reset nicht wirklich viel vom Spielfortschritt. Wichtiger ist das Stapeln der Blobs da schon aufgrund der farblich auf die beiden Charaktere abgestimmten Plattformen, die jeweils nur vom passenden Klumpen betreten werden können. Dieses Feature wird anfangs zwar noch behutsam eingeführt, dann aber schnell so kompliziert, dass eine gute Absprache zwischen den Spielern nötig ist. Schnelle Wechsel innerhalb eines Sprunges sorgen für so manchen Hirnknoten, dann aber auch für ein schönes Gemeinsamkeitsgefühl, wenn eine besonders knifflige Passage überwunden wurde.

Leichte Kost und deftiger Nachschlag

Die spärlich gesäten schwierigen Abschnitte bekommen darüber hinaus noch eine wohl ungewollte Würze, denn die eher schwammige Steuerung der Blobs und die oft suboptimal platzierte Kamera sorgen für so manche Frustmomente. Vor allem wenn es über mehrere kleine Plattformen geht und dabei auch noch zeitlich Druck gemacht wird, etwa durch einen großen Ventilator an der Seite, könnt ihr euch schonmal auf ein saftiges Stück der Instant-Respawn-Torte freuen. Auf größeren Ebenen geht die Steuerung zwar problemlos von der Hand, aber wenn ein Genre auf die Steuerung größten Wert legen sollte, dann ist es das der Platformer.

Der eher moderate Schwierigkeitsgrad der Level spiegelt sich auch in den Bosskämpfen wider. Von den 22 Leveln sind sechs lediglich Arenen für die Bosse, jeweils eine für jede der sechs Welten. Auch hier wird das bewährte Spielprinzip angewandt, was heißt, dass ein Spieler steuert und hüpft und der andere ohne Pause auf den großen Gegner ballert, bis dieser zusammenbricht. Der Indikator für das Voranschreiten eines Bosskampfes ist hier stets die Veränderung der Arena, die in den meisten Fällen immer kleiner wird, bis der Kampf vorbei ist.

Während die Bosse für das Abschließen der Story verständlicherweise obligatorisch sind, gibt es abseits des Hauptpfades oft noch versteckte Gellies, je drei pro Level. Diese können eingesammelt werden, um optionale Level freizuschalten, die einerseits etwas schwerer zu bewältigen sind und die ansonsten karge Spielzeit von nur ein paar Stunden noch ein wenig nach oben schrauben, andererseits aber auch keine Belohnung für ihr erfolgreiches Abschließen bieten. Eine nette Dreingabe für alle, die nach oder neben der Hauptstory noch ein bisschen mehr zusammen jump'n'gunnen wollen.

Wie viel Koop ist zu viel Koop?

Das "zusammen" wird auch von der Kamera sehr wörtlich genommen, einen Splitscreen gibt es nämlich nicht. Während der linear verlaufenden Level bleibt die Kamera meist recht starr und bietet damit generell eine gute Übersicht. Oft verdecken aber höher liegende Objekte leider die Sicht auf den Pfad und werden auch nicht transparent, wenn ein Blob sich hinter ihnen befindet. In etwas breiteren Arealen sollten sich Gel und Lee am besten nicht zu weit voneinander entfernen, weil die Kamera sich auf Player 1 konzentriert. Das wäre nicht weiter tragisch, wenn der zweite Spieler dann wie etwa in Super Mario 3D World in einer Blase zum ersten Spieler transportiert wird. Dem ist hier aber nicht so, sodass der zweite Spieler solange blind abseits des Bildschirms umherirren muss, bis er eine Lavagrube oder einen sonstigen Abgrund gefunden hat, in den er sich stürzen kann, um zu seinem Mitspieler teleportiert zu werden. Durch die farbigen Plattformen hat der erste Spieler auch nicht immer die Möglichkeit, seinen Partner mit der Kamera abzuholen, was zu einigen frustigen Momenten führen kann.

Wirklich zu Frust führt die zweckmäßige Unreal-Engine-Optik von Gelly Break zwar nicht, ein Augenschmaus sieht aber definitiv anders aus. Immerhin läuft das Spiel auf der Switch durchgehend flüssig, was für einen Platformer aber immer eine Mindestvoraussetzung ist. Wir gehen aber auch davon aus, dass die Entwickler von ByteRockers generell große Nintendo-Fans sind. Denn die Menümusik des Spiels bedient sich doch stark an dem Theme von Koopa's Road aus Super Mario 64 - ein Remix mit neuen Elementen quasi. Ob gewollt oder nicht, es gibt sicher schlechtere Vorlagen. Übrigens: Das Bildmaterial zu den Switch-Trailern des Spiels stammt von der PC-Version. Auf der Hybridkonsole gibt es etwas weniger Details und Weitblick, was aber beim Spielen nicht weiter stört.

Einen Einzelspielermodus hat Gelly Break Deluxe auch. In diesem können sich Gel und Lee überhaupt nicht unabhängig voneinander bewegen, was sicher eine gute Entscheidung ist. So lassen sich die beiden Protagonisten gut mit einem Stick steuern, während der andere Stick fürs Schießen benutzt wird. Plötzlich ist der Platformer also ein Twin-Stick-Shooter, wobei die sonst schwierigen Platforming-Passagen deutlich leichter werden, weil ihr euch nicht mit einem Mitspieler über das Timing der Sprünge und Wechsel absprechen müsst. Konzipiert wurde das Spiel allerdings eindeutig für die Koop-Erfahrung.

Fazit:

Laut eigener Aussage des deutschen Entwicklers ByteRockers Games ist die Deluxe-Variante von Gelly Break "schöner und größer mit einer richtigen Story und all den Features und Inhalten", die sich die Entwickler schon bei dem 2018er-Release von Gelly Break gewünscht hatten. Das Upgrade gibt es übrigens für Besitzer des Originals völlig gratis. Alle anderen bekommen hier für momentan 19,99 Euro einen recht kurzen Koop-Platformer, der leider wenige echte Höhepunkte bietet. Die eigentlich fordernden Platforming-Passagen, in denen sich beide Spieler gut absprechen müssen, werden durch den Einzelspielermodus ausgehebelt, sodass wir euch empfehlen, das Spiel wenn dann nur zu zweit anzugehen. Dann kann Gelly Break Deluxe durchaus Spaß machen und euch für einen langen Nachmittag auch gut unterhalten - vor allem, wenn euch nach It Takes Two der Sinn nach mehr Koop-Erfahrungen steht.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version
Vielen Dank an ByteRockers Games für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

6.5

Nico Zurheide meint:

"Gel und Lee fehlt es an Feinschliff, so wie es Gelee an Früchten fehlt."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Durchschnittlich
Technik: Gut

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