Test: Kitaria Fables

Von Robert Emrich am 02. September 2021

Ein Action-Adventure mit Farm-Simulator-Elementen und süßen Katzen? Nichts wie ran an den Test!

Gute Couch-Koop Action-Adventure-Spiele sind selten und damit ein kleiner aber äußerst dankbarer Markt. Zwar gibt es gefühlt wenigstens 200 Lego Spiele nebst ein paar weiteren nennenswerten Vertretern, doch letztlich hält kein Spiel für immer und so gibt es einen steten Bedarf für Spiele, die man an einem Sonntagnachmittag entspannt zu zweit auf einer Couch spielen kann. Entwickler Twin Hearts schickt euch mit dem niedlichen Spiel Kitaria Fables als Katze quer durch die Welt und bietet dabei allerlei Abenteuer. Ob und wie viel Spaß man mit dem Titel haben kann, erfahrt ihr hier.

Es war einmal...

Vor langer Zeit, so erzählen es die Legenden, brach eine geheimnisvolle Kalamität über die Welt Canoidera herein und verwandelte vorher friedliche Monster in wilde Bestien. Die Helden der Welt versammelten sich zum Kampf und schafften es letztlich, die Monster zu besiegen, das Böse aus der Welt zu vertreiben und den Frieden wiederherzustellen, der danach bis jetzt anhalten sollte. 

Doch heute, so scheint es, kehrt die Kalamität wieder nach Canoidera zurück und das mittlerweile an den Frieden gewöhnte Volk sieht sich vor dem Problem, dass es aufgrund der mangelnden Nachfrage keine Helden mehr gibt. Und so schickt man zuerst einmal euch und euren treuen Begleiter Macaron in die kleine Siedlung Pfotendorf, in der schon euer Großvater gelebt hat, um die Bürger vor den Monstern zu beschützen.

Auf die Katze, fertig, los

In der Draufsicht steuert ihr Nyan, euren Charakter, durch die Welt, die aus 26 einzelnen Zonen besteht. Die Steuerung ist dabei bewusst einfach gehalten: Per Analogstick steuert ihr Nyan, jeweils eine Taste lässt euch angreifen oder ausweichen und die vier Schultertasten können frei mit Zaubern oder Spezialangriffen belegt werden. Zusätzlich könnt ihr die vier Richtungstasten (das Steuerkreuz auf der Switch Lite und dem Pro Controller) für den Schnellzugriff auf Waffen, Ausrüstung oder heilende Nahrungsmittel frei belegen.

Vergleichbar mit einem Zelda-Spiel bieten euch die Zonen von Canoidera unterschiedliche Regionen beispielsweise mit grünen Wäldern, verschneiten Gipfeln oder Sandstränden. Das alles wird zwar nur in überschaubarem Umfang geboten, da die einzelnen Zonen vergleichsweise klein sind, sieht aber immer gut und stimmig aus. Man merkt den Gebieten an, dass die Designer sie mit Liebe zum Spiel gestaltet haben. Außerdem müssen die Gebiete im Rahmen von Nebenquests oft mehrfach besucht werden, was den Umfang des Spiel subjektiv ein wenig steigert. Durch auffindbare Teleportpunkte und die Möglichkeit, vor den meisten Monstern wegzulaufen, ehe sie angreifen, hält sich das Backtracking aber im unterhaltsamen Rahmen.

Hin und wieder findet ihr Eingänge zu Dungeons, die im Laufe der Handlung freigeschaltet und dann beliebig oft besucht werden können. In ihnen findet ihr, über mehrere Stockwerke verteilt, einen kleinen Haufen Monster, die besiegt werden müssen, um am Ende einem Endboss gegenüberzutreten. Auf Rätsel stoßt ihr in den Gewölben nicht und es macht den Eindruck, als hätten sich die Entwickler an dieser Stelle an Spielen wie der Diablo-Reihe orientiert. Auch findet ihr in den Dungeons keine besonderen Gegenstände, sondern Zutaten, mit denen ihr Waffen, Ausrüstung und Werkzeuge herstellen und aufwerten könnt. Ob und in welchem Maß ihr das macht, ist euch überlassen und richtet sich nach eurem Spielstil. Nahkämpfer können ihr Schwert immer weiter verbessern und Fernkämpfer sich Pfeil und Bogen herstellen und diese dann immer weiter aufwerten. Natürlich können Unentschlossene auch beide Waffentypen nutzen, denn frei von Charakterklassen bestimmt alleine die Ausrüstung den Spielstil. Nur ganz ohne Waffen geht es leider nicht, denn die Mana zum Ausführen von Spezialangriffen und Zaubern lädt sich nur durch erfolgreiche Waffenangriffe auf. Die Zauber, die ihr ebenfalls über Umwege durch Beute von Gegnern erlernt und aufwertet, orientieren sich an den Elementen Erde, Feuer, Wasser und Luft. Auch hier habt ihr die freie Wahl, welchen ihr wann nutzt und jedes Element bietet mindestens einen spektakulären Spruch mit dem ihr die Gegner in Angst und Schrecken versetzen könnt.

Immer ran an die Katz

Die Kämpfe selber verlaufen alle nach einem relativ gleichbleibenden Muster: Während ihr die Monster angreift, bereiten diese in regelmäßigen Zeitabständen selber Attacken vor, die euch durch Bereiche auf dem Boden angezeigt werden, die von der  kommenden Aktion getroffen werden. Zwischen der Einblendung des Bodeneffektes und dem tatsächlichen Schlag/Schuss/Zauber liegt etwa eine Sekunde in der ihr den Bereich schnell räumen solltet, um nicht getroffen zu werden, ehe ihr wieder zum Angriff übergeht. Das mag auf den ersten Blick einfach klingen, kann aber schon bei zwei oder mehr angreifenden Gegnern knifflig werden, wenn alle zeitversetzt angreifen, sodass das Kampfsystem trotz aller Niedlichkeiten im Spiel ein gewisses Reaktionsvermögen benötigt, wenn man nicht sterben möchte. Glücklicherweise hat Nyan aber mehr als die üblichen sieben Leben und nach jeder Niederlage findet ihr euch im Bett eures Hauses am nächsten Morgen wieder.

Du isst was du gießt

Für Ablenkung von den ganzen Kämpfen sorgt der kleine Bauernhof, den ihr von eurem Großvater erbt und der euch ein Feld zur Verfügung stellt, auf dem ihr nach Belieben alle möglichen Feldfrüchte anbauen könnt. Das Saatgut erhaltet ihr von verschiedenen Händlern und alles was ihr erntet, kann entweder verkauft, mit heilender Wirkung gegessen oder weiterverarbeitet werden. Dabei solltet ihr aber immer ein Auge auf der Tageszeit haben, denn 24 Stunden in Canoidera dauern für euch etwa 20 Minuten und viele Dorfbewohner sind nur tagsüber ansprechbar oder zu einem Handel bereit. Trotz all dieser Aspekte lässt Kitaria Fables aber den Tiefgang anderer Farm-Simulationen vermissen und reduziert es auf das pure Anpflanzen, Wässern und Ernten der Feldfrüchte. Haus und Feld bleiben dadurch unberührt und können, anders als eure Katze, nicht modifiziert werden. Nyan steht dazu ein Spiegel im Haus zur Verfügung.

Mit all seinen Vereinfachungen ist der Titel aber immer noch länger, als es zunächst den Anschein hat. Nicht zuletzt dank seiner netten Geschichte, die in vielen Dialogen zwischen den Charakteren erzählt wird. So werden selbst eilige Spieler unter euch etwa acht Stunden zu tun haben, dank der Farm-Elemente kann sich die Spieldauer aber auch problemlos vervielfachen.

Zwei sind stärker als einer

Egal ob ihr bei einem bestehenden Spielstand nicht weiter kommt oder einfach komplett neu anfangt: Vom Hauptmenü aus könnt ihr neben dem Einzelspielermodus auch den Koop-Modus auswählen, um den Monstern so an der Seite eines Mitspielers die Stirn zu bieten. Dabei ist es ein wenig schade, dass der zweite Spieler nicht einfach dynamisch in einem bestehenden Spiel ein- und aussteigen kann. Tragisch ist es aber nicht.

Außerdem ist es etwas ungewöhnlich, dass das Spiel die Zahl der Gegner oder auch deren Lebenspunkte nicht an die Zahl der Spieler anpasst, sodass man zu zweit zumindest in Theorie doppelt so stark ist. Wobei vermutlich auch das wieder einen gewissen Sinn ergibt. Optisch schreit das Spiel gerade zu danach, an der Seite von Kindern gespielt zu werden, die aber mit Sicherheit gelegentlich auf die automatische Wiederbelebung warten müssen. Es dem anderen Spieler da unnötig schwer zu machen, wäre ja auch nicht nett.

Von zwei Ausnahmen in der Spielmechanik abgesehen betrachtet das Spiel beide gespielten Charaktere als gleichwertig und jeder Spieler hat sein eigenes Inventar, auch wenn ihr euch die verdiente Beute von Quests und Monstern teilen müsst, sodass ein wenig Absprache erforderlich sein kann. Die erwähnten Ausnahmen betreffen die Annahme und Abgabe von Quests, die nur der erste Spieler machen kann (und dafür auch alle benötigten Gegenstände im eigenen Inventar benötigt) und die Tatsache, dass der zweite Spieler zum ersten Spieler teleportiert wird, wenn der Abstand zwischen ihnen zu groß wird. Über die Höhe und Breite des Bildschirms den ihr euch teilt, könnt ihr euch voneinander entfernen, ehe der Zwangsteleport einsetzt. 

Alles für die Katz

Technisch macht Kitaria Fables grundsätzlich einen sehr guten Eindruck. Die Grafik sieht zauberhaft aus und wirkt auch in der Switch-Version so hochauflösend, dass man das Spiel gerne auf einem großen Bildschirm startet. Dazu gesellen sich ein entspannter und gut zum Spiel passender Soundtrack und eine zackige Steuerung. Auf eine Sprachausgabe verzichtet das Spiel komplett. Vermissen wird sie aber vermutlich kaum jemand.

Die Ladezeiten des Spiels wirken auf der Switch ein paar Sekunden länger als man sie bei der geringen Größe der Gebietsabschnitte gerne hätte. Zumal man diese für einige Quests sehr oft und schnell hintereinander wechselt, sodass man gelegentlich den Eindruck bekommt, viel zu viel Zeit im Ladebildschirm zu verbringen. Und auch die leichten Framerate-Einbrüche in Abschnitten mit aufwendiger Darstellung fallen gelegentlich auf. Hier hätte man bestimmt noch ein wenig an dem Spiel feilen können. Schlimm ist aber nichts davon und unspielbar wird das Spiel durch diese leichten Mängel erst recht nicht.

So liegt Kitaria technisch im guten bis sehr guten Durchschnitt, benötigt dafür aber zwingend den Patch, den die Entwickler ab dem 2. September für die Switch zur Verfügung stellen werden. Dieser beseitigt einen schwerwiegenden Fehler beim Speichern des Spiels und sollte von euch noch vor der ersten Runde durch Canoidera heruntergeladen werden, falls ihr das Spiel im Vorverkauf heruntergeladen habt. 

Fazit:

Kitaria Fables hat nahezu alles, um ein Hit im Bereich der familientauglichen Action-Adventures zu werden. Die Grafik ist hinreißend niedlich, die Story trotz fehlendem Tiefgang unterhaltsam und die Kämpfe so gut ausbalanciert, dass sie zwar fordernd, aber bei einer Niederlage nicht deprimierend sind. Auch die Balance zwischen den Farm-Elementen und dem actionlastigen Teil des Spiels wurde gut gefunden. Mit Nebenquests und einigen geschickten Mechaniken sorgen die Entwickler dafür, dass man sich mit beiden Aspekten befassen muss, ohne dafür quälend viel Zeit aufbringen zu müssen. Der Couch-Koop-Modus ist das sprichwörtliche Sahnehäubchen und lädt trotz leichter Einschränkungen für den zweiten Spieler zu einer entspannten Spielrunde mit dem/der Lebenspartner-in oder Kindern ein. Kurz: Kitaria Fables ist ein Titel, den wir euch guten Gewissens empfehlen können, wenn ihr mal wieder auf der Suche nach einem entspannten Koop-Spiel seid und keinen gesteigerten Wert auf erwachsene Settings legt.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wir danken Swordfish PR für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

8.0

Robert Emrich meint:

"Wenn die Tage wieder kälter und nasser werden, liefert Kitaria Fables einen perfekten Grund, um sich darauf zu freuen, die heimisch Couch alleine oder zu zweit zu hüten."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Gut
Technik: Gut

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1 Kommentare:


GF0P
vor 2 Wochen | 1
Katzen? Her damit! Es gibt viel zu wenig Spiele mit Katzen!
Von der Story scheint man sich ein wenig am Background der Witcher Bücher orientiert zu haben.