Test: Spiritfarer

Von Michael Prammer am 13. August 2021

Der Tod als ständiger Begleiter in einem Videospiel. Düstere Aussichten oder doch mehr Licht als Schatten? Unser Test zu Spiritfarer gibt Aufschluss darüber.

Die Geschichte von Spiritfarer ist harter Tobak und eine Grundlage, die in Videospielen nicht alltäglich vorkommt. Wir übernehmen die Kontrolle über Protagonistin Stella, die gleich zu Beginn des Abenteuers auf einen Gesellen trifft, der dem „Sensenmann“ nicht unähnlich sieht. Dieser scheint jedoch kein Interesse mehr an seinem „Job“ zu haben und gibt diesen kurzerhand an Stella weiter. Die Aufgabe von Stella, die sich nunmehr die Seelenfahrerin nennen darf, ist es, die letzte Reise der Verstorbenen zu begleiten und gegebenenfalls deren sehnlichste Wünsche in Erfüllung zu bringen, damit die Dahinscheidenden ihren Frieden finden. Dafür hat sie ein Boot zur Verfügung, mit dem sie über ein mysteriöses Meer umherstreift, um die Sterbenden zu ihrer verdienten Ruhe zu begleiten.

Zwischen Leben und Tod

Was sich im ersten Moment nach einer todernsten Geschichte anhört, mag zwar hier und da zum Nachdenken anregen, ausschließlich traurig oder gar depressiv erzählt ist die Story von Spiritfarer aber nicht. Vielmehr macht sich eine melancholische Stimmung während der ruhigen Seefahrten breit, denn Hektik kommt bei diesem Abenteuer nicht auf. Auf unserem Schiff, das wir im Laufe des Abenteuers durch Sammeln von Ressourcen immer weiter ausbauen, haben wir stets Unterstützung von Gwen, einem Fabelwesen, welches uns nicht nur mit Rat und Tat zur Seite steht, sondern hier und da auch mal einen lockeren Spruch parat hat und die Gesamtstimmung immer wieder aufhellt.

Auf Stellas Reise begegnet ihr auf den unterschiedlichsten Inseln elf Kreaturen, denen allesamt das letzte Stündlein geschlagen hat. Doch bereit zum Sterben ist noch keines der Wesen und so darf Stella ihnen helfen, ihre letzten Wünsche zu erfüllen und gleichzeitig ein Quartier auf dem Schiff anbieten, welches die letzte Reise erleichtern soll. Einer der Passagiere möchte eine gescheiterte Ehe wieder ins Lot bringen, während ein anderer Angst vor dem Alleinsein hat und Freunde sucht. Die Aufgaben sind stets abwechslungsreich und durch die unterhaltsamen Dialoge mit den Charakteren lernt man diese nicht nur besser kennen, sondern löst auch deren Aufgaben. Dadurch baut ihr zum Ende der knapp 25 bis 30 Stunden dauernden Hauptstory fast schon eine emotionale Bindung zu den Wesen auf und der Abschied am Ende fällt nicht einfach.

Gelungener Genre-Mix und schöne Präsentation

Neben den Belangen der Reisebegleiter bietet Spiritfarer ein tolles Craftingsystem. Auf den unterschiedlichen Inseln gibt es nämlich allerhand zu entdecken und einzusammeln, was im weiteren Spielverlauf nützlich werden kann. Neue Zutaten, Obst, Gemüse und vieles mehr werden zu neuen Rezepten verarbeitet und können verzehrt werden, was wichtig ist, da Stella nicht ohne Nahrung ihrer Aufgabe nachkommen kann. Andere Ressourcen wie Holz und Metall werden für den Schiffsbau benötigt, da das Boot schnell ausgebaut werden muss, um weitere Passagiere aufnehmen zu können. So ergibt sich ein toller Mix aus Simulation und Adventure, welcher stets motiviert und von einer sehr vielschichtigen Story begleitet wird. 

Die Präsentation des Spiels stellt ein weiteres Highlight dar und so zeigt sich Spiritfarer in einem wunderschön gezeichneten Grafikstil, der einfach wie sprichtwörtliche die Faust aufs Auge passt. Dazu leistete sich das Spiel während des Tests keinerlei Schnitzer, lief stets butterweich und stellte die betagte Hardware der Nintendo Switch vor wenig Probleme. Die musikalische Untermalung sowie die Soundeffekte fügen sich ebenfalls absolut stimmig ins Gesamtpaket und lassen lediglich die fehlende Sprachausgabe beinahe vergessen.

FAZIT:

Spiritfarer behandelt ein ganz schwieriges Thema und schafft es dennoch daraus ein wirklich einzigartiges, fast schon herausragendes Spielerlebnis zu kreieren. Die Story nimmt den Spieler von Beginn an mit, lässt ihn zwischenzeitlich auch nie los und fesselt ihn bis zum emotionalen Ende der Reise. Wer sich vollends darauf einlässt bekommt wirklich eine malerische Reise spendiert, die er kaum mehr vergisst. Trotz der Thematik lockern die Charaktere immer wieder die Situation auf und man vergisst hier und da, um was es eigentlich geht. Dazu kommt der tolle Genremix, der bestens funktioniert, viel Abwechslung bietet und sich auch für kürzere Spielsesssions eignet. Abgerundet wird das Paket durch eine tolle Präsentation, die einfach nur schick aussieht und stimmungsvoll inszeniert wurde. Spiritfarer ist ein storylastiger Genre-Mix, den ihr euch auf jeden Fall einmal ansehen solltet, denn hier passt fast alles.

Wir bedanken uns bei SwordfishPR für die Bereitstellung des Testmusters.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version

Wertung:

9.0

Michael Prammer meint:

"Wunderschönes Spiel mit schwierigem Thema, das jedoch herausragend erzählt wird."
Spielerlebnis: Herausragend
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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