Test: Samurai Warriors 5

Von Michael Prammer am 04. August 2021

Das Musou der Sengoku-Zeit

Die Warriors-Reihe ist bei Nintendo-Fans in letzter Zeit wohl hauptsächlich durch das Crossover mit The Legend of Zelda in den Fokus getreten. Samurai Warriors 5 zeigt jetzt auf der Nintendo Switch, dass sich auch ein Trip abseits von Hyrule lohnen kann.

Geschichtlich gesehen, und das ist ein wichtiger Aspekt der Warriors-Reihe aus dem Hause Koei Tecmo, befinden wir uns im antiken Japan. Dabei setzt der Handlungsstrang bei der Anfangszeit, der sogenannten Sengoku-Zeit, welche als Schauplatz des Spiels dient, an. Zwei große Heeresführer, Mitsuhide Akechi und Nobunaga Oda stellen die Hauptfiguren des Abenteuers dar und werden euch während der etwa 15 bis 20 Stunden andauernden Hauptkampagne immer wieder über den Weg laufen. Zwar wird euch die japanische Geschichte fortlaufend näher gebracht und ist auch Hauptbestandteil des Storytellings, jedoch müsst ihr nicht zwingend Vorkenntnisse besitzen, da alles sauber erklärt wird. Die Geschichte zählt bereits zu einem ersten großen Pluspunkt, da sie nicht nur spannend und dynamisch erzählt wird, sondern auch jederzeit zum Weiterspielen motiviert.

Tolle Story, tolle Spielmechanik

Das Spielprinzip und die damit verbundene Spielmechanik dürften jedem Serien-Kenner sofort von der Hand gehen und erfinden das Rad auch nicht neu. Vielmehr wurden zu den bereits bekannten Formeln noch ein paar interessante Mechaniken hinzugefügt, welche das Gameplay noch ausgereifter erscheinen lassen. Ihr steuert eure Hauptfigur über das Schlachtfeld, säbelt alles nieder, was euch in den Weg kommt und erobert Zone um Zone, ehe ihr auf einen Gebietsboss trefft. Abseits dieser Hauptaufgaben gibt es immer wieder kleinere Bonusaufgaben, welche euren Protagonisten den Hauptpfad verlassen lässt. Das Kampfsystem ist dabei bekannt: Mit leichten und starken Angriffen kämpft ihr euch durch Horden von Gegnern, durch Kombinieren der Attacken vollführt ihr tolle neue Attacken, die besonders gegen starke Feinde hilfreich sind. Neu im Spiel sind die „ultimativen Fähigkeiten“, welche eurem Helden verschiedene Buffs oder Attacken verleihen. Diese können dann kurzerhand die Angriffswerte erhöhen oder die Verteidigung des Gegners brechen. Das Gameplay fühlt sich insgesamt sehr flott und dynamisch an und es macht trotz des einfachen Prinzips viel Spaß, sich durch die Massen zu kämpfen.

Wirklich gut gelungen sind die Umgebungen. Das liegt nicht nur an den unterschiedlichen Gestaltungen, welche sich die Entwickler haben einfallen lassen, sondern an den Möglichkeiten, die euch gegeben werden. Ihr könnt problemlos über Hindernisse, wie Zäune oder kleinere Klippen springen, die Areale sind abseits der Begrenzung herrlich offen und bieten viel Erkundungsmöglichkeiten und die Spielfelder wirken abwechslungsreich und vielfältig. Auch ein wichtiger Aspekt sind die kleineren Vorposten oder Barracken. Nimmt man diese ein, ziehen sich die Truppen zurück, anstatt dort zu verharren. Es wirkt alles relativ durchdacht und real, was auch das Erscheinen neuer Gegnermassen auf dem Spielfeld betrifft. Diese ploppen nicht einfach nur auf, sondern marschieren überlegt vom Rand aus in das Spielfeld ein.

Viel Umfang, schwächelnde Technik

Wichtig für einen Warriors-Titel ist der Wiederspielwert. Und der ist enorm. Die Kampagne mag nach spätestens 20 Stunden zwar beendet sein, alles gesehen hat der Spieler dann aber noch längst nicht. Dafür sorgen die vielen spielbaren Charaktere, von denen es mehr als 20 zu entdecken gibt. Dann ist da das Waffenschmiedesystem, welches viel Luft für Experimente lässt. Und dann wären da noch die Pferde, die nicht nur in der Kampagne eine wichtige Rolle spielen, sondern durch Training verbessert werden können. Wem das alles nicht reicht, auf den wartet im Hauptmenü der Zitadellenmodus, bei dem ihr eure eigene „Basis“ aufbauen und verteidigen müsst. Hier gibt es Ressourcen zu gewinnen, die im gesamten Spiel eingesetzt werden können.

War bislang viel Licht in Samurai Warriors 5, kommen wir jetzt zur Schattenseite, welche vor allem die technische Seite der von uns getesteten Nintendo-Switch-Version betrifft. Der zeichnerische Stil ist auch hier gelungen, die Hintergründe, die Umgebungen und die Charaktere sehen gut aus, aber das Spiel kann technisch einfach nicht Schritt halten und büßt immer wieder aufgrund der schwachen Hardware ein. Die ohnehin schon für ein solch dynamisch gehaltenes Abenteuer veranschlagten 30 Bilder pro Sekunde bleiben selten stabil, Bildrateneinbrüche stehen auf der Tagesordnung und aufpoppende Elemente mitten im Spielgeschehen sind leider auch keine Seltenheit. Leider merkt man Nintendos Hybridkonsole hier an, dass die Hardware schon im Jahr 2017 schwächlich war und etwas mehr Power nicht schlecht wäre, um auch solche Titel stemmen zu können. Immerhin ist der Titel toll vertont, bestens synchronisiert und musikalisch fein untermalt. Und bei aller Kritik auf technischer Seite: Spielbar ist der Titel auf jeden Fall.

Fazit:

Samurai Warriors 5 ist ein gelungener Genre-Vertreter, der das bereits bekannte Spielprinzip nicht nur intelligent fortführt, sondern auch geschickt erweitert. Dazu haben die Entwickler eine interessante Geschichte um das Paket geschürt, welche stets zum Weiterspielen animiert. Der große Umfang ergibt sich nicht unbedingt nur aus der Kampagne, sondern vor allem aus den vielen kleinen „Nebenbaustellen“ die das Spiel innerhalb der Story oder auch im Zitadellenmodus bereithält. Leider kann die von uns getestete Nintendo-Switch-Version nicht ganz so gut glänzen, wie es das Spiel verdient hätte. Die betagte Hardware macht dem flotten Spielgeschehen an manchen Stellen einen kleinen Strich durch die Rechnung und lässt hier und da Federn. Das alles soll dem Gesamteindruck aber keinen Abbruch tun, denn auch so ist Samurai Warriors 5 ein mehr als ordentliches Spiel. Wer unterwegs spielen möchte, für den ist die Nintendo-Switch-Variante durchaus eine Überlegung wert, alle anderen sollten, soweit möglich, auf ein anderes System zurückgreifen.

Von uns getestete Version: Nintendo Switch
Vielen Dank an Koei Tecmo für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

7.0

Michael Prammer meint:

"Toller Serienableger, der aber auf der Nintendo Switch technisch einige Federn lässt."
Spielerlebnis: Gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Durchschnittlich

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