Test: Eldest Souls

Von Michael Prammer am 29. Juli 2021

Ein Dark Souls in Pixel Optik - kann das Spaß machen? Eldest Souls beweist: Ja!

Das kleine Team Fallen Flag Studios hat es sich zur Aufgabe gemacht, einen Dark Souls-Klon zu entwickeln und diesen in eine simple Pixel-Optik zu verfrachten. Das Ergebnis ist Eldest Souls, ein durchaus ernst zu nehmender Vertreter der sogenannten Soulslike-Spiele, die für ihren hohen Schwierigkeitsgrad bekannt sind. In Eldest Souls werden Spieler jedoch nicht schon an den kleinsten und schier unbedeutendsten Gegnern scheitern, denn hier handelt es sich um ein Boss-Rush-Spiel. Will heißen, man bewegt sich durch unterschiedliche Areale und trifft ausschließlich auf Endgegner.

Die Rache der Götter

Dies geschieht in der Draufsicht und in einer ansehnlichen 16-Bit-Optik. Anders, als beispielsweise in Dark Souls, bietet uns Eldest Souls von Beginn an eine kohärente Story. Wir müssen uns also nicht kryptisch zusammenreimen worum es geht, sondern bekommen klipp und klar verraten, was vom Spieler verlangt wird und wieso wir uns auf die Reise durch die düstere Fantasy-Welt machen sollen: Nach Jahrhunderten der Knechtschaft rebellierten die Menschen gegen die alten Götter und sperrten diese Kolosse innerhalb der heiligen Mauern einer Zitadelle ein. Nun wollen die alten Götter Rache an der Menschheit verüben, da diese über ihre Verhältnisse gelebt haben und das Antlitz der Gottheiten nicht mehr zu würdigen scheinen. Das uralte Gefängnis dieser Götter, die Zitadelle, ist der Ausgangspunkt des Abenteuers, zu dem sich ein einsamer Krieger aufmacht, um die Götter zu vernichten.

Die Götter sind die Bosse im Spiel, und so ist unsere Aufgabe innerhalb der Zitadelle von Boss zu Boss zu eilen und diese auszulöschen. Das ist allerdings einfacher gesagt als getan, denn das Spiel ist selbst für ein Souls-Spiel bockschwer. Der Schwierigkeitsgrad ist gnadenlos. Schon der erste Boss konnte unseren Helden nach wenigen Minuten ausradieren. Eldest Souls erfordert viel Frustresistenz, das perfekte Beherrschen des eigenen Movesets und das Studieren der Bewegungsabläufe jedes Gegners, um letztlich den finalen Schlag des Großschwertes setzen konnte. Dafür bietet jeder Sieg jedoch ein wundervolles Gefühl der Genugtuung, auch das kennt man vom Genre. Zwischen den Bosskämpfen durchstreift man die abwechslungsreichen Areale, trifft immer wieder auf NPCs und stößt auf kleinere Notizen, welche die Geschichte weitererzählen und neue Erkenntnisse zur Spielwelt offenbaren. Kleinere Rätseleinlagen, wie simple Schalterrätsel, hält Eldest Souls für den Spieler ebenfalls parat, das Kernelement des Spiels bleibt jedoch das Erledigen der Bossgegner.

Dark Souls mit Pixel-Optik?

Auf den ersten Blick könnte man Eldest Souls "nur" für ein Indie-Dark-Souls in Pixel-Optik halten, und so ganz abwegig ist diese Beschreibung natürlich nicht, aber die Entwickler haben dem Spiel durchaus auch ihren eigenen Stempel aufgedrückt. Die Grundmechaniken sind natürlich gleich: dem Gegner ausweichen oder Attacken parieren, auf die Ausdauer achten und durch aufgeladenen Angriffe selbst möglichst viel Schaden anrichten. Jedoch kommen noch ein paar interessante Kiffe im Gameplay dazu, die das Spiel trotz des horrenden Schwierigkeitsgrades zu einem motivierenden Zeitvertreib machen. Unser Held ist zwar ausschließlich mit einem Großschwert unterwegs, – andere Waffen gibt es nicht – aber es gibt drei Talentbäume, die unterschiedliche Fähigkeiten vorweisen. Hat man zum Beispiel den ersten Boss besiegt und sich gerade eine mächtige Wirbelattacke angeeignet, stellt man unter Umständen beim nächsten Boss fest, dass diese nicht viel gegen den Widersacher ausrichtet. Glücklicherweise darf der Spieler jederzeit in seinem Talentbaum herumexperimentieren, um die beste Einstellung für den jeweiligen Endgegner für sich zu finden. Im Klartext heißt das, dass man seine hart verdienten Talentpunkte immer wieder neu anordnen darf, was die Dynamik enorm erhöht und Fehler bei der Charakterentwicklung schier unmöglich macht.

Über die Optik lässt sich streiten und die 16-Bit-Grafik ist mit Sicherheit nicht Jedermanns Sache, aber der Art-Style an sich ist über jeden Zweifel erhaben. Das Spiel läuft außerdem butterweich und als Spieler verliert man selbst in hektischen Gefechten nicht die eigene Ordnung. Will heißen: Eldest Souls macht technisch gesehen eine tolle Figur. Die musikalische Untermalung trägt zusätzlich zur gelungenen Atmosphäre des Spiels bei, wobei das Spiel audiovisuell relativ minimalistisch gehalten ist und natürlich nicht mit großen AAA-Produktionen mithalten kann. 

Auch die Langzeitmotivation kommt nicht zu kurz. Wer das Spiel durchgespielt hat, darf sich über einen Arena-Modus freuen, bei dem die Gegner ohne langes Suchen direkt auf dem Silbertablett präsentiert werden. Außerdem gibt es ein New Game+, bei dem der Schwierigkeitsgrad gefühlt nochmal eine ordentliche Portion ansteigt.

Fazit:

Eldest Souls ist ein kleiner Dark-Souls-Klon, der mehr kann, als nur vom „großen Bruder“ abzukupfern. Die Grundelemente scheinen ähnlich zu sein und das Spiel setzt auf einen knüppelharten Schwierigkeitsgrad, bei dem es hauptsächlich darum geht, die eigenen Fähigkeiten bestens zu beherrschen und den Gegner genaustens zu kennen. Allerdings schafft es das Abenteuer, das in einem charmanten 16-Bit-Look daherkommt, mit eigenen Ideen und Kniffen, dem Gameplay seinen persönlichen Stempel aufzudrücken, vor allem durch den Talentbaum, der immer wieder verändert werden muss, um die richtige Taktik gegen die jeweiligen Endgegner zu finden. Von der Aufmachung, der Story und dem Gesamtpaket sollte man auf keinen Fall ein zweites Dark Souls erwarten. Dafür ist das Spiel an vielen Stellen zu minimalistisch gehalten. Einen großartigen Genrevertreter, der lange unterhalten kann, haben wir hier auf jeden Fall trotzdem.

Von uns getestet: Nintendo-Switch-Version
Vielen Dank an United Label für die Bereitstellung des Testmusters.

Wertung:

8.5

Michael Prammer meint:

"Großartiger Vertreter der Soulslike-Spiele, der trotz Pixel-Optik mehr als einen Blick wert ist."
Spielerlebnis: Sehr gut
Umfang: Sehr gut
Technik: Sehr gut

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